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Forum: Übersicht > Haben Aberkennungen von Doktorgraden inzwischen Bagatellcharakter in der politischen Sphäre?
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Vermutlich hatten andere ähnliche Erwartungen: Nachdem KTG zurückgetreten war und sich die Plagiatsfunde in den Dissertationen von Politikern häuften, hatte ich auch mit einer Häufung von Mandatsaufgaben gerechnet. Immerhin war ja ebenfalls nur wenige Monate zuvor beim Fall Andreas Kasper dieser von seiner CDU aus einer sehr lukrativen Position gedrängt worden:

"'Bei uns hat der Begriff der 'Würdigkeit des Doktortitels' und damit auch der Verlust dieser akademischen Auszeichnung noch was zu sagen", sagte Dirk Becker, Bundestagsabgeordneter und SPD-Kreisvorsitzender, SPIEGEL ONLINE. Alle fünf politischen Parteien im Landesverband (CDU, SPD, FDP, Grüne und Freie Wähler) wollen nicht länger über den wiederholten Wissenschaftsbetrug hinwegsehen – sie haben das Vertrauen in ihren Vorsteher verloren, fordern seinen Rücktritt und einen Neuanfang. Daher streben sie 'gemeinsam eine Trennung an', wie es in einer Erklärung der Fraktionen heißt."

Aber irgendwas muss sich seither geändert haben: SKM, MCP und GC reagierten auf die Untersuchungen und Aberkennungen in Form und Stil unterschiedlich, aber alle mit einer gewissen Kaltschnäuzigkeit, wenn es darum ging, ihre gut dotierten Mandate zu verteidigen, die auch durch die bewusste Signalisierung akademischer Kompetenz und Seriosität erlangt worden waren. (Unabhängig, was dies in moralischer bzw. charakterlicher Hinsicht aussagen mag, ist dieser Egoismus durchaus nachvollziehbar: In wievielen bürgerlichen Berufen verdient man sonst schon in dieser Größenordnung?)

Und vermutlich werden auch BDS, JG und DV für die erwartbaren Entscheidungen der Universitäten bereits ähnliche Presseerklärungen vorbereitet haben, die routiniert verbale Zerknirschungsgesten und Begründungen für den Nichtrücktritt vereinen ("... respektiere die Entscheidung ... sehe mich selbst nicht als Plagiator ... geschah nicht vorsätzlich ... bedaure sehr ... werde mein Mandat auch weiterhin ausüben ... verlorenes Vertrauen bei den Wählerinnen und Wählern zurückzugewinnen ..." oder so ähnlich). Alles andere wäre mittlerweile eine Sensation.

Dass eine gewisse Schmerzfreiheit heutzutage zur mentalen Grundausstattung des politischen Personals gehört und eine Entziehung von Doktorgraden bei aller Peinlichkeit nicht mehr als der gesellschaftliche Ehrverlust gilt, der vor 100 Jahren noch zu manch dumpfem Knall im Arbeitszimmer geführt hätte ("Ehre verloren, alles verloren"), wurde mit den bisherigen Fällen ja recht deutlich.

Was aber wirklich erstaunt, ist das offensichtliche Desinteresse der mitbetroffenen Parteien an echten Konsequenzen. Wie kommt es, dass es der Südwest-CDU anders als ihren Parteifreunden in NRW beim Fall Kasper anscheinend egal war, ob ihr neuer Hinterbänkler MCP sein Landtagsmandat antritt oder nicht? Und wie steht es um das moralische Koordinatensytem einer Partei, der wissenschaftliche Integrität dermaßen gleichgültig zu sein scheint, dass sie sich weiter von Personen im Parlament repräsentieren lässt, die sich schon bei ihrer Verteidigung blamiert hatten wie GC ("Oxforder Zitierweise") oder pampig reagierten wie SKM, über deren Arbeit (bzw. "Arbeit") als EU-Parlamentarierin gestern ein recht aufschlussreicher "Panorama"-Beitrag zu sehen war?

