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Autor     Pierpaolo Donati
Titel    Zwischen «Gemeinschaft» und «Gesellschaft»: Die informellen Netze in der gegenwärtigen Gesellschaft
Zeitschrift    Annali di Sociologia / Soziologisches Jahrbuch
Jahr    1989
Jahrgang    4 (1988, Bd. I)
Seiten    249-275
Anmerkung    Übersetzung aus dem Italienischen: Ralph Raschen

Literaturverz.   

ja (als Donati 1988)
Fußnoten    ja
Fragmente    14


Fragmente der Quelle:
[1.] Mhg/Fragment 019 09 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-03-06 22:19:25 [[Benutzer:|]]
Donati 1989, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 19, Zeilen: 9-16
Quelle: Donati 1989
Seite(n): 260, Zeilen: 2 ff., 7 ff.
Im zweiten Kapitel wird die Dichotomie von Gemeinschaft und Gesellschaft in den Gesellschaftheorien unter der Annahme kritisiert, dass das Begriffspaar „Gemeinschaft und Gesellschaft“ wie es von Tönnies entworfen wurde, nicht unter dem Gesichtspunkt einer linearen Entwicklung, sondern vielmehr unter dem der Komplexität ausgedeutet werden muss. Diese kritische Diskussion kommt zu dem Ergebnis, das einzig eine am „Netz“ orientierte Lesart der tönniesschen Begriffsdichotomie zu einem der Moderne eigenen Gesellschafts- und Gemeinschaftsverständnis fuhrt. Demzufolge kann einzig eine am Modell des «Netzes» orientierte Lesart des Tönniesschen Begriffspaares sowie der darauf bezogenen Parsonsschen Modellgrößen diese begrifflichen Rahmen in zu einem der Moderne eigenen dezentralisierten Weltverständnis hinführen. [...]

[...]

Heute, einhundert Jahre nach den ersten Tönniesschen Überlegungen, wissen wir, daß das Begriffspaar Gemeinschaft-Gesellschaft nicht unter dem Gesichtspunkt der linearen Entwicklung, sondern vielmehr unter dem der Komplexität ausgedeutet werden muß.

Anmerkungen

Eher kurz, aber nicht trivial.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann


[2.] Mhg/Fragment 022 14 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-07-23 18:07:49 [[Benutzer:|]]
Donati 1989, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 22, Zeilen: 14-21, 26-32
Quelle: Donati 1989
Seite(n): 249, 250, Zeilen: 249: 9 ff., 23 f.; 250: 1 ff., 8 ff.
Dabei hat Tönnies den historisch-gesellschaftlichen Wandel als einen linearen Wandel beschrieben, der sich notwendigerweise und fortschreitend vom Pol der Gemeinschaft zum Pol der Gesellschaft vollzieht.

Seitdem diente das Begriffpaar «Gemeinschaft» und «Gesellschaft» in den meisten Interpretationen als dualistisches Modell mit zwei sich gegenüberstehenden Normaltypen1 sozialer Beziehungen, in denen bzw. durch die sich Menschen assoziieren: der „Wesenwille“ (Eintracht) und der „Kürwille“ (Vertrag).

[...] Die Theorie der Gemeinschaft geht von

„der vollkommenen Einheit menschlicher Willen als einem ursprünglichen oder natürlichen Zustande aus, welcher trotz der empirischen Trennung und durch dieselbe hindurch sich erhalte, je nach der notwendigen und gegebenen Beschaffenheit der Verhältnisse zwischen verschieden bedingten Individuen mannigfach gestaltet“ (Tönnies [1887] 1991:7) aus.

1 s. Tönnies Vorrede zur sechsten und siebenten Auflage XLII

Tönnies hatte sie [Henry Maines Theorie] eingehend studiert und konnte unter dem Eindruck dieses Klimas einem linearen Paradigma vom historisch-gesellschaftlichen Wandel nicht widerstehen, demzufolge sich der Wandel notwendigerweise und fortschreitend von einem «Pol» (dem der Gemeinschaft) zu einem anderen «Pol» (dem der Gesellschaft) vollzieht. [...]

Von jenem Zeitpunkt an hat das Begriffspaar Gemeinschaft-Gesellschaft allgemein – d.h. in den meisten Interpretationen, die es dazu gegeben hat – als

[Seite 250]

dualistisches Modell gedient, innerhalb dessen sich zwei «Idealtypen» (die der Autor schließlich «Normaltypen» zu nennen bevorzugte) (3) sozialer Beziehungen gegenüberstehen, in denen und durch die sich Menschen zusammenschließen: der «Wesenwille» (Eintracht) oder der «Kürwille» (Vertrag) (4).

[...]

Die Theorie von der Gemeinschaft geht von der Voraussetzung «der vollkommenen Einheit menschlicher Willen als einem ursprünglichen oder natürlichen Zustande aus, welcher trotz der empirischen Trennung und durch dieselbe hindurch sich erhalte, je nach der notwendigen und gegebenen Beschaffenheit der Verhältnisse zwischen verschieden bedingten Individuen mannigfach gestaltet» (5).


(3) In der Vorrede zur sechsten und siebenten Auflage erklärt Tönnies, er bevorzuge den Begriff «Normaltypen», da der Begriff «Ideal zu dem Mißverständnis eines anderen Sinnes führt» (F. Tönnies, a.a.O., S. XLII).

(4) Vgl. W.J. Cahnman (ed.), A Research Note on Phenomenology and Symbolic Interactionism, in: ders. (ed.), Ferdinand Tönnies. A New Evaluation, Brill, Leiden 1973.

(5) F. Tönnies, a.a.O., S. 7.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.

