Angaben zur Quelle [Bearbeiten]

Autor     Michael Schenk
Titel    Soziale Netzwerke und Kommunikation
Herausgeber    Wilhelm E. Mühlmann (u.a.)
Ort    Tübingen
Verlag    Mohr
Jahr    1984
Reihe    Heidelberger Sociologica; 20
Anmerkung    zugl.: Augsburg, Univ., WiSo-Fak., Habil.-Schr.

Literaturverz.   

ja
Fußnoten    ja
Fragmente    8


Fragmente der Quelle:
[1.] Mhg/Fragment 061 10 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-03-16 20:38:04 [[Benutzer:|]]
Fragment, Gesichtet, KeineWertung, Mhg, SMWFragment, Schenk 1984, Schutzlevel

Typus
KeineWertung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 61, Zeilen: 10-23
Quelle: Schenk 1984
Seite(n): 1, 11, 12, Zeilen: 1: 17 ff.; 11: 17 ff.; 12: 1 ff.
[3.2.1 Die Sozialanthropologie
„Die entscheidenden Impulse sind aber offenbar von den Arbeiten britischer Sozialanthropologen ausgegangen, die mit dem in den 30er und 40er Jahren gebräuchlichen Instrumentarium des Strukturfunktionalismus [sic] nicht mehr zufrieden waren, da es sich als wenig praktikabel für eine Analyse der fragilen und schwach integrierten sozialen Beziehungen („interpersonal relationship [sic]“) in komplexen und/oder urbanen Gesellschaften erwies.“ (Schenk 1984: 1.).

Die Abkehr vom Strukturfunktionalismus wurde durch mehrere parallele Entwicklungen gefördert.]

Michael Schenk definiert drei Entwicklungslinien für das Konzept des sozialen Netzwerkes in der Sozialanthropologie (Schenk 1984: 11):

1. In der ersten Entwicklungslinie beschäftigte man sich eingehend mit den Handlungen und Verhaltensweisen, welche sich nicht in einer aggregierten Form Gruppen, Organisationen und Institutionen zurechnen lassen.
2. Im zweiten Strang lag der Schwerpunkt auf den sozialen Beziehungen zwischen den Individuen.
3. In der dritten Entwicklungslinie wendet man sich den Entscheidungen, Manipulationen und anderen Elementen sozialer Prozesse jenseits von Deskriptionen zu, wie sie im strukturfunktionalistischen Rahmen entstanden sind.

Schenk betont, dass die sozialen Netzwerke ein Brückenkonzept darstellen, welches die Lücke zwischen dem strukturellen Rahmen und dem individuellen Handeln schließt.

[„Netzwerkanalysen können jedoch dazu beitragen, die Beziehungen zwischen der sozialen Struktur und individuellen [sic] ,choice-making’ erst einmal zu explorieren.“ (Schenk 1984: 12).]

Schenk, Michael (1984) Soziale Netzwerke und Kommunikation. Tübingen.

[Seite 1]

1.1. Sozialanthropologie

Die entscheidenden Impulse sind aber offenbar von den Arbeiten britischer Sozialanthropologen ausgegangen, die mit dem in den 30er und 40er Jahren gebräuchlichen Instrumentarium des Struktur-funktionalismus nicht mehr zufrieden waren, da es sich als wenig praktikabel für eine Analyse der fragilen und schwach integrierten sozialen Beziehungen ("interpersonal relationships") in komplexen und/oder urbanen Gesellschaften erwies.1)

[Seite 11]

Die Verwendung des Konzeptes des sozialen Netzwerkes innerhalb der Sozialanthropologie läßt sich zusammenfassend durch mindestens drei Entwicklungslinien kennzeichnen:32)

1. die Beschäftigung mit Handlungen und Verhaltensweisen, die sich nicht in einer aggregierten Form Gruppen, Organisationen und Institutionen zurechnen lassen, 2. die Konzentration auf soziale Beziehungen zwischen Individuen und 3. eine Hinwendung zu Entscheidungen, Manipulationen und anderen Elementen sozialer Prozesse jenseits von Deskriptionen, wie sie im Rahmen des Struktur-funktionalismus entstehen.