Im März 2004 wurde ein FDP-"Liberales Manifest" veröffentlicht, in dessen Langfassung es unter anderen heißt:

"Es muss [...] vordringliche Aufgabe freidemokratischer Politik sein, einen liberalen Wertekodex der vom Verfall bedrohten bürgerlichen Tugenden – Anstand, Sittlichkeit, Ehrlichkeit, Pflichtgefühl, Großzügigkeit, Disziplin, Fleiß – aufrechtzuhalten, um den Vormarsch der Sünden – Wollust, Gewalt, Betrug, Lüge, Laster, Selbstsucht (das 11. Gebot 'du sollst dich nicht erwischen lassen') Einhalt zu gebieten." (S. 10)

Verfasserin des Manifests war übrigens die damals neuliberale und inzwischen auch bei VroniPlag gut bekannte MM. Für derlei Sätze ist vermutlich einst das Wort "Realsatire" erfunden worden – nur ob sich das in einem aufsteigende Ekelgefühl durch ein fröhliches Losprusten dauerhaft verdrängen lässt?

Woran also liegt diese Teilnahms- und Folgenlosigkeit:

  • Hatte die Häufung der Plagiatsfälle vielleicht eine inflationierende, also entwertende Wirkung? Hat das die Reiz-Reaktionsschwelle höhergesetzt?
  • Oder ist dadurch innerparteilich – vor allem bei der FDP – der Eindruck entstanden, dass wohl noch sehr viel mehr Abgeordnete und Funktionäre ähnliche Entdeckungen zu fürchten haben, so dass man eine unkontrollierbare Dynamik vermeiden will und daher auch parteiinterne Rücktrittsforderungen scheut (und darüber hinaus hofft, dass "die bei VroniPlag" schon noch irgendwann die Lust verlieren werden, jedenfalls bevor man selbst aufgeflogen ist)?
  • Oder gibt es andere Gründe?

Und was könnte die beste Antwort sein:

  • Resignation angesichts von so viel ignoranter Abgebrühtheit?
  • Oder nach dem Motto "jetzt erst recht" eine systematischere Überprüfung weiterer Arbeiten von FDP-Personal oder solchem der Südwest-CDU, bis die Zahl der Fälle und Betroffenen so groß geworden ist, dass einer echten Auseinandersetzung damit nicht länger ausgewichen werden kann?
  • Oder verstärkt die Suche nach Plagiaten in Arbeiten aus der SPD-/Grünen-/Linken-Ecke, einfach um zu sehen, ob man dort bei entsprechenden Nachweisen vielleicht eine andere politische Kultur antreffen würde? UB als kleines Juso-Licht war dafür ja kein echter Testfall.
  • Oder verstärkt eine Suche bei Führungskräften von DAX-Firmen zur Demonstration, welche Konsequenzen Plagiatsnachweise dort haben? (Wird ja sicher auch interessant sein zu sehen, wie sich der Fall AH praktisch auswirken wird – ob er nun KTG noch überholt oder gar das "maximum break" schafft oder nicht. Bei seiner Sozietät wird man ohnehin sicher superbegeistert sein über die Aufmerksamkeit.)

Sorry für den etwas länglichen Text, aber ich dachte mir, dass viele von denen, die in den letzten Monaten eine Menge von ihrer Freizeit in die bisherigen Dokumentationen gesteckt und eine wirklich großartige und wichtige Arbeit geleistet haben, sich wohl auch für deren Konsequenzen interessieren dürften: Wie erklärt ihr euch den bisherigen Umgang der Parteien mit den Plagiatsfällen und diese seltsame Folgenlosigkeit – und was ist in praktischer Hinsicht die beste Reaktion darauf? -- 217.184.105.102 15:35, 30. Sep. 2011 (UTC)

Pattex-Politiker

Danke für diesen durchdachten Beitrag!

Ich fürchte, viele deutsche Politiker kleben mit Pattex an ihren Stühle - mit gutem Grund, was sollen sie anders machen? Sie haben nie richtig gearbeitet, sondern sind gleich vom Studium (teilweise gefördert durch eine Stiftung) in die Politik geglitten.

