Der erweiterte Pressespiegel soll dazu dienen, Pressemeldungen, die zum Themenkomplex Plagiarismus gehören und keinen direkten Bezug zu VroniPlag haben, zu sammeln. Jeder ist eingeladen, hier Artikel, die er für interessant oder relevant hält, aufzulisten. Die letztendliche Entscheidung, ob ein Artikel im erweiterten Pressespiegel verbleibt, behalte ich mir vor.

Archiv

8. Juni 2021

  • BR24: Erneuter Plagiatsverdacht gegen Soziologin Cornelia Koppetsch (Marie Schoeß, Knud Cordsen) "2020 hat die Soziologin Cornelia Koppetsch das Buch 'Rechtspopulismus als Protest' veröffentlicht. Mängel im wissenschaftlichen Arbeiten sollten in dieser Ausgabe behoben sein. Jetzt gibt es erneut Plagiatsvorwürfe – umfangreicher als bisher bekannt. Anfang Juni erreichte die Kultur-Redaktion des Bayerischen Rundfunks eine E-Mail anonymer Absender, unterschrieben vom 'Team für gute wissenschaftliche Praxis'. [...] Die dem Bayerischen Rundfunk zugespielte Stellensammlung legt nun ein noch größeres Ausmaß nahe: Sie umfasst insgesamt rund 20 Fundstellen mit wörtlichen oder überwiegend wörtlichen Übernahmen ohne ausreichende Quellennennung. Weitere Stellen im zweistelligen Bereich sind mit anderen, diffizileren Fragen wissenschaftlichen Arbeitens verbunden, die einer wissenschaftlichen Prüfung bedürfen: Begriffsarbeit, inhaltliche, nicht aber wörtliche Übernahmen von fremden Gedanken ohne klare Kennzeichnung sowie der Verweis auf vorherige Bücher der Autorin Cornelia Koppetsch, die von den Verlagen aufgrund von Plagiatsvorwürfen bereits vom Markt genommen wurden."

7. Mai 2021

  • KathPress: Heiligenkreuz: Konflikt um Kirchenhistoriker Schachenmayr (KAP) "Im Blick auf den Einsatz von Schachenmayr für eine Plagiatsprüfung schreibt Chavanne, dass es konkret um Differenzen bezüglich eines von Schachenmayr erhobenen Plagiats-Vorwurfs gegenüber der Dissertation von Bischof Stephen Robson von Dunkeld/Schottland ging. Man habe unterschiedliche Auffassungen vertreten, 'vor allem, nachdem eine unabhängige Kommission die wissenschaftlichen Standards der Dissertation überprüft hatte, Pater Alkuin aber seine Vorwürfe gegen die Arbeit von Bischof Robson aufrecht erhielt.'"

17. März 2021

  • DIE FURCHE: Plagiat: Das Wissen der anderen (Stefan T. Hopmann) "Ein Plagiat ist nicht nur wissenschaftlicher Betrug, sondern auch Selbstbetrug – eine Lebenslüge, die Diebe geistigen Eigentums jahrzehntelang begleitet. Anekdotensammlung aus dem akademischen Alltag. [...] Schätzungen zur Prävalenz bewegen sich je nach untersuchtem Bereich zwischen einstelligen und mittleren zweistelligen Prozentanteilen. Ich selbst habe in mehr als dreißig Jahren kaum ein Semester ohne Fall erlebt. [...] Plagiate sind wie andere akademische Hochstapelei (frisierte Daten, fingierte Quellen, erfundene Evidenz) Kollateralschäden einer meritokratischen Gesellschaft, die den versprochenen Aufstieg durch Bildung an formale Graduierungen bindet. [...] Dass Plagiat nicht immer sofort aufgedeckt wird, bedeutet noch nicht, dass es erfolgreich ist. Man bleibt ein Leben lang gefährdet, wenn nicht gar erpressbar. [...] Hilfreich wäre auch, wenn Plagiat nicht als Kavaliersdelikt oder lässliche Sünde behandelt würde, die mit einem Verwaltungsakt hinter verschlossenen Türen ad acta gelegt werden kann. Österreichische Hochschulen haben international einen schlechten Ruf, was das betrifft."

21. Februar 2021

  • SZ.de: Wie Söder aus der Reserve kam (Heribert Prantl) "[Guttenbergs Doktorvater Peter] Häberle stellte sich immer wieder die Frage: 'Hätte ich 'es' merken müssen?' Er weiß und wusste, dass er es hätte merken müssen. Was haben die Universitäten gelernt aus der Guttenberg-Affäre? Nicht so viel. Die Universität Bayreuth hatte eigentlich gezeigt, wie man auf Plagiats-Vorwürfe gut und schnell reagiert. [...] Die Universitäten von Düsseldorf und die Freie Universität Berlin hätten sich im Fall der Doktorarbeiten von Annette Schavan und von Franziska Giffey am zupackend-sorgfältigen Bayreuther Vorbild orientieren können. Das hat man nicht getan. Die deutsche Titelsucht ist im übrigen von den Fällen Guttenberg & Co nicht weiter tangiert worden. Und die Universitäten haben den notwendigen Schwenk hin zum Prinzip 'Klasse statt Masse' bei den Promotionen noch immer nicht hingekriegt."

18. Februar 2021

  • SRF: Plagiatsvorwürfe: Kritik am Vorgehen der ETH Zürich (Christof Schneider) "Zwei ETH-Professoren haben mehrfach Quellenangaben in Publikationen unterlassen. Nicht so schlimm findet die ETH Zürich. Mehrere Professoren aus dem Ausland sehen das anders. Für sie ist klar: Es handelt sich um Plagiate."