Die sozialen Netzwerke (Quasi-Gruppen, ego-zentrierte Netzwerke) werden als Brückenkonzepte verstanden, die die Lücke zwischen dem strukturellen Rahmen und individuellem Handeln schließen könnten33) , wenn auch - wie mit Recht

[Seite 12]

kritisiert wird - noch keine Theorie darüber vorhanden ist, wie individuelle Handlungsweisen mit Netzwerkeigenschaften zu verbinden sind.34) Netzwerkanalysen können jedoch dazu beitragen, die Beziehungen zwischen der sozialen Struktur und individuellem "choice-making" erst einmal zu explorieren.35)


1) [...]

32) [...]

33) [...]

34) [...]

35) [...]

Anmerkungen

Auf die Quelle wird dreimal hingewiesen; die wörtlich übernommenen Passagen hätten (ebenso wie die beiden beinahe wörtlichen Zitate) gekennzeichnet werden können.

Sichter
(SleepyHollow02), 23.95.97.29


[2.] Mhg/Fragment 063 19 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-02-05 17:08:01 [[Benutzer:|]]
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schenk 1984, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 63, Zeilen: 19-26
Quelle: Schenk 1984
Seite(n): 6, 7, Zeilen: 6: letzte vier Zeilen; 7: 1 ff.
Innerhalb der Sozialanthropologie wurde das Netzwerkkonzept bei weiteren Fallstudien benutzt. Oft wurde sich nur auf „Subsets“ von Relationen in einer gegebenen Population bezogen, die an einer Person, einem Ego, verankert war. Gerade diese „egozentrierten Netzwerke“ sind es, die Randbedingungen und Ressourcen für individuelles politisches und soziales Handeln setzen. Die Netzwerke fokussieren aber nicht das Individuum in der Interaktion, sondern folgen der Interaktion, wie sie sich durch den gesamten sozialen Kontext zieht. Damit überschreitet das Konzept die „dyadische Interaktion“ (Schenk 1984:7). Außer den Arbeiten von BARNES und BOTT wurde das Netzwerkkonzept innerhalb der Sozialanthropologie in weiteren Fallstudien verwendet, die sich vor allem durch besondere Anschaulichkeit auszeichnen, dafür aber - was von Netzwerkana-

[Seite 7]

lytikern anderer Disziplinen bisweilen als einigermaßen verwirrend empfunden wird - meist eine "egozentrische Verzerrung" aufweisen, indem sie sich nur auf Subsets von Relationen in einer gegebenen Population beziehen, die an einer einzelnen Person (Ego) verankert werden. Da diese "ego-zentrierten Netzwerke" jedoch Randbedingungen und Ressourcen für individuelles politisches und soziales Handeln setzen, sind sie für Anthropologen von theoretisch besonderem Interesse.19) Im übrigen fokussieren diese Netze nicht das Individuum in Interaktion, sondern folgen der Interaktion, wie sie sich durch den ganzen sozialen Kontext zieht: [...] Das Konzept des sozialen Netzwerkes Ubergreift damit die "dyadische Interaktion", wie sie z.B. von THIBAUT und KELLEY im Rahmen der Austauschtheorie vorgestellt wird21), [...]


19) Eine vorschnelle Kritik an egozentrierten Netzwerkanalysen sei unangebracht, da mehrere substantive Resultate erzielt worden seien. Vgl. POSTER, B.L.: 1978/79, S. 250.

21) Vgl. THIBAUT, J.W., H.H. KELLEY: The Social Psychology of Groups. New York usw. 1959. Auf die Austauschtheorien, auch von HOMANS, BLAU etc., werden wir später noch eingehen (Kapitel II. 2.1.).

Anmerkungen

Der Quellennachweis scheint sich auf ein wörtliches Zitat von zwei Wörtern („dyadische Interaktion“) zu beziehen, erfasst aber tatsächlich den ganzen Absatz. Die Quellenangabe im letzten Satz steht dabei vor dem Punkt, signalisiert damit also, sich nur auf diesen letzten Satz, nicht aber auf den gesamten Absatz zu beziehen.

