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Autor     Stephan Barth
Titel    Individualisierung und soziale Beziehungen
Jahr    2001
Anmerkung    Der Text wurde bereits 1998 erstellt, vgl. [1].
URL    archiviert: https://web.archive.org/web/20010125073600/http://www.stephan-barth.de/individu.htm

Literaturverz.   

nein
Fußnoten    nein
Fragmente    10


Fragmente der Quelle:
[1.] Mhg/Fragment 133 14 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2019-06-20 11:19:00 [[Benutzer:|]]
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Typus
Verschleierung
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SleepyHollow02
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Untersuchte Arbeit:
Seite: 133, Zeilen: 14-34
Quelle: Barth 2001
Seite(n): online, Zeilen: –
5.1 Individualisierung und soziale Beziehungen

Zentraler Ausgangspunkt [für die Diskussion um Verlust oder Liberalisierung von Gemeinschaften] ist die Individualisierung, da durch sie "die Menschen aus den Sozialformen der industriellen Gesellschaft - Klasse, Schicht, Familie, Geschlechtslagen von Männern und Frauen - freigesetzt werden, ähnlich wie sie im Laufe der Reformation aus der weltlichen Herrschaft der Kirche in die Gesellschaft 'entlassen' wurden." (Beck 1986, S.115). In seinem Buch "Die Risikogesellschaft" [sic] beschreibt Ulrich Beck (1986) drei analytische Dimensionen der Individualisierung:

"Herauslösung aus historisch vorgegebenen Sozialformen und -bindungen im Sinne traditionaler Herrschafts- und Versorgungszusammenhänge ('Freisetzungsdimension'), Verlust von traditionalen Sicherheiten im Hinblick auf Handlungswissen, Glauben und leitende Normen ('Entzauberungsdimension') und - womit die Bedeutung des Begriffes gleichsam in ihr Gegenteil verkehrt wird - eine neue Art der sozialen Einbindung ('Kontroll- bzw. Reintegrationsdimension')" (Beck 1986: 206).

Der Ausgangspunkt für die Individualisierung liegt bei Heiner Keupp (1987b) in der industriellen Revolution und der Durchsetzung der kapitalistischen Produktionsweise.

"Die gesellschaftliche Herstellung der 'freien Lohnarbeiterexistenz' hat Menschen aus traditionellen Lebenszusammenhängen herausgerissen, hat sie von ihrem Grund und Boden und aus ihren Herkunftsregionen getrennt, hat gewaltige Bevölkerungs-[wanderungen in die neuen Industriezentren in Bewegung gesetzt" (Keupp 1987a: 36.).]

Beck, Ulrich (1986) Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere
Moderne. Frankfurt/Main.

Keupp, Heiner (1987a) Soziale Netzwerke. Eine Metapher des gesellschaftlichen Umbruch? [sic] In: Keupp, Heiner / Röhrle, Bernd (Hg.) Soziale Netzwerke, Frankfurt/Main u. New York, 11-53.

Keupp, Heiner (1987b) Psychosoziale Praxis im gesellschaftlichen Umbruch. (Hg.) [sic] Sieben Essays, Place, [sic]

Individualisierung und soziale Beziehungen

[...]

Nach BECK (1986), dem gegenwärtig exponiertesten Vertreter des Theorems, ist unter Individualisierung zu verstehen, dass "die Menschen aus den Sozialformen der industriellen Gesellschaft - Klasse, Schicht, Familie, Geschlechtslagen von Männern und Frauen - freigesetzt werden, ähnlich wie sie im Laufe der Reformation aus der weltlichen Herrschaft der Kirche in die Gesellschaft 'entlassen' wurden."2
Er beschreibt in seiner Abhandlung über die "Risikogesellschaft" die "dreifache Individualisierung", drei analytische Dimensionen, die ein "allgemeines, ahistorisches Modell der Individualisierung" bilden: "Herauslösung aus historisch vorgegebenen Sozialformen und -bindungen im Sinne traditionaler Herrschafts- und Versorgungszusammenhänge ('Freisetzungsdimension'), Verlust von traditionalen Sicherheiten im Hinblick auf Handlungswissen, Glauben und leitende Normen ('Entzauberungsdimension') und - womit die Bedeutung des Begriffes gleichsam in ihr Gegenteil verkehrt wird - eine neue Art der sozialen Einbindung ('Kontroll- bzw. Reintegrationsdimension')."3

[...]

Ihren Ursprung findet die Individualisierung nach KEUPP (1987a) in der industriellen Revolution und der Durchsetzung der kapitalistischen Produktionsweise, die eine Auflösung der feudalen Abhängigkeitsverhältnisse bedeutete: "Die gesellschaftliche Herstellung der 'freien Lohnarbeiterexistenz' hat Menschen aus traditionellen Lebenszusammenhängen herausgerissen, hat sie von ihrem Grund und Boden und aus ihren Herkunftsregionen getrennt, hat gewaltige Bevölkerungswanderungen in die neuen Industriezentren in Bewegung gesetzt."6


2Beck 1986, S.115; Hervorhebung im Original.

3Beck 1986, S.206; Hervorhebungen im Original.

6Keupp 1987a, S.36.


BECK, U. (1986): Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Frankfurt/M.

KEUPP, H. (1987a): Soziale Netzwerke. Eine Metapher des gesellschaftlichen Umbruchs?
In: KEUPP, H.; RÖHRLE, B. (HRSG.): Soziale Netzwerke. Frankfurt/M. / New York, S. 11 - 53.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle, die in der Habilitationsschrift an keiner Stelle genannt wird.

Der Einleitung des ersten Zitats stammt größtenteils von der Verf.in selbst; da aber erkennbar die wörtlichen Zitate aus der Quelle übernommen wurden, lässt sich vertreten, dass hier – auch in Anbetracht der übrigen Übernahmen aus der Quelle – ein Plagiat vorliegt; die Zitate gehen in die Zeilenzählung mit ein.

Die beiden Titel Keupp (1987a und b) werden von der Verf.in fehlerhaft wiedergegeben, vgl. [2] bzw. [3]. Die Nennung von letzterem scheint hier irrtümlich zu erfolgen, da im Anschluss wörtlich aus ersterem – bzw. aus der ungenannt bleibenden Quelle Barth – zitiert wird. Keupp (1987b) wird in der Habilitationsschrift lediglich an dieser Stelle referenziert.

Sichter
(WiseWoman, SleepyHollow02), Stratumlucidum


[2.] Mhg/Fragment 134 03 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2019-06-20 12:47:56 [[Benutzer:|]]
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Typus
Verschleierung
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SleepyHollow02
Gesichtet
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Untersuchte Arbeit:
Seite: 134, Zeilen: 3-34
Quelle: Barth 2001
Seite(n): online, Zeilen: –
Daraus resultiert eine "formale Trennung zwischen dem Haushalt und dem Betrieb" sowie eine "funktionale Arbeitsteilung zwischen der Familie und der Schule", die sich direkt „in segmentierte soziale Rollen des Individuums" übersetzen lassen, „das damit aufhört, primär Mitglied eines und desselben Kollektivs zu sein" (Mayer/Müller 1994 : 273).

Mit der Einführung der wohlfahrtsstaatlichen Sicherungssysteme und der Etablierung eines Lebensstandards, "der den Entfaltungsspielraum des einzelnen vergrößert und zugleich die Notwendigkeit der Solidargemeinschaft aus der existentiellen Not heraus abgebaut hat" (Keupp 1987a: 37), setzte ein Individualisierungsschub ein, dessen Spezifikum der Massencharakter und seine Weitläufigkeit ist. (vgl. Beck-Gernsheim 1994b: 139).

"In Verbindung mit einem Anstieg erwerbsarbeitsfreier Lebenszeit" wachsen „zeitliche und materielle Freiheitsspielräume, die zur Ausgestaltung eigenständiger Lebensstile genutzt werden können. Je mehr individuelle Bedürfnisse realisiert werden können, desto stärker werden Individuen aus klassenkulturellen Milieus herausgelöst" (Böllert 1995: 29).

