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Forum: Übersicht > Der Begriff "Bauernopfer"
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Ein emeritierter Germanist ist der Ansicht, dass der in Plagiatsdokumentationen verwendete Begriff Bauernopfer unzutreffend ist:

"Etwas komplizierter ist ein Problem, das in jeder wissenschaftlichen Arbeit auftaucht und als 'Bauernopfer' bezeichnet wird. Damit ist gemeint, dass ein(e) Autor(in) einen Sachverhalt, eine These oder einen Argumentationszusammenhang referiert, dabei aber nur die wörtlichen Zitate als fremde Autorschaft kennzeichnet, nicht aber den ganzen Text. Das Bild stammt aus dem Schachspiel und meint, dass eine 'relativ geringe Person geopfert' wird, 'um eine gewichtigere schadlos zu halten' (L. Röhrich: Sprichwörtliche Redewendungen). Es liegt auf der Hand, dass das Bild für den hier gemeinten Sachverhalt unzutreffend ist, weil ungekennzeichnete Übernahmen weder ein Opfer andeuten noch eo ipso auf Geringfügigkeit schließen lassen."

Abgesehen davon, dass als Bauernopfer auch Stellen bezeichnet werden, in denen Paraphrasen kenntlich gemacht werden, aber darüber hinaus übernommen wird, verstehe ich den Begriff so, dass ein kenntlich gemachter Teil zu Gunsten eines nicht kenntlich gemachten Teils "geopfert" (als nicht vom Verfasser stammend qualifiziert) wird. Die Kritik am Merkmal der Geringfügigkeit trifft m.E. insofern zu, als dass es ja auch Bauernopfer gibt, in denen der kenntlich gemachte Teil umfangreicher ist als der ohne Kenntlichmachung übernommene, das "Opfer" also eher bedeutend ist. Hotznplotz (Diskussion) 10:03, 8. Sep. 2012 (UTC)

Ich glaube, der Verfasser hat den Begriff Bauernopfer völlig falsch verstanden. Dass, was er im zweiten Satz anspricht, dass ein Autor "nur die wörtlichen Zitate als fremde Autorschaft kennzeichnet" und weitere sinngemäße bzw. umformulierte Übernahmen eben nicht, wäre nur eine von mehreren möglichen Formen des Bauernopfers (wenn überhaupt). Und natürlich besteht das Opfer nicht in den ungekennzeichneten Übernahmen (was für ein absurder Gedanke), sondern eben in den (Teil-)Kenntlichmachungen mit Alibi-Funktion (Sichtwort: "Jede Stelle eine Quelle"), d.h. Teile des Plagiats werden "geopfert", z.B. um eine Auseinandersetzung und korrekte Referenzierung vorzutäuschen. -Hood (Diskussion) 12:08, 8. Sep. 2012 (UTC) Oder hab ich da was falsch verstanden? -Hood (Diskussion) 12:35, 8. Sep. 2012 (UTC)
Was den Schluss auf Geringfügigkeit betrifft: Bereits im GuttenplagWiki war auch schon vom Qualitätsopfer die Rede, es wurde sogar ein Turmopfer eingeführt. ;) -Hood (Diskussion) 11:24, 9. Sep. 2012 (UTC)
Die Definition "dass ein(e) Autor(in) einen Sachverhalt, eine These oder einen Argumentationszusammenhang referiert, dabei aber nur die wörtlichen Zitate als fremde Autorschaft kennzeichnet, nicht aber den ganzen Text" deckt sich doch ueberhaupt nicht mit unserer Definition des Bauernopfers. Davon abgesehen ist das Definiendum doch lediglich ein Platzhalter, wir koennten es auch "Kalawumba" statt "Bauernopfer" nennen. Dass haeufig nichts geopfert wird, z.B. beim "verschaerften bauernopfer", wo ja etwa durch "vgl. ..." noch zusaetzliches Literaturstudium vorgespielt wird, d.h. noch ein Gewinn daraus geschlagen wird, ist wahr aber absolut nebensaechlich. Wie gesagt, es ist nur ein Name. Was kommt als naechstes, ein Schiefkoerper ist nicht schief? Die triviale Gruppe ist keine Gruppe, weil eine Gruppe umgangssprachlich schon ein paar Leute umfassen sollte? Fiesh (Diskussion) 18:07, 10. Sep. 2012 (UTC)
eine ziemlich flapsige und gleichzeitig ziemlich unscharfe Argumentation. Warum nennen wir das Phänomen dann nicht "Kalawumba", wenn es doch egal ist? Mit dem Begriff "Bauernopfer" werden sublim aggressive und deshalb subjektive Konnotationen transportiert, weswegen der Begriff ursprünglich für dieses Phänomen gewählt wurde, allerdings - danke, WiseWoman - im Kontext einer Glosse. Für die wissenschaftliche Definition des Phänomens ist er tatsächlich ungeeignet, denn er bietet Interpretationsbreite und deshalb Angriffsfläche. 77.176.212.80 13:14, 11. Sep. 2012 (UTC)
Soso, "flapsige und gleichzeitig ziemlich unscharfe Argumentation", aber das ohne jegliche Begruendung, sehr scharf argumentiert. Da spricht ja ein wahrer Argumentationsgrossmeister, dessen Urteil ich dankend und mit gesenktem Haupte entgegen nehme. Fiesh (Diskussion) 08:07, 17. Sep. 2012 (UTC)