Interessanterweise wird die "dyadische Interaktion" von der Verf.in Schenk zugeschrieben, während Schenk sie Thibaut und Kelley zuschreibt.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann


[3.] Mhg/Fragment 068 12 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-02-06 18:39:01 [[Benutzer:|]]
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schenk 1984, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 68, Zeilen: 12-14, 18-28
Quelle: Schenk 1984
Seite(n): 21, 22, 23, Zeilen: 21: 3 ff., 30 ff.; 22: 11 f.; 23: 13 ff.
Moreno begann seine „soziometrische Geometrie“ mit der Analyse der konkreten Stellung der einzelnen Individuen innerhalb einer Gruppe, um von da aus, die großen Gebilde und Konfigurationen zu betrachten (Schenk 1984: 21). [...] Sie [soziometrische Netzwerke] bilden die Grundlage für alle sozialen Vermittlungs- und Verbindungssysteme (vgl. Scott 1991: 9). Der soziometrische Ansatz trug wesentlich zur Entstehung des Netzwerkkonzeptes bei.

Während Moreno die soziale Struktur einer Gruppe durch Soziogramme und einfache quantitative Berechnungen „inspirierte“, ergaben sich aus der Graphentheorie tiefergreifendere Analysemethoden. Soziometrische Wahlen, die in einem Soziogramm zum Ausdruck kommen, lassen sich seit Elaine Forsyth und Leo Katz ( Forsyth & Katz 1946) in eine N x N Matrix eintragen (vgl. Freeman 2004: 20).

Weitere Indizes geben Auskunft über Eigenschaften der Gruppenstruktur und erlauben auch einen Vergleich einzelner Gruppen.

[Seite 21]

Der soziometrische Ansatz, den MORENO neben weiteren integralen Konzepten, wie Psychodrama, "role-playing" und Gruppentherapie, entwickelt hat, trug dennoch erheblich zur Entstehung des Netzwerkkonzeptes bei.

[...]

MORENO, der im übrigen [...], beginnt seine "soziometrische Geometrie" mit der Analyse der konkreten Stellung der einzelnen Individuen innerhalb einer Gruppe, um von hier ausgehend zu größeren Gebilden und Konfigurationen vorzustoßen.

[Seite 22]

Der besondere Charakter derartiger Netzwerke liegt darin, daß sie die Grundlage für alle sozialen Vermittlungs- und Verbindungssysteme darstellen; [...]

[Seite 23]

Während MORENO die soziale Struktur einer Gruppe anhand der Soziogramme und einfacher quantitativer Berechnungen "inspizierte", ergaben sich durch die Anwendung der bereits genannten Graphentheorie weitaus rigorosere Analysemethoden.64) Die soziometrischen Wahlen, die in den Soziogrammen zum Ausdruck kommen, lassen sich seit FORSYTH und KATZ65) in eine N x N Matrix überführen, die die Basis für diverse Operationen bildet, die Subgruppen innerhalb der untersuchten Gruppen hervortreten lassen, wie z.B. "Stars", "Isolierte", "Cliquen" usw. Diverse weitere Indizes geben darüber hinaus Aufschluß über Eigenschaften der Gruppenstruktur und erlauben auch einen Vergleich einzelner Gruppen66).


64) Vgl. zum folgenden als Überblick LINDZEY, G., D. BYRNE: Measurement of Social Choice and Interpersonal Attractiveness. In: LINDZEY, G., E. ARONSON (eds.): The Handbook of Social Psychology. 2.ed. Vol. II, Reading/Mass. 1968, S. 452-525, bes. S. 460-474.

65) Vgl. FORSYTH, E.; L. KATZ: A Matrix Approach to the Analysis of Sociometric Data. In: Sociometry. Vol. 9 (1946), S. 340-347.

66) Des weiteren bietet die Methode der Matrizenmultiplikation ein wichtiges Anwendungsfeld. Vgl. LUCE, R.D., A.D. PERRY: A Method of Matrix Analysis of Group Structure. In: Psychometrica. Vol. 14 (1949), S. 95-116; LUCE, R.D.: Connectivity and Generalized Cliques in Sociometric Group Structure. In: Psychometrica. Vol. 15 (1950), S. 169-190; FESTINGER, L.: The Analysis of Sociograms Using Matrix Algebra. In: Hunan Relations. Vol. 2 (1949), S. 153-158; außerdem HARARY, F., I.C. ROSS: A Procedure for Clique Detection Using the Group Matrix. In: Sociometry. Vol. 20 (1957), S. 205-215.

