Angaben zur Quelle [Bearbeiten]

Autor     Thomas Schweizer
Titel    Muster sozialer Ordnung: Netzwerkanalyse als Fundament der Sozialethnologie
Ort    Berlin
Verlag    Reimer
Jahr    1996

Literaturverz.   

ja
Fußnoten    ja
Fragmente    18


Fragmente der Quelle:
[1.] Mhg/Fragment 074 16 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-02-09 14:44:18 [[Benutzer:|]]
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Schweizer 1996

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
162.220.59.66
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 74, Zeilen: 16-18, 22-36, 101-102
Quelle: Schweizer 1996
Seite(n): 114, 115, 116, Zeilen: 114: 22 ff.; 115: 7 ff.; 116: 6 ff.
Die ersten Netzwerkstudien richteten den Focus für die Erklärung des Handelns von Akteuren vorrangig auf die Dichte der sozialen Beziehungen und die Multiplexität22. [Barnes kontrastiert beispielsweise „dichte und multiplexe Netzwerke als typisch für Stammesgesellschaften“ und „lose geknüpfte, uniplexe Beziehungsnetzwerke als charakteristisch für komplexe Industriegesellschaften“ (Schweizer 1996: 114).]

Eine derartige Netzwerkstruktur sagt aus, dass in einem multiplexen Netzwerk jeder den anderen kennt und durch viele Beziehungen mit den anderen verbunden ist, hingegen sich in uniplexen Netzen die Personen kaum untereinander kennen und die sozialen Beziehungen immer nur zwischen Paaren von Akteuren bestehen. Das bedeutet, dass in uniplexen Netzwerken die gemeinsame Freizeit, Verwandtschaft, Arbeit usw. immer nur von Teilen des Netzwerks gemeinsam erlebt wird (Akteurspärchen). In multiplexen Netzwerken herrscht eine gemeinsame intensive Interaktion vor, die Erreichbarkeit der Akteure untereinander ist relativ hoch und die soziale Kontrolle und eine damit verbundene Konformität des Verhaltens ist deutlich höher als in uniplexen Netzwerken. In uniplexen Netzwerken sind die sozialen Gebilde weniger sichtbar und die Kontrolle erfasst nur wenige Akteure und nur bestimmte Beziehungen (wie beispielsweise im Arbeitsleben), während z.B. die Freizeit davon unberührt bleiben kann. Diese idealtypische Kontrastierung versuchte zentrale Tendenzen sozialer Beziehungsmuster in bestimmten Gesellschaftstypen und ihre Handlungskonse-[quenzen festzustellen.]


22 Multiplexität meint das gleichzeitige Vorkommen mehrerer, inhaltlich verschiedener sozialer Beziehungen in Netzwerken


Schweizer, Thomas (1996) Muster sozialer Ordnung. Netzwerkanalyse als Fundament der Sozialethnologie. Berlin.

[Seite 114]

Die ersten ethnologischen Fallstudien, die den Begriff des sozialen Netzwerks verwendeten und ausgewählte Aspekte des sozialen Netzwerks zur Erklärung des Handelns von Akteuren heranzogen, richteten den Blick auf die Dichte sozialer Beziehungen und das gleichzeitige Vorkommen mehrerer, inhaltlich verschiedener sozialer Beziehungen (Multiplexität) in Netzwerken. So kontrastierte Barnes (1969: 75) dichte, multiplexe Netzwerke als typisch für Stammesgesellschaften einerseits und lose geknüpfte, uniplexe Beziehungsnetze als charakteristisch für komplexe Industriegesellschaften andererseits. [...]