Mit der Modernisierung verbunden ist eine Zunahme flexiblerer Arbeitszeiten (vgl. Rerrich 1994: 204), welche die Aufrechterhaltung bestehender Beziehungen erschweren und häufig auch die Abläufe in der Familie nachhaltig beeinflussen. Hinzu kommen die gestiegenen Mobilitätsanforderungen. Um auf dem Arbeitsmarkt dauerhaft erfolgreich zu sein, wird oftmals eine Bereitschaft zur Mobilität erwartet (vgl. Beck 1983: 46). Jedoch können solche häufigen Ortswechsel zu einem Verlust von Beziehungen führen.

"Der permanente Wechsel von Bezugspersonen, Instabilität und Diskontinuität werden so zu einer Normalerfahrung [...] Freundschaften und Beziehungen, ja selbst die Eltern - Kind - Beziehungen werden riskanter bzw. optionsreicher und lassen eine Strategie der sozialen Risikominimierung (hinsichtlich der Ungewissheit der eigenen späteren Enttäuschung und des eigenen 'Schadens'), eine 'gebremste' Form der Selbstinvestition und der Vertrauensinvestition in Partnerschaften und Freundschaften als ratsam erscheinen ('man könnte sich ja wieder trennen')" (Rauschenbach 1994 :105).

Beck, Ulrich (1983) Jenseits von Klasse und Stand? In: Kreckel, Rainer (Hg.) Soziale Ungleichheit., Göttingen, 35 - 74.

Beck-Gernsheim, Elisabeth (1994b) Individualisierungstheorie. Veränderungen des Lebenslaufs in der Moderne. In: Keupp, Heiner (Hg.) Zugänge zum Subjekt. Perspektiven einer reflexiven Sopzialpsychologie [sic] ., Franfurt/Main [sic], 125-146.

Böllert, Karin (1995) Zwischen Intervention und Prävention. Eine andere Funktionsbestimmung Sozialer Arbeit. Neuwied.

Keupp, Heiner (1987a) Soziale Netzwerke. Eine Metapher des gesellschaftlichen Umbruch? [sic] In: Keupp, Heiner / Röhrle, Bernd (Hg.) Soziale Netzwerke, Frankfurt/Main u. New York, 11-53.

Mayer, Karl-Ulrich / Müller, Walter (1994) Individualisierung und Standardisierung im Strukturwandel der Moderne. Lebensverläufe im Wohlfahrtsstaat. In: Beck, Ulrich/Beck-Gernsheim, Elisabeth (Hg.) Riskante Freiheiten. Individualisierung in modernen Gesellschaften., Franfurt/Main [sic], 265-295.

Rauschenbach, Thomas (1994) Inszenierte Solidarität. Soziale Arbeit in der Risikogesellschaft. In: Beck, Ulrich / Beck-Gernsheim, Elisabeth (Hg.) Riskante Freiheiten. Individualisierung in modernen Gesellschaften., Franfurt/Main [sic], 89-111.

Rerrich, Maria S. (1994) Zusammenfügen, was auseinanderstrebt. Zur familialen Lebensführung von Berufstätigen. In: Beck, Ulrich / Beck-Gernsheim, Elisabeth (Hg.) Riskante Freiheiten. Individualisierung in modernen Gesellschaften., Franfurt/Main [sic], 201-218.

Die daraus unter anderem resultierende "formale Trennung zwischen dem Haushalt und dem Betrieb und die funktionale Arbeitsteilung zwischen der Familie und der Schule lassen sich direkt übersetzen in segmentierte soziale Rollen des Individuums, das damit aufhört, primär Mitglied eines und desselben Kollektivs zu sein."7 [...]

Erst mit der Etablierung einer umfassenden wohlfahrtsstaatlichen Absicherung und eines Lebensstandards, "der den Entfaltungsspielraum des einzelnen vergrößert und zugleich die Notwendigkeit der Solidargemeinschaft aus der existentiellen Not heraus abgebaut hat"9, setzte aber ein Individualisierungsschub ein, dessen Besonderheit nach BECK-GERNSHEIM (1994b) in seinem Massencharakter und seiner Weitläufigkeit liegt.10 [...]

Die Tatsache einer (noch) kontinuierlichen Steigerung des materiellen Lebensstandards begünstigt Individualisierung auch insofern, als "in Verbindung mit einem Anstieg erwerbsarbeitsfreier Lebenszeit zeitliche und materielle Freiheitsspielräume wachsen, die zur Ausgestaltung eigenständiger Lebensstile genutzt werden können. Je mehr individuelle Bedürfnisse realisiert werden können, desto stärker werden Individuen aus klassenkulturellen Milieus herausgelöst."12 Von Einfluss auf den Individualisierungsprozess sind auch die zunehmend flexibleren Arbeitszeiten13, die ein Aufrechterhalten bestehender Beziehungen erschweren und häufig auch familiale Abläufe nachhaltig beeinflussen und damit zu Destabilisierung beitragen können sowie des weiteren die neuen Kommunikationsmedien mit ihren vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten.14

Ein weiterer Motor der Individualisierung ist die gestiegene Mobilitätsanforderung. Auf dem Arbeitsmarkt dauerhaft erfolgreich zu sein, verlangt oftmals die Bereitschaft zur Mobilität.15 Häufige Ortswechsel jedoch gehen einher mit einem Verlust von Beziehungen. Persönliche Bindungen können deshalb von vornherein als befristet erlebt werden: "Der permanente Wechsel von Bezugspersonen, Instabilität und Diskontinuität werden so zu einer Normalerfahrung... Freundschaften und Beziehungen, ja selbst die Eltern - Kind - Beziehungen werden riskanter bzw. optionenreicher und lassen eine Strategie der sozialen Risikominimierung (hinsichtlich der Ungewissheit der eigenen späteren Enttäuschung und des eigenen 'Schadens'), eine 'gebremste' Form der Selbstinvestition und der Vertrauensinvestition in Partnerschaften und Freundschaften als ratsam erscheinen ('man könnte sich ja wieder trennen')."16


7Mayer/Müller 1994, S.273.

9Keupp 1987a, S.37.

10Vgl. BECK-GERNSHEIM 1994b, S. 139.

12Böllert 1995, S. 29.

13Vgl. RERRICH 1994, S. 204.

14Vgl. BECK 1983, S. 68.

15Vgl. BECK 1983, S. 46.

16Rauschenbach 1994, S.105.


BECK, U. (1983): Jenseits von Klasse und Stand?
In: KRECKEL, R. (HRSG.): Soziale Ungleichheit. Göttingen, S. 35 - 74.

BECK-GERNSHEIM, E. (1994b): Individualisierungstheorie. Veränderungen des Lebenslaufs in der Moderne.
In: KEUPP, H. (HRSG.): Zugänge zum Subjekt. Perspektiven einer reflexiven Sozialpsychologie. Frankfurt/M.,
S. 125 - 146.

BÖLLERT, K. (1995): Zwischen Intervention und Prävention. Eine andere Funktionsbestimmung Sozialer Arbeit. Neuwied.

KEUPP, H. (1987a): Soziale Netzwerke. Eine Metapher des gesellschaftlichen Umbruchs?
In: KEUPP, H.; RÖHRLE, B. (HRSG.): Soziale Netzwerke. Frankfurt/M. / New York, S. 11 - 53.

MAYER, K.U.; MÜLLER, W. (1994): Individualisierung und Standardisierung im Strukturwandel der Moderne.
Lebensverläufe im Wohlfahrtsstaat.
In: BECK, U.; BECK-GERNSHEIM, E. (HRSG.): Riskante Freiheiten. Individualisierung in modernen Gesellschaften. Frankfurt/M., S. 265 - 295.

RAUSCHENBACH, T. (1994): Inszenierte Solidarität. Soziale Arbeit in der Risikogesellschaft.
In: BECK, U.; BECK-GERNSHEIM, E. (HRSG.): Riskante Freiheiten. Individualisierung in modernen Gesellschaften. Frankfurt/M., S. 89 - 111.