16. Februar 2021

  • Die Presse: Neues Unigesetz: Keine Verjährungsfrist bei Plagiaten und nur 16 ECTS Mindeststudienleistung (Julia Wenzel) "Durch 'externe Umstände' habe die Frage der Plagiate 'besondere Popularität', sagte Faßmann, der dabei explizit auf die Plagiatsvorwürfe gegen Ex-Ministerin Christine Aschbacher einging. In 'enger Abstimmung' mit Plagiatsjäger Stefan Weber würde man zunächst eine Studie in Auftrag geben, die einen empirischen Überblick geben soll, welche Probleme es an den Hochschulen gibt. Fest steht, dass die angedachte 30-jährige Verjährungsfrist von Plagiaten fällt. [...] Solange die Plagiatsüberprüfung 'uneinheitlich' sei, mache jedoch eine verpflichtende Plagiatssoftware keinen Sinn. 'Wir haben keine Evidenzen, wie das mit den Plagiaten genau läuft', sagte Blimlinger. 'Zum Teil ist das auch eine Frage der institutionellen Kultur', sagte Faßmann. 'Und nicht immer durch normative Bestimmungen zu lösen.'"
  • Wiener Zeitung: Universitätsgesetz-Novelle mit gezogenen Giftzähnen (Martina Madner) "Die 'gute wissenschaftliche Praxis' wird nun rechtlich verbindlich verankert. Dazu kommen schärfere Plagiatsregelungen. Neben der Aberkennung des akademischen Grades drohen auch Verwaltungsstrafen von bis zu 15.000 Euro. Anders als bisher [geplant] gibt es keine Verjährung nach 30 Jahren mehr. Auch wenn über diesen Passus als 'Lex Aschbacher' medial berichtet wurde, hätte er die Ministerin außer Dienst selbst bei nachgewiesenem Plagiat nicht betroffen. Denn das UG gilt nur für Unis und pädagogische Hochschulen, nicht aber Fachhochschulen, da die Rechtsträger dort private sind und nicht die öffentliche Hand."
  • Allgemeine Zeitung (Mainz, S. 22): Rätsel um den Doktortitel. Ex-Awo-Chef Jürgen Richter gibt nur vage Auskünfte zu seiner Promotion (Birgit Emnet) "Er hatte den 'Doktor' in der beruflichen E-Mail-Adresse und unterschrieb auch gerne mit seinem akademischen Titel. [...] Woher also kommt der plötzliche Doktortitel im Jahr 1993, just, als Richter, nachdem er zwei Jahre als Awo-Heimleiter in Mörfelden-Walldorf gearbeitet hatte, Geschäftsführer der Awo Frankfurt wurde? Die Antwort von Richters Anwalt Bernhard Lorenz auf eine entsprechende Anfrage klingt nebulös: 'Mein Mandant ist Anfang der 90er an einer Hochschule außerhalb Deutschlands promoviert worden. [...]' Weitere Fragen nach dem Titel der Arbeit oder dem Hochschulort werden mit folgender Begründung zunächst abgewehrt: 'Eine öffentliche Suche nach möglichen Fehlern der Dissertation - wie bei Personen öffentlichen Lebens - muss mein Mandant nicht erleichtern.' [...] Welche Behörden darüber hinaus bei der Titelanerkennung involviert waren, wolle man aus Angst vor Plagiatsjägern nicht mitteilen, schreibt Lorenz: 'Ich bitte um Verständnis, dass nicht ermöglicht werden soll, dass die zuständige Behörde von Journalisten in Versuchung geführt, eventuell noch vorhandene Dokumente, zu ihnen könnte die Dissertation gehören, herauszugeben mit der Folge, dass zum Beispiel nach Plagiaten gesucht wird.'"

10. Februar 2021

  • Frankfurter Allgemeine Zeitung (S. 12): Fehlerhafte Korrektur. Neuer Plagiatsfund bei Soziologin Koppetsch (Jochen Zenthöfer) "Vor wenigen Wochen erschien nun der Sammelband 'Rechtspopulismus als Protest. Die gefährdete Mitte in der globalen Moderne' im Hamburger VSA Verlag. [...] Der Sammelband enthält mindestens neun nicht oder unzulänglich gekennzeichnete Übernahmen aus sechs unterschiedlichen Quellen. [...] Koppetsch verweist auf die Originalität ihrer Überlegungen. Sie nehme Bedenken ernst, könne sich allerdings den Bewertungen der kritisierten Passagen als 'Plagiat' nicht anschließen. Dagegen meint der Berliner Jurist und Plagiatsforscher Gerhard Dannemann nach Vorlage der Übernahmen, dass hier Verstöße gegen die gute wissenschaftliche Praxis vorliegen. Für ihn sind die nun zweitveröffentlichten Aufsätze ein Beispiel dafür, wie sinnlos der Versuch sei, im Nachhinein eine 'saubere Fassung' von plagiatsbehafteten Texten zu erstellen."

29. Januar 2021

  • Kronen Zeitung (Wien): Titel zurückgelegt: Plagiatsaffäre um Villacher Nationalrat Weidinger (Fritz Kimeswenger) "Der Wahlkampf hat seine erste Affäre und sie betrifft den Villacher VP-Nationalrat, Gemeinderat und Ausschussvorsitzenden - also Dreifachverdiener - Peter Weidinger. [...]
    Plagiatsjäger Stefan Weber hat die Diplomarbeit mit dem Titel 'Die Kanadische Kompetenzverteilung und ihre mögliche Bedeutung für die föderalistische Debatte innerhalb der EU' (Uni Graz, 2003) analysiert. Webers vernichtendes Gutachten - den Auftraggeber will der Wissenschaftler nicht nennen - liegt der 'Krone' vor.
    30 abgekupferte Passagen in Diplomarbeit
    Nicht weniger als 30 sogenannte Textfragmente, die als Plagiate gewertet werden können, findet Weber in Weidingers Diplomarbeit. [...]
    Plagiatsjäger mit Vorwürfen gegen VPler
    Weber: 'Weidinger hat in seiner Diplomarbeit wiederholt geschickte Täuschung betrieben. Er hat deutschsprachige Quellen wörtlich übernommen, aber diese mit englischsprachigen Internetquellen belegt. Das machte den Nachweis damals auch für die Uni sehr schwierig.'"

20. Januar 2021

  • Vorarlberger Nachrichten (S. A9): Die Qualität im Abgang [€] (Moritz Moser) "Wie viel Schonung verdient eine Arbeitsministerin, die während der größten Beschäftigungskrise seit dem Zweiten Weltkrieg eine vor Plagiaten und Schwurbelsätzen nur so strotzende Dissertation in der Slowakei einreicht und, nachdem sie erwischt wird, kein Wort der Reue über die Lippen bringt, sondern die Verantwortung auf Universität und Professorenschaft umverteilt, um im letzten Moment auch noch den Schutz ihrer Familie als Rücktrittsgrund vorzuschieben?"
  • Wiener Zeitung (S. 2): Plagiat und Kauderwelsch (Hans Pechar) "Die bekannt gewordenen Plagiate sind ja nur die Spitze eines riesigen Eisbergs. [...] Das Mitleid mit fälschenden Promis, die im Fokus der Plagiatsjäger stehen, hält sich in Grenzen, aber nicht nur sie gefährden die Integrität des akademischen Systems. [...] Eine Patentlösung ist nicht in Sicht. Mit einem flächendeckenden Einsatz von Plagiatssoftware wird man zumindest plumpen Fälschungen auf die Spur kommen. [...] Das ernsteste Problem ist freilich die schludrige Qualität. [...] Die Nachlässigkeit einzelner Hochschullehrer ist eine Sache, die systematischen Probleme sind eine andere. Die akademische Welt hat noch keinen Weg gefunden, die Qualitätssicherung ihrer Ausbildung an die veränderten Rahmenbedingungen eines expandierenden Massenhochschulsystems anzupassen. Provokant formuliert: Es wird zu viel geschrieben."
  • Die Presse (Wien, S. 27): Was läuft da eigentlich schief? [€]) (Peter Hilpold) "Welcher Stellenwert ist akademischen Titeln beizumessen? Dank Aschbacher wurde eine überfällige Diskussion dazu angestoßen. [...] Entscheidend ist, welche Relevanz akademischen Titeln auf dem Arbeitsmarkt zukommt. [...] Und das ist der entscheidende Punkte: Die Zuverlässigkeit dieser Signale muss garantiert bleiben, ihre Entwertung etwa durch Plagiate oder Verstöße gegen die gute wissenschaftliche Praxis verhindert werden. Es geht hier somit nicht allein um eine moralisch-ethische Frage [...], sondern um eine wichtige volkswirtschaftliche Herausforderung. [...] Wenn Frau Aschbacher bekundet, sie hätte 'nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt', dann ist der Befund für die akademische Welt in Österreich besonders schlimm, wenn ihr geglaubt werden muss – und davon geht der Unterfertigte aus. Denn dann ist zu prüfen, wie eine solche Mentalität entstehen konnte und was der Beitrag der akademischen Welt dazu war. Selbst bei aufgedeckten Verstößen gegen die gute wissenschaftliche Praxis herrscht in Österreich Ratlosigkeit über die Folgen."