[Seite 115]

[...] Diese unterschiedliche Netzstruktur bedeutet also, daß in einem dichten, multiplexen Netz jeder jeden kennt und über eine Vielzahl von Beziehungen verbunden ist, während in einem locker gefügten, uniplexen Netz sich nicht alle Beteiligten untereinander kennen und zwischen Paaren von Akteuren nur eine Art von Beziehung besteht (s. Abbildung 4.1). Gemeinsame Arbeit, Freizeit, Verwandtschaft, religiöse Verbundenheit usw. fallen hier auseinander, während sie im Fall eines dichten, multiplexen Netzes verwoben sind. In einem multiplexen, dichten Netz können sich die Akteure leichter erreichen, sie interagieren intensiv miteinander und als Konsequenz entsteht ein höherer Grad an sozialer Kontrolle und daraus folgender Konformität des Verhaltens. Im Gegensatz dazu bieten die schwach verknüpften und uniplexen Netzwerke in städtischen oder komplexen Gesellschaften den Akteuren Fluchtmöglichkeiten, weil diese sozialen Gebilde weniger transparent sind und die Kontrolle nur einige Akteure und bestimmte Beziehungen erfaßt (etwa im Arbeitsbereich), während andere Lebensbereiche (z.B. der Freizeitbereich) davon unberührt bleiben.

[Abbildung 4.1]

Diese Kontrastierung ist als idealtypisch zu verstehen [...]

[Seite 116]

[...] Bei dieser Kontrastierung geht es vielmehr um die Feststellung der Haupttendenzen sozialer Beziehungsmuster in bestimmten Typen von Gesellschaft und die Erkenntnis ihrer Handlungskonsequenzen.

Anmerkungen

Ein klassisches Bauernopfer: Die Quelle wird lediglich für eine kurze Aussage genannt, im folgenden Absatz jedoch unausgewiesen wesentlich mehr aus ihr übernommen (abgesehen davon, dass auch der erste Satz inkl. Fußnote übernommen ist).

Fortsetzung auf der nächsten Seite in Fragment 075 01.

Sichter
(162.220.59.66) Schumann


[2.] Mhg/Fragment 075 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-03-23 14:55:03 [[Benutzer:|]]
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Schweizer 1996

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
162.220.59.66
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 75, Zeilen: 1-16, 18-31
Quelle: Schweizer 1996
Seite(n): 117, 118, Zeilen: 117: 1 ff., 26 ff., 33 ff.; 118: 1 ff.
Die Dichte und die Multiplexität der Netzwerke bildeten die strukturellen Rahmenbedingungen für die Erklärung unterschiedlichen Verhaltens der Akteure. So orientierte sich Elisabeth [sic] Bott ([1957] 1971) in ihrer Netzwerkstudie zur häuslichen Arbeitsteilung bei Londoner Ehepaaren an dieser Annahme vom Einfluss der Dichte auf das Handeln der Akteure. Dabei unterschied sie zwischen traditioneller Arbeitsteilung (Spezialisierung der Arbeitsaufgaben nach Geschlecht) und gemeinsamer Arbeitsteilung (gemeinsame Erledigung der Aufgaben durch beide Ehepartner). Während Schicht und Wohngebiet keine signifikante Erklärung für die Unterschiede lieferten, zeigten die Unterschiede in den persönlichen Netzwerken einen Effekt. Lebten die Ehepaare in eng verbundenen Netzwerken (Bott spricht hier von close-knit 1971:51), in denen die Ehepartner gemeinsame Freunde und Bekannte hatten, erledigten sie ihre Arbeitsaufgaben gemeinsam. Waren die Netzwerke der Ehepartner eher locker verbunden, d.h. jeder Partner hatte eigene Freunde oder Bekannte, dann herrschte auch eine geschlechtsspezifische Teilung der häuslichen Aufgaben vor.

