Angaben zur Quelle [Bearbeiten]

Autor     Andrea Maria Dederichs
Titel    Das soziale Kapital in der Leistungsgesellschaft. Emotionalität und Moralität in "Vetternwirtschaften"
Ort    Münster / New York / München / Berlin
Verlag    Waxmann
Jahr    1999
Seiten    216
Anmerkung    zugl.: Duisburg, Univ., Diss., 1998

Literaturverz.   

ja
Fußnoten    ja
Fragmente    24


Fragmente der Quelle:
[1.] Mhg/Fragment 012 19 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-12-05 22:53:24 [[Benutzer:|]]
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 12, Zeilen: 19-25
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 13, Zeilen: 4 ff.
Politiker beklagen sich über die Auflösung sozialstaatlicher Grundsätze, wie dem [sic] nicht Funktionieren [sic] des Generationenvertrages usw. [sic] und in der wissenschaftlichen Diskussion um die Gesellschaft und ihre Sozialstruktur steht die Frage nach der sozialen Einbindung der Individuen im Vordergrund. Dabei wird vor allem die Auflösung traditioneller Einbindungen beklagt.

Ist die heutige Gesellschaft beziehungslos? Können Sozialformen ohne gemeinschaftliche Bindungen überhaupt bestehen? [Wie sieht das Zusammenleben der Individuen in einer „individualisierten Gesellschaft“ aus? Dies sind die zentralen Fragen dieses Buches.]

[...]: Politiker beklagen die Auflösung sozialstaatlicher Prinzipien, z.B. des Generationenvertrags, und fordern ein kommunitaristisches Programm. Die Kommunitarier selbst klagen den individualistisch orientierten Liberalismus als Wurzel der gesellschaftlichen Mißstände an und propagieren gemeinschaftliche Ideale. In der wissenschaftlichen Debatte um die soziale Struktur der Gesellschaft wird die Auflösung traditioneller Einbindungen des Menschen diskutiert.

Kann es eine beziehungslose Gesellschaft geben? Können Sozialformen ohne gemeinschaftsstiftende Bindungen existieren und gibt es Anzeichen einer solchen gesellschaftlichen Entwicklung.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle - die in der Arbeit nur einmal (S. 198) referenziert wird.

Bemerkenswerterweise handelt es sich hier neben den sonstigen inhaltlichen Parallelen auch um die Übernahme der ersten beiden der drei "zentralen Fragen" der Untersuchung.

Die Übernahme aus der Quelle setzt sich auf Seite 15 fort und schließt dort an den hier dokumentierten Quellentext an; siehe Fragment 015 11.

Der Versuch der Umformulierung bringt den ersten Satz an die Grenze der Verständlichkeit.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02


[2.] Mhg/Fragment 015 11 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-12-05 10:42:54 [[Benutzer:|]]
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 15, Zeilen: 11-29
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 13, Zeilen: 13 ff.
Mit der Individualisierung verbunden ist die Vorstellung, dass die solidarischen Vermittlungsleistungen der Gesellschaftsmitglieder brüchiger werden, dass Eigenvorteil und Rationalität in modernen Lebensformen im Vordergrund stehen. Parallel dazu werden aber traditionelle, gemeinschaftliche Lebensformen mehr denn je gewünscht und es kommt zu einer "Renaissance der Gemeinschaft" (Rehberg 1993).

Dies ist der Widerspruch des Lebens in der Moderne: Auf der einen Seite gibt es eine zunehmende Tendenz der Selbstverwirklichung und des Egoismus und auf der anderen Seite wünschen sich die Menschen Nähe und emotionale Verbundenheit. Die sozialen Beziehungen müssen diese Kluft überbrücken. Starke und enge Beziehungen schaffen in der individualisierten Gesellschaft solidarische Oasen, wie sie z.B. in Freundschaften zum Tragen kommen. Im Berufsleben sind die sozialen Beziehungen immer stärker mit der Berufsbiographie verbunden [sic] vor allem spielen die Kontakte beim Zugang zu neuen Arbeitsstellen oder bei Entscheidungen zur zukünftigen beruflichen Entwicklung eine große Rolle. Vor allem in Zeiten wirtschaftlicher Stagnation erlangt der informelle Arbeitsmarkt eine immer größere Bedeutung, d.h., dass Kontakte und schwache Beziehungen für den beruflichen Ein- und Aufstieg immer wichtiger werden (vgl. Granovetter 1982).

Die Vermittlungsleistungen von Gesellschaftsmitgliedern, die im Gewand solidarischer Beziehungen auftreten, werden als brüchig empfunden, wofür Individualisierungstendenzen verantwortlich gemacht werden: Moderne Lebensformen - so scheint es - sind verstärkt durch Eigennutz und Rationalität gekennzeichnet. Die Ideale der Leistungsgesellschaft kommen zunehmend in Verruf und werden als krisenfördernd entlarvt. Parallel findet eine „Renaissance der Gemeinschaft“ statt (Rehberg 1993), scheinbar traditionelle Lebensformen sind wieder gewünscht (vgl. Stern 11/95: „Das Ende der wilden Jahre“; Focus 52/1994: „Sehnsucht nach Gefühl“; Focus 12/97: „Sehnsucht nach Werten“).

Dies scheint die Paradoxie des modernen Menschen zu sein: Einer zunehmenden Selbstverwirklichungssucht und narzißtischen Selbstthematisierung steht der Wunsch nach Nähe und Emotionalität gegenüber. Zwischenmenschliche Kontakte haben demzufolge einen Spagat zwischen wahrer Beziehung und der Ware Beziehung auszuhalten, wodurch sie anspruchsvoll und voraussetzungsreich sind wie nie zuvor. Enge Beziehungen, wie z.B. die Freundschaft, bilden in der individualisierten Gesellschaft kleine Inseln möglicher Solidarität, die Identität bis zur „Tyrannei der Intimität“ (Sennett 1986) vermitteln. [...]

Über diesen privaten Rahmen hinaus sind soziale Beziehungen immer häufiger mit beruflichen Biographien verflochten, besonders durch Kontakte, die Berufsentscheidungen anregen oder Stellenzugänge erst ermöglichen. Gerade der informelle Arbeitsmarkt wird in Zeiten wirtschaftlicher Stagnation bedeutender, d.h. Kontakte und die »richtigen« Beziehungen werden für Aufstiege immer notwendiger.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.

Trotz eines hohen Umformulierungsaufwands (insbesonders mittels Wortersetzungen und Textumstellungen) bleiben die inhaltlichen wie textstrukturellen Parallelen erkennbar.

Rehberg (1993) wird hier das einzige Mal in der Arbeit genannt.

Die Quelle wird in der Arbeit einmal referenziert (S. 198).

Der erste Satz des letzten Absatzes wird in einem Beitrag der Verfasserin (Soziale Beziehungen. Die Entwicklung sozialer Netzwerke und die Bedeutung von Gemeinschaft in Deutschland, S. 37 ff.) in dem 2016 von der Bertelsmann-Stiftung herausgegeben Sammelband Der Kitt der Gesellschaft: Perspektiven auf den sozialen Zusammenhalt in Deutschland wiederverwertet (siehe [1]).

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02


[3.] Mhg/Fragment 016 06 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-01-02 19:24:42 [[Benutzer:|]]
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 16, Zeilen: 6-39
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 13, 14, 15, Zeilen: 13: 16 f.; 14: 14 ff.; 15: 6 ff.
Die Ideale der Leistungsgesellschaft verlieren zunehmend an Aussagekraft, denn jetzt sind es vor allem die Beziehungen, die für einen Großteil der Menschen das Überleben in der Leistungsgesellschaft sichern. In der hoch individualisierten Gesellschaft werden an die Mitglieder komplexe Leistungsanforderungen gestellt, die durch eine unüberschaubare Menge von Extraqualifikationen definiert werden und denen ein Großteil der Mitglieder kaum noch entspricht. Viele der Gesellschaftsmitglieder haben das Gefühl, dass ihre Fähigkeiten herabgesetzt und entwertet werden und sehnen sich nach sozialer Unterstützung (vgl. Sennett 1988).

Diese Seite der Vergesellschaftung führt bei verschiedenen Gesellschaftsgruppen zu einem Ruf nach scheinbar längst überholten Sozialformen. Die individuelle Sehnsucht nach gemeinschaftlicher Verbundenheit resultiert aus der Wahrnehmung einer verloren geglaubten Gemeinschaft, welche verbunden wird mit sozialer Nähe, Solidarität und Ganzheitlichkeit. Demgegenüber steht die moderne Gesellschaft mit ihrer Rationalität, menschlichen Kälte und Technisierung. Das Bedürfnis nach Gemeinschaft artikuliert sich in neuen Formen der Verbundenheit, wie z.B. Bürgerinitiativen, verstärkten Nachbarschaftsbeziehungen usw., die Unterstützungsleistungen und Nähe bereitstellen.

Das Prinzip der Rationalisierung wird in Krisenzeiten der Moderne in Frage gestellt und die „verklärte Gemeinschaft“ wird wieder aufgriffen.

Aber entsprechen diese neuen Formen der „gemeinschaftlichen Verbundenheit“ überhaupt dem traditionellen Modell der Gemeinschaft, wie es Ferdinand Tönnies beschrieben hat? Sind sie durch einen Wesenswillen [sic] gekennzeichnet, einer [sic] gemeinschaftlich ganzheitlich zustimmenden Bereitschaft des Einzelnen? Im Unterschied zur Gemeinschaft [sic] wie Tönnies (vgl. Tönnies [1887] 1991) sie meinte, entsteht die Suche nach Verbundenheit in der Moderne nicht aufgrund eines Kollektivismus, sondern aus ganz individuellen Motiven heraus. Dabei geht es vor allem um den eigenen Nutzen, den man sich aus der Verbundenheit erhofft. Dafür schließen sich die Individuen zu Interessen geleiteten Netzwerken zusammen, um so für jedes Netzwerkmitglied den maximalen Nutzen zu erzielen (vgl. Focus 27/1995). Diese Entwicklungen werden jedoch von dem Psychologen Horst-Eberhard Richter nicht als individuelle Selbstverwirklichung angesehen, sondern vielmehr als „oberflächlicher Egozentrismus“ (Richter 1995: 56).