RERRICH, M.S. (1994): Zusammenfügen, was auseinanderstrebt. Zur familialen Lebensführung von Berufstätigen.
In: BECK, U.; BECK-GERNSHEIM, E. (HRSG.): Riskante Freiheiten. Individualisierung in modernen Gesellschaften. Frankfurt/M., S. 201 - 218.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle, die in der Habilitationsschrift an keiner Stelle genannt wird.

Da erkennbar auch die wörtlichen Zitate – mit jeweils einer Abweichung – aus der Quelle übernommen wurden, gehen sie in die Zeilenzählung mit ein.

Mayer / Müller (1994), Rerrich (1994) und Böllert (1995) werden in der untersuchten Arbeit ausschließlich an dieser Stelle referenziert; Beck (1983) außer an dieser Stelle lediglich in Plagiatskontexten, siehe die Fragmente 135 01, 137 01 und 138 01; und Rauschenbach (1994) ebenfalls außer an dieser Stelle nur in Plagiatskontexten, siehe die Fragmente 135 01 und 138 01.

Der Titel Keupp (1987a) wird von der Verf.in fehlerhaft wiedergegeben, vgl. [4].

Sichter
(SleepyHollow02), Stratumlucidum


[3.] Mhg/Fragment 135 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2019-06-20 19:44:44 [[Benutzer:|]]
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Typus
Verschleierung
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SleepyHollow02
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Untersuchte Arbeit:
Seite: 135, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Barth 2001
Seite(n): online, Zeilen: –
.
„Soziale Mobilität - wie im übrigen auch geographische Mobilität, ja selbst die alltägliche Mobilität zwischen Familie und Arbeitsplatz - wirbelt die Lebenswege und Lebenslagen der Menschen durcheinander. Mit all diesen Arten von Mobilitätsvorgängen und insbesondere in ihrer Summe sind immer wieder Individualisierungsschübe relativ zu Familien-, Nachbarschafts-, Kollegen-, Berufs- und Betriebsbindungen sowie Bindungen an eine bestimmte regionale Kultur und Landschaft verbunden. Die Lebenswege der Menschen verselbständigen sich gegenüber den Bedingungen und Bindungen, aus denen sie stammen oder die sie neu eingehen [...]"(Beck 1986 :125f.).

Aber auch die sozialräumliche Entwicklung der Wohnverhältnisse beeinflusst nach Ulrich Beck den Individualisierungsschub. Seit den 50er Jahren wurden vielerorts die traditionalen Siedlungsstrukturen durch neue Stadtsiedlungen ersetzt,

"und auch damit wird ein spezifischer 'Individualisierungsschub' in den Wohn- und damit gegebenen Sozialbeziehungen und Verkehrsformen der Menschen ausgelöst. An die Stelle der traditionalen, familienübergreifenden, stärker kommunal orientierten Siedlungsformen treten die modernen Großstadt- oder Kleinstadtsiedlungen mit ihrer typischen gemischt-sozialen Zusammensetzung und ihren viel lockereren Nachbarschafts- und Bekanntschaftsverhältnissen" (Beck 1983: 50).

Die vormals vorgegebene Nachbarschaft wird immer durchlässiger und die Individuen werden angehalten, ihre eigenen Sozialbeziehungen individuell zu schaffen und zu erhalten: "Dies kann heißen: 'Nicht-Beziehungen', soziale Isolation; aber auch: selbstgewählte Netzwerke von Bekanntschafts-, Nachbarschafts- und Freundschaftsbeziehungen" (Beck 1986: 137f).

Neben den bereits beschriebenen Folgen der Mobilität wirkt sich die Individualisierung auch auf die Ehe, Familie und Partnerschaft aus.

"Der Zusammenhang von Familie und eigener individueller Biographie lockert sich, innerfamiliale Individualisierungsschübe nehmen zu, die Zeiten nicht - familialer Partnerschaft, von familienfreien Lebensphasen am Horizont der sich verlängernden Lebenserwartung weiten sich aus, die Beziehungskonfigurationen der 'flüchtigen' Bekanntschaften, der partikularisierten Intimität oder der eheähnlichen Partnerschaften, der Ein - Eltern - Familie, der Zweitehen, der Zeiten ohne Kinder, der 'Spagatfamilie' und der Ehen auf Zeit nehmen zu" (Rauschenbach 1994: 104).

Ein deutliches Indiz dafür sei die steigende Zahl von Ehescheidungen, nicht - ehelichen Lebensgemeinschaften und Single - Haushalten.

Dieser moderne Individualisierungsschub führt dazu, dass die frühere vollständige Integration der Individuen in eine Gemeinschaft ersetzt wurde durch [die begrenzte Mitgliedschaft in verschiedenen Teilsystemen. (vgl. Diewald 1991: 27), die mit einer funktionalen Ausdifferenzierung und Spezialisierung der sozialen Beziehungen verbunden ist.]


Beck, Ulrich (1983) Jenseits von Klasse und Stand? In: Kreckel, Rainer (Hg.) Soziale Ungleichheit., Göttingen, 35 - 74.

Beck, Ulrich (1986) Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere
Moderne. Frankfurt/Main.

Diewald, Martin (1991) Soziale Beziehungen: Verlust und [sic] Liberalisierung? Soziale Unterstützung in informellen Netzwerken. Berlin.

Rauschenbach, Thomas (1994) Inszenierte Solidarität. Soziale Arbeit in der Risikogesellschaft. In: Beck, Ulrich / Beck-Gernsheim, Elisabeth (Hg.) Riskante Freiheiten. Individualisierung in modernen Gesellschaften., Franfurt/Main [sic], 89-111.

Soziale Mobilität - wie im übrigen auch geographische Mobilität, ja selbst die alltägliche Mobilität zwischen Familie und Arbeitsplatz - wirbelt die Lebenswege und Lebenslagen der Menschen durcheinander. Mit all diesen Arten von Mobilitätsvorgängen und insbesondere in ihrer Summe sind immer wieder Individualisierungsschübe relativ zu Familien-, Nachbarschafts-, Kollegen-, Berufs- und Betriebsbindungen sowie Bindungen an eine bestimmte regionale Kultur und Landschaft verbunden. Die Lebenswege der Menschen verselbständigen sich gegenüber den Bedingungen und Bindungen, aus denen sie stammen oder die sie neu eingehen ...".17

Aus sozialräumlichem Blickwinkel ist auch die Entwicklung der Wohnverhältnisse mit Interesse zu beachten. Die traditionalen Siedlungsstrukturen wurden insbesondere seit den 50er Jahren vielerorts ersetzt durch neue Stadtsiedlungen, "und auch damit wird ein spezifischer 'Individualisierungsschub' in den Wohn- und damit gegebenen Sozialbeziehungen und Verkehrsformen der Menschen ausgelöst. An die Stelle der traditionalen, familienübergreifenden, stärker kommunal orientierten Siedlungsformen treten die modernen Großstadt- oder Kleinstadtsiedlungen mit ihrer typischen gemischt sozialen Zusammensetzung und ihren viel lockereren Nachbarschafts- und Bekanntschaftsverhältnissen."18 Vorgegebene Nachbarschaft werde dadurch durchbrochen und es wachse das Erfordernis, die eigenen Sozialbeziehungen individuell zu erarbeiten und zu erhalten: "Dies kann heißen: 'Nicht-Beziehungen', soziale Isolation; aber auch: selbstgewählte Netzwerke von Bekanntschafts-, Nachbarschafts- und Freundschaftsbeziehungen."19

[...]