Der Begriff "Bauernopfer" geht auf Lahusen (2006) zurück. Benjamin Lahusen hat in "Goldene Zeiten - Anmerkungen zu Hans-Peter Schwintowski, Juristische Methodenlehre, UTB basics Recht und Wirtschaft 2005", Kritische Justiz, 39(4) 398-405 auf S. 405 geschrieben:

"die sogenannte Bauernopfer-Referenz. Ein kleiner Teil wird als Ergebnis fremder Geistestätigkeit gekennzeichnet, damit die Eigenautorschaft Schwintowskis hinsichtlich des übrigen Textes umso plausibler wird."

Aber fiesh hat recht -- es ist letztenendlich egal, wie wir es nennen, wenn wir wissen, was damit gemeint ist. --WiseWoman (Diskussion) 20:37, 10. Sep. 2012 (UTC)

ist der Begriff also eher eininterner Code, der Außenstehenden nicht unbedingt zugänglich sein muß? 77.176.212.80 13:19, 11. Sep. 2012 (UTC)
Nein, der Begriff ist definiert für die Berichten [1] als: "Bauernopfer: Text, dessen Quelle ausgewiesen ist, der jedoch ohne Kenntlichmachung einer wörtlichen oder sinngemäßen Übernahme kopiert wurde." bzw als Kategorie-Erläuterung [2] steht "Fußnote zu einem unbedeutenden Teil eines Originaltexts, größere Abschnitte aus demselben ohne Zitatnachweis übernommen." bzw in der Anleitung zur Fragmenterstellung [3] "ein Quellenverweis existiert, aber Art und/oder Umfang der Übernahme wird nicht kenntlich gemacht (wenn z.B. keine Anführungszeichen gesetzt sind, und/oder die Übernahme auch nach dem Quellenverweis weitergeht)". Das ist ganz klar nicht ein interner Code, sondern ein Begriff, was definiert angewendet wird. --WiseWoman (Diskussion) 15:49, 11. Sep. 2012 (UTC)