In der Auslassung befindet sich der zweite Teil einer Übernahme von Dederichs (1999), siehe Fragment 022 01.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02


[3.] Mhg/Fragment 023 28 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-03-06 22:20:37 [[Benutzer:|]]
Donati 1989, Fragment, Gesichtet, KomplettPlagiat, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
KomplettPlagiat
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 23, Zeilen: 28-31
Quelle: Donati 1989
Seite(n): 250, Zeilen: 5-7
Die Gemeinschaft ist die charakteristische Verbindung des „wirklichen und organischen Lebens“, wohingegen die Gesellschaft die charakteristische Verbindung von „ideellen und mechanischen (sozialen) Gebilden“ darstellt. Die Gemeinschaft ist die charakteristische Verbindung des «wirklichen und organischen Lebens», wohingegen die Gesellschaft die charakteristische Verbindung von «ideellen und mechanischen (sozialen) Gebilden» darstellt.
Anmerkungen

Ein kurzes Fragment (das direkt an Fragment 023 03 - dort mit Quelle Dederichs (1999) - anschließt), gleichwohl ist die Tönnies-Rezeption der Verf.in identisch mit der Donatis.

(Sollten allerdings die Begriffe "Gesellschaft" und "Gemeinschaft" in der Lesart von Tönnies soziologisches Allgemeinwissen sein, wäre das Fragment eher unter "keine Wertung" einzuordnen.)

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann


[4.] Mhg/Fragment 033 07 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-03-06 22:21:34 [[Benutzer:|]]
Donati 1989, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 33, Zeilen: 7-15
Quelle: Donati 1989
Seite(n): 251, 252, Zeilen: 251: 13 ff.; 252: 8 ff.
Gemeinschaft und Gesellschaft wurden innerhalb der gesellschaftlichen Betrachtungsweise als zwei entgegengesetzte und gleichzeitig zwei miteinander verknüpfte Begriffe (siehe Tönnies, 1991: 158) diskutiert.

Es bleibt die Frage zu klären, wie dann eine lineare Entwicklung von einem Pol zum anderen vonstatten gehen kann? [sic] Parsons hat versucht, eine Antwort darauf zu finden. Seiner Theorie zufolge bezieht sich Gemeinschaft auf den Sinn und Gesellschaft auf funktionale Tauschwerte und es kann keine lineare Ersetzung des Pols der Gemeinschaft durch den Pol der Gesellschaft geben, da damit unterschiedliche soziale Imperative impliziert werden (vgl. Parsons 1967).


Tönnies, Ferdinand (1991) Gemeinschaft und Gesellschaft. Darmstadt.

Parsons, Talcott (1967) Sociological Theory and Modern Society. London.

Zudem bleibt von Tönnies über Durkheim bis hin zu Parsons ein grundlegendes Dilemma ungelöst: Wenn Gemeinschaft und Gesellschaft entgegengesetzte, aber auch (wie Tönnies selbst meinte) (10) miteinander verknüpfte Begriffe innerhalb einer organischen Betrachtungsweise der Gesellschaft darstellen, wie ist dann eine lineare Bewegung von dem einen Pol zum anderen möglich?

[Seite 252]

Der systematischste Versuch ist sicherlich derjenige von T. Parsons gewesen, der den einfachen Evolutionismus von Tönnies und Durkheim mittels einer Theorie abgeschwächt hat, derzufolge die Gemeinschaft (oder mechanische Solidarität im Sinne Durkheims) sich auf Letztwerte (des Sinns) bezieht, während die Gesellschaft (oder organische Solidarietät [sic] nach Durkheim) sich auf (funktionale) Tauschwerte bezieht und es keine lineare Ersetzung der ersteren durch die letzteren gibt und auch nicht geben kann, da sie unterschiedlichen sozialen Imperativen entsprechen (13).


(10) Vgl. F. TöNNIES, a.a.O., S. 158.

(13) Vgl. T. PARSONS, Sociological Theory and Modern Society, The Free Press, London 1967.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02


[5.] Mhg/Fragment 039 26 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-03-06 22:22:16 [[Benutzer:|]]
Donati 1989, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 39, Zeilen: 26-31
Quelle: Donati 1989
Seite(n): 252, Zeilen: 21 ff.
Luhmann wendet sich mit seiner funktional-strukturellen Systemtheorie weitestgehend von der Parsonsschen Theorie ab, indem er das umgekehrt proportionale Wachstumsverhältnis von Gemeinschaft und Gesellschaft zuspitzt auf die maximale Ausdifferenzierung der Gesellschaft als System. Dazu werden von ihm alle dazugehörigen soziologischen Kategorien und der gesamte begriffliche Rahmen neu formuliert (vgl. Luhmann 1974). 9

9 Luhmann geht davon aus: In "[... ]der heutigen Zeit ist die Gesellschaft Weltgesellschaft"(vgl. Luhmann 1975: 11).

Während Habermas auf seine Art die Mischung von gemeinschaftlichen und gesellschaftlichen Elementen neu bestimmt und verteidigt, indem er der Gemeinschaft eine gewisse Priorität einräumt und von hier aus das Parsonssche System kritisiert (14), wendet sich Luhmann insofern in radikaler Weise von der Parsonsschen Theorie ab, als er das umgekehrt proportionale Wachstumsverhältnis von «Gemeinschaft» und «Gesellschaft» zugunsten der maximalen Entwicklung der letzteren (als «System») auf die Spitze treibt und zu diesem Zweck alle dazugehörigen soziologischen Kategorien und den gesamten begrifflichen Rahmen neu formuliert (15).

(15) Vgl. N. LUHMANN, Soziologische Aufklärung, Westdeutscher Verlag, Opladen 1970.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.