19. Januar 2021

  • Die Presse (Wien, S. 23): Wer ist eigentlich verantwortlich für Aschbachers Dr. Bratislava? [€] (Andrea Schurian) "Tatsächlich stellt sich die Frage nach akademischer Verantwortung auch bei Aschbachers Dr. Bratislava. Wer hat ihren 'Entwurf eines Führungsstils für innovative Unternehmen' gelesen, approbiert und mit einem Sehr gut belohnt? Sowohl die Wiener Neustädter FH als auch die TU in Bratislava avisieren nun eine rasche Prüfung der Plagiatsvorwürfe. Dringlicher, auch im Hinblick auf künftige Absolventen und den Ruf ihrer Institute, wäre allerdings eine inneruniversitäre Qualitätskontrolle."
  • Die Presse (Wien, S. 22): Herr Minister Faßmann, bitte seien Sie mutig! Warum Qualitätskontrolle an Universitäten nicht die oberste Priorität hat - und sich das sehr schnell ändern sollte [€] (Stefan Weber) "Masse statt Klasse, Schein statt Sein - das sind die Eckpfeiler des modernen Universitätsbetriebs geworden. [...] [D]er Mainstream unterwirft sich diesen Doktrinen der Akademisierung der Gesellschaft und des Wettbewerbs um mehr Studierende um jeden Preis. Die Qualität kommt dabei unter die Räder. Der 'Plagiatsjäger', der dringend erforderliche Verbesserungen einmahnt - zunächst einmal wünscht er sich diese verschriftlicht im Universitätsgesetz -, wird so gesehen dysfunktional, zum Störfaktor. Das ist die wahre Tragödie der gegenwärtigen Universitäten und Hochschulen. Deshalb spricht die Politik auch nicht mit dem 'Plagiatsjäger'. [...] Viel wichtiger wäre ein Bekenntnis zu wissenschaftlicher Integrität und Qualität im Universitätsgesetz. Anstelle über eine Verjährung von Plagiaten nachzudenken, sollte man falsche eidesstattliche Versicherungen und Plagiate in die Strafbestimmungen aufnehmen. [...] Es ist Zeit für eine grundlegende Änderung der akademischen Kultur. Universitäten sollten keine Titelmühlen im Kampf um möglichst viele Titelträger mehr sein, sondern wieder Orte, an denen das Produzieren von Wissen Spaß macht."

18. Januar 2021

  • Die Presse (Wien, S. 22): Mit Federn, Haut und Haar. Was der Fall Aschbacher über Österreich verrät [€] (Kurt Kotrschal) "Plagiieren ist Betrug, der noch schwerer wiegt als das immer noch allseits augenzwinkernd zur Kenntnis genommene Schwindeln in der Schule. Fatal eigentlich, denn vom Abschreiben der Hausübung zum akademischen Plagiat ist es nur ein kleiner Schritt, dahinter steckt dieselbe (Un-)Moral. [...] Allzu viele meinen ohnehin, dass es beim Studieren primär um den Erwerb von Titel und Stand gehe. Das scheint gekoppelt mit einem gewissen Verständnis für ein Emporkommen über Plagiat - machen ja viele so, sonst gäbe es kaum Ghostwriter und man würde sich für Copy-and-paste schämen. [...] Wissenschaft und Respekt vor geistigem Eigentum gehören zusammen. Mit Hierarchien, Plagiat und Betrug ist kein Staat zu machen. Denn eine zivilgesellschaftliche Demokratie funktioniert meritokratisch, auf Basis von Bildung. Diesbezüglich hat Österreich noch einen langen Weg vor sich."

16. Januar 2021

  • Oberösterreichische Nachrichten (S. 3): Die Plagiate der Ministerin [€]) (Roman Sandgruber) "Selten wurde so dreist und plump geschwindelt. [...] Der Betreuer von Aschbachers Dissertation hat in den vergangenen Jahren weit über hundert Magister- und Doktorarbeiten approbiert. Das sagt alles. Versagt haben allerdings nicht nur die Universität und die Fachhochschule, sondern auch schon die Mittelschule. Denn mit derartigen Deutschkenntnissen hätte die Ex-Ministerin auch keine Matura schaffen dürfen. [...] Betroffen sind vor allem neue, meist im Umfeld von Politik und Sozialpartnerschaft gewachsene Privathochschulen. [...] Wenn Aschbacher in ihrem Rücktrittsschreiben ihren 'politischen Mitstreitern' die 'Schuld an der gegen sie entfachten Hetze' zuschiebt, hat sie unfreiwillig sogar recht. Denn in deren Schatten wurde das System geduldet, wenn nicht sogar gefördert."
  • NZZ: Doktor? No! (Flurin Clalüna) "Weber hat die Arbeiten analysiert und spricht am Telefon von Abgründen von «Kauderwelsch, Unsinn und Plagiat». Österreich, das Land, das so viel Wert legt auf Titel und Anreden, hat seinen Fall Karl-Theodor zu Guttenberg. Guttenberg war deutscher Verteidigungsminister und musste 2011 wegen einer Plagiatsaffäre um seine Dissertation von allen Ämtern zurücktreten. Der Fall Aschbacher ist wie eine Causa Guttenberg auf Österreichisch: weniger prominent zwar, aber so krud, dass sich selbst Komödianten mit Klamauk und Häme auf ihn stürzen. [...] Rund dreihundert Arbeiten hat Weber in den letzten Jahren untersucht. [...] Weber hat viel Zuspruch, aber auch zwei Todesdrohungen erhalten, eine war sogar mit dem Namen des Absenders unterzeichnet."