"Es liegt auf der Hand, dass das Bild für den hier gemeinten Sachverhalt unzutreffend ist, weil ungekennzeichnete Übernahmen weder ein Opfer andeuten noch eo ipso auf Geringfügigkeit schließen lassen." - Streng genommen ist das natürlich auch im Schach nicht korrekt. Ob ein Zug ein Bauernopfer oder ein Bauernverlust darstellt, ist letztlich von einer objektiven Bewertung der Stellung abhängig, die - zumal in Nicht-Großmeisterpartien - von den beiden Spielern nicht immer geleistet wird/werden kann. Somit ist auch das Einstellen einer Figur nicht gleichbedeutend mit dem Andeuten eines Opfers - sondern erst einmal nur mit dem Einstellen einer Figur. Zudem lässt auch ein Bauernopfer keinesfalls auf Geringfügigkeit schließen. Die Partien, in denen Kasparov auf ein "unscheinbares Bauernopfer" eine verheerende Mattattacke hat folgen lassen, sind Legion. Fret (Diskussion) 08:34, 13. Sep. 2012 (UTC)

Die Aussage ist Unsinn. Ich mache darauf aufmerksam, dass auch "Nicht-Großmeister" die grundlegenden Schachregeln und -strategien beherrschen. Da hilft auch kein Namedropping, das hier wohl Expertise zeigen soll? Die Nennung von ein oder zwei Partien aus der "Legion" solcher Partien sollte also kein Problem darstellen. Ein Bauernopfer ist ein kalkuliertes Angebot mit der Aussicht auf einen Stellungsvorteil für den Anbieter. Das Bauernopfer ist dabei die *offene* Variante, im Gegensatz zum "vergifteten Bauern". D.h. auch der Gegner ist sich im Klaren darüber, daß mit der Annahme ein Stellungsvorteil für den Anbieter verbunden ist, auf Kosten seiner Materialstärke. Der Terminus "Bauernopfer" ist im hiesigen Kontext tatsächlich fehl am Platz und sogar kontraproduktiv, da er dem Anbieter, hier dem "Plagiator", ein Kalkül unterstellt, das aber nicht zwangsläufig gegeben sein muß. Es wird somit ein Präjudiz formuliert. Offensichtlicher ist das Präjudiz allerdings beim Terminus Kategorie "Verschleierung". Es wäre notwendig, hier rein objektive Beschreibungen des Sachverhalts einzuführen. 5.10.186.130 09:09, 14. Sep. 2012 (UTC)
Sorry, aber bei den Umfang der Übernahmen und Anlehnungen, die hier beim VroniPlag Wiki dokumentiert sind, kann man die Verschleierungen und Bauernopfer nicht als unbewusste Zufälle abtun. Es muss klar zwischen eigenes und fremdes unterschieden werden. Die hier dokumentierte Fälle haben das nicht getan. Aber statt am Begriff rumzumäkeln, schlage Alternativen vor! Sei konstruktiv! --WiseWoman (Diskussion) 10:26, 14. Sep. 2012 (UTC)
Um gleich zum allgemeineren Punkt zu kommen: Was ich meinte war, dass Schach verschiedene Arten von Vorteilen hat (Stellungs-, Material-, Entwicklungsvorteil, Initiative z.B.), und zum Erreichen jeder einzelnen kann ein Opfer angemessen sein. Triviales Beispiel für Entwicklungsvorteile sind die üblichen Eröffnungsgambits (z.B. 1. e4 d5 2. exd c6 (!?) usw.; 1. e4 e6, 2. d4 d5 3. Sc3, dxe, f3 (!?) etc.). Ein instruktives Beispiel für Stellungsvorteil bietet z.B. Carlsen - Howell, London 2011: Formal ist e5 ein Bauernopfer, das jedoch einen massiven Springer auf e5 zur Folge hat. Ein Beispiel für Initiative durch Bauernopfer wäre z.B. Karpov/Kasparov Moskau 1985 (16. Partie): Nach dem Annehmen des Opfers ist Weiß konstant mit dem Verteidigen des Mehrbauern beschäftigt und gerät zunehmend unter Druck. Für Bauernopfer + Attacke: Kasparov/Topalov Corus 1999: der d5-Bauer ist eine reine Zielscheibe und nur das folgende Txd4 ändert das Bild vollständig. Gerade letztere beiden Beispiele sind hier instruktiv, da die ensprechende Bewertung des Opfers eben nicht auf der Hand liegt - nicht mal für Großmeister. Da helfen auch die Schachregeln nicht weiter. (Schönes aktuelles Beispiel aus der Olympiade: Movsesian/Wang Yue Istanbul 2012)