[Seite 13]

Die Ideale der Leistungsgesellschaft kommen zunehmend in Verruf und werden als krisenfördernd entlarvt. [...]

[Seite 14]

Die »richtigen« Beziehungen sind für viele Menschen eine »Überlebensstrategie« in der Leistungsgesellschaft.

Diese zeigt sich nicht nur als eine hochindividualisierte Gesellschaft, in der die Ideologie vom Menschen als seines »Glückes Schmied« normative Geltung beansprucht, sondern stellt darüber hinaus komplexe Ansprüche an ihre Mitglieder, die durch eine undurchschaubare Menge extrafunktionaler Qualifikationen definiert sind. Diesem leistungsgesellschaftlichen Profil scheinen immer weniger Menschen zu entsprechen, fühlen sich doch immer mehr Mitglieder der Gesellschaft depriviert und verlangen nach sozialer Unterstützung.

Die Entdeckung von negativen Seiten der Vergesellschaftung bewirkte bei unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen eine Restauration scheinbar längst vergangener Sozialformen. [...]

Indem Gemeinschaft und die mit ihr verbundenen Aspekte der Nähe, Solidarität, Loyalität, Emotionalität und Ganzheit verloren geglaubt werden, kann Gesellschaft als kalt, rational und technizistisch abqualifiziert werden. Dadurch entsteht eine individuell empfundene Sehnsucht nach Verbundenheit, die in neuen Vergemeinschaftungen ihren Ausdruck findet. Diese neuen Bündnisse fungieren als partikularistische Korrektive der Leistungsgesellschaft und stellen Unterstützungsleistungen bereit. Sie können als Vereine aller Art auftreten: als (Geschäfts-) Freundschaften, Nachbarschaften und Bürgerinitiativen.

[...] Besonders auffällig ist das Wieder-Erstarken religiöser Gemeinschaften wie Sekten und okkulter Zirkel; diese sind geradezu signifikanter Ausdruck eines in Frage gestellten Rationalitätssystems. Anders formuliert: Auf Gemeinschaft wird in Krisenzeiten der Moderne als eine „verklärte Residualkategorie“ (Rehberg 1993) zurückgegriffen, die es zu schützen gilt.

[Seite 15]

Gerade beim Aufkommen der sogenannten neuen sozialen Bewegungen stellt sich die Frage, ob diese neuen Vergemeinschaftungsformen überhaupt dem traditionalen Modell der Gemeinschaftlichkeit folgen, nämlich ob sie, nach Ferdinand Tönnies, durch Wesenwillen - die gemeinschaftliche Ganzheit bejahende Bereitschaft des einzelnen -, kollektivistische Orientierung und emotionale Loyalität konstituiert sind. Denn die moderne Suche nach Verbundenheit entsteht aus zutiefst individuellen Motiven (psychische und soziale Vereinsamung, Nützlichkeit) und nicht aus kollektivistischer Tradierung. Die auf Solidarität ausgerichteten, frei gewählten Gruppenzugehörigkeiten haben vor allem den Zweck, den maximalen Nutzen für jedes einzelne Gruppenmitglied zu erzielen. Die Gruppenloyalität basiert auf den Einzelinteressen der Mitglieder, die sich netzwerkartig zu Interessengruppen verflechten, ein Prozeß, der mit „Cocooning und „Burrowing bereits schlagkräftige „labels“ gefunden hat (vgl. Focus 27/1995). [...] Der Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter (1995, S. 56) diagnostiziert diese Entwicklung nicht „[...] im Sinne einer vertieften individuellen Selbstverwirklichung, sondern eines oberflächlichen Egozentrismus“.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle (die in der Arbeit einmal - auf Seite 198 - referenziert wird).

Trotz eines beträchtlichen Aufwands bei der Umformulierung (inkl. kleineren Umstellungen) des übernommenen Inhalts wird im Vergleich deutlich, welche Quelle hier als Schreibvorlage diente. Als eigene Zutat können lediglich die beiden unspezifisch genannten Literaturtitel Sennett und Tönnies gelten.

Die erkennbar mitübernommenenen Referenzen Focus 27/1995 und Richter 1995 werden in der Arbeit lediglich an dieser Stelle genannt. Focus 27/1995 hätte (wissenschaftlichen Zitiergepflogenheiten folgend) sowohl im Quellenverzeichnis als auch bei der Referenzierung im Text dem Verfasser Walter Dreher zugeschrieben werden müssen. Das ist auch in der Quelle vergessen worden.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02


[4.] Mhg/Fragment 017 28 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-12-06 12:00:57 [[Benutzer:|]]
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 17, Zeilen: 28-32, 37-40
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 15, 16, Zeilen: 15: 32 ff.; 16: 3 ff.
Keupp (1995) sieht in den veränderten sozialen Beziehungen eine Verbindung von individuellen und kollektiven Zielen. Nachbarschaften bilden lose und gleichzeitig persönliche Beziehungen. Freunde werden nach der Ähnlichkeit ihrer Interessen ausgewählt und traditionelle Zugehörigkeiten werden durch freiwillige Solidarbeziehungen abgelöst. [In der gelungenen Verbindung von Selbstverwirklichung und Altruismus und von Selbstverwirklichung als Altruismus sieht Keupp einen „neuen Typus von Solidarität“, eine „kommunitäre Individualität“ (Keupp 1995: 54), in der sich nicht „Werteverfall“, sondern „zukunftsfähige Lebensstile“ ankündigen (Keupp 2000: 11).]

Die klassische Diskussion um Gemeinschaft und Gesellschaft (Tönnies, Weber, Parsons) wurde in einer Bipolarität geführt, in der die Formen der Zusammengehörigkeit entweder dem einen Pol (Gemeinschaft) oder dem anderen Pol (Gesellschaft) zuordnet wurden. In der Moderne wird jedoch die traditionel-[le Verpflichtung gegenüber anderen Gesellschaftsmitgliedern negiert und der individuelle Wille bejaht.]

Keupp (1995) verbindet individuelle und kollektive Ziele, die er in veränderten sozialen Beziehungen sieht: Nachbarschaften bilden Beziehungen, die gleichzeitig lose und persönlich sind; Freunde werden nicht traditionell, sondern nach ähnlichen Interessen ausgewählt; traditionelle Zugehörigkeiten (z.B. zu einer Kirche) werden abgelöst durch individuelle, freiwillige Solidarbeziehungen (z.B. in einer Sekte oder einer Meditationsgruppe), wodurch ein „neuer Typus von Solidarität“ (S. 54) entsteht.

[Seite 16]

Während sich die klassische wissenschaftliche Debatte um Gemeinschaft und Gesellschaft (z.B. Tönnies, Weber, Parsons) auf »reine« Formen der Zusammengehörigkeit in der »Entweder-Oder-Ausschließung« bezieht, sind die Solidarbeziehungen in der (Post-) Moderne geradezu durch die Überwindung der traditionellen Loyalität und die Bejahung des individuellen Willens gekennzeichnet (z.B. die Wohngemeinschaft).

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.

Der dritte Satz, der sich stärker von der Quelle löst und zusätzliche Verweise auf Keupp 1995 bzw. 2000 enthält, bleibt bei der Zeilenzählung unberücksichtigt.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02


[5.] Mhg/Fragment 018 02 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-12-17 17:12:50 [[Benutzer:|]]
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 18, Zeilen: 2-6
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 16, Zeilen: 8 ff.
Das neue Gemeinschaftsbedürfnis sucht nach individuell nutzbaren Beziehungen. Die verlorene Gemeinschaft wird durch informelle multiple Netzwerke ersetzt, deren Aufbau nicht mehr traditionell erfolgt, sondern in Abhängigkeit vom Arbeits- und Dienstleistungsmarkt entworfen und verwirklicht wird. Das Gemeinschaftsbedürfnis richtet sich auf individuell nutzbare Gemeinschaften, d.h. [...]. An die Stelle der zerfallenden Familien und verlorenen Solidaritäten treten nun informelle, transitorische Netzwerke und multiple Gruppenzugehörigkeiten. Auch der Aufbau und die Konstituierung von Gruppen ist nicht mehr durch tradierte Rituale vorgegeben, sondern wird in Abhängigkeit vom Dienstleistungsmarkt geplant und organisiert.
Anmerkungen

Fortsetzung von der Vorseite, siehe Fragment 017 28; die Übernahme schließt auch in der Quelle an das Ende jenes Fragments an.

Wie schon bei den vorangegangenen Fragmenten sprachlich stark umformuliert - und kein Hinweis auf die Quelle.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02


[6.] Mhg/Fragment 021 30 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-12-07 20:29:19 [[Benutzer:|]]
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 21, Zeilen: 30-37
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 24, Zeilen: 32 ff.
Jedoch jenseits aller Diskussionen um eine desintegrierte, gewandelte oder befreite Gemeinschaft (Wellman 1988) ist die soziale Einbindung der Menschen zu gewährleisten, was in der Konsequenz bedeutet, dass das alltägliche Gemeinschaftsleben individuell organisiert werden muss. Geht man von der Annahme aus, dass jede Form des Zusammenlebens ein Bedürfnis nach Verbundenheit impliziert und da der Individualismus aus der Gemeinschaft entsteht und die Gesellschaft hervorbringt und sie trägt (siehe Tönnies [1987] 1991: XXIII), ist es notwendig, die Gemeinschaftsformen in der Gegenwart zu betrachten. [Sind sie das Resultat von Modernisierungsprozessen und Vergesellschaftung oder bilden sie eher eine Gegenbewegung dazu?] Unabhängig von der Diskussion um eine verlorene oder eine befreite Gemeinschaft muß die soziale Einbindung gewährleistet werden, und das heißt, daß die alltägliche Vergemeinschaftung zunehmend zu einer individuell zu erbringenden Leistung wird. Ausgehend von der These, daß jede Form des Zusammenlebens Verbundenheit anstrebt und „(j)eder Individualismus auf Gemeinschaft (fußt) und in Gesellschaft (resultiert)“ (Tönnies 1979, S. XXIII), ist die Aufmerksamkeit auf die Gemeinschaftsformen in der Moderne zu richten. Sind diese Formen Gegenbewegungen zu Rationalisierungsprozessen und Vergesellschaftungen?
Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle, die hier erkennbar als Schreibvorlage dient.

