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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Stratumlucidum
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 70, Zeilen: 17-20, 27-31
Quelle: Guggenberger 2005
Seite(n): 138, 139, Zeilen: 138: re. Sp. 29 ff. u. letzte Zeile; 139: li. Sp. 1 ff.
Verstärkt wird diese Argumentationslinie durch pluralistische Ansätze demokratietheoretischer Überlegungen, die davon ausgehen, dass die vorrangige Wahrnehmung des eigenen Nutzens zur unaufhebbaren menschlichen Natur gehört (Schmidt 2000). [Daher kann auch nicht die Homogenität des Denkens und des Wollens der Mitglieder einer Gemeinschaft als Ziel und Inhalt der Politik angenommen werden, sondern die möglichst vollständige Widerspiegelung oder Repräsentation der vielfältigen gesellschaftlichen Interessen- und Meinungsströmungen, um ein Verständnis vom Gemeinwohl zu entwickeln (Guggenberger 2005). Der pluralistischen Demokratietheorie liegt die Annahme zugrunde, dass prinzipiell alle Interessen in einer Gesellschaft artikuliert und organisiert werden können und dass deshalb grundsätzlich ein Gleichgewicht zwischen allen Interessen herbeigeführt werden kann (Dahl 1971; 1997; Fraenkel 1991).] Diese Sichtweise impliziert, dass die politische Entscheidungsfindung nicht durch eine einzelne gesellschaftliche Gruppe, sondern durch einen Entscheidungs- und Willensbildungsprozess in einem System von Kräften und Gegenkräften auf der Suche nach dem mittleren Weg jenseits von Partikularinteressen erfolgt (Schmidt 2000).

Guggenberger, Bernd, 2005: Demokratietheorien. In: Nohlen, Dieter / Schultze, Rainer-Olaf (Hrsg.): Lexikon der Politikwissenschaft. Band 1 A - M. Theorien. Methoden. Begriffe. München: Verlag C.H. Beck, S. 135 - 143.

Schmidt, Manfred G., 2000: Demokratietheorien. Bremen [sic]: Leske + Budrich, 3. Auflage.

[Seite 138]

(2) Die Verfechter des Pluralismuskonzepts gehen davon aus, daß die vorrangige Wahrnehmung des eigenen Nutzens zur unaufhebbaren menschlichen Natur gehört. Von daher kann auch nicht die Homogenität des Denkens und Wollens das Ziel aller Politik sein, sondern die möglichst vollständige Widerspiegelung («Repräsentation») der mannigfachen gesellschaftl. Interessen- und Meinungsströmungen. Erst im Austragen der vorhandenen Gegensätze, in einem Prozeß des Mit- und Gegeneinander, entsteht eine Art «Gemeinwohl a posteriori» (Fraenkel 1991). [...]

Die Vertreter der pluralistischen D. in der

[Seite 139]

Nachfolge des brit. Politikwissenschaftlers und Sozialisten H. Laski (1921) halten eine Monopolisierung der polit. Entscheidungsfindung durch eine einzelne gesellschaftl. Gruppe deshalb für unmöglich, weil der Entscheidungs- und Willensbildungsprozeß durch ein System von Kräften und Gegenkräften (checks and balances) stets auf einem «mittleren Weg» gehalten wird, der gleich weit entfernt von den jeweiligen partikularen Interessen und Positionen ist.


Fraenkel, E. 1991: Deutschland und die westlichen Demokratien, Stg. (zuerst 1964).

Laski, H. 21968: Authority in the Modern State, New Haven u. a. (zuerst 1921).

Anmerkungen

Die Quelle wird für die ohne Kenntlichmachung sehr wortnah wiedergegebene Aussage Guggenbergers (2005) genannt, die konservativ nicht als Plagiat gewertet wird.

Die vorhergehende Aussage, Schmidt (2000) zugeschrieben, findet sich jedoch ebenfalls bei Guggenberger. Davon, dass "die vorrangige Wahrnehmung des eigenen Nutzens zur unaufhebbaren menschlichen Natur gehört", ist jedoch weder so noch ähnlich bei Schmidt die Rede.

Der Satz, in dem Dahl (1971 und 1997) und Fraenkel (1991) referenziert werden, stammt hingegen aus Schmidt (2000), siehe Fragment 070 24.

Weiterhin ist – bezogen auf den letzten Satz der Verf.in – von einem "Entscheidungs- und Willensbildungsprozess in einem System von Kräften und Gegenkräften" bei Schmidt ebenfalls nirgends die Rede, lediglich an mehreren Stellen von "Willensbildungs- und Entscheidungsprozess[en]" allein sowie anderweitig von "Sicherungen und Gegenkräfte[n]".

Schließlich wurde der Titel Schmidt (2000) in Opladen und nicht in Bremen verlegt. [1]

Sichter
(Stratumlucidum) Schumann
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