FANDOM



Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 57, Zeilen: 1-15, 34-35
Quelle: Clemens 2001
Seite(n): 11, 12, Zeilen: 11:17ff.; 12:10ff.
Die Gotteserfahrung in der himmlischen Liebe drückt sich nicht mehr als Höhepunkt einer einzigen, aufwärtsgerichteten Bewegung hin zum Einen aus, sondern in einem ständigen Umschlag zwischen liebender Vereinigung und qual- und sehnsuchtsvollem Verlust.124

Diese Entwicklung ist die Voraussetzung für den sich zu gleicher Zeit vollziehenden revolutionären Umbruch in der Darstellung der Liebe in der Lyrik der Troubadouren und Minnesänger sowie im Liebesroman.

Neben der hohen Minne mit ihrer idealisierten Kunstfigur der vollkommenen Frau und der niederen Minne, dem leiblichen Genuss, wurde nun mit der Herzensliebe in einer persönlichen Beziehung zweier Liebender ein radikal anderes, moderneres erotisches Konzept formuliert. Es findet seine extreme Ausformung in der subversiven, nicht mehr in die höfische Welt integrierbaren Liebe des Tristan.

Die wesentlichen Grundzüge des vielfältigen neuzeitlichen Denkens zu diesem Thema beruhen auf ganz unterschiedlichen Theorien des Eros.

Spinoza misst der Begierde eine positive, für den Menschen geradezu konstitutive Qualität zu und sieht als zentrales menschliches Problem nicht ihre Zügelung, sondern ihre Ausrichtung.

[...]

Es gilt das wahre Ziel des Eros zu finden und dadurch Freiheit, Autonomie und Selbstverwirklichung zu realisieren.


124 Vgl. Haug, W. Erotik und Körperlichkeit in der Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. In: Clemens, D. Schabert, T. (Hrsg.) Kulturen des Eros. S. 110-135.

Das heißt, die Gotteserfahrung in der himmlischen Liebe drückte sich nicht mehr als Höhepunkt einer einzigen, aufwärtsgerichteten Bewegung hin zum Einen aus, sondern in einem ständigen Umschlag zwischen liebender Vereinigung und qual- und sehnsuchtsvollem Verlust, erfahren im Modus des Körpers und als eine personale Begegnung. Diese Entwicklung, so Haugs These, war eine der Voraussetzungen für den sich zu gleicher Zeit vollziehenden revolutionären Umbruch in der Darstellung der Liebe in der Lyrik der Trobadors und Minnesänger sowie im Liebesroman. [...] Neben der hohen Minne mit ihrer idealisierten Kunstfigur der vollkommenen Frau und der niederen Minne, dem leiblichen Genuß, wurde nun mit der »Herzensliebe« in der personalen Du-Beziehung zweier Liebender ein radikal anderes, »moderneres« erotisches Konzept formuliert. Es findet seine extreme Ausformung in der subversiven, nicht mehr in die höfische Welt integrierbaren Liebe des Erec im Artusroman sowie in der sich über alle gesellschaftlichen Normen hinwegsetzenden tragischen Ehebruchsliebe des Tristan.

[Seite 12]

Er bezieht sich zunächst auf Descartes, Spinoza und Hobbes mit deren verschiedenen, auf ganz unterschiedlichen Weltsichten beruhenden Theorien des Eros bzw. der Begierde, so Webb, die wesentlichen Grundzüge des vielfältigen neuzeitlichen Denkens zu diesem Thema umrissen sind. Für seine weitere Argumentation ist die wichtigste Referenz Spinoza, der der Begierde eine positive, für den Menschen geradezu konstitutive Qualität zumißt, und als zentrales menschliches Problem nicht ihre Zügelung sieht, sondern ihre Ausrichtung. Es gilt, das wahre Ziel des Eros zu finden und dadurch Freiheit, Autonomie und Selbstverwirklichung zu realisieren.

Anmerkungen

Verwiesen (und das lediglich zum Vergleich) wird in der Fußnote auf den Beitrag von Haug, abgeschrieben wird der Inhalt jedoch größtenteils wörtlich aus Clemens' Einführung der Sammlung, in der Haugs Beitrag erschienen ist, und die diesen ("so Haugs These") sowie weiter unten Webb erkennbar referiert.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02
Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA , sofern nicht anders angegeben.