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Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 43, Zeilen: 16-32, 101
Quelle: Sier 1997
Seite(n): 293-294, Zeilen: 293:10-17.21-22.34-37 - 294:1.5-9
In der ersten Hälfte der Diotima-Rede dominiert der Aspekt der Polarität, in die der Eros seinem Wesen nach eingespannt ist. Das Böse, das Unwissende, das Sterbliche kann keinen wirklichen Eros entfalten, ebenso wenig wie das Gute, Weise, Unsterbliche.

Der Charakter des typischen Erotikers bestimmt sich demnach durch den Kontrast zu den konträren Eckpunkten. Die ausschlaggebende Bedeutung hat hierbei die Reflexion des Subjektes auf den eigenen Mangel.

Der Mensch begehrt nur das, was er glaubt, dass ihm fehlt. Diotima macht deutlich, dass der Sinn des Eros sich erst in der Philosophie erfüllt.97

So geht durch Diotimas Überlegungen eine Spannung zwischen einer elitären Eingrenzung des Eros-Begriffs, wie sie dem Selbstverständnis des Philosophen entspricht, und dem philosophischen Interesse an der Analyse eines Grundphänomens der menschlichen Wirklichkeit.

In der zweiten Hälfte des Gespräches lässt Diotima das Moment der Selbstreflexion in den Hintergrund treten.

Nicht ein Mangelzustand und die Empfindung der Bedürftigkeit treiben den Eros, sondern ein „Schwanger sein“ als Fülle des potenziell Vorhandenen, das nach Lösung und Entbindung ruft.98


97 Vgl. Platon. Symposion. 204 b.

[98 Vgl. Platon. Symposion. 206 c.]

[Seite 293]

In der ersten Hälfte dominiert der Aspekt der Polarität, in die der Eros seinem Wesen nach eingespannt ist. Das schlechthin Böse, Unwissende, Sterbliche kann keinen (wirklichen) Eros entfalten, ebensowenig wie das schlechthin Gute, Weise, Unsterbliche. Der Charakter des typischen εραστής bestimmt sich demnach durch den Kontrast zu den konträren Eckpunkten, und von ausschlaggebender Bedeutung ist hierbei die Reflexion des Subjekts auf die eigene Ινδεια; denn man begehrt nur das, von dem man glaubt, daß es einem fehle (204 a). [...] Diotima macht deutlich, daß der Sinn des Eros sich erst in der Philosophie erfüllt (204 b). [...] So geht durch Diotimas Überlegungen eine Spannung zwischen einer >elitären< Verengung des Eros-Begriffs, wie sie sich dem Selbstverständnis des Philosophen nahelegt, und dem philosophischen Interesse an der Analyse eines Grundphänomens der

[Seite 294]

menschlichen Wirklichkeit. [...]

In der zweiten Hälfte des Gesprächs läßt Diotima das Moment der Selbstreflexion in den Hintergrund treten, und das gleiche gilt für den Aspekt der ενδεια. Nicht ein Mangelzustand und die Empfindung der Bedürftigkeit treiben den έρών, sondern ein >Schwangersein< als Fülle des potentiell Vorhandenen, das nach Lösung und Entbindung ruft (206 c 1, e 1).

Anmerkungen

Weitgehend identisch bis hin zu den Verweisen in den Fußnoten. Ohne Hinweis auf eine Übernahme, ohne Quellenangabe.

Sichter
(Graf Isolan) Schumann
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