Im Erwachsenenalter wirkt sich Individualisierung neben den bereits beschriebenen Folgen der Mobilität insbesondere auch in Ehe, Familie und Partnerschaft aus. "Der Zusammenhang von Familie und eigener individueller Biographie lockert sich, innerfamiliale Individualisierungsschübe nehmen zu, die Zeiten nicht - familialer Partnerschaft, von familienfreien Lebensphasen im Horizont der sich verlängernden Lebenserwartung weiten sich aus, die Beziehungskonfigurationen der 'flüchtigen' Bekanntschaften, der partikularisierten Intimität oder der eheähnlichen Partnerschaften, der Ein - Eltern - Familie, der Zweitehen, der Zeiten ohne Kinder, der 'Spagatfamilie' und der Ehen auf Zeit nehmen zu".30 Die ständig steigende Zahl von Ehescheidungen, nicht - ehelichen Lebensgemeinschaften und Single - Haushalten seien deutliche Indizien dafür. [...]

[...]

Für die sozialen Netzwerke der Menschen hat dieser moderne Individualisierungsschub zur Folge, dass die frühere vollständige Integration in eine Gemeinschaft ersetzt wurde durch die begrenzte Mitgliedschaft in verschiedenen Teilsystemen.33 Damit ver­bunden ist eine funktionale Ausdifferenzie­rung, eine funktionale Spezialisierung sozialer Bezie­hungen.


17Beck 1986, S.125f.

18Beck 1983, S. 50.

19Beck 1986, S. 137f; Hervorhebung im Original.

30Rauschenbach 1994, S.104.

33Vgl. DIEWALD 1991, S. 27.


BECK, U. (1983): Jenseits von Klasse und Stand?
In: KRECKEL, R. (HRSG.): Soziale Ungleichheit. Göttingen, S. 35 - 74.

BECK, U. (1986): Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Frankfurt/M.

DIEWALD, M. (1991): Soziale Beziehungen: Verlust oder Liberalisierung? Soziale Unterstützung in
informellen Netzwerken. Berlin.

RAUSCHENBACH, T. (1994): Inszenierte Solidarität. Soziale Arbeit in der Risikogesellschaft.
In: BECK, U.; BECK-GERNSHEIM, E. (HRSG.): Riskante Freiheiten. Individualisierung in modernen Gesellschaften. Frankfurt/M., S. 89 - 111.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle, die in der Habilitationsschrift an keiner Stelle genannt wird.

Da erkennbar auch die wörtlichen Zitate – bei einer geringfügigen Abweichung beim letzten Zitat – aus der Quelle übernommen wurden, gehen sie in die Zeilenzählung mit ein.

Beck (1983) wird außer an dieser Stelle lediglich in Plagiatskontexten referenziert, siehe die Fragmente 134 03, 137 01 und 138 01; Rauschenbach (1994) ebenfalls außer an dieser Stelle nur in Plagiatskontexten, siehe die Fragmente 134 03 und 138 01.

Die Verf.in gibt den Titel Diewald (1991) fehlerhaft wieder, vgl. [5].

Sichter
(SleepyHollow02), Stratumlucidum


[4.] Mhg/Fragment 136 11 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2019-06-20 12:30:30 [[Benutzer:|]]
Barth 2001, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
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Untersuchte Arbeit:
Seite: 136, Zeilen: 11-23, 28-37
Quelle: Barth 2001
Seite(n): online, Zeilen: –
.
"Sie behauptet in ihrem Kern eine Zersetzung der tradierten Lebens- und Beziehungsformen durch die Ausbildung der modernen Industrie-gesellschaften [sic], ohne dass 'gleichwertige' neue Beziehungen an deren Stelle getreten seien. Insbesondere familiale, verwandtschaftliche und nachbarliche Beziehungen seien in ihrem Umfang eingeschränkt und in ihrer Bedeutung geschwächt worden" (Diewald 1991 : 19f).

Nach Ralf Dahrendorf (1994) wird durch die Modernisierung das Verhältnis zwischen Optionen und Ligaturen verändert. Optionen sind die "in sozialen Situationen gegebenen Wahlmöglichkeiten, Alternativen des Handelns. [...] Optionen sind die je spezifischen Kombination von Anrechten und Angebot" (Dahrendorf 1994 : 421f). Ligaturen sind "tiefe kulturelle Bindungen, die Menschen in die Lage versetzen, ihren Weg durch die Welt der Optionen zu finden" (Dahrendorf 1994 : 423). [...] Hier sieht er ein Problem, denn nur ein ausgewogenes Verhältnis von Optionen und Ligaturen schafft optimale Lebenschancen: "Optionen allein, ohne Ligaturen, bergen die Gefahr von Anomie und Entfremdung in sich. Ligaturen ohne Optionen führen dagegen zu Unfreiheit" (Diewald 1991 : 29).

"In erweiterten Optionsspielräumen wächst der individuell abzuarbeitende Entscheidungsbedarf. Sein Milieu nimmt dem Einzelnen nicht einmal mehr die biographisch folgenreichsten Entscheidungen ab: welche Schule man besucht, welchen Beruf man wählt, welche Beziehungen man eingeht, ob und wann man heiratet, Kinder bekommt [...]" (Habermas 1994 : 443).

Dahrendorf, Ralf (1994) Das Zerbrechen der Ligaturen und die Utopie der Weltbürgergesellschaft. In: Beck, Ulrich / Beck-Gernsheim, Elisabeth (Hg.) Riskante Freiheiten. Individualisierung in modernen Gesellschaften., Franfurt/Main [sic], 412-436 [sic].

Diewald, Martin (1991) Soziale Beziehungen: Verlust und [sic] Liberalisierung? Soziale Unterstützung in informellen Netzwerken. Berlin.

Habermas, Jürgen (1994) Individuierung durch Vergesellschaftung. In: Beck, Ulrich/Beck-Gernsheim, Elisabeth (Hg.) Riskante Freiheiten. Individualisierung in modernen Gesellschaften., Franfurt/Main [sic], 437-446.

[...] "Sie behauptet in ihrem Kern eine Zersetzung der tradierten Lebens- und Beziehungsformen durch die Ausbildung der modernen Industriegesellschaften, ohne daß 'gleichwertige' neue Beziehungen an deren Stelle getreten seien. Insbesondere familiale, verwandtschaftliche und nachbarliche Beziehungen seien in ihrem Umfang eingeschränkt und in ihrer Bedeutung geschwächt worden."34
DAHRENDORF (1994) beschreibt Modernisierung auf einer abstrakten Ebene als Veränderung des Verhältnisses zwischen Optionen und Ligaturen. Unter Optionen versteht er "in sozialen Situationen gegebene Wahlmöglichkeiten, Alternativen des Handelns. ... Optionen sind die je spezifische Kombination von Anrechten und Angebot."35 Ligaturen hingegen sind "tiefe kulturelle Bindungen, die Menschen in die Lage versetzen, ihren Weg durch die Welt der Optionen zu finden."36 [...] Nach DAHRENDORF ist nur ein ausgewogenes Verhältnis von Optionen und Ligaturen Garant für optimale Lebenschancen: "Optionen allein, ohne Ligaturen, bergen die Gefahr von Anomie und Entfremdung in sich. Ligaturen ohne Optionen führen dagegen zu Unfreiheit."37 [...]

[...] HABERMAS (1994) beschreibt Folgen des Verlustes traditionaler Bindungen: "In erweiterten Optionsspielräumen wächst der individuell abzuarbeitende Entscheidungsbedarf. Sein Milieu nimmt dem Einzelnen nicht einmal mehr die biographisch folgenreichsten Entscheidungen ab: welche Schule man besucht, welchen Beruf man wählt, welche Beziehungen man eingeht, ob und wann man heiratet, Kinder bekommt ...".42


34Diewald 1991, S. 19f.

35Dahrendorf 1994, S. 421f.

36ebd., S. 423.

37Diewald 1991, S. 29.

42Habermas 1994, S. 443.


DAHRENDORF, R. (1994): Das Zerbrechen der Ligaturen und die Utopie der Weltbürgergesellschaft.
In: BECK, U.; BECK-GERNSHEIM, E. (HRSG.): Riskante Freiheiten. Individualisierung in modernen Gesellschaften. Frankfurt/M., S. 421 - 436.

