VroniPlag Wiki

Zusammenfassung

Gegenstand dieses Berichts ist die Dokumentation wissenschaftlichen Fehlverhaltens zu einer 2010 veröffentlichten Dissertation. Die Arbeit wurde beim Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft im Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften der Freien Universität (FU) Berlin von Franziska Giffey vorgelegt und diente der Erlangung des akademischen Grades Doktorin der Politikwissenschaft (Dr. rer. pol.). Sie wurde begutachtet von Prof. Dr. Tanja Anita Börzel (FU Berlin) und Prof. Dr. Hartmut Häußermann (Humboldt-Universität zu Berlin) und mit „magna cum laude“ bewertet. Die Arbeit ist online als PDF-Datei frei zugänglich.

Dieser Bericht zur 204. Dokumentation, die im VroniPlag Wiki (VPW) am 5. Mai 2019 veröffentlicht wurde, basiert auf den Ergebnissen einer kollaborativ durchgeführten, manuellen Analyse. Es handelt sich nicht um das Resultat einer durch Software generierten oder kommerziellen Untersuchung.

Im Vergleich zu anderen im VPW untersuchten Arbeiten besteht eine Besonderheit dieser darin, dass sie neben Plagiarismus auch eine hohe Anzahl von willkürlichen Referenzierungen aufweist.

Der Analysebericht wurde in einer ersten Fassung am 9. Mai 2019 veröffentlicht. Nachdem Anfang Oktober 2020 der „Schlussbericht des [FU-]Gremiums zur Überprüfung der Dissertation von Frau Dr. Franziska Giffey“ vom 14. Oktober 2019 publik geworden war, dessen Empfehlung das FU-Präsidium bei der Erteilung einer „Rüge“ folgte, wurden die Einzelbewertungen des FU-Gremiums zu jeder der 119 in der VPW-Untersuchung als plagiiert dokumentierten Passagen dem jeweiligen Anmerkungsteil der einzelnen Synopsen („Fragmente“) hinzugefügt.

Darüber hinaus ist der FU-Gremiumsbericht einer kritischen Analyse unterzogen und die „Befunde“-Sektion des VPW-Berichts um die Resultate ergänzt worden (siehe hier).

Eine entsprechend aktualisierte Berichtfassung wurde am 13. Dezember 2020 im VPW veröffentlicht.

Die zentralen Ergebnisse der Analyse der Dissertation sind:

  • Auf 37,1 % der Seiten des Haupttextes der Arbeit (S. 10-214) finden sich Plagiate unterschiedlichen Umfangs; 11 Seiten bestehen zu 50-75 % aus Plagiatstext und eine zu mehr als 75 %.
  • Knapp 13,2 % des gesamten Haupttextes werden als plagiiert gewertet; anders ausgedrückt: Mehr als jede achte Zeile ist plagiiert.
  • Bei fünf der als plagiiert dokumentierten Textpassagen handelt es sich um Übersetzungen aus dem Englischen; bei 48 um Übernahmen ohne Verweis auf die Quelle („Verschleierungen“); bei 66 weiteren ist die Quelle zwar angegeben, die Übernahme jedoch nicht ausreichend gekennzeichnet („Bauernopfer“).
  • Insgesamt wurden für plagiierte Inhalte bisher 52 Übernahmequellen identifiziert, von denen fünf in der Arbeit nirgends genannt sind.
  • Jedes der fünf Kapitel der Arbeit enthält plagiierte Passagen; den Schwerpunkt bildet das 2. Kapitel „Begriffsklärung und Eignungsdimensionen von Beteiligungsinstrumenten“.
  • In der Regel erfolgen Übernahmen aus Quellen nicht wortwörtlich, sondern mit Variationen.
  • Das umfangreichste Plagiat ist in Fragment 041 05 dokumentiert: Fast die gesamte Seite wird aus der Abhandlung Liebert / Trenz (2008) übersetzt, wobei auch 14 Referenzen übernommen werden.
  • Bei 72 Textstellen besteht – kategorial unabhängig von gegebenenfalls gleichzeitig vorliegendem Plagiarismus – ein begründeter Verdacht auf willkürliche Referenzierung (herausragende Beispiele: Fragment 085 29 und die drei dort in den Anmerkungen verlinkten Fragmente), d.h. zumindest ein Teil der bei diesen Stellen angegebenen Referenzen bzw. Quellen belegt die entsprechenden Aussagen (so) nicht. Dies ist in den jeweiligen Fragmenten angemerkt. Aufgrund des Ausmaßes der unzutreffend angegebenen Quellen kann hier von einem werkprägenden Element und einer Simulation wissenschaftlicher Arbeit gesprochen werden.
  • Von den insgesamt 427 im Literaturverzeichnis aufgeführten Quellen werden 135 lediglich in Plagiatskontexten (wozu in diesem Zusammenhang auch Stellen gehören können, die durch Fragmente der Kategorie „Keine Wertung“ erfasst sind) referenziert. Dies legt nahe, dass ein erheblicher Teil der als verwendet angegebenen Literatur von der Verfasserin nicht rezipiert wurde.
  • Weitere 51 dieser 427 Titel werden im Haupttext gar nicht referenziert. (In einer im Mai 2007 erstellten „Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten“ hatte die Doktormutter der Verfasserin und Erstgutachterin geschrieben, dass das Literaturverzeichnis als „Verzeichnis der zitierten Arbeiten“ aufzufassen sei und nicht als Bibliografie.)

Der jeweils aktuelle Stand der Analyse und weitere Informationen sind abrufbar auf den Seiten:

Dieser Bericht enthält das Inhaltsverzeichnis der untersuchten Arbeit, eine Zusammenstellung herausragender Fundstellen und Quellen, eine tabellarische Übersichtsdarstellung der Quellen und der plagiierten Passagen, eine Auflistung aller dokumentierten Synopsen mit Plagiatscharakter sowie die bibliografischen Angaben der festgestellten Übernahmequellen.