Was ist eigentlich Wissenschaft, und was hat Plagiatssuche damit zu tun? Es gibt viele Versuche, Wissenschaft zu erklären, viele Forschungsfragestellungen in diesem Umfeld.

Robert K. Merton (1910-2003) war ein US-amerikanischer Soziologe, d

Robert K. Merton - Science and the Social Order

er in der Wissenschaftsethik arbeitete. Er war besorgt, weil es im Dritten Reich in Deutschland plötzlich hieß, dass Juden keine Wissenschaftler sein könnten. Er hielt im Jahr 1937 eine Vorlesung, "Science and the Social Order", in der er darlegte, was Wissenschaft sei. Dazu hatte er vier gewünschte Eigenschaften an Wissenschaft herausgearbeitet:


1. Universalismus

Es soll egal sein, ob ein Doktorand oder ein Nobelpreisträger, eine Frau oder ein Jude oder ein Inder etwas behauptet - es geht nicht darum, wer es sagt, sondern was gesagt wird. Gedanken werden nicht dadurch aufgewertet, dass jemand “Ranghöheres” es sagt, oder jemand mit einem Doktortitel. Besonders in der "Wikiwelt" wie der Wikipedia oder den Plagiatswikis ist das ein oberstes Gebot. Die Wahrheit steht für sich, die Gegenüberstellung von Doktorarbeit und Quelle. Es ist egal, wer diese Aufstellung macht.

2. Kommunitarismus

Wissensproduktion ist ein kooperativer Arbeitsprozess. Alle arbeiten daran, “Wahrheit” festzuhalten 
(falls es sowas überhaupt gibt, aber das überlassen wir den Philosophen). Grundsätzlich haben alle Mitglieder der 
Wissenschaftsgemeinschaft freien Zugang 
zu den Ergebnissen, und zwar zu jeder Zeit. Man sucht vergebens eine Bestimmung, 
dass der Zugang kostenpflichtig zu sein hat, deswegen fordern viele Leute heute, dass alle Bücher online bzw. unter Open Access zugänglich sind.

3. Uneigennützigkeit

Wissenschaft soll nicht vom Suchen nach Geld oder Erlangen von Status abhängig sein.
Es soll alleine darum gehen, 
Fragen zu stellen und 
Antworten zu finden. Leidenschaft und Neugier 
sollen die Wissenschaft 
antreiben.

4. Organisierter Skeptizismus

Wissenschaftler müssen immer hinterfragen: Haben wir an alles gedacht? Gibt es Fehler in unserer Methodik?
Wir prüfen kritisch die Arbeiten anderer, stellen teilweise unbequeme Fragen. Es wird aber immer nur die Aussage, nicht die Person des Aussagenden, kritisiert.

Ist das, was in den PlagiatsWikis "getrieben" wird, überhaupt Wissenschaft? Oder ist es nur eine billige Art, Politiker zu attackieren?

Ich finde schon, dass hier von Wissenschaft gesprochen werden kann. Alle können mitmachen und Fundstellen präsentieren, die Ergebnisse sind jederzeit von allen überprüfbar. Es gibt keinen Eigennutz hier, viele Leute arbeiten anonym. Sie sind aber von einer Leidenschaft angetrieben: die Wissenschaft zu reinigen von Menschen, die meinen, mit den Worten anderer eigene Meriten vortäuschen zu können. Hier werden Werke skeptisch betrachtet, hinterfragt.

WiseWoman, aka Prof. Dr. Debora Weber-Wulff, Berlin, 2011-04-14

Siehe auch

Fröhlich, Gerhard (2009): Die Wissenschaftstheorie fordert OPEN ACCESS. Information: Wissenschaft & Praxis 60 (5), 253-258 http://eprints.rclis.org/16840/

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