12. Januar 2021

  • Frankfurter Allgemeine Zeitung: Weiterer Fall von Wissenschaftsbetrug an der Freien Universität. Erfundene Daten (Jochen Zenthöfer) "Während die FU Berlin noch den Plagiatsfall Giffey aufarbeiten muss, steht sie schon im Zentrum des nächsten wissenschaftlichen Fehlverhaltens. Abermals macht die Hochschule eine schlechte Figur. [...] In den vergangenen Jahren haben sich die Plagiatsfälle in der Hauptstadt gehäuft, auch verglichen mit den Fallzahlen in anderen Universitäten und Bundesländern."

9. Januar 2021

  • DER SPIEGEL: Arbeitsministerin Aschbacher tritt nach Plagiatsvorwürfen zurück (fek/dpa) "Aschbacher begründete ihren Schritt am Samstag mit einer Vorverurteilung durch »die Medien und die politischen Mitstreiter«. Ihr war vom Sachverständigen Stefan Weber vorgeworfen worden, Teile ihrer wissenschaftlichen Arbeiten – es ging um eine Diplomarbeit und eine Dissertation – kopiert zu haben, ohne die Quellen ordentlich auszuweisen. Die 37-Jährige wies die Vorwürfe strikt zurück. Sie habe ihre Arbeiten stets nach bestem Wissen und Gewissen verfasst und der Beurteilung durch anerkannte Professoren vertraut, so Aschbacher. [...] Ihre Dissertation hatte die Politikerin im vergangenen Mai an der Technischen Universität Bratislava in der Slowakei eingereicht. Ihre Diplomarbeit schrieb sie bereits 2006 an einer Fachhochschule in Wien."

7. Januar 2021

  • Kurier (Wien): Massive Vorwürfe gegen Diplomarbeit von Ministerin Aschbacher "Bei den Fernsehauftritten von Arbeits- und Familienministerin Christine Aschbacher (ÖVP) seien ihm deren mangelhafte Deutschkenntnisse aufgefallen, schreibt der als 'Plagiatsjäger' bekannte Medienwissenschaftler Stefan Weber auf seiner Website (plagiatsgutachten.com). Deswegen habe er sich die Diplomarbeit der Ministerin bestellt.
    Die an der FH Wiener Neustadt vorgelegte Arbeit 'Management-, Organisations- und Personalberatung, Marktkommunikation & Vertrieb' unterbiete alle wissenschaftlichen Standards, schreibt Weber. Er zitiert einige Passagen aus der Arbeit, die tatsächlich sprachlich und stilistisch schwere Mängel aufweisen.
    Ebenso behauptet er, die Arbeit sei 'absatzweise abgeschrieben', auch die eigenen Hypothesen habe sie 'plump plagiiert'."

5. Januar 2021

  • Neue Zürcher Zeitung: Die prestigeträchtigste Universität der Türkei begehrt gegen Erdogans Einflussnahme auf (Volker Pabst) "Präsident Recep Tayyip Erdogan hat am Neujahrstag per Erlass einen neuen Rektor für die Bogazici-Universität ernannt. Angesichts hartnäckiger Plagiatsvorwürfe gegen Melih Bulu und des dünnen akademischen Leistungsausweises des Betriebswissenschafters steht der Verdacht im Raum, beim Entscheid hätten politische Erwägungen schwerer gewogen als fachliche. Bulu ist seit den Anfangsjahren von Erdogans AKP mit der heutigen Regierungspartei verbunden und war früher auch parteipolitisch aktiv."

10. Dezember 2020

  • DIE ZEIT (Nr. 52, S. 44-45): Die dunklen Seiten der Forschung [€]) (Interview: Martin Spiewak) "Viele Studien liefern halbgare oder falsche Ergebnisse. Ein neuer Preis soll das ändern. Wie dringend das ist, erklärt der Biomediziner Ulrich Dirnagl. [...]
    "ZEIT: Die meisten Laien verbinden schlechte Wissenschaft eher mit Plagiatsskandalen in Doktorarbeiten von Politikern.
    Dirnagl: Wenn das unser größtes Problem wäre, könnten wir uns glücklich schätzen! Sorgen machen mir auch nicht in erster Linie jene Forscher, die ihre Ergebnisse absichtlich fälschen. Solche Betrugsfälle gibt es, sie sind jedoch eher selten.
    ZEIT: Was besorgt Sie mehr?
    Dirnagl: Problematisch ist vor allem der Graubereich, also jene Fälle, wo Kollegen ihr Experiment so oft wiederholen, bis endlich herauskommt, was herauskommen soll. [...] Oft sind das Praktiken, die sich über Jahre eingeschliffen haben. Um dem Einhalt zu bieten, braucht es klare Signale, dass es so nicht weitergehen kann."

27. Oktober 2020

6. Oktober 2020

  • HNA: Falsche Ärztin sitzt nach Tod von Patienten immer noch in Untersuchungshaft - Plagiatsverfahren läuft. Prüfverfahren zu Doktorarbeit bisher ohne Ergebnis (Maja Yüce, Daria Neu, Katja Rudolph) "Jenseits der strafrechtlichen Vorwürfe läuft an der Uni Kassel ein Plagiatsverfahren gegen die 49-Jährige. [...] Nach einem HNA-Bericht im vergangenen November, wonach in der Dissertation an vielen Stellen abgeschrieben und gegen wissenschaftliche Standards verstoßen wurde, hatte der zuständige Promotionsausschuss des Fachbereichs ein Prüfverfahren gestartet.
    Fast ein Jahr später sind an der Hochschule erste Stimmen zu hören, ob das Plagiat überhaupt ernsthaft verfolgt werde. Auf Nachfrage der HNA teilte ein Uni-Sprecher mit, dass die 'Vorarbeiten zur wissenschaftlichen Überprüfung' in der ersten Jahreshälfte abgeschlossen worden seien. Meike W. habe nun Gelegenheit zur Stellungnahme. Wann das Verfahren abgeschlossen werde, sei offen, so der Uni-Sprecher."

5. September 2020

  • Passauer Neue Presse: Plagiate: Uni und OTH beugen der Problematik präventiv vor (Kathrin Lechl) "Immer wieder liest und hört man von Plagiatsaffären. Wie handeln die Uni Regensburg und OTH Regensburg bei Verdacht auf Plagiat? [...] Liegt ein Verdachtsfall vor, wird an der Uni Regensburg 'teils durch händische Recherche in Sekundärliteratur, teils durch automatisierte Verfahren' kontrolliert. Jan Kleine, Leiter des Präsidialbüros und Sprecher des Präsidenten an der Uni Regensburg, erklärt: 'Hierbei wird überwiegend mit Suchmaschinen im Internet gearbeitet, teilweise wird jedoch auch frei zugängliche, teilweise lizensierte Plagiatssoftware eingesetzt.' [...] Auch an der Uni Regensburg sind in den Jahren 2014 bis 2018 keine Plagiatsfälle bekannt geworden, lediglich sechs Verdachtsfälle, die sich jedoch bei der Nachprüfung als nicht stichhaltig erwiesen haben. Allerdings kam es in der Vergangenheit laut Präsidialbüro zur nachträglichen Aberkennung von Titeln: 'An der Universität Regensburg sind in den letzten knapp 20 Jahren geschätzt fünf Plagiatsfälle bekannt geworden, in denen über die Rechtsabteilung ein bereits zuerkannter Titel/Grad wieder nachträglich aberkannt werden musste.'"