Anmerkungen

Kleinteilig. Bemerkenswert aber die Übernahme der Quellen. Forsyth und Katz sind in der Arbeit nur an dieser Stelle (unspezifisch, wie bei Schenk) zitiert. Freeman (2004) wird ergänzt.

Zu Beginn des Fragments bleibt trotz Quellennennung unklar, dass daraus eine zusammenhängende Wortgruppe (17 Wörter) übernommen wird.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann


[4.] Mhg/Fragment 070 13 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-02-06 21:28:45 [[Benutzer:|]]
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schenk 1984, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 70, Zeilen: 13-16
Quelle: Schenk 1984
Seite(n): 2, Zeilen: 12 ff.
Auch Peter Blau (Blau et. al. 1967) wies aus industriesoziologischer Sicht nach, dass die tatsächlichen Handlungen der Akteure in formalen Organisationen nicht immer exakt nach formalen Regeln ablaufen. Damit kritisiert er auch wesentlich die Bürokratietheorie von Max Weber. Ganz ähnlich weist in diesem Zusammenhang Peter M. BLAU aus der ganz anderen Sicht der Industriesoziologie in einer Kritik an der Bürokratietheorie von Max WEBER darauf hin, daß die tatsächlichen Handlungen der Personen in formalen Organisationen nicht immer exakt der formalen Richtschnur - den Regeln der offiziellen Struktur - folgen; [...]
Anmerkungen

Im Anschluss an das Fragment (und den Abschluss des Kapitels bildend) folgt ein gekennzeichnetes wörtliches Schenk-Zitat.

Dass Blau et al (1967) - in der Arbeit lediglich an dieser Stelle genannt - hier nicht eigenständig rezipiert, sondern der Hinweis darauf bzw. deren zusammengefasste Aussagen ebenfalls schon von Schenk übernommen werden, bleibt bei dieser Arbeitsweise im Dunklen.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02


[5.] Mhg/Fragment 109 26 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-03-20 14:51:57 [[Benutzer:|]]
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schenk 1984, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
23.95.97.29
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 109, Zeilen: 26-31
Quelle: Schenk 1984
Seite(n): 66, Zeilen: 9 ff.
So spiegelt der an der Tönniesschen Typologie von Gemeinschaft und Gesellschaft orientierte Gegensatz von „primären“ und „sekundären“ Beziehungen nicht das heutige Spektrum möglicher sozialer Beziehungen in der Gemeinschaft wider, da durch die Entwicklungen in der Kommunikationstechnologie sowie die erhöhte räumliche Mobilität die Aufnahme und Ausgestaltung unterschiedlicher sozialer Beziehungen wesentlich erleichtert wird. Der an den von TÖNNIES markierten gesellschaftlichen Entwicklungslinien - von der "Gemeinschaft" zur "Gesellschaft" - festgemachte Gegensatz von z.B. "primären" und "sekundären" Beziehungen trägt diesem Spektrum möglicher sozialer Beziehungen in der "community" nicht mehr vollständig Rechnung, da unter anderem durch die Entwicklungen der Kommunikationstechnik, die Erweiterung der sozialen und räumlichen Mobilität und das vergrößerte Freizeitbudget des einzelnen Aufbau und Erhaltung mannigfaltiger, diversifizierter sozialer Beziehungen erleichtert werden.155)

155) Vgl. hierzu und zum folgenden KATZ, F.E.: 1966, S. 200 f., sowie zur genannten Dichotomie TÖNNIES, F.: Gemeinschaft und Gesellschaft. Darmstadt 1970 (ursprünglich 1887).

Anmerkungen

Im vorigen und folgenden Absatz verweist die Verf.in auf die Quelle. Dass auch dieser separate Absatz sinngemäß aus Schenk (1984) entnommen wurde, macht sie jedoch nicht kenntlich.

Sichter
(23.95.97.29), SleepyHollow02


[6.] Mhg/Fragment 110 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-03-20 14:58:43 [[Benutzer:|]]
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schenk 1984, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
23.95.97.29
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 110, Zeilen: 1-13
Quelle: Schenk 1984
Seite(n): 67, 68, Zeilen: 67: 2 ff., 30 f.; 68: 1 ff.
[Auf der anderen Seite bilden aber bestehende gesellschaftliche, soziokulturelle und] schichtspezifische Bedingungen gewisse Hindernisse für die Ausweitung sozialer Netzwerke, so dass sich die in soziale Beziehungen involvierten Personen in dieser Hinsicht häufig ähneln (Schenk 1984: 67).