Wiederholt sich auf den Seiten 45 und 49; vgl. Fragment 045 04 und Fragment 049 22.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann


[6.] Mhg/Fragment 045 04 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-03-06 22:23:12 [[Benutzer:|]]
Donati 1989, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 45, Zeilen: 4-7
Quelle: Donati 1989
Seite(n): 252, Zeilen: 21 ff.
Habermas bestimmt auf seine Art die Mischung von gemeinschaftlichen und gesellschaftlichen Elementen neu, indem er der Gemeinschaft eine gewisse Priorität einräumt und von dieser Position aus den Parsonsschen Systemansatz kritisiert. [...]: Während Habermas auf seine Art die Mischung von gemeinschaftlichen und gesellschaftlichen Elementen neu bestimmt und verteidigt, indem er der Gemeinschaft eine gewisse Priorität einräumt und von hier aus das Parsonssche System kritisiert (14), wendet sich Luhmann insofern in radikaler Weise von der Parsonsschen Theorie ab, als er das umgekehrt proportionale Wachstumsverhältnis von «Gemeinschaft» und «Gesellschaft» zugunsten der maximalen Entwicklung der letzteren (als «System») auf die Spitze treibt und zu diesem Zweck alle dazugehörigen soziologischen Kategorien und den gesamten begrifflichen Rahmen neu formuliert (15).

(14) Vgl. J. HABERMAS, Theorie des kommunikativen Handelns, 2 Bde., Suhrkamp, Frankfurt/M. 1981.

(15) Vgl. N. LUHMANN, Soziologische Aufklärung, Westdeutscher Verlag, Opladen 1970.

Anmerkungen

Kurz, aber nicht trivial: Ungekennzeichnete Übernahme der Habermas-Rezeption Donatis.

Das Fragment befindet sich oben in einer kleinen "Lücke" von Fragment 045 08 (dort Quelle Dederichs (1999)).

Es stellt hier eine Wiederholung dar von Seite 39 (vgl. Mhg/Fragment 039 26); eine weitere Wiederholung findet sich auf Seite 49 (vgl. Fragment 049 22).

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann


[7.] Mhg/Fragment 049 22 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-03-06 22:24:01 [[Benutzer:|]]
BauernOpfer, Donati 1989, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 49, Zeilen: (15-21), 22-29
Quelle: Donati 1989
Seite(n): 252, Zeilen: 8 ff.
.
[„Der systemischste [sic] Versuch ist sicherlich derjenige von T. Parsons gewesen, der den einfachen Evolutionismus von Tönnies und Durkheim mittels einer Theorie abgeschwächt hat, derzufolge die Gemeinschaft (oder mechanische Solidarität im Sinne Durkheims) sich auf Letztwerte (des Sinns) bezieht, während die Gesellschaft (oder organische Solidarität nach Durkheim) sich auf (funktionale) Tauschwerte bezieht und es keine lineare Ersetzung der ersteren durch die letzteren geben kann, da sie unterschiedlichen sozialen Imperativen entsprechen“ (Donati 1988: 252).]

In den Neuinterpretationen der soziologischen Theorie ist bisher offen geblieben, ob sie sich und in welchem Maße dieser Interpretation von Parsons anschließen. So zeigt die Debatte von Habermas und Luhmann, dass Habermas die Mixtur von gemeinschaftlichen und gesellschaftlichen Elementen neu bestimmt, indem er der Gemeinschaft eine gewisse Priorität einräumt und von diesem Standpunkt aus den Systemansatz von Parsons kritisiert, während Luhmann sich radikal von der Parsonschen [sic] Theorie abwendet und die Gesellschaft zum umfassenden Sozialsystem macht.

Der systematischste Versuch ist sicherlich derjenige von T. Parsons gewesen, der den einfachen Evolutionismus von Tönnies und Durkheim mittels einer Theorie abgeschwächt hat, derzufolge die Gemeinschaft (oder mechanische Solidarität im Sinne Durkheims) sich auf Letztwerte (des Sinns) bezieht, während die Gesellschaft (oder organische Solidarietät [sic] nach Durkheim) sich auf (funktionale) Tauschwerte bezieht und es keine lineare Ersetzung der ersteren durch die letzteren gibt und auch nicht geben kann, da sie unterschiedlichen sozialen Imperativen entsprechen (13).

Seit Parsons ist sich die soziologische Theorie im Unklaren darüber geblieben, ob, bis zu welchem Grad und auf welche Art und Weise sie sich dieser Neuinterpretation anschließen solle. Die jüngte [sic] Auseinandersetzung zwischen J. Habermas und N. Luhmann ist vielleicht das bekannteste Beispiel einer anhaltenden Debatte: Während Habermas auf seine Art die Mischung von gemeinschaftlichen und gesellschaftlichen Elementen neu bestimmt und verteidigt, indem er der Gemeinschaft eine gewisse Priorität einräumt und von hier aus das Parsonssche System kritisiert (14), wendet sich Luhmann insofern in radikaler Weise von der Parsonsschen Theorie ab, als er das umgekehrt proportionale Wachstumsverhältnis von «Gemeinschaft» und «Gesellschaft» zugunsten der maximalen Entwicklung der letzteren (als «System») auf die Spitze treibt und zu diesem Zweck alle dazugehörigen soziologischen Kategorien und den gesamten begrifflichen Rahmen neu formuliert {15).


(13} Vgl. T. PARSONS, Sociological Theory and Modern Society, The Free Press, London 1967.

(14} Vgl. J. HABERMAS, Theorie des kommunikativen Handelns, 2 Bde., Suhrkamp, Frankfurt/ M. 1981.