  • Zur "Inflation" - die Wirkung ist jetzt zum Wintersemester in den Universitäten und Forschungseinrichtungen angekommen. zu Guttenberg war leicht abzutun, er war ja "nur" ein Karrierist. Durch die weitere Fälle, auf viele verschiedene Universitäten verteil, ist ein wenig Angst entstanden, der nächste zu sein. Auf einmal gibt es Seminare zum Thema, ich trage selber auf einige vor, es gibt auch wissenschaftliche Beschäftigungen mit VroniPlag. Super, so soll es sein! Ein VroniPlagger hat im Chat das auf dem Punkt gebracht:
    Universitas semper reformanda (die Hochschule bedarf der Erneuerung)
  • Warum FDPler meinen, einfach so weiter zu machen und gar nicht mal zu Ausschuß-Sitzungen zu gehen und dann auch noch nachfragende Journalisten Antworten zu verweigern, verstehe ich nicht. Dass MM an der Liberale Manifest mitgewirkt hat war mir entfallen. Wir haben jetzt ein neuer Name dafür: Kauderismus. Gesetze gelten nur für das Gesinde, nicht für die Politikerkaste. Ich glaube, wir brauchen ganz viele Taschenlampen und Besen, um in die dunkele Ecken zu schauen und auszukehren. Politik bedarf Transparenz - jetzt mehr denn je.
  • Wie soll der Reaktion auf die Reaktionslosigkeit sein? Steter Tropfen hohlt den Stein. 14 Tropfen sind schon gefallen, es werden mehr folgen. Jeder nun promotionsloser Politiker_in soll bei jeder Gelegenheit gefragt werden, warum sie nicht zurücktreten. E-Mails, Wahlkampfauftritte, Briefe, Tweets - alles was es gibt, immer wieder fragen. Bei der FDP ("fehlt drei Prozent") in Berlin ist ein Fallbeil bereits gefallen.

Länge ist kein Problem, es dauert oft länger, bis wir antworten! WiseWoman 20:21, 30. Sep. 2011 (UTC)

Was heißt hier "inzwischen"?

Für den Ehrbegriff in der Politik muß man eher weiter zurückgehen, und in die Winkel des Betriebs.

Natürlich wird in der Politik versucht, zu bagatellisieren, Macht, Einfluß und Geld zu erhalten. Reagiert wird hier nur auf öffentlichen Druck. Unsere "Qualitätspresse" kann man getrost (bis auf ein paar exzellente Ausrutscher) abschreiben, was das Thema angeht. Man interessiert sich eher für das spannende Thema "Der Plagiatsjäger am Küchentisch oder auf dem Golfplatz" und/oder schiebt die Aktiven in die Denunzianten- und Querulantenecke, statt die richtigen Fragen an den Politik- und Wissenschaftsbetrieb zu richten.

An Guttenbergs Demission war wesentlich der Aufstand der Wissenschaftsgemeinde beteiligt. Dieser Öffentlichkeitsdruck fehlt völlig. Nach KTs immerhin noch konsequentem Abschied scheint das wissenschaftliche Interesse genauso wie das allgemein öffentliche Interesse am Thema inzwischen versandet zu sein. Das sagt unser Mitarbeiterstand hier jedenfalls aus. Wo sind sie alle, die Besorgten um den Wissenschaftsstandort?

Die Frage sollte also besser lauten: ist das Plagiat in akademischen Kreisen (inzwischen) eine Bagatelldelikt?

Plaqueiator 02:26, 1. Okt. 2011 (UTC)