Die zwar ebenfalls an die Quelle anknüpfende aber freier formulierte Frage am Ende geht nicht mit in die Zeilenzählung ein.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02


[7.] Mhg/Fragment 022 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-12-06 20:36:30 [[Benutzer:|]]
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 22, Zeilen: 1-4, 22-26
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 25, Zeilen: 12 ff., 27 ff.
Um diese Thematik über das Gegensatzpaar «Gemeinschaft» und «Gesellschaft» aus der Sicht eines allgemeinen soziologischen Theorieverständnisses zu beleuchten, folgt an dieser Stelle ein diskursgeschichtlicher Abriss der wichtigsten Protagonisten um die Gemeinschaftsdebatte.

1.1 Rationalisierung und Gemeinschaft

[...]

Tönnies sieht im Willen die Voraussetzung für jegliche Handlung und macht ebenso wie Schopenhauer das menschliche Wollen zum Bindungsmotiv.

Der Wesenswille „involviert das Denken“ (Tönnies [ 1887] 1991: 73) in das Wollen der Gemeinschaft und erzeugt durch die Bejahung der gemeinschaftlichen Sozialform ein Band von Einigkeit und Eintracht.

Vorab ist ein dogmengeschichtlicher Abriß notwendig, um die Problematik vor einem allgemeinen soziologischen Theorieverständnis, dem Gegensatzpaar Gemeinschaft und Gesellschaft, zu beleuchten (vgl. Spurk 1990, S. 1). [...]

1.1 Die Rationalisierung gemeinschaftlicher Formen

[...] Das menschliche Wollen erhebt er nach Schopenhauer zum Bindungsmotiv, d.h. er analysiert nicht die Formen des Handelns, sondern den Willen als Voraussetzung jedweder Handlung und als prinzipielle Auffassung des sozialen Lebens.

Tönnies unterscheidet den Wesenwillen vom Kürwillen. Der Wesenwille bindet das Denken in das Wollen der Gemeinschaft ein, denn die Affirmation der gemeinschaftlichen Sozialform wird apriorisch entschieden und erzeugt ein emotionales Band der Eintracht und Einigkeit.

Anmerkungen

Trotz Ergänzung wörtlicher Tönnies-Zitate (in der Auslassung und im letzten Satz), Umformulierungen und Umstellungen zeigen sich die inhaltlichen Parallelen zur ungenannt bleibenden Schreibvorlage.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02


[8.] Mhg/Fragment 023 03 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-12-08 13:43:19 [[Benutzer:|]]
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 23, Zeilen: 3-9, 25-28
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 25, 26, Zeilen: 25: letzte Zeile; 26: 1 ff., 8 ff.
Die Gemeinschaft ist verbunden durch das Blut, den Ort und den Geist. Die soziale Ordnung wird durch die natürliche Arbeitsteilung (Alter, Geschlecht, Talent) geschaffen. Es handelt sich dabei um ein friedliches und vertrautes, uneingeschränktes Zusammenleben.

Die Gemeinschaft stellt für Tönnies eine historische Sozialform dar, deren Totalität sich die Mitglieder zunehmend entziehen, um andere Ziele zu verfolgen. [...]

[...]

[...] Mit dem Kürwillen wird das Denken endgültig von der Gesamtheit des Wollens getrennt. Der Verlust der Einheit wird durch kürwillentliche Verbindungen zu kompensieren versucht, was zu einer ideellen, künstlich konstruierten Einheit führt. Es ist das Substitut zur gemeinschaftlichen Einheit.

[Seite 25]

Die Gemeinschaft ist ein natürliches

[Seite 26]

Kollektiv, das durch die Dimensionen Blut, Ort und Geist konstituiert wird und natürliche Arbeitsteilungen (Alter, Geschlecht, Begabung) als Ordnung institutionalisiert (vgl. Flego 1993, S. 69). Sie ist charakterisiert durch das friedliche, vertraute und ausschließliche Zusammenleben. [...]

Tönnies versteht Gemeinschaft als historische Sozialform, aus deren Ganzheitlichkeit die Mitglieder sich zunehmend herauslösen, um eigene Ziele zu verfolgen.

Im Kürwillen wird die Trennung des Denkens von der Willensganzheit vollzogen, der Wille speist sich nun aus dem Denken der einzelnen Gesellschaftsmitglieder, also dem Einzelwillen, und nicht mehr aus der apriorischen Einheit. Als Kompensation des Verlustes der Einheit werden kürwillentliche, d.h. kalkulierbare, rationale Willensverbindungen eingegangen, wodurch die Ganzheit zu einer ideellen, künstlich konstruierten Einheit wird, die die gemeinschaftliche Einheit substituieren soll.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02


[9.] Mhg/Fragment 024 05 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-12-17 17:16:44 [[Benutzer:|]]
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 24, Zeilen: 5-8, 10-11
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 26, Zeilen: 27 ff.
Mit dem Begriff der Gesellschaft konstruiert Tönnies ein Kollektiv auf der Basis der Dimensionen Handel, Tausch und Konventionen, die einer gewissen ökonomischen Arbeitsteilung entsprechen und durch die soziale Ungleichheiten erzeugt werden. Während Tönnies bei der Gemeinschaft noch von einem „ursprünglichen (einfachen, familienhaften) Kommunismus“ (Tönnies [ 1887] 1991: 219) spricht, ist die Gesellschaft egoistisch, da die Individuen nur noch für sich arbeiten und damit die Arbeit ihren naturgemäß gemeinschaftlichen Charakter verliert (siehe Tönnies [1887] 1991: 137ff). Die Gesellschaft ist ein konstruiertes Kollektiv, das durch die Dimensionen Tausch, Sozietät (=Konvention) und Handel konstituiert wird und eine ökonomisch bestimmte Arbeitsteilung sowie dementsprechende Ungleichheiten erzeugt. Während die Gemeinschaft urkommunistisch war6, ist die Gesellschaft egoistisch, in der die Mitglieder vor allem für sich arbeiten.

6 [...]

Anmerkungen

Der dritte Satz wird konkretisierend um ein kurzes wörtliches Tönnies-Zitat sowie am Ende um eine weitere Tönnies-Referenz ergänzt (und geht daher nur teilweise in die Zeilenzählung ein), ein Hinweis auf die als Schreibvorlage dienende "Leitquelle" fehlt freilich.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02


[10.] Mhg/Fragment 025 05 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-12-09 22:38:26 [[Benutzer:|]]
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 25, Zeilen: 5-12
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 28, Zeilen: 22 ff.
Bei Max Weber ist die Rationalität untrennbar mit Handlungsfreiheiten verbunden, da sich die Individuen von ihrer Ursprünglichkeit befreien und zu Persönlichkeiten mit spezifischen Mustern der Lebensführung werden, die imstande sind rational zu handeln.

Weber verbindet die Kategorien Vergemeinschaftung (Gemeinschaft) und Vergesellschaftung (Gesellschaft) mit vier Typen sozialen Handelns. Das affektuelle2 und traditionale3 Handeln sind Formen der Gemeinschaft und wertrationales4 und zweckrationales5 Handeln sind der Gesellschaft zu zuordnen.


[2 Affektuelles Handeln liegt dann vor, wenn aktuelle Emotionen oder Affekte das Handeln bestimmen

3 Traditional ist ein Handeln bestimmt, wenn der jeweilige Akteur ein bestimmtes Verhalten aus reiner Gewohnheit vollzieht

4 Wertrationales Handeln ist, wenn sich jemand in einer bestimmten Art und Weise verhält, weil er an den ethischen, ästhetischen, religiösen oder wie immer sonst zu deutenden - unbedingten Eigenwert eines bestimmten Sichverhaltens rein als solchen” (Weber 1984: 44) glaubt und es ihm allein um dessen Realisierung durch sein Handeln geht.

5 Zweckrational ist das Handeln, wenn ein Akteur sein Tun auf einen bestimmten Zweck bzw. ein Handlungsziel insofern ausrichtet, als er rational die geeigneten Mittel unter Berücksichtigung alternativer möglicher Mittel auswählt und einsetzt.]

Rationalität ist bei einem Zeitgenossen Tönnies’, Max Weber, untrennbar mit Handlungsfreiheiten verknüpft, indem erst durch die Lösung von der Natürlichkeit eine Persönlichkeit mit eigenem Stil und einer spezifischen Lebensführung entstehen und rational handeln kann (vgl. Weber 1973, S. 132, 226). Weber bezieht die Kategorien Gemeinschaft (Vergemeinschaftung) und Gesellschaft (Vergesellschaftung) auf vier Typen sozialen Handelns, argumentiert also handlungstheoretisch. Affektuelles und traditionales Handeln verkörpern die Vergemeinschaftung, wertrationales und zweckrationales Handeln ist der Stoff, aus dem Vergesellschaftung gemacht ist.
Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.

Die Fußnoten dürften wörtliche Zitate von Max Weber sein.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02


[11.] Mhg/Fragment 026 16 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-01-25 00:17:13 [[Benutzer:|]]
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 26, Zeilen: 16-24
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 30, Zeilen: 15-22
Weber kennzeichnet mit den gemeinschaftlichen und gesellschaftlichen Komponenten den Weg der Entwicklungsschritte in eine rationale Gesellschaft, die für ihn ebenso wie für Tönnies die Endstufe gesellschaftlicher Entwicklung darstellt. Letztendlich bleibt er jedoch einer Dichotomisierung des vergemeinschafteten und vergesellschafteten Handelns durch die Zuweisung der Idealtypen zu den Sozialformen verhaftet. So verweist der Idealtypus des zweckrationalen Handelns auf eine Ausdifferenzierung unterschiedlicher Sphären zwischen den Polen Gemeinschaft und Gesellschaft, aber er kann nicht die unterschiedlichen Ausprägungen der Rationalität der Subsysteme erklären. Auch wenn Weber Koinzidenzen und Konvergenzen gemeinschaftlicher und gesellschaftlicher Komponenten einräumt, markiert er an ihnen letztlich Entwicklungsschritte auf dem Weg in die rationale Gesellschaft und die Dichotomie vergemeinschafteten und vergesellschafteten Handelns bleibt durch die Zuordnung der Idealtypen zu den Sozialformen bestehen. Die Dominanz des zweckrationalen Idealtypus verweist die ausdifferenzierten Sphären in eine Skala mit den Polen Gemeinschaft und Gesellschaft, die aber nicht in der Lage ist, die unterschiedlich ausgebildeten Rationalitätsniveaus der Subsysteme zu erklären.
Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02


[12.] Mhg/Fragment 032 27 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-01-24 23:18:43 [[Benutzer:|]]
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 32, Zeilen: 27-29, 106-107
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 34, Zeilen: 5 ff.
Durch die Interpenetration werden Differenzierung und Integration der Subsysteme des Handelns verbunden und neue Ordnungen geschaffen.