21. August 2020

  • der Freitag: Sie bleibt dabei! (Michael Angele) "Als die Plagiatsvorwürfe laut wurden, haben wir unsere Autorin, Stichwortgeberin und Interviewpartnerin Cornelia Koppetsch gegen den, wie es schien, kleingeistigen Anwurf verteidigt, die Soziologin hätte in ihrem brillanten Bestseller Gesellschaft des Zorns von anderen abgekupfert. Nun fällte die TU Darmstadt ein vernichtendes Urteil über ihre Professorin. [...] Was soll man da sagen? Vielleicht, dass Frau Koppetsch in ihren Schriften zwar auch plagiiert hat, aber immer so, dass es anders als in dem korrekt zitierenden, jedoch umständlichen Kommentar, den Sie gerade lesen, nicht langweilig geworden ist? [...] Das allerletzte Wort soll indes die Soziologin haben. Cornelia Koppetsch schreibt mir: 'Ich bleibe dabei, dass ich nicht absichtlich plagiiert habe.'"

21. Juli 2020

17. Juli 2020

  • Süddeutsche Zeitung: Premierminister soll plagiiert haben (Viktoria Großmann) "Der slowakische Premierminister Igor Matovič hat offenbar seine Diplomarbeit abgeschrieben. [...] In den vergangenen Wochen erst war bekannt geworden, dass es sich auch bei den Abschlussarbeiten des Parlamentspräsidenten Boris Kollár und des Bildungsministers Branislav Gröhling um Plagiate handeln soll. [...] Auf seiner Facebook-Seite räumte Matovič ein, im Studium 'gefaulenzt' zu haben, eines Fehlers in seiner Abschlussarbeit sei er sich aber nicht bewusst gewesen. 'Soll ich deshalb zurücktreten?', schreibt er. [...] Nachdem Kollárs Plagiat bekannt geworden war, hatte Matovič erklärt, er werde ein neues Gesetz schaffen, nachdem jeder, der seinen Posten durch eine gefälschte Abschlussarbeit erlangt hat, Titel und Posten verlieren müsse. Seinen Parlamentspräsidenten nahm er davon allerdings aus."

14. Juli 2020

  • Frankfurter Allgemeine Zeitung: Plagiatsfälle in der Slowakei: Auch der Bildungsminister steht unter Verdacht (dpa) "Dem slowakischen Bildungsminister Branislav Gröhling wird vorgeworfen, beim Abschluss seines Jura-Studiums ein Plagiat begangen zu haben. Seine Diplomarbeit aus dem Jahr 2009 habe der Politiker zu großen Teilen einfach aus anderen Arbeiten zusammengefügt und diese Quellen nicht eindeutig zitiert, berichtete die liberale Tageszeitung 'Dennik N' am Montag online. Am selben Tag kam 'Sme.sk' anhand von Textbeispielen zu dem Schluss: 'Dass er abgeschrieben hat, ist auf den ersten Blick zu sehen.'
    [...]
    Der konservative Regierungschef Igor Matovic erklärte vor Journalisten, dass er Gröhling nicht als Minister verlieren wolle. Allerdings wies er auch darauf hin, dass ausgerechnet Gröhling von der Regierung beauftragt sei, neue Regeln zur Verhinderung von Plagiaten einzuführen."
  • DER SPIEGEL: Rumänischer Ex-Regierungschef Ponta ist ein Promotionsbetrüger. Doktorarbeit abgeschrieben (him/dpa) "Mehr als ein Drittel der Seiten war abgekupfert: Die Doktorarbeit des früheren rumänischen Ministerpräsidenten ist in weiten Teilen ein Plagiat. Das entschied nach jahrelangem Rechtsstreit das Oberste Gericht des Landes. [...] Der Vorwurf war bereits im Jahr 2012 erhoben worden. Ponta hatte gegen den Vorwurf geklagt. Unter anderem hatte die Ethik-Kommission der Universität Bukarest damals einstimmig festgestellt, dass Ponta 115 von insgesamt 297 Seiten seiner Dissertation ohne Quellenangabe aus anderen Werken abgeschrieben hatte."

7. Juli 2020

  • DER SPIEGEL: Slowakischer Parlamentspräsident übersteht Misstrauensvotum (asc/dpa) "Der slowakische Parlamentspräsident Boris Kollar steht im Mittelpunkt eines Plagiatsskandals. Nun hat er demonstrativ seine eigene Absetzung beantragt - die Parlamentarier wollten ihn aber im Amt lassen. [...] Die Tageszeitung 'Dennik N' hatte Ende Juni dokumentiert, dass Kollar große Teile seiner Diplomarbeit direkt von einer Arbeit seines Betreuers an einer Privathochschule übernommen hatte. Der Millionär gehört zu den umstrittensten Politikern der Slowakei."
  • Nordwest-Zeitung (S. 7): Gibt es weitere Betrugsfälle im Museum? (Christoph Kiefer) "Oldenburgs damaliger Oberbürgermeister Gerd Schwandner geizte bei der Verpflichtung von Friedrich Scheele nicht mit Vorschusslorbeeren. [...] Doch wenige Jahre später war die Begeisterung gewichen. Schwandner mahnte seinen Museumsdirektor wegen eines Plagiatsvorwurfes ab. Scheele habe, so hieß es, einen kompletten Text samt Fußnoten für einen Katalog zur Ausstellung über Otto Pankok 2013 im Horst-Janssen-Museum von einem anderen Autor geklaut. Die dafür vorgesehenen Katalogseiten mussten unbedruckt erscheinen."

1. Juli 2020

  • Oberösterreichische Nachrichten (S. 2): Schwere Plagiatsvorwürfe und Rechtsstreit an der Linzer Kepler-Uni [€] "Mit schweren Plagiats-Vorwürfen ist eine Kulturwissenschafterin konfrontiert, die an der Linzer Johannes-Kepler-Universität (JKU) in der Lehre tätig war. Sie soll unter anderem in ihrer Habilitationsschrift Passagen aus Wikipedia kopiert haben. [...] Vom 'schwersten Plagiatsfall in der jüngeren österreichischen Universitätsgeschichte' spricht der Salzburger Medienwissenschafter und 'Plagiatsjäger' Stefan Weber, der an der Universität Wien unterrichtet. Seine Untersuchungen hätten ergeben, dass sich in einem Aufsatz der Kulturwissenschafterin mehr als 50 Prozent ungekennzeichnete Übernahmen aus fremden Texten finden, etwa aus Blogbeiträgen und Internet-Rezensionen. In der Habilitationsschrift seien es 37 Prozent. [...] 'Die Vorwürfe sind unbegründet, meine Mandantin hat weder in dem einen Fall noch in dem anderen Fall Teile anderer Werke - Wikipedia oder Bücher - übernommen', sagt Thomas Fraiß aus Wien, Anwalt der Betroffenen. Sogenannte Gutachten zu den Plagiatsvorwürfen hätten sich anscheinend darauf beschränkt, im Internet zu googeln, anstatt eine wissenschaftlich fundierte Recherche anzustellen."
  • DER SPIEGEL: Ernennung von Brasiliens neuem Bildungsminister rückgängig gemacht (fek/dpa/Reuters) "Brasiliens neuer Bildungsminister Carlos Decotelli machte offenbar falsche Angaben zu seiner Laufbahn als Forscher, etwa an der Uni Wuppertal. [...] Laut der Nachrichtenagentur Reuters wird Decotelli zudem bei seiner Masterarbeit des Plagiats bezichtigt. Der designierte Minister bestreitet die Vorwürfe."