(15) Vgl. N. LUHMANN, Soziologische Aufklärung, Westdeutscher Verlag, Opladen 1970.

Anmerkungen

Das (beinahe) wörtliche Zitat zählt bei der Zeilenzählung nicht mit.

Die Übernahme setzt sich im Anschluß ungekennzeichnet fort. Aus "Mischung" wird "Mixtur".

Die Passage stellt eine Wiederholung dar und findet sich bereits auf den Seiten 39 und 45; vgl. Fragment 039 26 und Fragment 045 04.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann


[8.] Mhg/Fragment 050 08 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-03-06 22:24:55 [[Benutzer:|]]
Donati 1989, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 50, Zeilen: 8-34
Quelle: Donati 1989
Seite(n): 254, 255, Zeilen: 254: 17 ff.; 255: 3 ff.
Tönnies bringt damit zum Ausdruck, dass egal wie weit sich die Gesellschaft auch weiterentwickelt, sie doch die Gemeinschaft nicht zerstören kann, denn sie würde damit ihre eigene Lebensgrundlage vernichten. „Eine Gesellschaft des Lebens widerspricht sich selber“ (Tönnies [ 1887] 1991 :3). [...]

Ohne eine lebendige organische Grundlage gerät die gesellschaftliche Konstruktion in die Gefahr pathologisch zu werden oder gar zu zerfallen. Tönnies verwendet hierfür den Begriff der Lebensfähigkeit:

„Leben ist fortwährende Arbeit der Assimilierung solcher Energien und fortwährender Kampf gegen widerstehende, Überwindung oder Anpassung, Ausscheidung innerer, Verdrängung äußerer Widrigkeiten. Lebend bewährt und beweist der Organismus seine Lebens-Fähigkeit, d.i. die zweckmäßige (richtige, gute) Beschaffenheit, Einrichtung, Ordnung seiner Kräfte oder Teile“ (Tönnies [1887] 1991: 148).

Der Begriff des natürlichen Rechts ist demnach ein Ausdruck für die Realität der Interpretation solcher Formen des Zusammenlebens, in denen es aufgrund normaler Kommunikation besteht, weder ungewöhnlich noch pathologisch ist und sowohl die Gemeinschaft als auch die Gesellschaft umfasst.

„Wenn nun die gegenwärtige Theorie den Begriff des natürlichen Rechtes in einem zwiefachen Sinne festhalten will, so ist darin die Behauptung enthalten, dass Recht sowohl als gemeinsamer Wesenwille, wie als gemeinsamer Kürwille verstanden werden kann“ (Tönnies [1887] 1991: 185).
Die einfachste Erklärung ist daher die folgende: Wie weit sich die Gesellschaft auch in ihrer ganzen «Künstlichkeit» fortzuentwickeln vermag - [...] -, so kann sie doch die Gemeinschaft nicht auslöschen, weil sie damit ihre eigene Lebensgrundlage selbst beseitigen würde: [...] (20). Kurz: das Leben selbst bringt Gemeinschaft mit sich: Eine «Gesellschaft des Lebens», so behauptet Tönnies, «widerspricht sich selber» (21). [...]

[Seite 255]

Auf der Ebene der gesellschaftlichen - d.h. künstlichen und rationalen - Konstruktion ist alles möglich, doch dieses «alles» bedarf einer lebendigen organischen Grundlage, ohne die die gesellschaftliche Konstruktion jeden Augenblick in Gefahr geraten kann, pathologisch zu werden und/oder zu zerfallen.

In diesem Zusammenhang findet der Begriff der Lebensfähigkeit Anwendung: «Leben ist fortwährende Arbeit der Assimilierung solcher Energien (der jedem Organismus innewohnenden Energien, das « Ziel» oder die Einheit des Lebens, im Sinne Tönnies', Anm. d. Verf.) und fortwährender Kampf gegen widerstehende, Überwindung oder Anpassung, Ausscheidung innerer, Verdrängung äußerer Widrigkeiten. Lebend bewährt und beweist der Organismus seine Lebensfähigkeit, d.i. die zweckmäßige (richtige, gute) Beschaffenheit, Einrichtung, Ordnung seiner Kräfte oder Teile» (24).

Das Naturrecht ist daher nichts anderes als der Ausdruck der Realität der so interpretierten Formen des Zusammenlebens, und zwar dort, wo es das Recht darauf darstellt, was aufgrund der normalen Kommunikation besteht, die weder außergewöhnlichen noch pathologischen Charakter besitzt und die Dimension der Gemeinschaft ebenso wie die der Gesellschaft umfaßt. Das Naturrecht kann so in der Tat «sowohl als gemeinsamer Wesenwille, wie als gemeinsamer Kürwille» (25) verstanden werden.


(20) Ebenda [Tönnies], S. 4.

(21) Ebenda, S. 3.

(24) Vgl. F. TÖNNIES, a.a.O; S. 148.

(25) Ebenda, S. 185.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle, der die Tönnies-Rezeption entnommen ist.