8 [ [...] Somit ist das Rollenspiel als Teil des Sozial- und Persönlichkeitssystems anzusehen,] jedoch dominiert keins der beiden Teilsysteme über das andere, sondern es kommt zu einer Überschneidung der Teilsysteme.

Das Ausmaß der Interpenetration wird erschließbar durch die Vermittlungsleistungen zwischen den Sphären, das bedeutet erstens: Interpenetration verbindet Differenzierung und Integration der Subsysteme des Handelns. Zweitens: Durch Interpenetrationsprozesse entstehen neue Ordnungen und drittens: Die Interpenetration zweier unterschiedlicher (bis gegensätzlicher) Sphären bedeutet nicht die Dominanz einer Sphäre über die andere, sondern eine Überschneidung mit dem Ergebnis eines Amalgams unterschiedlicher inhaltlicher Standpunkte.
Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.

(Auch in den Weiten des Internets findet sich für eine Suchanfrage zu der markanten Wortgruppe "Differenzierung und Integration der Subsysteme des Handelns" lediglich die Dissertation von Dederichs als einziger Treffer: [2].)

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02


[13.] Mhg/Fragment 043 39 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-12-08 13:47:42 [[Benutzer:|]]
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 43, Zeilen: 39-40
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 35, Zeilen: 12 ff.
Mit dem dualen Konzept der Integrationsdimensionen bei Habermas, [sic] ist auch eine indirekte Kritik an Parsons verbunden. Da Parsons die Handlungssys-[teme als entscheidende kulturelle Träger ansieht, ist er gezwungen, beim Umbau seiner Handlungstheorie zur Systemtheorie die Integrationsleistungen zu funktionalisieren, denn die Gemeinschaft ist immer noch das integrative Subsystem.] Eine duale Konzeption der Integrationsdimensionen, wie Habermas sie vorbringt, enthält indirekt eine Kritik an Parsons. Dieser ist beim Umbau seiner Handlungstheorie zu einer Systemtheorie (vgl. Staubmann 1995 a/b), die Handlungssysteme als die maßgeblichen kulturellen Träger begreift, vor das Problem gestellt, die Integrationsleistungen zu funktionalisieren. Die Gemeinschaft wird nämlich nach wie vor als das integrative Subsystem angesehen.
Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.

Fortsetzung auf der folgenden Seite.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02


[14.] Mhg/Fragment 044 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-12-08 13:56:50 [[Benutzer:|]]
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 44, Zeilen: 1-3, (9-13), 14-15, 21-28, 31-32, (35), (S. 45: 1-3)
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 35, Zeilen: 13 ff.
[Da Parsons die Handlungssys-]teme als entscheidende kulturelle Träger ansieht, ist er gezwungen, beim Umbau seiner Handlungstheorie zur Systemtheorie die Integrationsleistungen zu funktionalisieren, denn die Gemeinschaft ist immer noch das integrative Subsystem.
„Die Funktion, die der «sozialen Gemeinschaft» als einem von vier Teilsystemen (neben Ökonomie, Politik und kultureller´Reproduktion/Sozialisation) zugeordnet wird, gewinnt nun nämlich den abstrakten Sinn von «Integration» im Sinne der Sicherung des Zusammenhalts eines Systems, das in seinem Bestand durch überkomplexe Umwelten bedroht ist und unter diesem Druck die permanente Gefahr, in seine einzelnen Komponenten auseinander zufallen, bannen muss. Dabei geht stillschweigend jene Idee in Führung, die Parsons früher mit dem Ausdruck «funktionaler [sic] Integration» verbunden hatte. Die funktionalen Imperative, auf die die «soziale Gemeinschaft» jetzt spezialisiert ist, können immer noch auf dem Wege des normativen Konsens erfüllt werden; [...]“ (Habermas 1981 II: 362).

Aus dem Blickwinkel des Systems ist für die Systemintegration einer Reduktion der über Konsens hergestellten Integration notwendig.

[... Habermas-Zitat ...]

Das heißt, das die gemeinschaftlichen Elemente wie Normen, Sprache und Intersubjektivität den Austauschmechanismen des Systems entsprechen müssen, „und so die Unterscheidung zwischen Sozial- und Systemintegration endgültig einzieht [sic]“ (Habermas 1981 II; 384).

Aus der Umstellung der Handlungs- auf die Systemtheorie ergibt sich für Habermas noch ein weiteres Problem, nämlich bei den „Pattern variables“ von Parsons, die dieser in Anlehnung an Tönnies Kategorien von Gemeinschaft und Gesellschaft weiterentwickelt hat.

[... Habermas-Zitat ...]

Die Pattern-variables [sic] wurden als Präferenzmuster eingeführt, mit deren Hilfe die kulturellen Werte in Handeln umgesetzt werden.

„Nun geht es nicht mehr um die kulturelle Determinierung von Handlungsorientierungen, sondern darum, wie Aktorenentscheidungen unvermittelt aus Systembildungsprozessen hervorgehen. Wenn die pattern-variables [sic] weiterhin mitgeführt wer-[den sollen, sind sie allenfalls als Linsen brauchbar, durch die das Licht der Systemprobleme derart prismatisch gebrochen wird, dass Handlungen im Abglanz der Systemdynamik aufscheinen können.“ (Habermas 1981 II: 367)]
Dieser [Parsons] ist beim Umbau seiner Handlungstheorie zu einer Systemtheorie (vgl. Staubmann 1995 a/b), die Handlungssysteme als die maßgeblichen kulturellen Träger begreift, vor das Problem gestellt, die Integrationsleistungen zu funktionalisieren. Die Gemeinschaft wird nämlich nach wie vor als das integrative Subsystem angesehen. „Dabei geht stillschweigend jene Idee in Führung, die Parsons früher mit dem Ausdruck »funktionale Integration« verbunden hatte. Die funktionalen Imperative, auf die die »soziale Gemeinschaft« jetzt spezialisiert ist, können immer noch auf dem Wege des normativen Konsens erfüllt werden; [...]“ (Habermas 1982b, S. 362; Hervorh. i.O.). Die Systemperspektive verlangt aber die Reduktion auf die systemische Integration, d.h. die gemeinschaftlichen Elemente wie Werte, Normen, Sprache, Intersubjektivität müssen letztlich den systemischen Austauschmechanismen entsprechen, „und so die Unterscheidung zwischen Sozial- und Systemintegration endgültig einziehen“ (ebd., S. 384; Hervorh. i.O.). [...]

Als weiteres Problem bei der Umstellung einer Handlungs- auf eine Systemtheorie erweisen sich die von Parsons als Weiterentwicklung der Tönniesschen Kategorien Gemeinschaft und Gesellschaft konzipierten »pattern variables«. Diese verweisen auf die „assoziativ-symbolische Bedeutung“ (Staubmann 1995a, S. 44) von Handlungen, die als einzelne nur in einem größeren Bedeutungszusammenhang verstehbar sind.

Die »pattern variables« müssen systemtheoretisch uminterpretiert werden, da sie ja als selektierte Entscheidungspräferenzen aufgrund der symbolischen Einbindung kulturelle Werte in Handeln umsetzen. Dazu schreibt Habermas: „Wenn die pattern variables weiterhin mitgeführt werden sollen, sind sie allenfalls als Linsen brauchbar, durch die das Licht der Systemprobleme derart prismatisch gebrochen wird, daß Handlungen im Abglanz der Systemdynamik aufscheinen können“ (1982b, S. 367).

Anmerkungen

Fortsetzung von der Vorseite.

Kein Hinweis auf die Quelle. Darin vorgefundene wörtliche Habermas-Zitate werden teils übernommen, teils übernommen und "ausgebaut" [diese Blockzitate gehen nicht mit in die Zeilenzählung ein]; zwei weitere werden ergänzt.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02


[15.] Mhg/Fragment 045 08 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-12-18 19:11:23 [[Benutzer:|]]
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 45, Zeilen: (1-3) 8-21, 27-35
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): (35), 36, Zeilen: (35: 37-41); 36: 3 ff.
.
[ [Wenn die pattern-variables weiterhin mitgeführt wer-]den sollen, sind sie allenfalls als Linsen brauchbar, durch die das Licht der Systemprobleme derart prismatisch gebrochen wird, dass Handlungen im Abglanz der Systemdynamik aufscheinen können.“ (Habermas 1981 II: 367)]

[...]

In der Lebenswelt, die eine begriffliche Ähnlichkeit zur Gemeinschaft darstellt, wird verständigungsorientiert gehandelt. Dabei führt jegliche systemische Ausdifferenzierung in der Lebenswelt zu einem Zuwachs der Rationalität der Lebensweltstrukturen. Auch bei Habermas verlieren die lebensweltlichen Integrationsmuster mit zunehmender gesellschaftlicher Differenzierung an Bedeutung und man gewinnt den Eindruck, dass gesellschaftliche Einrichtungen mit systemischer Struktur ausschließlich zweckrational und emotionslos sind. Nur ein Bruch mit der Rationalitätslogik durch eine erneute Stärkung der kommunikativen Vernunft und einer kommunikativen Rationalität fuhrt zu einer Überwindung der Kolonialisierung der Lebenswelt, so Habermas. In der Theorie der rationalen Kommunikation sieht Habermas die Möglichkeit, mit Hilfe eines rationalen Diskurses zu einer Konsensbildung zu gelangen, deren „Kriterium die Gültigkeit nicht nur kognitiver Aussagen, sondern auch von ästhetischen Urteilen und moralischen Normen“ (Münch 1992 : 316) ist.

