FANDOM


Die antike Konzeption des Liebesbegriffes in der deutschen und russischen Literatur und Musik im 19. Jahrhundert anhand der Werke von E.T.A. Hoffmann, A. Puschkin, R. Schumann und P. Tschaikowski

von Dr. Julia Lukjanov

vorherige Seite | zur Übersichtsseite | folgende Seite
Statistik und Sichtungsnachweis dieser Seite findet sich am Artikelende
[1.] Jl/Fragment 037 02 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2018-03-04 23:14:26 Schumann
Buchner 1965, Fragment, Gesichtet, Jl, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 37, Zeilen: 2 ff. (komplett)
Quelle: Buchner 1965
Seite(n): 44, 96, 97, 103, 106, 107-108, 109, Zeilen: 44:24-27; 96:18-22; 97:14-16; 103:22-23; 106:7-10; 107:19-21.33-34 - 108:1-4.12-13.(13-15); 109:12-19
[Nutzen und Brauch des Eros für die Menschen]

Diotima geht zuerst gar nicht auf Sokrates’ Frage nach Nutzen und Brauch des Eros für die Menschen ein.

Ihre Antwort auf diese Frage besteht vielmehr darin, dass sie eine neue, vorbereitende Unterweisung beginnt und im Zusammenhang damit eine neue Frage einführt, denn sie ist der Meinung, dass, bevor nach dem Nutzen gefragt wird, zuerst das Ziel des Menschen mit diesem Nutzen definiert werden muss.

Die Frage lautet also: Worum geht es dem strebend Verlangenden im Verlangen nach dem Schönen?85

Das eigentliche Worum des Eros und das jeweilige Werk des Eros ist also nicht das Gleiche. Das Worum ist das, was der strebend Verlangende unternimmt.

Es gehört zum Wesen des Menschen, im Zuge des Eros zu stehen. Diotima trennt vom Ganzen des Eros eine bestimmte Gestalt ab und nennt diese, ihr den Namen des Ganzen beilegend, Eros; für die anderen Gestalten benutzt sie andere Namen.86

„Jede Ursache, jeder Anlass dafür, dass irgendetwas aus dem Nichtverweilen in das Verweilen hereinkommt, ist Poiesis, ist Hervorbringung und Herstellung.“87

Wenn beide Begriffe, die Poiesis und das bisher von Diotima entfalteten Eroswesen, nun verglichen werden, wird sich eine innere Wesensverwandtschaft zwischen Eros und Poiesis zeigen.

So ist der Eros in sich poetisch und die Poiesis in sich eroshaft. Der Eros wurde als das strebende Verlangen nach dem bestimmt, was den Menschen das im Übergang Verweilende, die Möglichkeit eines verfassten Verweilens eröffnet.

Die Poiesis bestimmt Diotima als Herstellung und Hervorbringung.

Den Eros bestimmt Diotima zuerst, in seinem eigentlichen Wesen, als jedes tätig-verlangende Streben nach den Gütern, nach dem für das Verweilen des Menschen Tauglichen, und d.h. in sich schon nach dem geglückten Sein des Menschen in der Beständigkeit.88

Dieser Eros ist der eigentliche, denn er ist der mächtigste und gewaltigste, weil alles bestimmende; er überlistet jeden Menschen und beschenkt ihn mit List.89


85 Vgl. Platon. Symposion. 204 d. ff.

86 Vgl. ebenda. 205 b.

87 Vgl. ebenda.

88 Vgl. ebenda. 205 d. ff.

[89] Vgl. Platon. Symposion. 205 d. ff]

[Seite 96]

Es muß auffallen, daß sie zunächst garnicht auf Sokrates’ Frage nach Nutzen und Brauch des Eros für die Menschen eingeht. Ihre Antwort auf diese Frage besteht vielmehr darin, daß sie eine neue, vorbereitende Unterweisung beginnt und im Zusammenhang damit neue Frage einführt; [...]

[Seite 44]

In diesem Sichausstehen, welches im strebenden Verlangen ausgetragen wird, geht es dem strebend Verlangenden gerade darum, die Präsenz von solchem, was in sich καλόν ist, zu erlangen, um in diesem Erlangen sich selbst ins Anwesen hervorzubringen.

[Seite 97]

Das eigentliche Worumwillen des Eros, dessen eigentümliche Struktur im Folgenden aufzuzeigen ist, und das jeweilige Werk des Eros sind also nicht das Gleiche.

[Seite 103]

Es gehört zum Wesen des Menschen, im Zuge des Eros zu stehen.

[Seite 106]

„Wir“, sagt Diotima, „trennen vom (Ganzen des) Eros eine bestimmte Gestalt ab und nennen diese, ihr den Namen des Ganzen beilegend, Eros; für die anderen (Gestalten) gebrauchen wir dann andere Namen“ (205 b 4 f.).

[Seite 107]

„Jede Ursache (jeder Anlaß) dafür, daß irgendetwas aus dem Nichtverweilen in das Verweilen hereinkommt, ist Poiesis, ist Hervorbringung und Herstellung“ (205 b 7 f.)78). [...]

Wenn wir die Bestimmung der Poiesis mit dem bisher von Diotima entfalteten Eroswesen vergleichen, zeigt sich eine innere Wesensverwandtschaft

[Seite 108]

zwischen Eros und Poiesis, dergestalt, daß der Eros in sich poietisch, die Poiesis in sich eroshaft ist. Der Eros wurde als das strebend-auslangende Verlangen nach dem bestimmt, was den Menschen, als den übergänglich Verweilenden, die Möglichkeit eines verfaßten Verweilens eröffnet und einräumt. [...] Diotima bestimmte nun als Poiesis, als Herstellung und Hervorbringung das, was Schuld daran ist, daß etwas aus dem Nichtverweilen ins Verweilen übergeht, was also etwas zum Verweilen bringt und im Verweilen Stand gewinnen läßt.

[Seite 109]

Auf die Hauptsache gesehen (205 d 1), d. h. in seinem eigentlichen Wesen erblickt, ist Eros jedes tätig-verlangende Streben nach den Gütern, nach dem für das Verweilen des Menschen Tauglichen, und d. h. in sich schon nach dem geglückten Sein des Menschen in Beständigkeit (205 d 2)80). Dieser Eros ist der eigentliche, denn er ist der mächtigste und gewaltigste, weil alles durchmachtende und bestimmende; zugleich ist er der jeden Menschen überlistende und mit List begabende, nämlich umwillen der Eudaimonia (205 d 2 f.)81).

Anmerkungen

Ohne Hinweis auf eine Übernahme.

Sichter
(Graf Isolan) Schumann


vorherige Seite | zur Übersichtsseite | folgende Seite
Letzte Bearbeitung dieser Seite: durch Benutzer:Schumann, Zeitstempel: 20180304231537
Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA , sofern nicht anders angegeben.