DIEWALD, M. (1991): Soziale Beziehungen: Verlust oder Liberalisierung? Soziale Unterstützung in
informellen Netzwerken. Berlin.

HABERMAS, J. (1994): Individuierung durch Vergesellschaftung.
In: BECK, U.; BECK-GERNSHEIM, E. (HRSG.): Riskante Freiheiten. Individualisierung in modernen Gesellschaften. Frankfurt/M., S. 437 - 446.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle, die in der Habilitationsschrift an keiner Stelle genannt wird.

Da erkennbar auch die wörtlichen Zitate aus der Quelle übernommen wurden, gehen sie in die Zeilenzählung mit ein.

Habermas (1994) wird in der untersuchten Arbeit ausschließlich an dieser Stelle referenziert.

Bei Dahrendorf (1994) nennt die Verf.in einen unzutreffenden Seitenumfang, vgl. [6]; bei Diewald (1991) wird der Titel fehlerhaft wiedergegeben, vgl. [7].

Sichter
(SleepyHollow02), Stratumlucidum


[5.] Mhg/Fragment 137 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2019-06-20 18:37:48 [[Benutzer:|]]
Barth 2001, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
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Untersuchte Arbeit:
Seite: 137, Zeilen: 1-14, 16-25, 30-35
Quelle: Barth 2001
Seite(n): online, Zeilen: –
Beck (1986) betont, dass die "Ausdifferenzierung von Individuallagen" einhergeht
„mit Tendenzen der Institutionalisierung und Standardisierung von Lebenslagen. Die freigesetzten Individuen werden arbeitsmarktabhängig und damit bildungsabhängig, konsumabhängig, abhängig von sozialrechtlichen Regelungen und Versorgungen, von Verkehrsplanungen, Konsumangeboten, Möglichkeiten und Moden in der medizinischen, psychologischen und pädagogischen Beratung und Betreuung" (Beck 1986, S.119).

Er sieht einen "Abgrund", der sich dann auftue, wenn die zentrale Sicherung der individualisierten Lebenslage, nämlich der Arbeitsplatz, verloren gehe, da sich dann "die Herauslösung aus traditionellen Versorgungsbezügen (Familie, Nachbarschaft), das Abschneiden von ergänzenden Existenzsicherungsquellen ganz allgemein (z.B. Nebenerwerbslandwirtschaft)" (Beck 1983: 45) als besonders problematisch bemerkbar mache. [...]

"Direkte Kontakte von Mensch zu Mensch seien ersetzt worden durch sekundäre, die früher existierende Gemeinschaft sei zerfallen in isolierte Beziehungsdyaden; die noch verbleibenden Netzwerke seien 'locker geknüpft' und vielfach funktional begrenzt" (Mayr-Kleffel 1991: 137).

Die Individuen stehen nun vor der Notwendigkeit, sich eigene Netzwerke aufzubauen, da eine Mitgliedschaft in vorgegebenen Gemeinschaften zunehmend unwahrscheinlicher wird. Damit wird soziale Integration zu einer individuell zu erbringenden Leistung. Jedoch stellt sich dabei die Frage, ob alle Individuen gleichermaßen in der Lage sind, die ihren Bedürfnissen entsprechenden sozialen Netzwerke aufzubauen.

[„Denn wenn die Ausbildung und Aufrechterhaltung der individuellen Netzwerke zu einer - mehr als vorher - individuell zu erbringenden Leistung wird, kann daraus geschlossen werden, dass es dabei nicht nur Gewinner-, sondern auch Verlierergruppen gibt, die mangels eigener sozialer Attraktivitat Gefahr laufen, aus dem Netz wechselseitiger Unterstutzungsbeziehungen herauszufallen.] Offensichtlich sind nicht alle Menschen gleichermaßen dazu in der Lage, sich mittels eigener Geschicklichkeit und Attraktivität adäquate soziale Netzwerke aufzubauen. Nicht alle verfügen im selben Ausmaß über die eigenständige, aktive, kompetente und gestaltungsfähige Persönlichkeit, die der Modellvorstellung des modernen Menschen entspricht" (Diewald 1991: 31).

Beck, Ulrich (1983) Jenseits von Klasse und Stand? In: Kreckel, Rainer (Hg.) Soziale Ungleichheit., Göttingen, 35 - 74.

Beck, Ulrich (1986) Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere
Moderne. Frankfurt/Main.

Diewald, Martin (1991) Soziale Beziehungen: Verlust und [sic] Liberalisierung? Soziale Unterstützung in informellen Netzwerken. Berlin.

Mayr-Kleffel, Verena (1991) Frauen und ihre [sic] Netzwerke. Auf der Suche nach einer verlorenen Ressource. Opladen.

BECK (1986) betont einen anderen Aspekt, dass nämlich die "Ausdifferenzierung von Individuallagen ... nicht mit gelungener Emanzipation gleichgesetzt werden" dürfe: "Sie geht vielmehr einher mit Tendenzen der Institutionalisierung und Standardisierung von Lebenslagen. Die freigesetzten Individuen werden arbeitsmarktabhängig und damit bildungsabhängig, konsumabhängig, abhängig von sozialrechtlichen Regelungen und Versorgungen, von Verkehrsplanungen, Konsumangeboten, Möglichkeiten und Moden in der medizinischen, psychologischen und pädagogischen Beratung und Betreuung."38 In einer früheren Arbeit (1983) spricht er von einem "Abgrund", der sich dann auftue, wenn die zentrale Sicherung der individualisierten Lebenslage, nämlich der Erwerbsarbeitsplatz verlorengehe, da sich dann "die Herauslösung aus traditionellen Versorgungsbezügen (Familie, Nachbarschaft), das Abschneiden von ergänzenden Existenzsicherungsquellen ganz allgemein (z.B. Nebenerwerbslandwirtschaft)"39 besonders problematisch bemerkbar mache.

[...]

[...] "Direkte Kontakte von Mensch zu Mensch seien ersetzt worden durch sekundäre, die früher existierende Gemeinschaft sei zerfallen in isolierte Beziehungsdyaden; die noch verbleibenden Netzwerke seien 'locker geknüpft' und vielfach funktional begrenzt."43 Es entstehe für die Individuen die Notwendigkeit, ihre Netzwerke selber aufzubauen, da eine Mitgliedschaft in vorgegebenen Gemeinschaften zunehmend unwahrscheinlicher sei. Soziale Integration werde damit zu einer individuell zu erbringenden Leistung.

[...] [An dieser Stelle manifestiert sich für die Vertreter der "Verlust-These" eine neue soziale Ungleichheit:] Sie stellen die (rhetorische) Frage, ob alle Individuen gleichermaßen in der Lage sind, die zur Reproduktion ihres Sozialkapitals erforderliche Beziehungsarbeit zu leisten [oder auch, ob alle genügend soziale Attraktivität besitzen, um den Gesetzen des reziproken Austauschs zu genügen und geben auch gleich die Antwort]: "Offensichtlich sind nicht alle Menschen gleichermaßen dazu in der Lage, sich mittels eigener Geschicklichkeit und Attraktivität adäquate soziale Netzwerke aufzubauen. Nicht alle verfügen im selben Ausmaß über die eigenständige, aktive, kompetente und gestaltungsfähige Persönlichkeit, die der Modellvorstellung des modernen Menschen entspricht."46


38Beck 1986, S.119

43Mayr-Kleffel 1991, S. 137.

46Diewald 1991, S. 31.


BECK, U. (1983): Jenseits von Klasse und Stand?
In: KRECKEL, R. (HRSG.): Soziale Ungleichheit. Göttingen, S. 35 - 74.

BECK, U. (1986): Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Frankfurt/M.

DIEWALD, M. (1991): Soziale Beziehungen: Verlust oder Liberalisierung? Soziale Unterstützung in
informellen Netzwerken. Berlin.

MAYR-KLEFFEL, V. (1991): Frauen und ihre sozialen Netzwerke. Auf der Suche nach einer verlorenen Ressource. Opladen.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle, die in der Habilitationsschrift an keiner Stelle genannt wird.