Zumindest beim letzten Zitat schaut die Verf.in immerhin auch noch bei Tönnies nach und baut es für ihren Text weiter aus.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02


[9.] Mhg/Fragment 051 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-03-07 14:51:39 [[Benutzer:|]]
Donati 1989, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 51, Zeilen: 1 ff. (kpl.)
Quelle: Donati 1989
Seite(n): 255, 256, Zeilen: 255: 22 ff.; 256: 1 ff.
Damit enthält das so von Tönnies verstandene Naturrecht einen Entwicklungsgedanken. Besonders für die Gemeinschaft, die als eine auf „gegenseitiggemeinsame, verbindende Gesinnung“ (Tönnies [1887] 1991: 17) beruhende Beziehung angesehen wird, gilt die folgende Feststellung von Tönnies:
„[...] alles, was in dem Sinne eines gemeinschaftlichen Verhältnisses gemäß, was in ihm und für es einen Sinn hat, das ist sein Recht; d. i. es wird als der eigentliche und wesentliche Wille der mehreren Verbundenen geachtet. Mithin: insoweit, als es ihrer wirklichen Natur und ihren Kräften entspricht, so ist dies ein natürliches Recht, als eine Ordnung des Zusammenlebens, die jedem Willen sein Gebiet oder seine Funktion zuweist, einen Inbegriff von Pflichten und Gerechtsamen“ (Tönnies [1887] 1991 :17).

Entwickeln sich jedoch neue soziale und Menschenrechte

„gilt die Bemerkung, dass das Künstliche, ja Gewaltsame in diesen Abstraktionen fortwährend in Erinnerung bleiben muss und der tiefe Zusammenhang, in welchem all diese gesellschaftlichen Mächte mit ihrer gemeinschaftlichen Basis, den ursprünglichen und natürlichen, den .historischen’ Gestaltungen des Zusammenlebens und Wollens verharren. Denn gleichwie der gesamte individuelle Kürwille nur ideell von den Impulsen des Lebens und Wesenwillens getrennt werden kann, und unter dem objektiven Aspekt vielmehr als ein Produkt des Gedächtnisses erscheint: so verhält es sich auch mit dem sozialen Kürwillen. Alle ihre Satzungen und Normen behalten eine gewisse Ähnlichkeit mit den Geboten der Religion, indem sie, wie diese, dem intellektuellen und mentalen Ausdrucke des Gesamtgeistes entspringen und weil die nunmehr vorausgesetzte Isolation und Selbständigkeit dieses Geistes vielleicht niemals als eine vollkommene und allgemeine in der Wirklichkeit angetroffen wird. So ist der Eid ursprüngliche Gewähr des Vertrages, und von Treue und Glauben löst sich nicht leicht die bindende Kraft’ der Verträge in der Bewusstheit der Menschen ab; wenn auch in Wirklichkeit dergleichen keineswegs erfordert wird, sondern eine einfache Reflexion auf das eigene Interesse genügt, um die Notwendigkeit, diese Grundbedingung des gesellschaftlichen Lebens zu erfüllen, dem vernünftigen Subjekt vorzustellen. Diesen Gesichtspunkt deutlich zu machen, ist nicht leicht, noch ihn zu verstehen. Aber in der Einsicht und Durchdringung seines Sinnes“ (Tönnies [1887] 1991 : 204)

liegt der Schlüssel für die Lösung eines der bedeutendsten Probleme des Werdens und Vergehens menschlicher Kultur.

„Denn ihr Dasein ist Veränderung; und als solche zugleich Entwicklung und Auflösung bestehender Gestalten. Alle Veränderung kann nur aus dem Übergang flüssiger Begriffe ineinander begriffen werden“ (Tönnies [1887] 1991: 204).
Mit anderen Worten: Tönnies zufolge läßt das so verstandene Naturrecht Entwicklung zu - im Gegensatz zu dem, was später bei Luhmanns Auseinandersetzung mit dem Naturrecht die positivistische Übersetzung des Lebensprinzips in eine biologische (autopoietische) Form sein sollte. Im besonderen gilt für die Gemeinschaft, die als normale, auf der Eintracht (consensus) d.h. auf einer gemeinsamen, wechselseitigen, verbindungsfähigen Art des Fühlens gegründeten Beziehung aufgefaßt wird, die folgende soziologische Feststellung: «alles, was dem Sinne eines gemeinschaftlichen Verhältnisses gemäß, was in ihm und für es einen Sinn hat, das ist sein Recht; d.i. es wird als der eigentliche und wesentliche Wille der mehreren Verbundenen geachtet. Mithin, insoweit, als es ihrer wirklichen Natur ... entspricht, so ist dies ein natürliches Recht, als eine Ordnung des Zusammenlebens, die jedem Willen sein Gebiet oder seine Funktion zuweist, einen Inbegriff von Pflichten und Gerechtsamen» (26). Dort, wo sich neue soziale und Menschenrechte entwickeln, gilt allgemein «die Bemerkung, daß das Künstliche, ja Gewaltsame in diesen Abstraktionen fortwährend in Erinnerung bleiben muß und der tiefe Zusammenhang, in welchem alle diese gesellschaftlichen Mächte mit ihrer gemeinschaftlichen Basis, den ursprünglichen und natürlichen, den 'historischen' Gestaltungen des Zusammenlebens und -wollens, verharren.

[Seite 256]

Denn gleichwie der gesamte individuelle Kürwille nur ideell von den Impulsen des Lebens und Wesenwillens getrennt werden kann, ... so verhält es sich auch mit dem sozialen Kürwillen. Alle ihre Satzungen und Normen behalten eine gewisse Ähnlichkeit mit den Geboten der Religion, indem sie, wie diese, dem intellektuellen oder mentalen Ausdrucke des Gesamtgeistes entspringen und weil die nunmehr vorausgesetzte Isolation und Selbständigkeit dieses Geistes vielleicht niemals als eine vollkommene und allgemeine in der Wirklichkeit angetroffen wird. So ist der Eid ursprüngliche Gewähr des Vertrages, und von Treue und Glauben löst sich nicht leicht die 'bindende Kraft' der Verträge in der Bewußtheit der Menschen ab; wenn auch in Wirklichkeit dergleichen keineswegs erfordert wird, sondern eine einfache Reflexion auf das eigene Interesse genügt, um die Notwendigkeit, diese Grundbedingung des gesellschaftlichen Lebens zu erfüllen, dem vernünftigen Subjekte vorzustellen. - Weder diesen Gesichtspunkt deutlich zu machen, ist leicht, noch ihn zu verstehen. Aber in der Einsicht und Durchdringung seines Sinnes wird der Schlüssel entdeckt werden zur Lösung der bedeutendsten Probleme des Werdens und Vergehens menschlicher Kultur. Denn ihr Dasein ist Veränderung: und als solche zugleich Entwicklung und Auflösung bestehender Gestalten. Alle Veränderung kann nur aus dem Übergange flüssiger Begriffe ineinander begriffen werden» (27).