Was für eine verkürzte Sicht auf die Presse und die Universitäten. Was ist denn Deine Erwartungshaltung? Dass jeden Tag auf den Titelseiten aller überregionalen Tageszeitungen zu lesen ist: "Skandal: Chatzimarkakis bei 72,79% immer noch im Amt. Ein tagesaktualler Bericht von der Plagfront". Auf Seite 2 geht es dann weiter mit aktuellem Barcode und einer differenzierten Analyse der neuesten Fundstellen in Chatzimarkakis Diss auf VroniPlag. Natürlich interessiert sich die Öffentlichkeit auch für die Leute hinter VroniPlag. Ihr interessiert Euch ja auch für die Politiker hinter der Diss. Insgesamt ein eher befremdlicher Kommentar. Da mag Berufsblindheit im Spiel sein. 80.152.157.132 09:08, 1. Okt. 2011 (UTC)
Ich glaube, Du missverstehst Plaqueiator da ein wenig. Ich verstehe ihn nicht so, dass er gerne tägliche Wasserstandsmeldungen zur detaillierten Plagiatsdokumentation in der Presse sehen würde, sondern eher (und da schließe ich mich dann an), dass die Presse auch das Phänomen Plagiat analytisch beleuchten sollte: Was ist ein Plagiat, was richtet es an? Was bedeutet es, wenn ein Politiker plagiiert? Ist das ein Bagatelldelikt, oder nicht? Warum merken die Betreuer nicht, wenn jemand dreist plagiiert? Welche Komponenten am Universitätssystem laden zum plagiieren ein? Etc. etc. Wenn all die Themen behandelt sind, dann bitte auch gerne: Wer ist Vroniplag? Was motiviert die "Plagiatsjäger"? Was ist von Anonymität bzw. Pseudonymität zu halten? etc. Meiner Ansicht nach, ist die Qualitätspresse da sehr häufig an der richtigen Balance gescheitert und hat dem Leser nicht wirklich die Informationen zur Verfügung gestellt, die er gebraucht hätte um sich ein umfassendes eigenes Bild zu machen. --Hindemith 09:35, 1. Okt. 2011 (UTC)
Vielleicht liegt es ja an meiner ungeschickten Art des Ausdrucks, 80.152.157.132. Jedenfalls hilft sorgfältiges Lesen eines Beitrags und Mitdenken öfter. Deine Spekulationen über meine Wünsche, Vor- und Einstellungen seien mal dahin gestellt. Was ich konstatiere ist: die Politiker halten sich mit allen Mitteln an der Macht. Das ist erwartbar und von meinem zynischen Standpunkt her nicht mal mehr enttäuschend. Die Presse zog das Thema mehrheitlich durch die Fixierung auf "selbsternannte Plagiatsjäger" ins Boulevard. Das halte ich keineswegs für "natürlich". Es war bereits für meinen alten Deutschlehrer ein klarer Fall von "Thema verfehlt", sich um den Autoren eines Textes zu drehen, statt sich mit der Analyse seines Textes zu beschäftigen. Aber auch diese Entwicklung ist bei dem defizitären Zustand unserer Presselandschaft hinsichtlich des investigativen Selbstverständnisses inzwischen erwartbar. Man konnte Journalisten großer Blätter hier nicht mal zum Jagen tragen. Das war lehrreich und eine sehr interessante Erfahrung...
Was ich allerdings nicht so erwartet habe: es scheint neben einer oberflächlichen Empörung unter den Akademikern (auch die Nichtakademiker sind eingeladen) keinen ausreichenden Impuls zu geben, der den ein oder anderen hier her treibt, um mitzumachen und den Augiasstall auszumisten. Bei über 8 Millionen Akademikern ist ein knappes Dutzend "Fragmentierer" einfach nur enttäuschend wenig. Festgemacht an diesem Mißverhältnis, ist die Bedeutung des Themas für das Wissenschaftsbetrieb: null. Plaqueiator 04:16, 2. Okt. 2011 (UTC)
Ich finde das weiterhin sehr pauschal geurteilt. Ich habe in den zurückliegenden Monaten eine Reihe von gut recherchierten, thematisch orientierten Artikeln über die Arbeit des Wikis in "der Presse" gelesen. Dass es auch Artikel über die Motivationen der hier agierenden Personen gibt, finde ich persönlich nicht verwunderlich. Fakten stehen nicht einfach im Raum und müssen nur interpretiert werden. Fakten haben eine Entstehungsgeschichte. Die Dokumentation von Fakten im Kontext dieses Wikis ist das Ergebnis eines selektiven sozialen Prozesses. Diesen ebenfalls verstehen zu wollen, ist ein legitimes Interesse von Journalisten.