[... Zitat Honneth 1999 ...]

Jedoch bleibt es bei einem dualen Modell von Lebenswelt und System bei Habermas, da ein Penetrieren lebensweltlicher Gesichtspunkte in systemische Bereiche faktisch ausgeschlossen wird. Habermas ist sich jedoch bewusst, dass jedes Gesellschaftsmitglied „[...] auf das Entgegenkommen eines konsonenten Hintergrunds von rechtlich nicht erzwingbaren Motiven und Gesinnungen eines am Gemeinwohl orientierten Bürgers“ (Habermas 1992: 641) angewiesen ist. Für die Lösung des Problems zwischen Kolonialisierungsprozessen und Lebensweltpathologien skizziert er ein rationales Diskursmodell (vgl. Habermas 1992).

[Seite 35]

[Dazu schreibt Habermas: „Wenn die pattern variables weiterhin mitgeführt werden sollen, sind sie allenfalls als Linsen brauchbar, durch die das Licht der Systemprobleme derart prismatisch gebrochen wird, daß Handlungen im Abglanz der Systemdynamik aufscheinen können“ (1982b, S. 367).]

[Seite 36]

Die Lebenswelt ist als begriffliche Analogie zu Gemeinschaft eingeführt, in der verständigungsorientiert gehandelt wird, danach wirkt jede systemische Differenzierung in der Lebenswelt als „Rationalitätszuwachs von Lebensweltstrukturen“ (Puch 1988, S. 59). Auch Habermas nimmt einen Verlust von lebensweltlichen Integrationsmustern an und fördert den Eindruck, gesellschaftliche Einrichtungen mit systemischer Strukturierung seien ausschließlich kalt, zweckrational und emotionslos. Eine Lösung bzw. Überwindung der Kolonialisierung sieht Habermas einzig im Bruch mit der Rationalitätslogik durch den rationalen Diskurs selbst. Der „herrschaftsfreie Diskurs“ ermöglicht eine konsensuell-moralische Ordnung, die vorrangig den Kriterien der kognitiven Aussagegültigkeit, der ästhetischen Urteilskraft und der moralischen Normenrichtigkeit unterliegt (vgl. Münch 1992, S. 315ff). Von verschiedenen wissenschaftlichen Seiten ist die Konsensherstellung problematisiert und kritisiert worden (vgl. ebd.).

1.1.4 Gesellschaftstheorie und ihr Verhältnis zur Dichotomisierung von Gemeinschaft und Gesellschaft

Habermas' duales Modell von System und Lebenswelt entgeht zwar der Weberschen Einseitigkeit, aber ein Eindringen von lebensweltlichen Aspekten in systemische Bereiche wird ausgeschlossen, auch wird der ästhetisch-expressiven Kategorie nur eine lebensweltliche Dimension zugeordnet. Habermas weiß um die Angewiesenheit jedes Gesellschaftsmitglieds „[...] auf das Entgegenkommen eines konsonenten Hintergrunds von rechtlich nicht erzwingbaren Motiven und Gesinnungen eines am Gemeinwohl orientierten Bürgers“ (Habermas 1992, S. 641), eine Lösung des Dilemmas zwischen Kolonialisierungsprozessen und Lebensweltpathologien skizziert er an einem rationalen Diskursmodell.

Anmerkungen

Fortsetzung von der Vorseite.

An diesem Fragment dürfte sich die Arbeitsweise der Verf.in bzw. die verschiedenen feststellbaren Formen bei der Auswertung zumindest dieser Quelle 'idealtypisch' illustrieren lassen:

  • Die eigentliche Quelle bleibt ungenannt.
  • Der übernommene Inhalt wird sprachlich oft sehr stark umformuliert (und manchmal noch weiter "ausgebaut").
  • Die Übernahme folgt grundsätzlich der Seitenfolge der Quelle.
  • Wörtliche Zitate werden entweder unverändert mitübernommen (Blindzitat bzw. Zitatplagiat) oder eingesehen und noch erweitert; teilweise werden weitere wörtliche Zitate hinzugefügt.

An diesem Fragment noch speziell auffällig:

  • Aneignung einer mitübernommenen Kurzzitataussage, für die in der Quelle noch Puch (1988) als Quelle referenziert worden war.
  • Münch (1992) wird nach dem Hinweis in der Quelle ("S. 315 ff.") nachgeschlagen und die referierten Aussagen Münchs durch ein Münch-Direktzitat ersetzt.
Sichter
(Schumann), SleepyHollow02


[16.] Mhg/Fragment 046 06 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-12-18 19:15:05 [[Benutzer:|]]
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 46, Zeilen: 6-29
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 48, Zeilen: 3 ff.
Gemeinschaft und Gesellschaft liegen unterschiedliche Merkmale zugrunde. So stellen Gemeinschaften eine historische Sozialform mit einer sozialintegrativen Funktion differenzierter Lebenswelten dar, während Gesellschaften durch funktionale Differenzierungsprozesse geprägt sind. Die unterschiedlichen Sozialformen, die den Begriffen zugrunde liegen, haben auch die Grundlage der sozialen Beziehungen zwischen den Individuen verändert. So hängen die Vermittlungsleistungen aufgrund der funktionalen Differenzierungsprozesse stärker von den Handlungsoptionen, die von den neu entstanden Subsystemen vorgegeben werden, ab. Je nach der Handlungssituation sind die Gründe für soziales Handeln bei Weber zweckrational, wertrational, affektuell oder traditional und liefern damit die Begründung dafür, ob eine soziale Beziehung eher gemeinschaftlichen oder gesellschaftlichen Charakter hat. Weber weist jedoch auch auf mögliche Überschneidungen hin.

Die Webersche Handlungstheorie wurde von Parsons um einige strukturell unabhängige Handlungsbestandteile angereichert. Dazu gehören Ziele, Mittel, Bedingungen und Normen. Ziele stellen bei Parsons den entscheidenden Unterschied zwischen gemeinschaftlichen und gesellschaftlichen Bindungen dar. Während der Zielbegriff bei gesellschaftlichen Bindungen relativ klar für Parsons ist, erscheint er in Bezug auf die gemeinschaftlichen Bindungen eher diffus. Zur Verfolgung gesellschaftlicher Ziele wird zweckrational gehandelt, d.h. die Ziele haben einen spezifischen Zweck und werden durch diesen begrenzt. Dabei orientieren sich die Individuen bei der Verfolgung ihrer individuellen Ziele an den zur Verfügung stehenden Mitteln. Bei den gemeinschaftlichen Zielen liegt keine eindeutige Handlungsstruktur vor.

Gemeinschaften und Gesellschaften sind durch unterscheidbare Merkmale kategorisierbar. Während Gesellschaften den Charakter teleologisch-evolutionärer Systeme aufweisen, gelten Gemeinschaften als historische Sozialformen, die als ausdifferenzierte Lebenswelten sozialintegrative Funktionen erfüllen. Gemeinschaft und Gesellschaft werden als unterschiedliche Sozialformen begriffen, deren Wandel auch eine veränderte Beziehungsgrundlage zwischen Menschen geschaffen hat. Werden soziale Beziehungen als Vermittlungsformen zwischen Menschen definiert, muß die Vermittlungsleistung durch die funktionalen Differenzierungsprozesse, nämlich die Entstehung spezifischer Sphären, stärker von entsprechenden subsystemischen Handlungsvorgaben abhängen. Die Handlungsvorgaben hängen mit den situativen Bestandteilen zusammen, die Bestimmungsgründe sozialen Handelns sind dementsprechend zweckrational, wertrational, affektuell oder traditional - sie folgen einer instrumenteilen oder einer evaluativen Handlungsorientierung und begründen die soziale Beziehung als gemeinschaftliche oder/und gesellschaftliche, wobei bereits Weber Überschneidungen einräumte.

Parsons erweitert die voluntaristische Handlungstheorie, indem er strukturell unabhängige Handlungskomponenten einführt: Ziele, Mittel, Bedingungen und Normen; so kann wert- und zweckrationales Handeln normativ integriert werden (vgl. Staubmann 1995a, S. 36). Bezüglich der gemeinschaftlichen und der gesellschaftlichen Beziehungen sieht Parsons den entscheidenden Unterschied im Zielbegriff: Gesellschaftliche Ziele sind durch einen spezifischen Zweck charakterisiert und begrenzt, der Handelnde orientiert sich also in der Verfolgung individueller Ziele an den verfügbaren Mitteln, was zweckrationales Handeln bedeutet. Gemeinschaftliche Ziele sind diffuser, da keine eindeutige Handlungsstruktur durch Ziele, Mittel, Bedingungen und Normen vorliegt.

Anmerkungen

Sprachliche Umformulierungen und Umstellungen bei gleichbleibendem Inhalt - und kein Hinweis auf die Quelle.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02


[17.] Mhg/Fragment 048 12 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-03-18 13:24:42 [[Benutzer:|]]
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 48, Zeilen: 12-19, 24-35
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 48, 49, Zeilen: 48: 29 ff.; 49: 23 ff.
Diese [Habermas' Zielorientierung] wird unterschiedlichen Sphären der Gesellschaft zugeordnet. Das erfolgsorientierte Handeln den rationalen Systemen und die Verständigungsorientierung der privaten Lebenswelt. Systeme, wie z.B. Unternehmen, sind durch erfolgsorientiertes Handeln ihrer Mitglieder charakterisiert, wohingegen Lebenswelten, wie z.B. die Familie, eher verständigungsorientiert Handeln [sic]. Damit sind soziale Beziehungen prinzipiell an systemische oder lebensweltliche Handlungsorientierungen gebunden, welche die Vorstellungen über konkrete Beziehungen erzeugen.

[...]

Habermas antizipiert die Gedanken der Meadschen Sozialpsychologie und der Sprechakttheorie von Wittgenstein, um damit die Theorie des kommunikativen Handelns zu begründen und die Webersche auf Zweckrationalität ausgerichtete Handlungstheorie zu erweitern (vgl. Habermas 1981 II: 11-68).

