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Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 38, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Buchner 1965
Seite(n): 109, 113-114, 116, 117, 121, Zeilen: 109:23-31; 113:4-8.32-38 - 114:1; 116:32-33 - 117:1-5; 121:3-5
[Dieser Eros verteilt] und erstreckt sich in alle möglichen Geschäfte, Besorgungen und Bemühungen des Menschen.90

Das bedeutet, dass alles Tun des Menschen schon die Schaffung des eigenen Verweilens ist. Der Eros als Ganzes besteht nicht neben oder über seinen eigenen Teilen und Gestalten an sich und steht selbst für wiederum eine eigene, nur höhere Art des Strebens und Verlangens. Er ist das in allen jeweiligen Bestrebungen des Menschen zuvor schon Waltende, Bestimmende und Bewegende.

Um zu sehen, was Diotima mit „dem Guten“ meint, muss zunächst gefragt werden, in welchem Sinn innerhalb ihrer in der Unterweisung gegebenen Exposition des Eros überhaupt von etwas wie einer den Menschen notwendigen anderen Hälfte gesprochen werden kann, welche andere Hälfte dann als „das Gute“ bestimmt ist.

Die dem Menschen als etwas Seiendem eigentümliche und notwendige Hälfte, d.h. das ihm als Seiendem vom Hause aus schon Zukommende, ist nichts anderes als das Sein dieses Seienden. Die beiden Hälften des Aristophanes werden von Diotima zunächst formalisiert und dann ontologisch umgedacht im Sinne des Seienden, eine Hälfte Mensch in seinem Sein, die andere Hälfte die Einheit des Seins.

Die vom Eros erstrebte Ganzheit ist nicht mehr eine mythologische Konstruktion, sondern die ontologische Einheit des Seins des Seienden. Der Eros strebt danach, dass das Gute für die Menschen als sterblich Seiende immer bei ihnen verweilt, d.h., dass die Menschen immer als in Beständigkeit Verfasste sind.91

Der Eros hält sich als Selbsterstrebnis der Menschen im Zwischenraum des Unsterblichen, in Beständigkeit und Einzigartigkeit/Authentizität fortwährenden Vorbildes und der jeweilig überliefernd ins Verweilen hervorgebrachten bzw. hervorzubringenden Sterblichen.

So zeigt sich auch der Eros als Eros der sterblichen Menschen, als Dimension eines Zwischen.

Es kommt nun drauf an, das Werk des Eros als diesen Zwischenraum und dieses Zwischen selbst als ein Erwirken des Eros zu sehen.


89 Vgl. Platon. Symposion. 205 d. ff

90 Vgl. ebenda .

91 Vgl. ebenda. 206 a - 206 d.

[Seite 109]

Dieser Eros verteilt und erstreckt sich in alle möglichen Geschäfte, Besorgungen und Bemühungen des Menschen (205 d 2 ff.). Das bedeutet, daß alles Tun des Menschen, auf welchen Wegen auch immer, je schon Besorgen des eigenen Verweilens ist. Das Ganze des Eros bzw. der Eros als Ganzes ist nicht etwas, was neben oder über seinen eigenen Teilen und Gestalten an sich besteht und selbst wiederum eine eigene, nur höhere Art des Strebens und Verlangens ausmachte, sondern es ist das in allen jeweiligen Strebungen des Menschen zuvor schon Waltende, Bestimmende und Bewegende.

[Seite 113]

Um zu sehen, was Diotima mit „dem Guten“ im Blick hat, müssen wir zunächst fragen, in welchem Sinne innerhalb ihrer in der Unterweisung gegebenen Exposition des Eros überhaupt von so etwas wie einer den Menschen notwendigen anderen Hälfte gesprochen werden kann, welche andere Hälfte dann als „das Gute" bestimmt ist. [...]

Die dem Menschen als etwas Seiendem eigentümliche und notwendige Hälfte, d. h. das ihm als Seiendem von Hause aus je schon Zukommende, ist nichts anderes als das Sein dieses Seienden, d. i. die Eudaimonia. Die beiden Hälften des Aristophanes werden von Diotima also zunächst formalisiert und dann ontologisch umgedacht im Sinne des Seienden (eine Hälfte: Mensch) in seinem Sein (andere Hälfte: Eudaimonia). Die vom Eros erstrebte Ganzheit ist jetzt nicht mehr eine mythologische Konstruktion, son-

[Seite 114]

dern die ontologische Einheit des Seins (Eudaimonia) des Seienden (Mensch).

[Seite 116]

Der Eros hält sich als Selbsterstrebnis der Menschen im Zwischen des unsterblichen, in Ständigkeit und Selbigkeit fort-

[Seite 117]

währenden Vorbildes und der jeweilig überliefernd ins Verweilen hervorgebrachten bzw. hervorzubringenden Sterblichen. So zeigt sich, jedenfalls in Umrissen, auch der Eros als Eros der sterblichen Menschen als Dimension eines Zwischen. Es kommt nun darauf an, das Werk des Eros als dieses Zwischen und dieses Zwischen selbst als ein Erwirken des Eros zu sehen.

[Seite 121]

Der Eros strebt nach der zuletzt gegebenen Bestimmung danach, daß das Gute für die Menschen als sterblich Seiende immer bei ihnen verweilt, d. h. daß die Menschen immer als in Beständigkeit Verfaßte sind.

Anmerkungen

Ohne Hinweis auf eine Übernahme.

Sichter
(Graf Isolan) Schumann
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