Was erwartest Du konkret vom "Wissenschaftsbetrieb"? Das kommt ebenso pauschal daher. Gerade in Deutschland gibt es nicht "den monolithischen Wissenschaftsbetrieb", der als Subjekt handlungsfähig ist. Man kann sich eigentlich nur die Reaktion einzelner Universitäten/Fakultäten auf die jeweiligen Vorwürfe anschauen. Gibt es an denen etwas auszusetzen? 80.152.157.132 09:26, 2. Okt. 2011 (UTC)
Die Journalisten die wirklich verstehen wollen in Ehren, ich bezweifle das es viele sind. Wann immer ich eine journalistische Bearbeitung eines Themas sehe, von dem ich wirklich Ahnung habe, finde ich von kleineren Ungenauigkeiten/Fehlern in der Darstellung bis hin zur puren Desinformation alles. Ein schönes Beispiel für die übliche Verhaltensweise der Medien war Wikileaks. Ein wahre Fundgrube. Was haben sie daraus gemacht: Als erstes wurde der Botschafter-Gossip abgearbeitet, dann kamen ein paar Meldungen über Zuträger und ein bischen Korruption. Dann ging es nur noch um die handelnden Personen, und deren schlüpfrigen Privatkram. Nach wenigen Tagen schon wurde nicht mehr über Inhalte berichtet. Da ging es nicht um "verstehen wollen" sondern nur noch um Auflage mittels Boulevardthemen. Ähnlich hier: Nach Guttenberg war die alles beherrschende Frage "Wer steckt hinter den Wikis" und "Was haben diese Leute sonst noch für Hobbies".
Ansonsten glaube ich: Auch Guttenberg wäre heute noch im Amt wenn ihn grosse Teile der Medien vorher nicht so hochgejubelt hätten. Die Demontage passte einfach zu perfekt in den Boulevard-Schweinezyklus, das hat sich keiner entgehen lassen (abgesehen vom Blatt mit der politischen Agenda). "Demontage" ist vielleicht zu stark ausgedrückt, es reichte einfach nur intensiv zu berichten, der Rest lief dann in bekannter Weise ab. Die anderen Nasen sind für die Medien im Moment uninteressant, gibt es doch aktuell zugkräftigere Themen.
Ein Redakteur hat mir seine Arbeit mal sinngemäss so Beschrieben:
Die meisten glauben wir würden rausgehen und recherchieren. So läuft das nicht, die Leute kommen zu uns. Wer was will meldet sich, dann macht man ein paar Anrufe und hat seine Story zusammen.
Mit anderen Worten: Die leben von Whistleblowing, Durchstecherei und Denunziation. Um so erstaunlicher die Forderung einiger prominenter Journalisten die Akteure hinter den PlagWikis sollen sich zu erkennen geben. Die Eifersucht und Angst vor dem Netz war förmlich spürbar: Scheiss auf den Quellenschutz, es ist nicht unsere Quelle, wir kontrollieren sie nicht. 88.77.208.145 11:09, 2. Okt. 2011 (UTC)
"Nach KTs immerhin noch konsequentem Abschied scheint das wissenschaftliche Interesse genauso wie das allgemein öffentliche Interesse am Thema inzwischen versandet zu sein. Das sagt unser Mitarbeiterstand hier jedenfalls aus. Wo sind sie alle, die Besorgten um den Wissenschaftsstandort?" - Hier haben bestimmt mehrere mal reingeschaut, aber die Arbeitsweise im Wiki und das Verhalten sowie die Umgangsformen mancher hier liegen mit Sicherheit nicht jedem. Auch werden viele einfach nicht genügend freie Zeit für Mitarbeit hier haben. Cassiopeia30 11:15, 2. Okt. 2011 (UTC)
Bei mir ist es Zeitmangel (Selbständig, aber nicht bereit Aufträge sausen zu lassen wie GG), wahrscheinlich würde ich auch die Umgangsformen nicht gerade heben, know your limits ;-). 88.77.208.145 11:56, 2. Okt. 2011 (UTC)