[3.3.1 Die Stärke schwacher Beziehungen]

Während die ersten Netzwerkstudien ihren Blick auf die Dichte und das gleichzeitige Vorkommen mehrerer, inhaltlich verschiedener sozialer Beziehungen (Multiplexität) in sozialen Netzwerken richteten, und damit enge und multiplexe Beziehungen als besonders erklärungsrelevant hervorhoben, konzentrierten sich die nachfolgenden Theoretiker (Granovetter 1973,1974; Burt 1992) auf die sogenannten „schwachen“ bzw. fehlenden Beziehungen in Gesamtnetzwerken. Mit diesen Ansätzen sollte der Versuch unternommen werden, die Einbettung der Akteure in das soziale Netzwerke und die daraus entstehenden Chancen und Hindernisse für ihr Handeln zu erklären (vgl. Schweitzer [sic] 1996: 118). Mark Granovetter stellte fest, dass die Mitglieder in einem Teilnetzwerk, einer sogenannten „Clique“, untereinander - aufgrund der hohen Dichte und der Multiplexität - sehr intensive Kontakte haben, aber dass sie sich gleichzeitig durch diese starken Binnenbeziehungen von der Außenwelt abkapseln und somit schlecht in das Gesamtnetz eingebunden sind.


Bott, Elisabeth [sic] (1971) Family and Social Networks [sic]. Roles, Norms [sic] and External Relationships in Ordinary Urban Families. London.
Burt, Ronald (1992) Structural Holes: The Social Structure of Competition. Cambridge.
Granovetter, Mark (1973) The strength of weak ties. In: American Journal of Sociology, Nr. 78, 1360 - 1380.
Granovetter, Mark (1974) Getting a Job. Cambridge.
Schweizer, Thomas (1996) Muster sozialer Ordnung. Netzwerkanalyse als Fundament der Sozialethnologie. Berlin.

[Seite 117, Z. 26 ff.]

In den Fallstudien von Kapferer und Bott und in Gluckmans Hypothese bilden die Dichte und Multiplexität der Netzwerke die strukturellen Rahmenbedingungen zur Erklärung des unterschiedlichen Verhaltens der Akteure (Bott, Gluckman) bzw. ihres unterschiedlichen Handlungserfolgs (Kapferer).

[Seite 117, Z. 1 ff.]

Auch E. Bott (1971 [1957], 1977 [1955]) in ihrer klassischen Netzwerkstudie der häuslichen Arbeitsteilung in ausgewählten Londoner Familien orientiert sich an der Hypothese vom Einfluß der Dichte des Netzwerks auf das Handeln der Akteure. Sie unterscheidet zwei Grundmuster der häuslichen Arbeitsteilung: einen geringen Grad der Aufteilung der Arbeiten und gemeinsame Erledigung der Aufgaben durch beide Ehepartner einerseits und eine große Spezialisierung der Aufgaben nach Geschlecht und getrennte Zuständigkeit der Eheleute für bestimmte Aufgaben andererseits. [...] Schicht und Wohngebiet erwiesen sich als keine schlüssigen Erklärungen dieses Unterschieds, während die Unterschiede der persönlichen Netzwerke einen Effekt ausübten. Wenn die Eheleute in einem dicht verbundenen Netzwerk leben (Bott 1971: 59, 1977: 256 spricht von „close-knit“ und „highly connected“ im Unterschied zu „loose-knit“ und „dispersed“), in dem also beide viele gemeinsame Freunde, Bekannte usf. aufweisen, dann erledigen sie auch die häuslichen Aufgaben gemeinsam. Ist das Netzwerk der Eheleute hingegen locker gefügt‚ was bedeutet, daß jeder eigene Freunde und Bekannte hat und wenige gemeinsam sind, dann herrscht auch Teilung der häuslichen Aufgaben vor.

[Seite 117, Z. 33 ff.]