Aber nicht nur die Personen, sondern auch die Relationen zwischen den einzelnen Knoten können durch eine unterschiedliche Anzahl von Inhalten bestimmt sein. In Abhängigkeit davon, ob mehrere verschiedene Inhalte in einer Beziehung ausgetauscht werden oder nur ein bestimmter Inhaltstyp in der Beziehung existiert, wird zwischen multiplexen und uniplexen Beziehungen unterschieden. Gerade in Bezug auf die Gemeinschafts- und Gesellschaftsdebatte wurden soziale Beziehungen und Netzwerke mit dem speziellen Blick auf die Multiplexität untersucht und davon ausgegangen, dass sich die Multiplexität beim Übergang von der Gemeinschaft zur Gesellschaft in den individuellen Netzwerken verringert.


Schenk, Michael (1984) Soziale Netzwerke und Kommunikation. Tübingen.

[Seite 67]

Auf der anderen Seite bilden aber bestehende gesellschaftliche soziokulturelle und schichtenspezifische Bedingungen gewisse Hindernisse für die Ausweitung sozialer Netzwerke, so daß sich die in soziale Beziehungen involvierten Personen in dieser Hinsicht häufig ähneln.157)

Ebenso wie eine Person in disperse Netzwerke einbezogen ist, so können auch die Relationen zwischen den einzelnen Netzwerkeinheiten bzw. Personen ("Dyaden") von einer unterschiedlichen Anzahl von Inhalten, die innerhalb der Relationen ausgetauscht werden, getragen werden. Je nachdem, ob mehrere, voneinander verschiedene Inhalte innerhalb einer sozialen Beziehung ausgetauscht werden oder nur ein ganz bestimmter Typ von Inhalt, spricht man von multiplexen ("multi-stranded") oder uniplexen ("single-stranded") Relationen.158) [...] Seither wurden des öfteren die Auswirkungen der Modernisierung und Urbanisierung auf die so-

[Seite 68]

zialen Beziehungen und Netzwerke untersucht; in der Regel wird davon ausgegangen, daß beim Übergang von der 'Gemeinschaft' zur 'Gesellschaft' die Multiplexität der individuellen Netzwerke abnimmt.160)


157) KATZ, F.E. spricht insgesamt von "actual networks", "potential networks" und "proximate networks" (1966, S. 203).

158) Vgl. MITCHELL, J.C.: 1969, S. 22. Anschauliche Beispiele für die Bedeutung multiplexer Relationen bieten KAPFERER, B.: 1969, und WHEELDON, P.D.: The Operation of Voluntary Associations. In: MITCHELL, J.C. (ed.): 1969, S. 128-180, bes. S. 161-172.

[...]

160) Vgl. ausführlicher Kapitel III. 4.

Anmerkungen

Bzgl. des kurzen, aber nicht trivialen ersten Satzes wird die Quelle zwar genannt, doch bleibt die Wörtlichkeit der Übernahme ungekennzeichnet.

Die Quelle des darunter folgenden separaten Absatzes bleibt unerwähnt.

Sichter
(23.95.97.29), SleepyHollow02


[7.] Mhg/Fragment 111 09 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-03-21 00:07:59 [[Benutzer:|]]
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schenk 1984, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
23.95.97.29
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 111, Zeilen: 9-16
Quelle: Schenk 1984
Seite(n): 80, Zeilen: 1 ff.
Sowohl im relationalen wie auch im positionalen Ansatz kann die Aggregation der Untersuchungseinheiten entweder eine einzelne Person (Aktor), mehrere Personen bzw. Subgruppen bilden, oder das gesamte soziale Netzwerk bzw. soziale System bildet die Ebene der Analyse.

Auf der Akteursebene des relationalen Ansatzes werden egozentrierte bzw. personale Netzwerke einer Person in Bezug auf die Dichte, Ausdehnung (Zone) und/oder Multiplexität des Netzwerkes untersucht. Auf der zweiten Ebene werden mehrere Personen betrachtet. Dabei ist von besonderem Interesse, inwieweit [bestimmte Sets von Personen besonders dichte und kohäsive Beziehungen zueinander aufweisen und dabei Netzwerksubgruppen, d.h. Cliquen und Cluster, bilden.]