Da erkennbar auch die wörtlichen Zitate aus der Quelle übernommen wurden, gehen sie in die Zeilenzählung mit ein. (Diewald (1991) ist immerhin eingesehen und das Zitat erweitert worden; diese Erweiterung geht nicht in sie mit ein.)

Beck (1983) wird außer an dieser Stelle lediglich in Plagiatskontexten referenziert, siehe die Fragmente 134 03, 135 01 und 138 01.

Die Verf.in gibt die Titel der Werke von Diewald (1991) und Mayr-Kleffel (1991) fehlerhaft wieder, vgl. [8] bzw. [9].

Sichter
(SleepyHollow02), Stratumlucidum


[6.] Mhg/Fragment 138 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2019-06-20 12:40:35 [[Benutzer:|]]
Barth 2001, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 138, Zeilen: 1-31
Quelle: Barth 2001
Seite(n): online, Zeilen: –
Nach Beck (1983) wird
"die basiskulturelle Klassensolidarität auf Gemeindeebene (die in gewisser Weise das Pendant zur Dorfkultur im Industriesystem ist) ... im Zuge von Individualisierungsprozessen 'ausgedünnt' [...] Gemeinsamkeiten bestehen damit nicht mehr im unmittelbaren Lebenszusammenhang der Menschen, in ihren überschaubaren, örtlich geschlossenen Subkulturen, sondern sie können und müssen in besonderen organisatorischen Kontexten, auf überregionaler Ebene und mit besonderen Methoden gezielt 'hergestellt' werden" (Beck 1983: 63).

Rauschenbach (1994) spricht sogar von einem Zerfall gewachsener Lebenszusammenhänge wie Netzwerken des sozialen Nahraums und vertritt dabei die These, dass "die generationsübergreifenden lokalen Strukturen des dörflichen Gemeinwesens oder des Stadtteils [...] im Zeichen der räumlichen Mobilität und der gewandelten Wohnformen ebenso wie im Zeichen sozialer und zeitlicher Flexibilität sowie der Pluralisierung von Lebensformen, Beziehungskonfigurationen und Beziehungsintensitäten entscheidend geschwächt" werden (Rauschenbach 1994 : 95).

Die Bindungskraft der Familie wandelt sich im Zuge der Individualisierung immer mehr zu einer "privatisierten Insel", die sich

"gegenüber den verbleibenden lebensweltlichen Klassenbindungen mehr und mehr verselbständigt, indem Nachbarschaften, Bekanntschaften, Kollegenbeziehungen usw. ihren Charakter verändern und für die mobile, private Kleinfamilie zur austauschbaren Umwelt werden" (Beck 1983: 54).

In der Moderne komme es zu "innerfamilialen Individualisierungsschüben", deren Ursache in der

"Berufstätigkeit der Frauen und den Ausbildungsverpflichtungen der Kinder (sowie den damit notwendig werdenden, gegeneinander verselbständigten, individuellen Planungserfordernissen im Tages- und Lebensrhythmus), in der zunehmenden Austauschbarkeit der Ehebeziehung (steigende Scheidungsziffern) und schließlich in dem vollindividualisierten, mobilen 'Single-Dasein' und der Einsamkeit alleinstehender alter Menschen" (Beck 1983: 54)

liege.


Beck, Ulrich (1983) Jenseits von Klasse und Stand? In: Kreckel, Rainer (Hg.) Soziale Ungleichheit., Göttingen, 35 - 74.

Rauschenbach, Thomas (1994) Inszenierte Solidarität. Soziale Arbeit in der Risikogesellschaft. In: Beck, Ulrich / Beck-Gernsheim, Elisabeth (Hg.) Riskante Freiheiten. Individualisierung in modernen Gesellschaften., Franfurt/Main [sic], 89-111.

Beschrieben wird auch ein Verlust an Bindungskraft der Familie, die sich im Zuge der Individualisierung immer mehr zu einer "privatisierten Insel" gewandelt habe und die sich "gegenüber den verbleibenden lebensweltlichen Klassenbindungen mehr und mehr verselbständigt, indem Nachbarschaften, Bekanntschaften, Kollegenbeziehungen usw. ihren Charakter verändern und für die mobile, private Kleinfamilie zur austauschbaren Umwelt werden."40 Die Bindungskraft der Familie leide unter den Bedingungen der Moderne, denn es komme zu "innerfamilialen Individualisierungsschüben", die ihre Ursache u.a. finden in der "Berufstätigkeit der Frauen und den Ausbildungsverpflichtungen der Kinder (sowie den damit notwendig werdenden, gegeneinander verselbständigten, individuellen Planungserfordernissen im Tages- und Lebensrhythmus), in der zunehmenden Austauschbarkeit der Ehebeziehung (steigende Scheidungsziffern) und schließlich in dem vollindividualisierten, mobilen 'Single-Dasein' und der Einsamkeit alleinstehender alter Menschen."41 [...]

[...]

Nach BECK (1983) wird "die basiskulturelle Klassensolidarität auf Gemeindeebene (die in gewisser Weise das Pendant zur Dorfkultur im Industriesystem ist) ... im Zuge von Individualisierungsprozessen 'ausgedünnt' ... Gemeinsamkeiten bestehen damit nicht mehr im unmittelbaren Lebenszusammenhang der Menschen, in ihren überschaubaren, örtlich geschlossenen Subkulturen, sondern sie können und müssen in besonderen organisatorischen Kontexten, auf überregionaler Ebene und mit besonderen Methoden gezielt 'hergestellt' werden."47 Recht dramatische Veränderungen konstatiert auch RAUSCHENBACH (1994), der von einem Zerfall gewachsener Lebenszusammenhänge wie Netzwerken des sozialen Nahraums spricht und - gerade im Hinblick auf den Gegenstand der vorliegenden Arbeit interessant - die These vertritt, "die generationsübergreifenden lokalen Strukturen des dörflichen Gemeinwesens oder des Stadtteils ... werden im Zeichen der räumlichen Mobilität und der gewandelten Wohnformen ebenso wie im Zeichen sozialer und zeitlicher Flexibilität sowie der Pluralisierung von Lebensformen, Beziehungskonfigurationen und Beziehungsintensitäten entscheidend geschwächt."48


[39Beck 1983, S. 45.]

40ebd., S. 54; Hervorhebung im Original.

41ebd.

47Beck 1983, S. 63; Hervorhebung im Original.

48Rauschenbach 1994, S. 95.


BECK, U. (1983): Jenseits von Klasse und Stand?
In: KRECKEL, R. (HRSG.): Soziale Ungleichheit. Göttingen, S. 35 - 74.

RAUSCHENBACH, T. (1994): Inszenierte Solidarität. Soziale Arbeit in der Risikogesellschaft.
In: BECK, U.; BECK-GERNSHEIM, E. (HRSG.): Riskante Freiheiten. Individualisierung in modernen Gesellschaften. Frankfurt/M., S. 89 - 111.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle, die in der Habilitationsschrift an keiner Stelle genannt wird.

Da erkennbar auch die wörtlichen Zitate – mit einer Veränderung beim Rauschenbach-Zitat; bei den ersten beiden übernommenen Beck-Zitaten werden die Hervorhebungen nicht wiedergegeben – aus der Quelle übernommen wurden, gehen sie in die Zeilenzählung mit ein.

Beck (1983) wird außer an dieser Stelle lediglich in Plagiatskontexten referenziert, siehe die Fragmente 134 03, 135 01 und 137 01; Rauschenbach (1994) ebenfalls außer an dieser Stelle nur in Plagiatskontexten, siehe die Fragmente 134 03 und 135 01.