Mit dem geschichtlichen Überblick über das allgemeine soziologische Theorieverständnis der unterschiedlichen Positionen zum Begriffspaar „Gemeinschaft und Gesellschaft“ sollten die Einflüsse gesellschaftlicher Veränderungen auf die Entstehung und Entwicklung sozialer Beziehungen als einem Komplex - bestehend aus Sozialformen, Beziehungstypen und Handlungsbedingungen - verdeutlicht werden. Daraus ergibt sich jedoch die Frage, inwieweit diese gesellschaftstheoretisch binären Kategorisierungen tatsächlich zutreffend sind. Habermas führt dazu an:

[„Die Soziologie entsteht als Theorie der bürgerlichen Gesellschaft; ihr fällt die Aufgabe zu, den Verlauf und die anomischen Erscheinungsformen vorbürgerlicher Gesellschaft zu erklären. Diese, aus der objektiven gesellschaftlichen Situation sich [ergebende Problemstellung bildet den Bezugspunkt, unter dem die Soziologie auch ihre Grundprobleme bearbeitet. Auf metatheoretischer Ebene wählt sie Grundbegriffe, die auf den Rationalitätszuwachs moderner Lebenswelten zugeschnitten sind. Die klassischen Denker der Soziologie versuchen ohne Ausnahme ihre Handlungstheorie so anzulegen, dass deren Kategorien die wichtigsten Aspekte des Übergangs von >Gemeinschaft< zu >Gesellschaft< treffen. [...]“ (Habermas 1981 I: 21-22).]]

Habermas, Jürgen (1981) Theorie kommunikativen [sic] Handelns. Bd.1. Handlungsrationalität und gesellschaftliche Rationalisierung. Frankfurt/Main.

Habermas, Jürgen (1981) Theorie kommunikativen [sic] Handelns. Bd.2. Zur Kritik der funktionalistsichen [sic] Vernunft. Frankfurt/Main.

[Seite 48]

Habermas formuliert die den instrumentellen und evaluativen Sphären entsprechenden Handlungsziele als Erfolgs- und Verständigungsorientierung und kontrastiert diese durch die Einteilung in rationale Systeme und private Lebenswelten. Habermas’ Annahmen entstammen seiner Rezeption der Meadschen Gedanken und der Wittgensteinschen Sprachphilosophie und begründen letztlich kommunikatives Handeln bzw. erweitern die Webersche, auf Zweckrationalität zugeschnittene Handlungstheorie (vgl. Habermas 1982b, S. 11-68).

Systeme, wie beispielsweise eine Firma, sind dann durch erfolgsorientiertes Handeln der Mitglieder gekennzeichnet; Lebenswelten, z.B. die Familie, zeichnen sich eher durch verständigungsorientiertes Verhalten aus. Beziehungen, sowohl als soziale Vermittlung generell als auch als konkrete Beziehung, sind an die (sub)-systemischen [sic] oder lebensweltlichen Handlungsorientierungen gekoppelt, die Vorstellungen über konkrete Beziehungen erzeugen.

[Seite 49]

Eine Betrachtung der Auswirkung der beschriebenen gesellschaftlichen Veränderungen auf den Auf- und Ausbau sozialer Beziehungen sollte den Zusammenhang zwischen Sozialformen, Handlungsbedingungen und Beziehungstypen erhellen. Im Vordergrund muß aber die Frage stehen, ob die gesellschaftstheoretischen Kategorien zulässige und empirisch überprüfbare Dichotomien benennen. Habermas konzediert für die Soziologie:

"Die klassischen Denker der Soziologie versuchen fast ohne Ausnahme ihre Handlungstheorie so anzulegen, daß deren Kategorien die wichtigsten Aspekte des Übergangs von >Gemeinschaft< zu >Gesellschaft< treffen" (1982a, S. 22).

[Habermas, Jürgen (1992): Faktizität und Geltung. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.]

ders. (1982a/b): Theorie des kommunikativen Handelns. Bd. 1+2. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle, der die Habermas-Rezeption entnommen ist.

Das auf S. 49 übergehende Habermas-Zitat unten, das (in erweiterter Form) ebenfalls übernommen wurde, bleibt bei der Zeilenzählung unberücksichtigt.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02


[18.] Mhg/Fragment 055 23 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-12-20 06:49:28 [[Benutzer:|]]
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 55, Zeilen: 23-25.26-31
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 93, Zeilen: 1 ff.
Inzwischen existiert ein Typus von Gemeinschaft, der die gesellschaftlichen Elemente längst eingebunden hat und gemeinschaftliche Funktionen erfüllt. Donati bezeichnet sie als die „Wiederentdeckung informeller gesellschaftlicher Netze“ (Donati 1988: 265), deren Aufgabe darin besteht, gesellschaftserhaltende Aufgaben, wie den Aufbau und Erhalt von Identität und die Vermittlung von Werten zu erfüllen. Dabei verliert die Einteilung in Vergemeinschaftungs- und Vergesellschaftungsformen zunehmend an Aussagekraft und neue Modelle, wie die sozialen Netzwerke, bilden den Rahmen für die Beziehungen, die Individuen eingehen. Es existiert ein Gemeinschaftstypus, der gesellschaftliche Elemente längst implementiert hat und gemeinschaftliche Funktionen erfüllt: Sie lassen sich als „Re-Vergemeinschaftungen“ (Spurk 1990), „posttraditionale Gemeinschaft“ (Raulet 1993), „inszenierte Gemeinschaft“ (Puch 1988), „informelle Netze“ (Donati 1988), „destruktive Gemeinschaften“ (Sennett 1987) oder „Lebensstile“ (z.B. Bourdieu 1989) bezeichnen und erfüllen wichtige, gesellschaftserhaltende Aufgaben, vorrangig jene des Identitätsaufbaus und -erhalts sowie der Vermittlung von Werten. Die alten Klassifikationsmuster, in denen Vergemeinschaftungs- und Vergesellschaftungsformen bisher evident waren, haben an Aussagekraft verloren, neue Modelle wie das Konzept sozialer Netzwerke rahmen die Verbindungen, die Menschen eingehen.
Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.

Einzige Eigenleistung: Aus den in der Quelle aufgezählten sechs Bezeichnungen für den Gemeinschaftstypus wählt die Verf.in die von Donati 1988, schlägt dann anscheinend in dieser Publikation nach, und fügt eine etwas andere beinahe wörtliche Donati-Formulierung mit Seitenangabe ein.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02


[19.] Mhg/Fragment 056 03 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-01-24 23:08:39 [[Benutzer:|]]
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 56, Zeilen: 3-15, (16-31), 32-39
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 97, Zeilen: 5 ff.
Soziale Beziehungen weisen heute ein hohes Spektrum an Vielfältigkeit und Multifunktionalität auf. Dennoch fuhren die Vergesellschaftungsprozesse nicht zu einer Vereinzelung der Individuen, denn sie knüpfen ihre Netze nach eigenen Wünschen und übernehmen die Verantwortung für den Erfolg der sozialen Beziehung. Diese neu entstehenden Gemeinschaften stabilisieren die Gesellschaft, indem sie als Wertvermittlungsinstanzen funktionieren. Eine solche Wert- und Normenvermittlung findet mit Hilfe von Interaktionen statt, welche mit einer Bemühung um Konsensherstellung verbunden sind. Individuum und Gesellschaft stehen sich dabei nicht in einem dualistischen Verhältnis von mangelnd integrierten Individuen und zugewiesenen Kollektiven gegenüber, sondern verkörpern unterschiedliche Niveaus von vergesellschafteter Gemeinschaft, die eine Einheit bilden. Auf diese Bipolarität weist bereits Simmel in seiner „Soziologie“ hin:
„Das Wesentliche aber und der Sinn des besonderen soziologischen Apriori, das sich hierin gründet, ist dies, dass das Innerhalb und das Außerhalb zwischen Individuum und Gesellschaft nicht zwei nebeneinander bestehende Bestimmungen und - obgleich sie sich gelegentlich auch so, und bis zur gegenseitigen Feindseligkeit entwickeln können - sondern dass sie die ganz einheitliche Position des sozial lebenden Menschen bezeichnen. Seine Existenz ist nicht nur, in Aufteilung ihrer Inhalte, partiell sozial und partiell individuell; sondern sie steht unter der fundamentalen, gestaltenden, nicht weiter reduzierbaren Kategorie einer Einheit, die wir nicht anders ausdrücken können als durch die Synthese oder die Gleichzeitigkeit der beiden logisch einander entgegengesetzten Bestimmungen der Gliedstellung und des Fürsichseins, des Produziert- und Befasstseins durch die Gesellschaft und des Lebens aus dem eignen Zentrum heraus und um des eignen Zentrums willen. Die Gesellschaft besteht nicht nur, wie sich vorher ergab, aus Wesen, die zum Teil nicht vergesellschaftet sind, sondern aus solchen, die sich einerseits als völlig soziale Existenzen, andrerseits, den gleichen Inhalt bewahrend, als völlig personale empfinden“ (Simmel 1908:28).

Dabei stellen die entstehenden Wertsysteme nicht nur Wertbezüge für die Familie, Nachbarschaft, Vereine usw. dar, sondern sie bilden auch die „sozio-kulturellen Überlieferungen“ für die nachfolgenden Generationen.

Dadurch, dass Individuen heute ihre sozialen Beziehungen nach eigenen Wünschen eingehen, spielt das interpersonale und systemische Vertrauen im Rahmen der modernen Vergemeinschaftung eine immer größere Rolle. Ein solches aktives Vertrauen ist aber auch mit einer Reziprozitätserwartung verknüpft.