Motivation von Politikern

Vielen Dank für das Mm Zitat, das ist sehr lustig und war mir neu ... auch der Rest des Kommentars ist ein Genuss zu lesen.

Ich glaube, die meisten Berufspolitiker entscheiden fast immer so, dass sie ihre kurzfristigen Zustimmungswerte optimieren (oder glauben, es zu tun). Ein Rösler kann eigentlich nur sehr wenig gewinnen, wenn er jetzt versucht, relativ unbekannte FDP Politiker konfrontativ aus ihrem Mandat zu entfernen und dadurch medial ein Thema in den Vordergrund rückt, bei dem die FDP nichts gewinnen kann. Die Lage wäre nur dann anders, wenn es ihm noch mehr schaden würde nichts zu sagen -- davon sind wir aber sehr weit entfernt meiner Ansicht nach.

Aus meiner Sicht ist aber der Sinn der Arbeit hier nicht so sehr der Rücktritt plagiierender Politiker (auch wenn ich Rücktritte persönlich sehr begrüßen würde), sondern eher ein Umdenken auf Seiten der Universitäten und Doktoreltern -- und diese glaube ich bewegen sich langsam und werden in der Tat mit jedem weiteren dokumentierten Plagiatsfall zusätzlich "angeschoben"

Hindemith 08:52, 1. Okt. 2011 (UTC)

Wie immer, wenn ich eine Deiner Meinungsäußerungen lese, Hindemith, denke ich auch diesmal wieder: Chapeau! Zu schade, dass ich zur Zeit so gar nicht mehr zur Zusammenarbeit mit Dir komme. :)
Nur eines möchte ich ergänzen, wenn ich darf, für die jüngeren Leser unserer Zeilen. Es ist heute, im Zeitalter von Koch-Mehrin und Chatzimarkakis kaum mehr vorstellbar - aber die FDP war mal eine durchaus ehrenwerte, ernst zu nehmende politische Kraft! Ehrlich! Das ist freilich lange her. Der erste Bundespräsident, Theodor Heuss, war FDP-Mann und dabei einer der integersten Politiker, die Deutschland jemals hatte. Auch Walter Scheel ("Hoch auf dem gel-ben Wa-ha-gen!") und, allerdings schon mit Abstrichen, Hans-Dietrich Genscher kamen aus der gelben Ecke und waren doch integer. Ich glaube, keiner dieser drei FDP-Herren hätte eine faule Abschlussarbeit abgegeben. Oder zigtausend Euro für ein kaum wahrgenommenes Europamandat eingesteckt. Nicht weil ein Gesetz das verbietet (oder auch nicht). Sondern weil man mit einem Funken Anstand im Leibe so etwas einfach nicht tut.
Man fragt sich, wie die FDP auf diesen entsetzlichen Weg von Heuss zu Rösler geraten konnte.
Eventuell findet man ja solchermaßen auch die Antwort auf die Frage, wie unsere Universitäten auf den Weg zu Bestnoten für Dünnbrettbohrer geraten konnten. Wer weiß. HgR 08:23, 3. Okt. 2011 (UTC)

Bis zur nächste Europa und Bundestagswahl müssen wir wohl warten. Dann bin ich mal gespannt, ob diese Persönlichkeiten dann immer noch auf den Spitzenplätzen einer Fehlt-Drei-Prozent-Partei kandidieren dürfen und ggf wiedergewählt werden.;-)

Ich stell schon mal den Champagner kalt. Vielleicht habe ich was als Kontraliberaler zu feiern.

Fehlt-Drei-Prozent-Partei finde ich gut. Es wird doch auch in der FDP (Parlamentarier wie auch Partei-Mitglieder) genügend Promovierte geben, die sich ihren Titel nicht zusammenkopiert haben und zu Recht diesen tragen. Warum treten die dem Rösler nicht mal in trauter Runde dezent auf die Zehen und "erklären" ihm den Handlungsbedarf zu diesem Thema. Es braucht doch keiner zu glauben, daß eine Partei nicht ausreichend Mittel und Wege hat um einen "aus dem Ruder zu laufenden" Abgeordneten, entweder "auf Linie" zu bringen oder kaltzustellen.
Wie titelte ein Online-Kommentator zu den neuesten (Nicht-)Aktivitäten von SKM im Europa-Parlament: Mit Silvana ins Nirvana....
Aus wievielen Landesparlamenten müssen die eigentlich noch rausfliegen, bis sie ihr Grundproblem "Mangelnde Ehrlichkeit, Ignoranz... (ließe sich noch beliebig fortsetzen)" erkennen?
85.216.22.117 23:56, 1. Okt. 2011 (UTC)


Mir scheint es ist einfach: Es brauchts schon dazu eine gewisse Mentalität, eine Dickfelligkeit, eine Kaltschnäuzigkeit, wie da manche Politiker/innen nach ihrem Verlust des Doktortitels sich verhalten. Und ein solches Verhalten lernt man nicht innerhalb kurzer Zeit. Da muss man schon Jahre vorher daran arbeiten.Der Lebensentwurf dieser Figuren ist halt so angelegt. Solche Figuren sind vermutlich für die ehrlichen Menschen in unserer Gesellschaft verloren. Da würde auch keine Therapie mehr helfen; oder etwa solchen Figuren Nachhilfe geben zu wollen, um etwa die Begriffe Ethik, Moral, Gewissen, Anstand mal richtig zu verstehen. Um es mal trivial zu formulieren: Wenn erstmal der Ruf ruiniert ist, lebt es sich ganz ungeniert. So ist halt die Welt. Da kann man nichts machen.