Sichter
(SleepyHollow02), Stratumlucidum


[7.] Mhg/Fragment 139 04 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2019-06-20 12:45:58 [[Benutzer:|]]
Barth 2001, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 139, Zeilen: 4-22, 30-34
Quelle: Barth 2001
Seite(n): online, Zeilen: –
Keupp hält den Vertretern der Verlustthese entgegen, dass sie bei all ihrem Klagen:
"übersehen, dass viele dieser Netzwerkmuster, aus der Not geboren, in ihrem Charakter defensiv waren und zugleich einen hohen Grad sozialer Kontrolle ausgeübt haben" (Keupp 1987a: 23).

Vielmehr ermöglichen die Individualisierungsprozesse den Individuen eine freie Wahl ihrer Sozialkontakte. Vor allem sei der Zwang, das soziale Netzwerk in engen territorialen Grenzen zu verorten, entfallen (vgl. Mayr-Kleffel 1991: 138). Es gäbe einen allgemeinen Zuwachs an persönlicher Autonomie.

"Ich kann mir meine eigene soziale Szene aufbauen, deren Zustandekommen von Kriterien der Entscheidungsfreiheit, Freiwilligkeit und Interessenhomogenität bestimmt ist. Einen gesellschaftlichen Zwangszusammenhang verlassen zu können, ist eine Chance, ebenso, sich ein eigenes Netzwerk aufbauen zu können" (Keupp 1994b [sic]: 338).

Der These von Dahrendorf, dass mit einem Anstieg der Optionen gleichzeitig eine Abnahme der Ligaturen verbunden sei, welche die Gefahr anomischer Zustände erhöhe, stimmen die Anhänger der Liberalisierungsthese im Kern zu, verweisen jedoch darauf, dass eine solche Beliebigkeit sozialer Beziehungen auch weiterhin von Ligaturen verschiedener Art begrenzt wird.

[...]

"Nicht nur Einkommen und Vermögen, sondern auch materielle Hilfen sowie Dienstleistungen, die innerhalb eines Haushalts und im Verbund mit anderen Haushalten produziert und ausgetauscht werden, sind für den Lebensstandard von einiger Bedeutung. ... So sind informelle Netzwerke heute zwar weniger notwendig zur Vermeidung existentieller Not, aber sie haben doch weiterhin die Funktion, relative [Armut zu vermeiden, Notlagen zu überbrücken und generell effektiver zu wirtschaften." (Diewald 1991: 38).]

Diewald, Martin (1991) Soziale Beziehungen: Verlust und [sic] Liberalisierung? Soziale Unterstützung in informellen Netzwerken. Berlin.

Keupp, Heiner (1987a) Soziale Netzwerke. Eine Metapher des gesellschaftlichen Umbruch? [sic] In: Keupp, Heiner / Röhrle, Bernd (Hg.) Soziale Netzwerke, Frankfurt/Main u. New York, 11-53.

Keupp, Heiner (1994) Ambivalenzen postmodernen Identität. In: Beck, Ulrich / Beck-Gernsheim, Elisabeth (Hg.) Riskante Freiheiten. Individualisierung in modernen Gesellschaften., Franfurt/Main [sic], 336-350.

Mayr-Kleffel, Verena (1991) Frauen und ihre [sic] Netzwerke. Auf der Suche nach einer verlorenen Ressource. Opladen.

Den Vertretern der Verlustthese wird entgegengehalten, jene Muster zu überhöhen, deren Verlust man beklage: "Dabei wird übersehen, dass viele dieser Netzwerkmuster, aus der Not geboren, in ihrem Charakter defensiv waren und zugleich einen hohen Grad sozialer Kontrolle ausgeübt haben".49 [...]

[...] Insbesondere sei der Zwang entfallen, das soziale Netzwerk in engen territorialen Grenzen zu verorten.51 Es entstehe allgemein ein deutlicher Zugewinn an persönlicher Autonomie, außerdem sei es naheliegend, dass frei gewählte Sozialbeziehungen von besserer emotionaler Qualität seien: "Ich kann mir meine eigene soziale Szene aufbauen, deren Zustandekommen von Kriterien der Entscheidungsfreiheit, Freiwilligkeit und Interessenhomogenität bestimmt sind [sic]. Einen gesellschaftlichen Zwangszusammenhang verlassen zu können, ist eine Chance, ebenso, sich ein eigenes Netzwerk aufbauen zu können."52

Der DAHRENDORFschen These, mit der Beliebigkeit der Optionen sei bei gleichzeitiger Abnahme der Ligaturen die Gefahr anomischer Zustände verbunden, stimmen die Verfechter der Liberalisierungsthese im Kern zu, verweisen aber darauf, dass diese vermeintliche Beliebigkeit sozialer Beziehungen auch weiterhin von Ligaturen verschiedener Art begrenzt seien: DIEWALD (1991) weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es z.B. durchaus auch heute noch wirtschaftliche Abhängigkeiten gebe: "Nicht nur Einkommen und Vermögen, sondern auch materielle Hilfen sowie Dienstleistungen, die innerhalb eines Haushalts und im Verbund mit anderen Haushalten produziert und ausgetauscht werden, sind für den Lebensstandard von einiger Bedeutung. ... So sind informelle Netzwerke heute zwar weniger notwendig zur Vermeidung existentieller Not, aber sie haben doch weiterhin die Funktion, relative Armut zu vermeiden, Notlagen zu überbrücken und generell effektiver zu wirtschaften."53


49Keupp 1987a, S. 23.

51Vgl. MAYR-KLEFFEL 1991, S. 138.

52Keupp 1994b [sic], S. 338.

53Diewald 1991, S. 38.


DIEWALD, M. (1991): Soziale Beziehungen: Verlust oder Liberalisierung? Soziale Unterstützung in
informellen Netzwerken. Berlin.

KEUPP, H. (1987a): Soziale Netzwerke. Eine Metapher des gesellschaftlichen Umbruchs?
In: KEUPP, H.; RÖHRLE, B. (HRSG.): Soziale Netzwerke. Frankfurt/M. / New York, S. 11 - 53.

KEUPP, H. (1994): Ambivalenzen postmoderner Identität. In: BECK, U.; BECK-GERNSHEIM, E. (HRSG.): Riskante Freiheiten. Individualisierung in modernen Gesellschaften. Frankfurt/M., S. 336 - 350.

MAYR-KLEFFEL, V. (1991): Frauen und ihre sozialen Netzwerke. Auf der Suche nach einer verlorenen Ressource. Opladen.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle, die in der Habilitationsschrift an keiner Stelle genannt wird.

Da erkennbar auch die wörtlichen Zitate aus der Quelle übernommen wurden, gehen sie in die Zeilenzählung mit ein.

Das grammatikalisch falsche "sind" im Zitat im zweiten Absatz der Quelle hat Barth von Keupp (1994) wörtlich übernommen (ohne Kennzeichnung); bei der Verf.in wird es (ohne Kennzeichnung) zu "ist" korrigiert.

Ein Titel "Keupp 1994b" existiert weder im Literaturverzeichnis der Verf.in noch in dem der Quelle – lediglich in beiden Fällen Keupp (1994). "Keupp 1994b" wird in der untersuchten Arbeit ausschließlich an dieser Stelle referenziert, der Titel Keupp (1994) nirgends.

Die Titel Keupp (1987a), Diewald (1991) und Mayr-Kleffel (1991) werden von der Verf.in fehlerhaft wiedergegeben, vgl. [10] bzw. [11] bzw. [12].

Sichter
(SleepyHollow02), Stratumlucidum


[8.] Mhg/Fragment 140 03 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2019-06-20 07:35:48 [[Benutzer:|]]
Barth 2001, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 140, Zeilen: 3-11
Quelle: Barth 2001
Seite(n): online, Zeilen: –
Außerdem gäbe es auch nach dem Ausbau wohlfahrtsstaatlicher Sicherungsleistungen fast exklusive Versorgungszuständigkeiten von Familie und Verwandtschaft, beispielsweise bei der Pflege älterer Menschen und der Krankenbetreuung. Eine weitere Ligatur sozialer Beziehungen bestehe schließlich darin, dass soziale Ähnlichkeiten und die Gleichheit der Lebensweisen nach wie vor determinierend für die Anknüpfung und den Erhalt sozialer Beziehungen seien (vgl. Diewald 1991: 39). Vester u.a. (1993) arbeiteten in einer Studie heraus, dass sich anstelle der traditionellen Klassen- und Ständezugehörigkeiten heute Vergemeinschaftungen über soziale Milieus herauskristallisieren.