Soziale Beziehungen sind vielfältiger und multifunktionaler geworden, sie decken das gesamte Kontinuum von traditionalen bis hin zu postmodernen Bindungen ab. Das Individuum ist durch die Vergesellschaftungsprozesse nicht der Vereinzelung ausgesetzt, sondern knüpft selbstbewußt neue Netze, ist aber für den Erfolg der Beziehung selbst verantwortlich. Die »neuen« Vergemeinschaftungen sind nicht nur Ausdruck eines individuell motivierten Identitätsbedürfnisses, sondern stabilisieren die Gesellschaft, indem sie als Vermittlungsinstanzen von Werten fungieren. Die Vermittlung von Normen gleicht aber nicht einer zentralistischen und systemischen Anleitung, sondern findet über Interaktion statt, wodurch Konsens oder Dissens hergestellt werden kann. Das Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft ist keineswegs in der Bipolarität von anomischen Individuen und determinierendem Kollektiv verankert, sondern existiert in unterschiedlichen Niveaus vergesellschafteter Gemeinschaftlichkeit: konkreten Gemeinschaftsformen, die gemeinschaftliche und gesellschaftliche Elemente synthetisieren.64 Deren Wertsysteme bilden nicht nur die Bezugssysteme für Familien, Nachbarschaften, Freundschaften, Verbände, Vereine, Organisationen und Nationen, sondern sie sind auch das »sozio-kulturelle Gedächtnis« der nachwachsenden Generationen.

Ein sozialer Raum, der die komplexen Beziehungsformen rahmt, muß die Bedingungen schaffen, die den tendenziell fluktuierenden Beziehungen eine relative Stabilität geben, indem sie den Austausch konditional und normativ über die Teilsysteme des Handelns prägen. Hinzu kommt, daß die individualisierten Akteure potentielle Partner nach Persönlichkeitsmerkmalen auswählen, wodurch Beziehungen eine legitimierte Form erhalten. Vor allem das interpersonelle und eingeschränkt auch das systemische Vertrauen dient in den posttraditionalen Vergemeinschaftungen als Vorschuß, der eine Reziprozitätsgarantie beinhaltet. Wird ein Austausch neu situiert, kann Vertrauen auch eine Strategie sein, um einen anderen gefügig zu machen, vor allem in asymmetrischen Beziehungen.

„Aktives Vertrauen stellt sich nur mit erheblichem Aufwand ein und muß wachgehalten werden. Auf ihm beruhen heute die neuen Formen des gesellschaftlichen Zusammenhalts - seien es intime Bindungen oder globale Interaktionssysteme“ (Giddens 1996b, S. 319).

64 Bereits Simmel (1968, S. 28) weist in seiner „Soziologie“ auf diese Dualität hin: „Das Wesentliche aber [...] ist dies, daß das Innerhalb und Außerhalb zwischen Individuum und Gesellschaft nicht zwei nebeneinander stehende Bestimmungen sind, [...], sondern daß sie die ganz einheitliche Position des sozial lebenden Menschen bezeichnen“.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.

Das erkennbar ebenfalls übernommene Simmel-Zitat wird nachgeschlagen und stark ausgebaut; es bleibt hier konservativ bei der Zeilenzählung unberücksichtigt).

In der zweiten Fragmenthälfte ist der Grad an Umformulierung derart hoch, dass die Parallelen farblich nur noch bei einer Gegenüberstellung mit dem VroniPlag-Vergleichswerkzeug und Textlängeneinstellung 2 bzw. 1 sichtbar gemacht werden können.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02


[20.] Mhg/Fragment 057 16 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-12-19 19:43:12 [[Benutzer:|]]
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 57, Zeilen: (1-4) 16-26, 28-30
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): (97) 98, Zeilen: (97: letzte 4 Zeilen), 98: 1 ff.
.
„Aktives Vertrauen stellt sich nur mit erheblichem Aufwand ein und muss wachgehalten werden. Auf ihm beruhen heute die neuen Formen des gesellschaftlichen Zusammenhalts - seien es intime Bindungen oder globale Interaktionssysteme“ (Giddens 1996:319).
[... wörtliches Zitat Giddens 1996b, S. 320-321 ...]

Damit bilden Vertrauen und Reziprozität die zentralen Elemente moderner Beziehungen, die über den unmittelbaren emotionalen Austausch verfestigt werden und eine Intimität schaffen. Um als soziokulturelle Überlieferungen für die nachfolgenden Generationen zur Verfügung zu stehen müssen aber solche neuen Gemeinschaften durch spezifische Interessen begrenzt sein, die sich in spezifischen Mustern oder Codes ausdrücken, denn nur durch eine rituelle Wiederholung solcher Symbole sozialen Zusammenhalts erhalten sie eine traditionale „Form“ (Vgl. Giddens 1996a: 126). Mit Hilfe dieser gemeinschaftsspezifischen Muster entsteht ein nahezu intimes Wir-Gefühl, welches zu einer emotional gefestigten Beziehung führt, Verhaltensweisen reguliert und „Sinndeutungen“ erzeugt. [...] Durch die Verfestigung von Traditionen als „Medium für die Organisation kollektiven Gedächtnisses“ (Giddens 1996a: 125) wird schlussendlich eine soziale Identität erzeugt, welche die Gesellschaft stabilisiert.

[Seite 97]

„Aktives Vertrauen stellt sich nur mit erheblichem Aufwand ein und muß wachgehalten werden. Auf ihm beruhen heute die neuen Formen des gesellschaftlichen Zusammenhalts - seien es intime Bindungen oder globale Interaktionssysteme“ (Giddens 1996b, S. 319).

[Seite 98]

Vertrauen und Reziprozität sind die Eckpfeiler der modernen Beziehungen, die unmittelbar über einen emotionalen Austausch zementiert werden und Intimität erzeugen. Die »neuen« Gemeinschaftsformen müssen auch dahingehend die Option des unendlichen Bestehens beinhalten, gleichzeitig müssen sie durch spezifische Interessen (subsystemisch) begrenzt sein, indem sie spezifische Kodes entwickeln.65 [...] Gleichzeitig müssen die Symbole des sozialen Zusammenhalts durch rituelle Wiederholungen eine quasi-traditionale Form erhalten. [...]

[...] Der Ritus des betont Häßlichen [bei Punks] (der mit großem zeitlichen Aufwand betrieben wird, wie Soeffner (1986) nachweist) sowie die (gesellschaftskritische) Stilisierung von Armut entsprechen gruppenspezifischen Kodes, die ein nahezu intimes Wir-Gefühl entstehen lassen. Nur unter diesen Prämissen ist der schnelle Übergang von oberflächlicher Kumpanei zu emotional gefestigten Beziehungen zu begreifen.

Die konstituierte Tradition kann dann erst zum „Medium für die Organisation des kollektiven Gedächtnisses“ (Giddens 1996a, S. 125; Hervorh. i.O.) werden, letztlich soziale Identität und gesellschaftliche Stabilität gewährleisten. [...] Die Entstehung der »neuen« Vergemeinschaftungen ist abhängig vom Aufbau gruppenspezifischer Rituale und Tradierungen, die die Funktion der Regulierung von Verhaltensweisen und der Schaffung von Sinndeutungen innehaben.65


65 [...]

66 [...]

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.

Das Giddens-Zitat zu Beginn bleibt bei der Zeilenzählung unberücksichtigt, obwohl es sich in beiden Arbeiten in identischer Abgrenzung findet und in der Quelle am Ende von Seite 97 bzw. unmittelbar vor dem weiteren übernommenem Inhalt steht. [Man könnte es daher auch noch begründet mitberücksichtigen.]

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02


[21.] Mhg/Fragment 059 08 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-01-24 23:13:07 [[Benutzer:|]]
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 59, Zeilen: 8-20
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 112, Zeilen: 6 ff.
Durch einen Netzwerkansatz werden soziale Beziehungen, die Mitglieder verschiedener Gruppen verbinden und damit Strukturen bilden, sichtbar. Wobei die Art der Beziehungen die Formalität der Strukturierung vorgibt, also handelt es sich um informelle oder formelle Beziehungen bzw. um primäre oder sekundäre Beziehungen. Netzwerke sind jedoch nicht identisch mit dem Gruppenkonzept, welches sich auf die Erfassung einer sozialen Umwelt, des primären Verkehrskreises, beschränkt. Soziale Netzwerke unterscheiden sich von der sozialen Gruppe durch die Berücksichtigung der innersystemischen Dynamik, die aufgrund der indirekten und direkten Beziehungen das Netz permanent erweitern, durch das Vorhandensein homogener und heterogener Beziehungen sowie die Fähigkeit, unterschiedliche Bedürfnisse zu befriedigen. Die Abgrenzung der sozialen Netzwerke untereinander erfolgt durch die zeitliche, sachliche und räumliche Differenzierung der sozialen Umwelt. Das Netzmodell bietet sich an, da in Netzwerken Beziehungen faßbar werden, die Mitglieder einer bestimmten Gruppe verbinden und dadurch Strukturen bilden. Die Art der Beziehungen entscheidet über die Formalität der Strukturierung, d.h. Netzwerke ermöglichen neben den formalen auch alternative und informelle Begegnungen. [...]

[...] Das Netzwerk ist aber nicht als besondere Gruppenform zu verstehen (vgl. Donati 1988, S. 269f). Es unterscheidet sich von der Gruppe durch a) die innersystemische Dynamik aufgrund direkter und indirekter Beziehungen, die das Netz permanent erweitern können (als Patronagesystem), b) starke und schwache Beziehungen, also das Schwanken zwischen Homogenität (einer Gruppe) und Heterogenität (durch integrative Intergruppenbeziehungen) und c) die Fähigkeit der multiplexen Beziehungen, also multiple Interessen zu integrieren. [...]

