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Die antike Konzeption des Liebesbegriffes in der deutschen und russischen Literatur und Musik im 19. Jahrhundert anhand der Werke von E.T.A. Hoffmann, A. Puschkin, R. Schumann und P. Tschaikowski

von Dr. Julia Lukjanov

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[1.] Jl/Fragment 036 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2018-01-31 14:30:23 Schumann
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Jl, Natorp 1921, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 36, Zeilen: 1-26 (komplett)
Quelle: Natorp 1921
Seite(n): 173, 175-176, Zeilen: 173:18-32; 175:1-5.22-33.37-38.39-41 - 176:1-12
Im Symposion wird die immanente, weltbejahende Auffassung der Idee etabliert.81 Die Philosophie wird dabei als die wahre und ewige Wiedergeburt, die Unsterblichkeit des Sterblichen selbst, definiert.

Alles Irdische wird wiedergeboren aus dem Ewigen zu selbst unvergänglichem Leben im Licht. Was sterblich ist, soll sterben, denn in diesem Sterben selbst gewinnt es das Leben. Die Vergänglichkeit des Irdischen wird nicht geleugnet oder versteckt, aber sie schadet nicht mehr, denn das „Stirb“ ist die Bedingung des „Werde“.

Die hohe Schule der Philosophie wird von Diotima als ein Stufenweg82 beschrieben.

Er beginnt bei den in der Erfahrung gegebenen „schönen Gegenständen“ und endet mit dem höchsten Wissensobjekt, dem „Schönen selbst“.

Der ganze Weg wird in vier Stationen gegliedert:

Die erste Erkenntnisstufe ist noch im Bereich der Körperwelt und sucht zunächst in dieser die besonderen Gesetzlichkeiten, nicht ohne das Ziel einer die ganze Körperwelt umfassenden Gesetzesordnung, auf. Das Schöne ist schon hier die Gesetzesordnung.

Die zweite Station ist die Psyche; die Sittenwelt, insbesondere „das Schöne in den Einrichtungen und Gesetzen“, das Gebiet der sozialen und pädagogischen Organisationen. Darin soll die durchgängige Verwandtschaft und Zusammengehörigkeit erkannt werden.

Der dritte Schritt führt zum „Schönen der Wissenschaften“.

Hier gelangt das Streben der Erkenntnis auf das „weite Meer“ der Theorie, um Gesetzlichkeit in jede Richtung, nicht mehr bloß in einem Sondergebiet, zu verfolgen. Es werden zahlreiche Sätze und Gedankengänge in unbeschränkter Forschung83 erzeugt.

Bis dahin zielt das Symposion mehr auf periphere Umfassung vielseitiger Erkenntnisse als auf zentrale Zusammenfassung in einer wahren und letzten Einheit ab.

Der letzte Schritt geht, durch alle wissenschaftliche Arbeit gestärkt und gewachsen, schlussendlich zur Erkenntnis der Einheit (Einzigartigkeit) der Wissenschaft84, in ihrem letzten Einheitsgrund, der Idee, der Idee des Schönen.


81 Vgl. Natorp, P. Platos Ideenlehre. Eine Einführung in den Idealismus. S. 172ff.

82 Vgl. Platon. Symposion. 211 c.

83 Hier bedeutet Forschung: Philosophie.

84 Vgl. Platon. Symposion. 210 d.

[Seite 173]

[...] der Unterschied jedenfalls besteht und soll bestehen, daß im Gastmahl die immanente, weltbejahende Auffassung der Idee auch in Hinsicht dieses Punktes siegreich durchdringt. Dieser allgemeine Kontrast zwischen dem Gastmahl und dem Phaedo ist ja in die Augen fallend, ja man möchte ihn für bewußt und beabsichtigt halten. Dort war Philosophie „Uebung im Sterben", hier ist sie die wahre und ewige Wiedergeburt, die Unsterblichkeit des Sterblichen selbst. Dort versank alles Irdische vor dem Lichte des Ewigen in Todesschatten, hier wird es wiedergeboren aus dem Ewigen zu selbst unvergänglichem Leben im Licht. Was sterblich ist, soll sterben, denn in diesem Sterben selbst gewinnt es das Leben. Die Vergänglichkeit des Irdischen wird nicht geleugnet oder versteckt, aber sie schadet nicht mehr, denn das „Stirb" ist die Bedingung des „Werde".

[Seite 175]

Es wird der Stufengang (211 C) beschrieben, den die hohe Schule der Philosophie durchläuft. Er beginnt von diesen und diesen, in der Erfahrung gegebenen „schönen Gegenständen" (vgl. den Gorgias, oben S. 51), um zu enden mit dem höchsten Wissensobjekt, dem „Schönen selbst". [...]

Der ganze Weg nun gliedert sich in die folgenden vier Hauptstationen. Die erste Erkenntnisstufe verbleibt noch im Bereiche der Körperwelt und sucht zunächst in dieser die besonderen Gesetzlichkeiten auf, nicht ohne das Ziel einer die ganze Körperweit umfassenden Gesetzesordnung, einer die ganze Körperweit umfassenden Gesetzesordnung. Daß das „Schöne" schon hier die Gesetzesordnung meint, wird weiterhin deutlicher werden. Das zweite Gebiet ist das des Psychischen; die Sittenwelt, insbesondere „das Schöne in den Einrichtungen und Gesetzen"; also das oben schon vorgreifend genannte Gebiet der sozialen und pädagogischen Organisationen; in welchem allen wiederum die durchgängige Verwandtschaft und Zusammengehörigkeit erkannt werden soll. [...] Der dritte Schritt führt zum „Schönen der Wissenschaften". [...] Hier gelangt das Streben der Erkenntnis bereits aufs „weite Meer" der Theorie, um Gesetzlichkeit nach jeder Richtung, nicht mehr bloß in irgend einem Sondergebiet,

[Seite 176]

zu verfolgen, und zahlreiche herrliche Sätze und Gedankengänge in unbeschränkter Forschung (denn das heißt auch hier „Philosophie") zu erzeugen. Doch ist es bis dahin mehr nur auf peripherische Umfassung vielseitiger Erkenntnisse, als auf zentrale Zusammenfassung in einer wahren und letzten Einheit abgesehen. Dies ist der letzte Schritt, der noch zu tun übrig bleibt, dies das Ziel, das allein dieser vielfältigen Mühe lohnt. Nämlich, durch alle solche wissenschaftliche Arbeit gestärkt und gewachsen, erblickt man endlich die Einheit (Einzigkeit) der Wissenschaft (210D τινὰ ἑπιστἡμην μἰαν), in ihrem letzten Einheitsgrunde, der Idee; hier: der Idee des Schönen.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme bleiben ungekennzeichnet.

Sichter
(Graf Isolan) Schumann


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