Während die bisher vorgestellten Forscher zur Erklärung des Handelns der Akteure aus der Netzstruktur vor allem auf die Verdichtung von sozialen Beziehungen achteten und die besonders kohäsiven Teilbereiche in Netzwerken, die durch intensive, dichte und multiplexe Beziehungen gekennzeichnet sind, als erklärungsmächtig heraushoben, hat sich eine

[Seite 118]

nachfolgende Generation von Theoretikern (Granovetter 1977 [1973], 1982; Burt 1992) den schwachen Beziehungen und dem Fehlen von Beziehungen in Gesamtnetzwerken als Gründen für das Handeln der Akteure zugewandt. In diesen Erklärungsversuchen geht es um die Einbettung der Akteure in das Gesamtnetz und die daraus erwachsenen Chancen und Hindernisse für ihr Handeln. M. Granovetter (1977) erkannte, daß ein kohäsiver Teilbereich in einem Netz mit einem paradoxen Effekt verknüpft ist. Aufgrund der hohen Dichte und Multiplexität interagieren die Mitglieder einer solchen „Clique“ untereinander sehr intensiv — aber gleichzeitig kapseln sie sich durch diese starke Binnenbeziehungen von der Außenwelt ab und sind daher schlecht in das Gesamtnetz eingebunden, das im Extrem in miteinander unverbundene kohäsive Inseln zerfällt.


Bott, E.
 1971 [1957] Family and social network. 2. Aufl. London: Tavistock Publications.
 1977 [1955] Urban families: Conjugal roles and social networks. In: Leinhardt 1977 (Original in Human Relations 8, 345-83).
Burt, R.S.
 [...]
 1992 Structural holes: The social structure of competition. Cambridge, MA: Harvard U.P.
Granovetter‚ M.
 1977 [1973] The strength of weak ties. In: Leinhardt 1977 (Original in American Journal of Sociology 78, 1360-80).
 1982 The strength of weak ties: A network theory revisited. In: Social structure and network analysis (Hg.) Marsden, P.V. und N. Lin. Beverly Hills: Sage.

Anmerkungen

Fortsetzung von Fragment 074 16.

Auf die eigentliche Quelle wird lediglich einmal zum Vergleich verwiesen.

Das ursprügliche Erscheinungsjahr von Family and social network: roles, norms, and external relationships in ordinary urban families von Elizabeth Bott findet sich bei der Verf.in zwar im Fließtext, aber nicht im Literaturverzeichnis. Für deren Begriff "close-knit" nennt sie für die 1971er-Ausgabe eine andere Seitenzahl als Schweizer.

An dieses Fragment schließt sich mit Fragment 075 31 unmittelbar eine aus Diaz-Bone (1997) – von dem auch die (bei der Dokumentation in eckige Klammern gesetzte) kursive Zwischenüberschrift 3.3.1 in Zeile 17 kopiert wurde – übernommene Granovetter-Rezeption an.

Sichter
(162.220.59.66) Schumann


[3.] Mhg/Fragment 076 17 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-02-13 16:32:25 [[Benutzer:|]]
Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Schweizer 1996, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
162.220.59.66
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 76, Zeilen: 17-23
Quelle: Schweizer 1996
Seite(n): 120, Zeilen: 13 ff.
Damit schließt Granovetter jedoch nicht aus, dass starke Beziehungen eine wichtige Rolle im sozialen Leben spielen können (vgl. Granovetter 1973: 1366). Aber er kann durch eine Reihe von Beispielen verdeutlichen, dass starke Beziehungen ein Gesamtnetzwerk fragmentieren, während schwache Beziehungen Brücken zwischen ansonsten unverbundenen Teilen des Gesamtnetzwerkes bilden und sich dadurch die Erfolgschancen für das Handeln der Akteure erhöhen.

Granovetter, Mark (1973) The strength of weak ties. In: American Journal of Sociology, Nr. 78, 1360 - 1380.

Granovetters Argument schließt nicht aus, daß auch starke Beziehungen eine wichtige Rolle im sozialen Leben spielen können. Aber er kann mit einer Reihe von plausiblen Beispielen nachweisen, daß starke Beziehungen ein Gesamtnetz fragmentieren, während schwache Beziehungen Brücken zwischen ansonsten unverbundenen Teilen des Gesamtnetzes bilden und dadurch die Erfolgschancen des Handelns der Akteure erhöhen.
Anmerkungen

Die eigentliche Quelle wird nicht genannt.