29. Juni 2020

  • Märkische Oderzeitung (S. 4): Bolsonaros peinliche Personalie. Die Ernennung des Afrobrasilianers Decotelli zum Minister, droht für Bolsonaro zum Rohrkrepierer zu werden (Tobias Käufer) "Eine Universität aus dem argentinischen Rosario erklärte, den in Decotellis Lebenslauf angegebenen Doktortitel aus Rosario gäbe es gar nicht. [...] Damit wäre auch die Post-Doktorarbeit an der Uni Wuppertal zweifelhaft, die in seinem Lebenslauf auftaucht und von der Decotelli am Sonnabend nichts mehr wissen wollte. [...] Inzwischen melden sich auch Plagiatsjäger in Brasilien, die die Masterarbeit Decotellis unter die Lupe genommen haben. Mehrere Teile sollen aus anderen Arbeiten abgeschrieben worden sein. [...] Ein Bildungsminister, der sich in seinem Lebenslauf mit akademischen Titeln schmückt, die es so gar nicht gibt und dessen Arbeiten zum Teil abgeschrieben sein könnten, ist in dieser Funktion nicht tragbar."

26. Juni 2020

  • APA Journal Osteuropa: Slowakischer Parlamentspräsident steht unter Plagiatsverdacht (APA/dpa) "Am Freitag gab der Chef der rechtspopulistischen Regierungspartei Wir sind eine Familie in Bratislava bekannt, seinen 2015 unter umstrittenen Umständen an einer kleinen Privathochschule erworbenen Titel Magister zumindest in Zusammenhang mit seiner politischen Arbeit nicht mehr zu verwenden. Zugleich wies der Millionär aber Vorwürfe zurück, bei seiner Diplomarbeit betrogen zu haben. [...] Die liberale Tageszeitung 'Dennik N' hatte zuvor dokumentiert, dass der einflussreiche Unternehmer wesentliche Teile seiner Diplomarbeit mitsamt allen darin enthaltenen Quellenzitierungen direkt von einer wissenschaftlichen Arbeit seines Betreuers an der Privathochschule übernommen habe. [...] Der konservative Regierungschef Igor Matovic hatte schon am Donnerstag erklärt, der Erhalt der Regierungskoalition sei ihm wichtiger als alle Zweifel an Kollars Diplomarbeit."

19. Juni 2020

  • Der Standard: Schummeln in Zeiten digitaler Distanz: "Wir sind noch immer zu sanft" (Lisa Nimmervoll) "Die Umstellung des Unibetriebs auf Distanz-Modus habe 'das Thema noch dringlicher gemacht, auch wenn es schon vorher virulent war', sagt der Plagiatsgutachter [Stefan Weber] im STANDARD-Gespräch: 'Es ist ein Faktum, dass wir im internationalen Vergleich noch immer zu mild, zu sanft im Umfang mit Schummlern sind, fast schon plagiatsfreundlich. Österreich ist das fehlverhaltenfreundlichste Land, was wissenschaftliches Arbeiten anlangt.' [...] Im österreichischen Unigesetz wurde dagegen erst 2015 hineingeschrieben, was man überhaupt unter Plagiat zu verstehen hat. Das Bewusstsein sei bis heute kaum vorhanden, erzählt Weber von einer aktuellen Probeklausur an der Uni Wien im zweiten Studiensemester, 'bei der niemand korrekt zitieren konnte'."

8. Juni 2020

  • Neue Zürcher Zeitung (S. 5): Widerstand lohnt sich doch. Ein wissenschaftliches Institut in Belgrad wehrt sich mit internationaler Unterstützung gegen die Gleichschaltung durch die Regierung (Volker Pabst) "Bildungsfragen bewegen in Serbien aber durchaus. An den Protesten des letzten Jahres wurden immer wieder die Plagiatsskandale von Politikern thematisiert. Dass die Universität Belgrad dem Finanzminister Sinisa Mali den Doktortitel aberkannte, dies auf seine politische Karriere aber keinerlei Einfluss hatte, sahen viele Demonstranten als Beleg dafür, dass die Nähe zum Regime viel wichtiger ist als persönliche Integrität und Leistung. Im Gespräch erklärten damals junge Protestteilnehmer, ohne wirklichen Wandel sähen sie keine Zukunft in Serbien. Laut einer Schätzung emigrieren jeden Tag 170 Personen aus dem Land."

27. Mai 2020

  • Tagesspiegel: Das Gespenst der Cancel Culture. Angebliche Sprechverbote an Hochschulen (Floris Biskamp) "Die Erfolgsgeschichte des Buches [von Cornelia Koppetsch: 'Gesellschaft des Zorns'] endete im November, als der bayrische Buchpreis verliehen wurde, für den Koppetsch nominiert war. In einer überraschenden Wendung artete die Buchpreisverleihung zu einer Demontage der Autorin aus, bei der ausgedehnte Plagiate im Buch bemängelt wurden. Der Verdacht erhärtete sich in den folgenden Wochen, als zahlreiche weitere Plagiate gefunden wurden, die weit mehr waren als bloße 'handwerkliche Mängel'. [...] Wenn eine Professorin ein polemisches Buch voller Plagiate veröffentlicht, dafür in fast allen großen Medien in den Himmel gelobt, aber vereinzelt auch angegriffen wird, mag dies exemplarisch für vieles stehen – aber sicher nicht dafür, dass an den Universitäten eine Kultur des Absagens virulent wäre, die die Freiheit anderer Meinungen gefährden könnte."

26. Mai 2020

  • Wiener Zeitung Online: Plagiat oder nicht Plagiat - das ist die Frage (Edwin Baumgartner) "Klarere Fälle sind die Aberkennungen der Doktorgrade beispielsweise des deutschen Ex-Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg oder der deutschen Ex-Forschungsministerin Annette Schavan: Sie hatten in ihren Dissertationen abgeschrieben, die Passagen, die fremdes geistiges Eigentum waren, aber nicht mittels Zitatnachweis als solches ausgewiesen."