(26) Ebenda [Tönnies], S. 17.

(27) Ebenda, S. 204 (Hervorhbg. vom Autor).

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.

Die Verf.in wählt zwar dieselben Tönnies-Zitate wie Donati (1989), belegt diese aber mit Fundstellen aus der Tönnies-Ausgabe 1991, wobei die Auslassungen Donatis ergänzt werden.

Der Vergleich insbesondere auch mit den moderierenden Passagen zwischen den Zitaten - zumal auch mit Blick auf die Parallelen auf der vorangehenden Seite, siehe Fragment 050 08 - veranschaulicht, dass Donatis hier ungenannt bleibende Arbeit als Schreibvorlage diente (sowie die Hinweise lieferte, wo genau bei Tönnies nachzusehen ist, um etwa zu Beginn noch ein kurzes wörtliches Tönnies-Zitat einfügen oder andere Zitate kürzen bzw. erweitern zu können.).

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann


[10.] Mhg/Fragment 052 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-03-07 14:52:07 [[Benutzer:|]]
Donati 1989, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 52, Zeilen: 1 ff. (kpl.)
Quelle: Donati 1989
Seite(n): 256, 257, Zeilen: 256: 23 ff.; 257: 1 ff.
Die Gemeinschaft als Beziehungsform wird von Tönnies als Grundbedingung aufgefasst, die das „vernünftige Individuum“ aus dem Willen der Rechtsvernunft heraus erfüllen muss, die jedoch mit den Regeln einer auf Entwicklung ausgerichteten Aufklärung nicht zu erfassen ist.

Die Gemeinschaft besteht nach Tönnies fort,

„weil die Urerinnerung an ein gemeinschaftliches Recht, das ,mit uns geboren ist’ schlummernd, wie das Weizenkorn in einer Mumie, jedoch der Entwicklung fähig, in der Volksseele sich erhalten hat“ (Tönnies [1887] 1991 : 184).

Später setzt er fort

„[...] da die gesamte Kultur in gesellschaftliche und staatliche Zivilisation umgeschlagen ist, so geht in dieser ihrer verwandelten Gestalt die Kultur selber zu Ende; es sei denn, dass ihre zerstreuten Keime lebendig bleiben, dass Wesen und Ideen der Gemeinschaft wiederum genährt werden und neue Kulturen innerhalb der untergehenden heimlich entfalten“ (Tönnies [1887]1991 : 215).

Das bedeutet, dass es stets da, wo Menschen zusammen sind, egal ob sie sich durch ihren Kürwillen voneinander unterscheiden oder vereint sind, gemeinschaftliche Elemente gibt, die aus einem wechselseitigen, gemeinsam verbindenden Gefühl resultieren.

Die gemeinsame Vernunft und Sprache als Erfordernis für die Entstehung von sozialen Beziehungen erlangt ihre dazugehörige Lebendigkeit aus dem gemeinsamen geistigen Erfassen und macht das gemeinschaftliche Element aus, welches eine dauerhafte und notwendige Folie für die reale Fähigkeit des Zusammenlebens im Verständnis eines sozialen Lebens darstellt.

2.2 Zur Bedeutung der sozialen Beziehung

Vor dem Hintergrund des eben gesagten [sic] ist es mein Ziel, die Tönniessche Theorie in Bezug auf die heutige Gesellschaft als wechselseitige Durchdringung von Gemeinschaft und Gesellschaft darzustellen. Damit möchte ich die Position von Habermas vertiefen, die mit der folgenden Forschungsrichtung deutlich wird.

„Die Beschränkung des Wachstums monetär-administrativer Komplexität ist keineswegs gleichbedeutend mit der Preisgabe moderner Lebensformen. In strukturell ausdifferenzierten Lebenswelten prägt sich ein Vernunftpotential aus, das nicht auf den Begriff der Steigerung von Systemkomplexität gebracht werden kann“ (Habermas 1981 1:10).
Die Beziehungsform der Gemeinschaft wird hier als «Grundbedingung» verstanden, die das «vernünftige Subjekt» um einer Rechtsvernünftigkeit willen erfüllen muß, die die Regeln einer evolutionistisch ausgerichteten Aufklärung nicht erfassen können, welche in unseren Tagen - wenn auch auf sehr unterschiedliche Art und Weise - von Habermas ebenso aufgegriffen wird wie von Luhmann.

In diesem Rahmen, so glaube ich, müssen wir die Sicht von Tönnies da neu interpretieren, wo er sich elem Fortbestand der Gemeinschaft folgendermaßen zuwendet: «die Urerinnerung an ein gemeinschaftliches Recht, das 'mit uns geboren ist', [hat sich] schlummernd, wie das Weizenkorn in einer Mumie, jedoch der Entwicklung fähig, in der Volksseele (...) erhalten» (28), und wo er später wieder ansetzt: «da die gesamte Kultur in gesellschaftliche und staatliche Zivilisation umgeschlagen ist, so geht in dieser ihrer verwandelten Gestalt die Kultur selber zu Ende; es sei denn, daß ihre zerstreuten Keime lebendig bleiben, daß Wesen und Ideen der Gemeinschaft wiederum genährt werden und neue Kultur innerhalb der untergehenden heimlich entfalten» (29).