Meles 01:30, 2. Okt. 2011 (UTC)

Es muss nicht schon der Lebensentwurf sein, eine Politkarriere kann einen auch heftigst verbiegen. Viele gehen durchaus aus Idealismus in die Politik, nach vielen Jahren Parteiarbeit und den damit verbundenen "Sachzwängen" und "innerparteilicher Willensbildung" ist dann von dem hehren Anspruch nicht mehr viel übrig. Bei einem Verwandten hab ich mal hautnah miterleben dürfen wie das so abläuft. Seit dem mach ich mir keine Illusionen mehr über den Politikbetrieb. Das was man so als Otto Normal zwischenparteilich mitbekommt ist ein Witz gegen das was innerhalb der Parteien abläuft. Wer da nicht zum Arschloch wird erreicht oft auch nicht viel. Ab einer gewissen Ebene sind dann viele Figuren austauschbar, sie könnten in jeder beliebigen Partei sein. Wenn man etwas interessiert ist und genau hinsieht braucht man aber auch kein Insiderwissen. Daher kann ich auch die feste Parteibindung vieler Leute nicht nachvollziehen, bei manchen scheint es eher so eine Art Anhängerschaft wie für einen Fussballverein zu sein. Siehe einige der Guttenbergfans auf den einschlägigen Facebookseiten. Totaler Realitätsverlust, über Monate anhaltend. Einige glauben immer noch das irgendwann eine Verschwörung aufgedeckt wird und sich Guttenberg als unschuldig harausstellt. Diese Leute sind dann auch glühende Anhänger der CDU/CSU. Gibts aber natürlich bei anderen Parteien genauso. 88.77.208.145 12:21, 2. Okt. 2011 (UTC)

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Was Guttenberg betrifft, so ist dieser ja ein ganzes Stück nach oben statt nach unten gefallen.

Den Posten, den er jetzt in den USA begleitet ist ja viel höher angesiedelt, als er je in Deutschland werden konnte. Und er ist nicht unschuldig, aber wie er hier abgesebelt wurde das war gesteuert.

Aber das Schönste dran ist doch wiedereinmal, wie FL faktisch exemplarisch vorgeführt und benutzt wurde um dies zu bewerkstelligen. Eine Aktion wie aus dem Lehrbuch.

Denn es war ja schon ein Jahr vorher bekannt, dass die Arbeit von KTzG Plagiate enthält und schlampig ist, nur da war der Zeitpunkt noch nicht reif dafür.

Also ich finds Klasse und mittlerweile nimmt außer ein paar Lehramts tätigen und ein paar Bettelstudenten das Ganze eh nicht mehr für voll.

Und was die politische Seite des Ganzen betrifft , zeigt und bewahrheitet sich der Spruch:

"Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten,Sozialdemokraten." 80.187.106.69 18:16, 3. Okt. 2011 (UTC)

Welch aufschlußreiche freudsche Fehlschreibung: "Posten, den er jetzt in den USA begleitet". Ja, da soll er mal schön seinen Posten in den USA begleiten. In seiner Diss hatte er ja auch bereits, wenn auch wenig erfolgreich, ein paar Begleiter. 80.152.157.132 09:30, 4. Okt. 2011 (UTC)

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So ein Quatsch!

PlagiatorWatch 21:47, 3. Okt. 2011 (UTC)

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Hier noch was über SKM:

http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2011/kochmehrin137.html

Schätze, dass wir bis 2014 warten müssen....:-(

Misc

3. Oktober 2011, 18:19, NZZ Online Vizerektor der Uni Freiburg nimmt den Hut Freiburger Professor zieht Konsequenzen nach Plagiatsvorwurf http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/schweiz/vizerektor_der_uni_freiburg_nimmt_den_hut_1.12800380.html

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