22. Mai 2020

  • Tagesanzeiger: Weshalb die Uni Geldstrafen einführen will [€] (Martin Sturzenegger) "Das Sanktionsregelwerk soll im Wesentlichen durch zwei Punkte ergänzt werden: gemeinnützige Arbeitseinsätze von bis zu 40 Tagen und Geldstrafen von maximal 5000 Franken. Diese könnten etwa bei Plagiaten in Dissertationen, unerlaubten Handlungen während Prüfungen oder politischen Störaktionen verhängt werden. [...] Fehlbare Studierende könnten teilweise nicht sanktioniert werden, weil sie ihr Studium bereits abgeschlossen haben, sagt Schwarzenegger. Eine Suspendierung sei in diesem Fall wirkungslos - nicht hingegen gemeinnützige Arbeit oder eine Geldstrafe. Letztere soll in erster Linie für Plagiatsfälle ausgesprochen werden. Für Studierende etwa, die einem Ghostwriter bis zu 10'000 Franken für eine Dissertation bezahlen. 'Wir haben jedes Jahr solche Fälle und gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.'"

7. Mai 2020

  • BTC Echo: Selbsternannter Bitcoin-Erfinder Craig Wright soll bei Doktorarbeit abgeschrieben haben (Christopher Klee) "Craig Wright, der australische Programmierer, Ökonom, Pastor, Anwalt, Banker, Mathematiker und selbsternannte Erfinder von Bitcoin, hat beinahe so viele Hüte auf, wie der ehemalige Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg Vornamen besitzt. Was die beiden außerdem vereint: Wright soll bei seiner Doktorarbeit ebenfalls abgeschrieben haben. Diesen Vorwurf erhebt zumindest ein Autor, der unter dem Namen 'Paintedfrog' die Dissertation von Wright unter die Lupe genommen hat. [...] So soll Wright an vielen Stellen seiner Doktorarbeit fremde Textauszüge wörtlich übernommen haben – inklusive Fehlern in Rechtschreibung und Grammatik. [...] Insgesamt hat Paintedfrog auf 30 der über 250 Seiten von Wrights Dissertation mutmaßliche Plagiate entdeckt."

5. Mai 2020

  • Forschung und Lehre: Zwischen Original und Plagiat. Wissenschaftliche Arbeiten und KI (Doris Weßels) "Es darf davon ausgegangen werden, dass die 'Best Practices' zur Überlistung gängiger Plagiatserkennungs-Software eine schnelle virale Verbreitung in studentischen Kreisen finden werden oder bereits gefunden haben. [...] Für die Hochschulleitungen und Lehrenden ergeben sich neue Fragestellungen:
    1. Wie kann der Plagiatsproblematik heute und zukünftig begegnet werden?
    2. Welche Auswirkungen haben diese disruptiv anmutenden Entwicklungen der Digitalisierung auf Prüfungsleistungen in Form schriftlicher Haus- und Abschlussarbeiten?
    3. Wie ist das 'System Hochschule' anzupassen, um seinem Bildungs- und Qualitätsanspruch im digitalen Zeitalter gerecht zu werden?
    [...] Die Problematik kann über effektive Ansätze zur Vermeidung von Plagiaten entschärft werden. Parallel dazu sind didaktische Ansätze und Prüfungsverfahren anzupassen. Leider verhindert der wahrgenommene 'Massenbetrieb' an vielen Hochschulen eine kontinuierliche Betreuung des Schreibprozesses der Studierenden und die fortlaufende Beobachtung der Textentstehung durch die Lehrenden. [...] In jedem Fall rüttelt dieses 'disruptive' Szenario an den Grundfesten von Hochschulen und ihrem akademischen Selbstverständnis."

4. Mai 2020

  • Der Tagesspiegel (S. 22): Zweierlei Maß für Politiker-Plagiate (George Turner) "Die Uneinigkeit der wichtigsten Gremien der Wissenschaft führt dazu, dass Beliebigkeit und Unsicherheit herrschen. Jede Universität macht das, was sie für angemessen hält. So ist es vorgekommen, dass eine frühere Bundeswissenschaftsministerin ihren Titel verloren hat, obwohl der Fakultät seinerzeit durchaus Nachlässigkeit im Promotionsverfahren nachzuweisen waren; anderenorts wird eine in der Promotionsordnung gar nicht vorgesehene Maßnahme erteilt.
    Im ersten Fall entsteht der Eindruck, die im Plagiatsverfahren mit der Sache befasste Fakultät will demonstrieren, dass sie Härte zeigt, vielleicht um fehlende fachliche Reputation zu ersetzen."

28. April 2020

  • Nordbayerischer Kurier (Print: 29.04.2020, S. 8): „Politik ohne Wissenschaft ist blind“. Der neue Ethikrat und Gesundheitsrechtsexperte Stephan Rixen zur Corona-Situation [€] (Interview: Ute Eschenbacher)
    "Als Sprecher des DFG-Gremiums 'Ombudsman für die Wissenschaft' haben Sie sich mit wissenschaftlichem Fehlverhalten befasst. Können Sie dazu einige Beispiele nennen?
    Rixen: Es geht um wissenschaftliche Integrität, also alles, was das Vertrauen in die Wissenschaft fundamental gefährdet. Allein im letzten Jahr haben wir uns mit mehr als 150 Anfragen befasst. Da geht es etwa um Konflikte über Autorschaften, also darüber, wie bei Publikationen, in denen Forschungsergebnisse dokumentiert werden, die Verantwortung verteilt ist. Es geht um Konflikte bei der Datennutzung, denken Sie an den Zugang zu Biobanken. Und immer wieder geht es auch um Plagiate."

3. April 2020

  • Neue Zürcher Zeitung (S. 8): Russisches Gedankenlesen gegen Corona (Nikolai Klimeniouk) "Dass die russische Wissenschaft unter Putin immer korrupter und dubioser wurde, ist in Zeiten der Corona-Krise nicht hilfreich. Es mangelt an wissenschaftlichen Autoritäten. [...] Seit Jahren decken zivilgesellschaftliche Aktivisten Plagiate und unrechtmässige Verleihungen von Doktortiteln auf. Die 2013 gegründete Initiative Dissernet listet auf ihrer Website allein 139 Direktoren und Vizedirektoren wissenschaftlicher Forschungsinstitute und 149 Rektoren von Hochschulen und Universitäten, die ihre Titel unrechtmässig erworben haben sollen. Die sind aber nicht nur Profiteure, sondern auch Ermöglicher und Betreiber des Handels mit gefälschten Doktorarbeiten, einer Krankheit, an der alle Wissenschaftsbereiche in Russland leiden."