Kurz: Dort, wo die Menschen (noch) zusammenstehen und nicht auseinander-

[Seite 257]

treiben oder sich gegenseitig bis zum Zustand der Pathologien bekämpfen, der zur Auflösung der sozialen Beziehungen führt, bleibt - mögen sie auch noch so sehr nach ihrem Kürwillen voneinander unterschieden oder miteinander vereint sein - stets ein gemeinschaftliches Element im wechselseitigen, gemeinsamen, assoziativen Empfinden bestehen.

Neue Anreize zur und neue Bedürfnisse nach sozialen Beziehungen erfordern notwendigerweise auch die Vernunft und die Sprache und können nur dadurch physiologische Lebendigkeit erlangen, daß sie eine Phase des «geistigen Zusammen-Erfassens» (30) durchlaufen. Dies macht das gemeinschaftliche Element aus, bildet eine dauerhafte und notwendige Wirklichkeitsschicht des als Fähigkeit zum Zusammen-Leben verstandenen sozialen Lebens.

3. Die Gesellschaft als (gemeinschaftliches und funktionales) «Netz»

3.1. Von den pattern variables zur sozialen Beziehung

Unter dem Blickwinkel des eben Gesagten möchte ich im folgenden eine neue Art und Weise der Interpretation sowohl der Tonniesschen Theorie wie der Existenzform der gegenwärtigen Gesellschaft als wechselseitige Durchdringung von Gemeinschaft und Gesellschaft darstellen. Damit stelle ich mir als Aufgabe, die Position von J. Habermas zu vertiefen, die anhand der folgenden Forschungsrichtung deutlich wird: «Die Beschränkung des Wachstums monetär-administrativer Komplexität ist keineswegs gleichbedeutend mit der Preisgabe moderner Lebensformen. In strukturell ausdifferenzierten Lebenswelten prägt sich ein Vernunftpotential aus, das nicht auf den Begriff der Steigerung von Systemkomplexität gebracht werden kann» (31).


(28) Ebenda [Tönnies], S. 184.

(29) Ebenda, S. 215.

(30) Ebenda, S. 17.

(31) Vgl. J. HABERMAS, a.a.O., Bd. I, Vorwort zur 1. Auflage, S. 10.

Anmerkungen

Fortsetzung von der Vorseite.

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.

Interessant ist zu Beginn von Kap. 2.2 die Übernahme der ersten Person Singular (unter Hintanstellung des allgemeinen wissenschaftssprachlichen Ich-Verbots). Dass sich vor der Verfasserin 2005 schon Donati 1989 zur Aufgabe machte, die Position von Habermas 1981 zu vertiefen, erfährt der Leser nicht.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann


[11.] Mhg/Fragment 053 24 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-03-16 18:42:04 23.95.97.29
Donati 1989, Fragment, Gesichtet, KeineWertung, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel

Typus
KeineWertung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 53, Zeilen: 24-31
Quelle: Donati 1989
Seite(n): 259, Zeilen: 1 ff.
 
„Das führt jedoch zu der Feststellung, dass sich soziales System und soziales Handeln trotz ihrer Wechselseitigkeit und verstärkenden Eigendifferenzierung gegenseitig penetrieren, und dass sie nur zwei unterschiedliche Formen einer relationalen Kombination von Möglichkeitsprofilen darstellen, die sich in ihrer sozialen „Substanz“ nicht voneinander unterscheiden, da Handeln und System nur zwei verschiedene Arten der relationalen (netzförmigen) Kombination von Möglichkeitsformen darstellen, die in den «reinen» Typen von Gemeinschaft bzw. Gesellschaft niemals vorliegen“ (Donati 1988: 259).
Dies beinhaltet nicht nur, daß sich soziales System und soziales Handeln trotz ihrer wechselseitigen und sich verstärkenden Eigendifferenzierung in hohem Maße gegenseitig durchdringen, sondern auch, daß sie sich in ihrer sozialen «Substanz» nicht unterscheiden, da Handeln und System nur zwei verschiedene Arten der relationalen (netzförmigen) Kombination von Möglichkeitsprofilen darstellen, die in den «reinen» Typen von Gemeinschaft bzw. Gesellschaft niemals vorliegen (32).

(32) Vgl. meinen Besprechungsaufsatz: J. Habermas e l'equivoca forza dei mondi vitali «razionalizzati», in: «Rassegna italiana di sociologia», 28 (1), 1987.

Anmerkungen

Ein bemerkenswertes Beispiel für ein "wörtliches" Zitat.