Sowohl im relationalen wie auch im positionalen Ansatz können der Aggregation von Untersuchungseinheiten zufolge 1. eine einzelne Person (Aktor, Ego), 2. mehrere Personen, die Subgruppen formieren, und 3. das gesamte soziale Netzwerk bzw. System die Ebene der Analyse bilden.

Innerhalb des relationalen Ansatzes handelt es sich im ersten Fall der Verankerung ("anchorage") an einer bestimmten Person um die hauptsächlich in der Sozialanthropologie bzw. in der Urbanisierungs- und Modernisierungsforschung thematisierten (1) ego-zentrierten bzw. personalen Netzwerke, die auf ihre Dichte, Ausdehnung (Zone) und/oder Multiplexität untersucht werden. Auf der zweiten Ebene mehrerer Personen (Aktoren) stellt sich die Frage, inwieweit bestimmte Sets von Personen besonders dichte und kohäsive Verbindungen zueinander aufweisen und sich als (2) Netzwerksubgruppen, d.h. Cliquen und Cluster, entpuppen.

Anmerkungen

Die Quelle wird erst in der Mitte von S. 112 für ein eingerücktes wörtliches Zitat genannt.

Fortsetzung in Fragment 112 01.

Sichter
(23.95.97.29) Schumann


[8.] Mhg/Fragment 112 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-03-21 00:24:45 [[Benutzer:|]]
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schenk 1984, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
23.95.97.29
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 112, Zeilen: 1-18, 25-29
Quelle: Schenk 1984
Seite(n): 80, 81, 82, Zeilen: 80: 12 ff.; 81: 1 ff., 28 ff.; 82: 1 ff.
[Auf der zweiten Ebene werden mehrere Personen betrachtet. Dabei ist von besonderem Interesse, inwieweit] bestimmte Sets von Personen besonders dichte und kohäsive Beziehungen zueinander aufweisen und dabei Netzwerksubgruppen, d.h. Cliquen und Cluster, bilden. Die dritte Ebene bildet das gesamte Netzwerk bzw. System. Hier wird vor allem die Struktur des Gesamtnetzwerkes, insbesondere die Dichte und Zentralität sowie das Vorhandensein und die Verbundenheit von Cliquen untersucht.

Auch beim positionalen Ansatz steht zunächst die einzelne Person als Netzwerkeinheit im Vordergrund. Jedoch wird hier ihre Position innerhalb eines definierten Netzwerkes bzw. Systems unter dem Aspekt der Zentralität oder des Prestiges untersucht. Im Vergleich zum relationalen Ansatz, in dem eine Person in ego-zentrierten Netzwerken verankert ist, stellt die einzelne Person beim positionalen Ansatz nur ein Element von vielen innerhalb des gesamten Systems dar. Jedoch ist sie dann von besonderem Interesse, wenn sie eine zentrale oder strukturell anderweitig bedeutsame Position im gesamten Netzwerk einnimmt.

Auf der zweiten Ebene werden mehrere Personen/Akteure nach strukturell-äquivalenten Positionen gruppiert. Kennzeichnen dichte und "nach innen" orientierte Beziehungen die Cliquen und Cluster im relationalen Ansatz, so stehen im positionalen Ansatz die "Außenbeziehungen" im Fokus der Analyse.

[„Mit dem Konzept der strukturellen Äquivalenz verbindet man eine Zerlegung eines Netzwerkes in Subgruppen, so dass jedes Subset Personen enthält, die dasselbe Muster sozialer Beziehungen zu anderen Personen des Netzwerkes, nicht aber notwendigerweise auch untereinander, aufweisen; es geht also darum, inwieweit eine Menge bzw. ein Set von Personen zu anderen Personen des Netzwerkes ähnliche soziale Beziehungen unterhält“ (Schenk 1984: 81).]

Auf der dritten Ebene des positionalen Ansatzes werden verschiedene Typen sozialer Relationen betrachtet. Daher liegt der Schwerpunkt hier auf den multiplexen Netzwerken. Hinzu kommt noch das Prinzip der strukturellen Äquivalenz, durch die das Ineinandergreifen sozialer Rollen entscheidend präzisiert werden kann.