Die Abgrenzung zu anderen Netzwerken erfolgt über die sinnvolle Differenz zur Umwelt, die zeitlich, sachlich und sozial dimensioniert werden kann.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle, die trotz starker Umformulierung im Vergleich noch erkennbar bleibt.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02


[22.] Mhg/Fragment 192 10 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-12-13 20:16:16 [[Benutzer:|]]
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 192, Zeilen: 10-39
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 98, 193, 194, Zeilen: 98: 1-3; 193: letzte zwei Zeilen; 194: 1 ff.
Vor dem Hintergrund der sich historisch verändernden Grundlagen von sozialen Beziehungen wurde im ersten Teil der Arbeit das Verhältnis von Gemeinschaft und Gesellschaft rekonstruiert. Dabei wurde deutlich, dass sich im Rahmen der Vergesellschaftung die gemeinschaftlichen Strukturen transformiert, funktionalisiert und personalisiert haben. Diese Veränderungen betreffen alle Ebenen der Gesellschaft, d.h. die Mikro-, die Meso- und die Makroebene, denn neben den traditionellen Vergemeinschaftungsformen, deren integrative Funktion in den familiären und nachbarschaftlichen Bindungen wahrnehmbar ist, existieren in modernen Gesellschaften neue Vergemeinschaftungen, die individuell motiviert sind und vereinzelte nach individuellen Persönlichkeitsmerkmalen konstituierte Verbindungen darstellen. Der von der Soziologie beschworene Gegensatz zwischen Gemeinschaft und Gesellschaft löst sich in einer Vielfalt sozialer Beziehungen zwischen nicht verwandten Personen auf, die in einer wechselseitigen Verpflichtung zueinander stehen. Solche Gemeinschaften haben in der Gesellschaft sowohl vergemeinschaftende als auch vergesellschaftende Funktionen. Sie erzeugen untereinander wechselseitige Verpflichtungen und organisieren gemeinschaftliche Handlungen. Damit bilden sie einerseits gemeinschaftliches Kapital, andererseits ersetzen sie aber auch zunehmend die Primärgruppen. Als gesellschaftliche Netzwerke bilden sie reziproke Strukturen aus. Sie schaffen lokale Areale für die Kommunikation und unterstützen die Herausbildung von sozialer und personaler Identität. Vertrauen und Reziprozität sind die zentralen Elemente modernen [sic] Beziehungen, die über den unmittelbaren emotionalen Austausch verfestigt werden und eine Intimität schaffen. Darüber hinausgehend verbinden sich durch diese Netzwerke gemeinschaftliche und gesellschaftliche, emotionale und rationale Komponenten des Handelns, denn die Beziehungen werden durch die Individuen in Eigenregie geschaffen und erhalten. Durch die Modernisierung privater Lebensformen entstehen jedoch auch neue Chancen und Zwänge bei den Entscheidungen - ein Grundwiderspruch der Individualisierung. [Seite 98]

Vertrauen und Reziprozität sind die Eckpfeiler der modernen Beziehungen, die unmittelbar über einen emotionalen Austausch zementiert werden und Intimität erzeugen.

[Seite 193]

Im Kontext der historisch variablen Beziehungsgrundlagen wurde in Arbeitsteil das Verhältnis von Gemeinschaft zu Gesellschaft und von einem ersten Emotionalität

[Seite 194]

zu Rationalität rekonstruiert. Gemeinschaftliche Strukturen haben sich im Prozeß der Vergesellschaftung transformiert, funktionalisiert und personalisiert. Diese Entwicklungen haben Veränderungen auf der Mikro-, der Meso- und der Makroebene bewirkt: Neben den traditionellen Formen der Vergemeinschaftung, die in Familien- und nachbarschaftlichen Bindungen ihre integrative Funktion wahrnehmen, bestehen in modernen Gesellschaften Neu- und Re-Vergemeinschaftungen als individuell motivierte, partikulare Verbindungen, die nach Persönlichkeitsmerkmalen individuell konstituiert werden. Der - durch die Soziologie - konstatierte Gegensatz von Gemeinschaft und Gesellschaft löst sich in vielfältigen Beziehungen wechselseitiger Verpflichtungen zwischen Personen, die nicht verwandtschaftlich miteinander verbunden sind, auf. Diese Gemeinschaften in der Gesellschaft nehmen vergemeinschaftende und vergesellschaftende Funktionen wahr: Sie ersetzen zunehmend Primärgruppen durch die erzeugten Loyalitätsbänder und bilden ein Gemeinschaftskapital, indem sie gemeinschaftliche Handlungen organisieren. Als Netzwerke in der Gesellschaft sind sie sinnstiftende Subwelten, die reziproke Strukturen ausbilden; als lokale Kommunikationsterritorien sichern sie die personale und die soziale Identität. Darüber hinaus verbinden sich in den »neuen« Netzwerken emotionale, gemeinschaftliche und rationale, gesellschaftliche Komponenten des Handelns, denn die Bindungen müssen selbstbewußt von den Individuen hergestellt werden. Die Modernisierung privater Lebensformen dokumentiert deutlich die Entscheidungsvielfalt bei gleichzeitiger Entscheidungszwanghaftigkeit - ein Grundkonflikt der Individualisierung.103


103 Dieses moderne Dilemma wird teilweise durch eine Rahmung »neuer« Sozialstrukturen (Alter, Bildung etc.) aufgelöst, wie beispielsweise Köster (1998) empirisch nachweist.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.

Es handelt sich um den zweiten Absatz des abschließenden Kapitels 6 (Schlussbetrachtung). Übernommen wird - mit Ausnahme eines Satzes - aus der bilanzierenden Schlussbetrachtung der Quelle (die das einzige Mal auf Seite 198 referenziert wird).

Gelegentlich ist nicht sorgfältig genug umformuliert worden, so dass die Grammatik nicht immer stimmt (siehe bei [sic]).

Fortsetzung der Übernahme auf der folgenden Seite.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02


[23.] Mhg/Fragment 193 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-12-13 19:22:57 [[Benutzer:|]]
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 193, Zeilen: 1-15
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 194, Zeilen: 23 ff.
Die Gemeinschaften des neuen Typus entstehen durch die individuellen Interessen der Beteiligten, die sich an Personen, Dingen oder Werten orientieren können und die meistens die Ziele und Absichten der Individuen einschließen. Soziale Beziehungen sind funktionalisiert. Diese Funktionalisierung ist der wesentlichste Aspekt in den Veränderungen der gemeinschaftlichen Strukturen. Im zweiten Abschnitt der Diskussion in der Arbeit wurden die sozialen Beziehungen als dialektische Einheit gemeinschaftlicher und gesellschaftlicher Elemente bestimmt. Angesichts der deutlichen Korrelationen von Gemeinschaft und Gesellschaft und der Bedeutung neuer Gemeinschaften in der Gesellschaft ist es verwunderlich, dass in der sozialwissenschaftlichen Wahrnehmung die beiden Sozialformen Gemeinschaft und Gesellschaft als Dichotom angesehen werden. Wahrscheinlich ist die Verbannung der gemeinschaftlichen Merkmale in den Bereich der Privatheit und der ungebrochene Glaube der Klassiker der Soziologie an den Fortschritt mit einem Festhalten am Rationalitätsmodell die Ursache für ein solches dichotomes Denken. Die neuen Vergemeinschaftungen entstehen durch die individuellen Interessen der Akteure; sie können personenorientiert, wertorientiert oder sachorientiert sein und enthalten zumeist die Absichten und Ziele der Individuen, wodurch sich auch destruktive Gemeinschaften bilden können. Die Funktionalisierung sozialer Beziehungen kann als wesentliches Element der veränderten gemeinschaftlichen Strukturen beschrieben werden. Soziale Beziehungen konnten in einem zweiten Arbeitsteil der Untersuchung als dialektische Synthesen gemeinschaftlicher und gesellschaftlicher Elemente bestimmt werden.

Angesichts dieser deutlichen Wechselwirkung und der Signifikanz neuer Gemeinschaften in der Gesellschaft verwundert das sozialwissenschaftliche Verständnis von Gemeinschaft und Gesellschaft, das eine Dichotomie der beiden Sozialformen diagnostiziert. Vermutlich ist die Isolierung gemeinschaftlicher Merkmale in die Sphären der Privatheit oder in andere Disziplinen (z.B. die Psychologie) auf die Fortschrittsgläubigkeit der soziologischen Klassiker und das uneingeschränkte Festhalten am Rationalitätsmodell zurückzuführen: Emotionen konnten dadurch einen Status Quo des Irrationalen erlangen.

Anmerkungen

Die Verf.in übernimmt weiter aus dem Ergebnisteil der ungenannt bleibenden Quelle.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02


[24.] Mhg/Fragment 198 26 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-07-20 22:51:49 [[Benutzer:|]]
BauernOpfer, Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 198, Zeilen: 26-29, 33-36
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 197, Zeilen: 16 ff.
Nimmt man nun die Frage, die am Anfang stand, an dieser Stelle wieder auf und schließt damit den Kreis, dann kommt diese Arbeit zu dem Ergebnis, dass die Gesellschaft heute nicht beziehungslos ist, denn es gibt transformierte Gemeinschaftsformen. [Jedoch sind heutige soziale Beziehungen „aus der Fasson selbstverständlich gegebener Traditionsmuster gefallen“ (Keupp 1987a: 34), da das Individuum bei der Gestaltung seiner Sozialbeziehungen auf sich allein gestellt ist. Modelle dafür fehlen, so dass die Individuen ihre Beziehungen selbst inszenieren und mit den beteiligten Personen aushandeln müssen.] Dadurch haben sich auch die gemeinschaftlichen Bindungen verändert. Sie sind funktionalisiert und personalisiert und können sehr schnell auch dysfunktional werden (vgl. Dederichs 1999). Am Ende schließt sich der Forschungszirkel, an dessen Beginn die Frage stand, ob die Gesellschaft ungeordnet oder gar beziehungslos sei. Sie ist es nicht, da transformierte Gemeinschaftsformen existieren. Aber auch die gemeinschaftlichen Bindungen haben sich verändert, und man sollte sich davor hüten, sie zu verklären: Sie sind eben funktional und können dysfunktional werden.
Anmerkungen

An dieser Stelle ist die Quelle - das einzige Mal - (unspezifisch) referenziert, doch wird bereits drei Sätze darüber in einem langen Satz ebenfalls erkennbar doch ungekennzeichnet daraus übernommen: das Fazit von Dederichs wird als eigenes präsentiert.

(Die dazwischen befindlichen beiden Sätze werden hier der Übersichtlichkeitkeit halber mitdokumentiert, sind aber nicht Teil des Fragments.)

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02



Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA, sofern nicht anders angegeben.
… weitere Daten zur Seite „Mhg/Dederichs 1999
Schumann +
Andrea Maria Dederichs +
1.999 +
Münster / New York / München / Berlin +
Das soziale Kapital in der Leistungsgesellschaft. Emotionalität und Moralität in "Vetternwirtschaften" +
Waxmann +
(Schumann) +  und SleepyHollow02 +