Sichter
(SleepyHollow02), 23.95.97.29


[12.] Mhg/Fragment 054 12 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-03-06 22:17:57 [[Benutzer:|]]
BauernOpfer, Donati 1989, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 54, Zeilen: (8-12), 12-16, (18-20)
Quelle: Donati 1989
Seite(n): 261, Zeilen: 18 ff.
[Folgt man einem solchen Komplexitätsmodell, wird erkennbar, dass es sich nicht um eine Gesellschaft handelt, die auf zwei Ebenen existiert wie bei Habermas mit dem System und der Lebenswelt, sondern um ein „offenes System“ (Donati 1988: 260).] In einem Modell des Sozialen, welches das Modell der Komplexität einschließt [sic] wird deutlich, dass die Gemeinschaft nicht das Gegenteil der Gesellschaft (als öffentliche Sphäre mit dem dazugehörigen Staat und ihren Institutionen) ist, sondern dass sie ein Vermittlungsglied zwischen dem Privaten und dem Öffentlichen darstellt. [Auf diese Weise wird deutlich, dass es eine Notwendigkeit ist,
„das gemeinschaftliche Element als Tertium einer Vermittlung, welches dem wahrhaft relationalen Charakter des Sozialen innewohnt, für die soziologische Theorie zu erhalten“ (Donati 1988: 261).]
Innerhalb eines Modells des Sozialen, das diese Komplexität mit einschließt, würde erkennbar werden, daß die «Gemeinschaft» (das analytisch und doch realistisch verstandene gemeinschaftliche Element) nicht das Gegenteil einer als öffentliche Sphäre aufgefaßten (bürgerlichen) «Gesellschaft» mit dem dazugehörigen Staat und ihren Institutionen ist, wie Tonnies sie noch auffaßt, sondern es würde erkennbar werden, daß sie das Zwischenglied (der Vermittlung) zwischen dem privaten Pol und dem öffentlichen Pol (oder zwischen deren Entsprechungen - je nach der von den unterschiedlichen soziologischen Ansätzen verwandten besonderen Terminologie) bildet. Auf diese Weise würde auch nicht nur die Unmöglichkeit sichtbar, dualistische Theorien ins Leben zu rufen, denen der Realitätssinn abhanden kommt, sondern auch die Notwendigkeit, das gemeinschaftliche Element als Tertium einer Vermittlung, welches dem wahrhaft relationalen Charakter des Sozialen innewohnt, für die soziologische Theorie zu erhalten.
Anmerkungen

Die Quelle wird auf der Seite siebenmal referenziert; die Übernahme setzt sich jedoch auch in den Passagen ohne Beleg fort.

Die Habermas-Rezeption der Verfasserin ist identisch mit der Habermas-Rezeption Donatis.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann


[13.] Mhg/Fragment 055 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-03-16 19:43:42 [[Benutzer:|]]
Donati 1989, Fragment, Gesichtet, KeineWertung, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel

Typus
KeineWertung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 55, Zeilen: 1-7
Quelle: Donati 1989
Seite(n): 264, Zeilen: 3 ff., 21 ff.
[Die analytische Dimension des Sozialsystems ist das Netz, da es seine funktionalen Abhängigkeiten sichtbar macht und mit Hilfe von]
„Verbindungs- und Trennungsgliedern [sic] die rückwirkenden Mechanismen und die Kreisläufe, in denen sich die Erscheinungsformen des Sozialen ausdrücken, stabilisiert [...]. Anderseits [sic] ist ebenso offensichtlich, dass die sozialen Netze nicht in bloßer Spontaneität und zufälliger Intersubjektivität bestehen: Sie gleichen Pfaden, auf denen – um es mit H. Arendt auszudrücken – der Mensch nicht [sic] gleichzeitig frei und doch nicht souverän, d.h. nicht Herr darüber ist, das zu tun, wozu er die Freiheit hat.“ (Donati 1988: 264).
Das Sozialsystem stellt (i) eine analytische Dimension des Netzes dar, die (ii) dessen funktionale Interdependenzen sichtbar macht und (iii) durch Verbindungs-Trennungs-Glieder die rückwirkenden Mechanismen und die Kreisläufe, in denen sich die Erscheinungsformen des Sozialen ausdrücken, «stabilisiert».

[...]

Andererseits ist ebenso offensichtlich, daß die sozialen Netze nicht in bloßer Spontaneität und zufälliger Intersubjektivität bestehen: Sie gleichen Pfaden, auf denen – um es mit H. Arendt auszudrücken – der Mensch gleichzeitig frei und doch nicht souverän, d.h. nicht Herr darüber ist, das zu tun, wozu er die Freiheit hat» (43).


(43) Vgl. H. Arendt, La teoria, la prassi e i bisogni, Savelli, Milano 1978, S. 78 (Zitat vom Italienischen ins Deutsche rückübersetzt, Anm. d. Übers.).

Anmerkungen

Ein nur beinahe wörtliches Zitat.

Man beachte insbesondere, dass die Verfasserin bei dem rückübersetzten Arendt-Zitat ein sinnentstellendes "nicht" einfügt.

Sichter
(SleepyHollow02), 23.95.97.29


[14.] Mhg/Fragment 177 14 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-03-21 15:23:00 [[Benutzer:|]]
Donati 1989, Fragment, Gesichtet, KeineWertung, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel

Typus
KeineWertung
Bearbeiter
23.95.97.29
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 177, Zeilen: 14-17
Quelle: Donati 1989
Seite(n): 260, Zeilen: 2 ff.
Dies bestätigt die eingangs in der Arbeit formulierte These, dass nur eine am „Netz“ orientierte Lesart der Tönniesschen Begriffsdichotomie zu einem der Moderne eigenen Gesellschafts- und Gemeinschaftsverständnis führt. Demzufolge kann einzig eine am Modell des «Netzes» orientierte Lesart des Tönniesschen Begriffspaares sowie der darauf bezogenen Parsonsschen Modellgrößen diese begrifflichen Rahmen in [sic] zu einem der Moderne eigenen dezentralisierten Weltverständnis hinführen.
Anmerkungen

Die nicht kenntlich gemachte, etwas abgewandelte Übernahme aus Donati (1989) findet sich in ähnlichem Wortlaut bereits auf S. 19 in Fragment 019 09.

Da diese hier weniger umfangreich ist und die Semantiken von "Gesellschafts- und Gemeinschaftsverständnis" und "dezentralisierte[s] Weltverständnis" unterschiedlich sind, wird sie unter "keine Wertung" kategorisiert.

Sichter
(23.95.97.29) Schumann



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