[„Auf der Basis mehrerer (multiplexer) Netzwerke können mit dem Konzept der strukturellen Äquivalenz die zwischen sozialen Positionen bestehenden Rollensets auf Überlappungen hin untersucht werden, so dass in analytischer Hinsicht eine grundlegende Strukturkomponente sozialer Systeme offengelegt wird“ (Schenk 1984: 81).]

Schenk, Michael (1984) Soziale Netzwerke und Kommunikation. Tübingen.

[Seite 80]

Auf der zweiten Ebene mehrerer Personen (Aktoren) stellt sich die Frage, inwieweit bestimmte Sets von Personen besonders dichte und kohäsive Verbindungen zueinander aufweisen und sich als (2) Netzwerksubgruppen, d.h. Cliquen und Cluster, entpuppen. Schließlich kann auch das (3) gesamte Netzwerk bzw. System auf seine Struktur, insbesondere seine Dichte (Integration) und Zentralität sowie auf den Bestand und die Verbundenheit von Cliquen untersucht werden. [...]

Wenden wir uns nun dem positionalen Ansatz zu, so richtet er sich in der einfachsten Variante zunächst auf die einzelne Netzwerkeinheit (Person), deren Position sich innerhalb eines definierten Netzwerkes bzw. Systems nach der Zentralität (z.B. BAVELAS-Index) oder nach dem Prestige (soziometrische Stars in der Soziometrie) bestimmen läßt. Im Vergleich zu den an einer Person verankerten ego-zentrierten Netzwerken stellt die einzelne Person hier schwer-

[Seite 81]

punktmäßig nur ein Element von vielen innerhalb des gesamten Systems dar. Sie ist aber dann von besonderem Interesse, wenn sie eine (1) zentrale oder strukturell sonstwie bedeutsame Position im gesamten Netzwerk innehat.

Auf der Ebene mehrerer Personen/Aktoren findet die Cliquen- und Clusterbildung des relationalen Ansatzes im positionalen einen Widerpart, indem die Aktoren hier nach (2) strukturell-äquivalenten Positionen gruppiert werden. Während die Cliquen und Cluster im relationalen Ansatz durch dichte und "nach innen" orientierte Verbindungen gekennzeichnet sind, überwiegt im positionalen Ansatz der "Außenaspekt". Mit dem Konzept der strukturellen Äquivalenz verbindet man eine Zerlegung eines Netzwerkes in Subgruppen, so daß jedes Subset Personen enthält, die dasselbe Muster sozialer Beziehungen zu anderen Personen des Netzwerkes, nicht aber notwendigerweise auch untereinander, aufweisen;188) es geht also darum, inwieweit eine Menge bzw. ein Set von Personen zu anderen Personen des Netzwerkes ähnliche soziale Beziehungen unterhält. [...]

Die Idee der "strukturellen Äquivalenz" läßt sich schließlich auch auf der (3) Systemebene fruchtbar machen, indem verschiedene Typen sozialer Relationen Eingang in die Analyse finden. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf multiplen (multiplexen) Netzwerken, die bekanntlich mit dem herkömmlichen graphentheoretischen Instrumentarium nicht gleichzeitig analysiert werden können. Die multiplen Netzwerke ermögli-

[Seite 82]

Anschluß [sic] an eine Theorie sozialer Strukturen, sondern auch deren Operationalisierung, kann doch das Ineinandergreifen ("interlocking") sozialer Rollen bzw. deren Interrelation - wie es in multiplen Netzwerken deutlich wird - durch das Konzept der strukturellen Äquivalenz entscheidend präzisiert werden.


[Seite 81:] 1) [sic] [...]

Anmerkungen

Fortsetzung von Fragment 111 09.

Eine Quelle wird lediglich für die beiden in eckige Klammern gesetzten wörtlichen Zitate genannt, die nicht in die Zeilenzählung mit eingehen und hier nur zur Verdeutlichung des Zusammenhangs wiedergegeben werden.

Am Rande bemerkt: Das zweite wörtliche Zitat findet sich in Schenk (1984) an keiner Stelle.

(Der Umbruch von S. 81 auf 82 in der Quelle ist nicht stimmig; Fn. 188 fehlt zudem bzw. findet sich fälschlich als Fn. 1 angegeben.)

Sichter
(23.95.97.29) Schumann



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