24. März 2020

  • Frankfurter Allgemeine Zeitung: Achtung, Fußnote! (Jochen Zenthöfer) "Trotz intensiver Plagiatsaufarbeitung in der deutschen Wissenschaft werden weiterhin neue Rechtfertigungsstrategien entworfen. [...] Nun wird [..] ein neues Argument vorgebracht, bei dem Plagiate als Fußnotenfehler verharmlost und zugleich mit der vermeintlichen Originalität eines Textes verrechnet werden. 'Juristen und Wissenschaftler sollten sich von der öffentlichen Diskussion nicht irremachen lassen', meint der Bielefelder Staatsrechtler Andreas Fisahn in der 'Neuen Juristischen Wochenschrift' und fordert, man solle darauf dringen, 'dass der Erkenntnisgewinn einer Arbeit bei deren Bewertung mindestens ebenso zu berücksichtigen ist wie der Fußnotenapparat'. Letztendlich sei alles eine Frage der Abwägung."

2. März 2020

  • Tagesspiegel (S. 21): Promotionsgehalt? Bitte nicht! (George Turner) "So dürfte es auch mit dem neuerlichen Vorschlag werden. Dabei könnte eine Rolle spielen, dass der 'Dr.' weniger an Attraktivität als an Ansehen verloren hat. So würde eine Ausweitung des Promotionsrechts über die Universitäten hinaus, wie sie etwa die Fachhochschulen anstreben, dem Doktortitel nicht gut bekommen, ebensowenig wie die Plagiatsaffären in der Vergangenheit. Nicht jede Doktorarbeit bereichert die Wissenschaft."
  • Catholic News Agency: Gregorian University clears Scottish bishop accused of plagiarism "The announcement Monday concluded an investigation begun by the university in January, following accusations that Bishop Stephen Robson of Dunkeld, Scotland, committed several acts of plagiarism in his 2003 doctoral dissertation on St. Bernard of Clairvaux. [...] Writing in an article for his scholarly journal Analecta Cisterciensia titled 'Concerns about Bishop Stephen Robson’s Dissertation on Bernard of Clairvaux,' Fr. Alkuin Schachenmayr alleged that Robson used passages apparently taken verbatim from scholars including Bruno Scott James, Jean Leclercq, Friedrich Kempf, and Robert Bartlett. Other scholars were not cited in the dissertation, but Robson’s dissertation appeared to copy or nearly copy passages from their work, Fr. Schachenmayr alleged. After its investigation, the Gregorian University said that the texts in question were all sourced by Bishop Robson in the bibliography and footnotes of his dissertation. [...] His 2003 dissertation was given the Premio Bellarmino prize by the university in 2004, for the best dissertation."

21. Februar 2020

  • REPUBLIK (Schweiz): Wie die ETH aus einem Elefanten eine Mücke macht (Elia Blülle) "Ein Professor der Zürcher Hochschule ist mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert. Nicht zum ersten Mal wirft der Umgang der ETH mit einem solchen Fall Fragen auf. [...] Recherchen der Republik zeigen nun: Zwar hat die ETH eine Vorprüfung im Verdachtsfall eingeleitet, aber auf eine offizielle Untersuchungskommission verzichtet. Der Fall wurde ohne Konsequenzen ad acta gelegt. Und das, obwohl der Plagiatsverdacht plausibel ist. [...] Im 18-seitigen Schreiben vom Juli hält der amerikanische Professor fest, dass viele Teile in der Doktorarbeit von Hofstädter identisch seien mit denen von Brandner. Er weist darauf hin, dass diese exakte Übereinstimmung praktisch unmöglich sei, wenn die Experimente zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt würden. [...] Pikant in diesem Fall: Brandner und Hofstädter haben ihre Dissertationen mit acht Jahren Abstand beim gleichen Doktorvater verfasst.

18. Februar 2020

  • General-Anzeiger (Bonn, S. 4): Der Mann für die Zahlen in der EU. Johannes Hahn gilt als unbequem (Detlef Drewes) "Dabei musste Hahn, der ein Jura-Studium nicht beendet hat, dann aber in Philosophie, Publizistik und Germanistik promovierte, um seine eigene Reputation seit 2007 vier Jahre lang kämpfen. Mehrere Wissenschaftler warfen ihm vor, seine Doktorarbeit wimmele nur so von Plagiaten. Eine Untersuchung kam zu dem vernichtenden Urteil, bei Hahns Doktorschrift handele es sich 'um eine Arbeit minderer Qualität'. Erst Ende 2011 zog die Universität Wien einen Schlussstrich unter die Affäre. Hahn durfte seinen Doktortitel behalten."

12. Februar 2020

  • Frankfurt Neue Presse (S. 21): Der Cartoonist als Chronist (Christian Huther) "Recht hat sie, die misstrauische Frau. Auf die Aufforderung des Arztes, ihren Oberkörper frei zu machen, kontert sie resolut: 'Zuerst zeigen Sie mir Ihre Doktorarbeit.' Eine klare Folge der Plagiatsaffäre des Politikers Karl-Theodor zu Guttenberg vom Februar 2011. Das ist schon eine Weile her – wer hätte das Jahr auf Anhieb gewusst? Diese Frage kann sich der Besucher des Frankfurter Caricatura-Museums in der neuen Schau unentwegt stellen. Alle 350 Werke stammen aus den vergangenen zehn Jahren."

8. Februar 2020

  • SÜDWEST PRESSE (S. 20): Ein Titel für Annette Schavan [online u.d.T. Annette Schavan ist neue Ehrensenatorin der Uni Ulm] (Christoph Mayer) "Wer von der Last des Amtes befreit ist, muss auf diplomatische Etikette keine Rücksicht mehr nehmen. Das galt auch für den Haupt-Laudator beim 'Dies academicus' der Universität Ulm. Alt-Präsident Karl Joachim Ebeling, der beim Uni-Festakt am Freitag die Lobesrede auf die neue, vom Uni-Senat im vergangenen Jahr einstimmig gekürte Ehrensenatorin Annette Schavan hielt, nahm kein Blatt vor den Mund. Ein schwarzer Tag für Ulm, ja für den gesamten Wissenschaftsstandort Deutschland, sei der 13. Februar 2013 gewesen. An diesem Tag trat die damalige Bundesforschungsministerin Schavan von ihrem Amt zurück, nachdem ihr der Fakultätsrat der Universität Düsseldorf den Doktortitel wegen 'vorsätzlicher Täuschung' entzogen hatte. Ohne auf die Plagiatsaffäre selbst weiter einzugehen, bescheinigte Ebeling der CDU-Politikerin und späteren Botschafterin beim Heiligen Stuhl, als Bundesministerin und Wissenschaftspolitikerin ein 'politisches Schwergewicht und ein Glücksfall' für Stadt und Republik gewesen zu sein. [...]
    Ursprünglich hätte die 64-Jährige die Ehrensenatorwürde bereits im vergangenen Juli beim Jahrestag der Uni erhalten sollen, erwähnte der amtierende Uni-Präsident Michael Weber in seiner Begrüßung. Doch just an jenem Tag sei Schavan zum Geburtstag von Kanzlerin Angela Merkel eingeladen gewesen, und das sei nunmal vorgegangen."
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