Diewald, Martin (1991) Soziale Beziehungen: Verlust und [sic] Liberalisierung? Soziale Unterstützung in informellen Netzwerken. Berlin.

Außerdem gebe es auch nach dem Ausbau wohlfahrtsstaatlicher Sicherungsleistungen fast exklusive Versorgungszuständigkeiten von Familie und Verwandtschaft, beispielsweise bei der Pflege älterer Menschen und der Krankenbetreuung. Eine dritte Ligatur bestehe schließlich darin, dass soziale Ähnlichkeiten und die Gleichheit der Lebensweisen nach wie vor determinierend für die Anknüpfung und den Erhalt sozialer Beziehungen seien.54 Statt der traditionellen Klassen- und Ständezugehörigkeiten kristallisieren sich heute Vergemeinschaftungen über soziale Milieus heraus, wie VESTER U.A. (1993) in einer Studie herausarbeiten.

[53DIEWALD 1991, S. 38.]

54Vgl. ebd., S. 39.


DIEWALD, M. (1991): Soziale Beziehungen: Verlust oder Liberalisierung? Soziale Unterstützung in
informellen Netzwerken. Berlin

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle, die in der Habilitationsschrift an keiner Stelle genannt wird.

Der Titel Vester u.a. (1993) wird sowohl in der untersuchten Arbeit als auch in der Quelle Barth nur an dieser Stelle referenziert und im jeweiligen Literaturverzeichnis nicht aufgelöst.

Die Verf.in gibt den Titel Diewald (1991) fehlerhaft wieder, vgl. [13].

Sichter
(SleepyHollow02), Stratumlucidum


[9.] Mhg/Fragment 194 30 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2019-06-20 07:41:54 [[Benutzer:|]]
Barth 2001, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 194, Zeilen: 30-39
Quelle: Barth 2001
Seite(n): online, Zeilen: –
Hierbei postuliert das Individualisierungstheorem gesellschaftliche Veränderungen, die Einfluss auf das Verständnis sozialer Beziehungen in der Moderne haben. In den Blickpunkt gerät dabei vor allem der Bereich der traditionellen Beziehungen, zu denen auch die Beziehungen im Wohnumfeld gehören. Es wird eine Abnahme solcher Beziehungen festgestellt. Jedoch ist die Bewertung dazu recht unterschiedlich. Für die Einen drückt sich darin ein Verlust aus, für die Anderen eine Liberalisierung der sozialen Beziehungen. Beiden Thesen ist jedoch eine ideologische Überfrachtung nicht abzusprechen:
„Die These von dem Zerfall der Gemeinschaft ist stark kulturpessimistisch eingefärbt, die These von der ,befreiten’ Gemeinschaft dagegen birgt eine zu große Ver-[heißung; auf der einen Seite das entwurzelte, atomisierte Individuum in der Großstadt, auf der anderen Seite das frei seine Sozialbeziehungen auswählende Individuum, das die kontrollierenden Bürden der traditionellen Gemeinschaft abgestreift hat.“ (Mayer-Kleffel [sic] 1991: 139).]

Mayr-Kleffel, Verena (1991) Frauen und ihre [sic] Netzwerke. Auf der Suche nach einer verlorenen Ressource. Opladen.

4. Zusammenfassung und Diskussion

Das Individualisierungstheorem postuliert gesellschaftliche Veränderungen, die von Einfluss auf das Verständnis sozialer Beziehungen in der Moderne sind. Explizit gerät dabei auch der Bereich traditionaler Sozialkontakte ins Blickfeld, zu denen auch Netzwerke im Wohnquartier gehören. Konstatiert wird eine Abnahme der Bedeutung solcher Kontakte, die allerdings unterschiedlich bewertet wird. Für die einen ist sie Ausdruck des Verlustes, für die anderen Chance einer Liberalisierung sozialer Beziehungen. In meinen Augen stehen sich diese Thesen nicht unversöhnlich gegenüber. Beiden gemeinsam ist aber eine gewisse ideologische Überfrachtung: "Die These von dem Zerfall der Gemeinschaft ist stark kulturpessimistisch eingefärbt, die These von der 'befreiten' Gemeinschaft dagegen birgt eine zu große Verheißung; auf der einen Seite das entwurzelte, atomisierte Individuum in der Großstadt, auf der anderen das frei seine Sozialbeziehungen auswählende Individuum, das die kontrollierenden Bürden der traditionellen Gemeinschaft abgestreift hat".56


56Mayr-Kleffel 1991, S. 139.


MAYR-KLEFFEL, V. (1991): Frauen und ihre sozialen Netzwerke. Auf der Suche nach einer verlorenen Ressource. Opladen.

Anmerkungen

Die Passage findet sich im abschließenden Kapitel 6 ("Schlussbetrachtung").

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle, die in der gesamten untersuchten Arbeit nirgends genannt wird.

Da erkennbar auch das wörtliche Zitat – bei einer Abweichung im Wortlaut – aus der Quelle übernommen wurde, geht es in die Zeilenzählung mit ein. Die Verf.in gibt den Titel des Werkes von Mayr-Kleffel (1991) fehlerhaft wieder, vgl. [14].

Fortsetzung auf der Folgeseite in Fragment 195 05.

Sichter
(Schumann), Stratumlucidum


[10.] Mhg/Fragment 195 05 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2019-06-20 11:07:40 [[Benutzer:|]]
Barth 2001, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 195, Zeilen: 5-9
Quelle: Barth 2001
Seite(n): online, Zeilen: –
Becks Individualisierungstheorem bezieht sich auf einige allgemeine Strukturbedingungen des modernen Lebens, aber es behandelt nicht das reale Handeln der Menschen und ihr subjektives Bewusstsein (vgl. Zinnecker 1994: 23ff.) Den empirischen Beweis für seine Individualisierungstheorie ist Beck bis heute schuldig geblieben.

Zinnecker, Jürgen (1994) Individualisierung der Jugend? Theoretische Argumente und empirische Belege. In: Hamburger, Franz / Heuer, Bernhard (Hg.) Individualisierungstheorie auf dem Prüfstand der Jugendforschung, Mainz, 21-54.

Das Individualisierungstheorem BECKs (1983, 1986, 1993) bezieht sich auf einige allgemeine strukturelle Bedingungen modernen Lebens, es behandelt andererseits aber nicht das subjektive Bewusstsein der Menschen und kaum ihr tatsächliches Handeln.59
Den empirischen Nachweis für sein Individualisierungstheorem bleibt BECK im Grunde schuldig.

59Vgl. KONIETZKA 1994, S. 157; ZINNECKER 1994, S. 23ff.


KONIETZKA, D. (1994): Individualisierung, Entstrukturierung und Lebensstile. Zu einigen konzeptionellen Fragen der
Analyse von Lebensstilen.
In: DANGSCHAT, J.S.; BLASIUS, J. (HRSG.): Lebensstile in den Städten. Konzepte und Methoden. Opladen,
S. 150 - 168.

ZINNECKER, J. (1994): Individualisierung der Jugend? Theoretische Argumente und empirische Belege.
In: HAMBURGER, F.; HEUER, B. (HRSG.): Individualisierungstheorie auf dem Prüfstand der      Jugendforschung. Band 27 der Schriftenreihe des Pädagogischen Instituts der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz,
S. 21 - 54.

Anmerkungen

Fortsetzung von Fragment 194 30.

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle, die in der gesamten untersuchten Arbeit nirgends genannt wird.

Zinnecker (1994) wird in der Habilitationsschrift – abgesehen vom Literaturverzeichnis – ausschließlich an dieser Stelle erwähnt.

Sichter
(Schumann), Stratumlucidum



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