Mein Problem mit dem Zitat war, dass einerseits auf die scheinbare Geringfügigkeit des Bauernopfers - im Vergleich zum Damenopfer - abgestellt wurde, andererseits auf die "Offensichtlichkeit" desselben. Beides, um dies dann mit dem fraglichen Plagiatsfall zu kontrastieren, wo weder die Offensichtlichkeit gegeben ist, noch die Geringfügigkeit.
Diese Kontrastierung ist jedoch schlicht falsch. Bauernopfer sind weder offensichtlich Bauernopfer, noch als Bauernopfer geringfügig. Nur am Rande: GERADE Bauern (da sie die Schachfiguren mit den geringsten Figurenwert sind und man immerhin acht davon besitzt), bieten sich an für eine ganze Reihe eher diffuser und spekulativer Opfer und sind damit sehr viel schwieriger korrekt einzuschätzen als z.b. Qualitäts- Figuren oder Turm-/Damenopfer. Fret (Diskussion) 10:46, 14. Sep. 2012 (UTC)
Liebe IP 5.10.186.130, Ihre Kritik in Ehren, tatsächlich wurden Verbesserungsvorschläge für das Kategorisierungssystem, sowie die Eindeutigkeit und Verständnisschwierigkeiten der Bezeichungen auch innerhalb der VroniPlag-Community häufig diskutiert, wie Sie sich selbst überzeugen können: [4], [5], [6]. Dies hatte auch einige Änderungen/Vereinfachungen zur Folge. Den meisten Lesern wird jedoch sehr schnell klar, dass sich die Kategorieren an deskriptiven Kriterien orientieren. "Rein objektive Beschreibungen des Sachverhalts", wie Sie sie fordern, finden Sie bei den Kategoriebeschreibungen [7]. Sollten diese unvollständig und missverständlich sein, dürfen Sie gerne darauf hinweisen oder mitarbeiten. Jede Änderung des Kategorisierungssystems, sei es auch nur eine bloße Umbenennung einer Kategorie, zieht jedoch einen großen (technischen) Aufwand nach sich und muss sich anschließend erst bewähren. Wenn Sie gute, kurze und prägnante Ersatzbegriffe für "Bauernopfer" und "Verschleierung" parat haben, können Sie diese gerne vorschlagen. Möglich, dass sie dann zukünftig Verwendung finden könnten. Ansonsten scheint mir die weitere (nicht wirklich neue) Diskussion für das Wiki wenig zielführend. Es mag zutreffen, dass die Bezeichnungen ein bewusstes Vorgehen nahelegen. Die bisherigen Begriffe haben aber mittlerweile eine solche Geläufigkeit erlangt, dass kaum jemand damit noch eine Art von "Präjudiz", so wie Sie sei darstellen, verbindet. Für viele Beitragende ist der Begriff "Bauernopfer" tatsächlich einfach nur eine Bezeichung, die genausogut auch "Kalawumba" lauten könnte, so wie Fiesh es oben ausdrückt. Ich muss aber auch WiseWoman weitgehend Recht geben: Die unzureichend kenntlich gemachten Textübernahmen können i.d.R. nicht durch Zufall erklärt werden, wenngleich sie gelegentlich auch aus Schlampigkeit oder Fahrlässigkeit resultieren mögen (dies ist aber eher die Ausnahme) und auch nicht immer einen gravierenden Verstoß darstellen müssen. -Hood (Diskussion) 12:47, 14. Sep. 2012 (UTC)
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