Sichter
(162.220.59.66) Schumann


[4.] Mhg/Fragment 077 17 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-02-13 22:13:54 [[Benutzer:|]]
Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Schweizer 1996, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
162.220.59.66
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 77, Zeilen: 17-37
Quelle: Schweizer 1996
Seite(n): 121, 122, Zeilen: 121: 8 ff.; 122: 1 ff.
Ronald Burt greift 1992 Granovetters Argumente auf und erarbeitet eine neue Systematisierung. Seine Überlegungen setzten [sic] beim Wettbewerb von Unternehmen an, die mit Finanz- und Humankapital ausgestattet sind , Kompetenzen, welche die Unternehmensangehörigen erlangt haben, und die sich im wesentlichen in ihrem sozialen Kapital unterscheiden. Dabei umfasst das soziale Kapital vor allem die geschäftlichen Kontakte, aber auch alle übrigen sozialen Beziehungen, welche die Angehörigen der Unternehmen zur Außenwelt unterhalten und die ihnen ökonomische Vorteile bringen. Burt versucht nun herauszufinden, welche Bedingungen die Schöpfung und den Einsatz des sozialen Kapitals begünstigen. Bei seinen Überlegungen geht er davon aus, dass die „Players“ (Akteure) in ein soziales Netz eingebettet sind und dass dieses soziale Netz die eigentliche Ressource im Sinne des sozialen Kapitals darstellt (Burt 1992:13).

Das Ausmaß der sozialen Beziehungen als Ressource wird jedoch nicht allein aus den direkten (primären) Beziehungen bestimmt, sondern auch aus den indirekten (sekundären) Beziehungen, die unmittelbar von kontaktierenden Dritten ausgehen.

Die wichtigste Ressource, die den Geschäftserfolg bestimmt, ist die Information, d.h. der Zugang zur Information, die Schnelligkeit des Informationsflusses und die Vertrauenswürdigkeit (Referenz) der Information. Dafür sind große, weniger dichte sowie heterogene Netzwerke vorteilhafter als kleine, dichte und [homogene Netzwerke, in denen dieselbe Information nur multipliziert wird, da kaum neue Informationen hinzukommen (vgl. Burt 1992: 17).]


Burt, Ronald (1992) Structural Holes: The Social Structure of Competition. Cambridge.

[Seite 121]

In einer neuen theoretischen Arbeit greift R. Burt (1992) Granovetters Argumente auf und erarbeitet eine neue Systematisierung. Er entwickelt seine Überlegungen im Rahmen einer Theorie des Wettbewerbs von Unternehmen, die mit Finanzkapital und Humankapital (also Kompetenzen, die sich die Angehörigen eines Unternehmens erworben haben) ausgestattet sind und sich wesentlich im sozialen Kapital unterscheiden. Das soziale Kapital umfaßt vor allem die geschäftlichen Kontakte, aber auch alle übrigen sozialen Beziehungen, die die Angehörigen einer Firma zur Außenwelt unterhalten, und aus der sie ökonomische Vorteile gewinnen können. Burt versucht nun die Bedingungen zu ermitteln, die die Schöpfung und den Einsatz des sozialen Kapitals begünstigen, so daß ein Unternehmen, das ein gutes Produkt anbietet (wofür die finanzielle Ausstattung und das Humankapital entscheidend sind) im Wettbewerb günstig abschneidet und Kunden findet — was vom sozialen Kapital abhängt. [...] Hintergrund seiner Überlegungen ist zunächst einmal, daß die Akteure (von ihm „players“ genannt) in ein soziales Netz eingebettet sind und daß dieses Netz eine Ressource im Sinne sozialen Kapitals darstellt (Burt 1992: 13): [...] Für das Ausmaß der sozialen Beziehungen als Ressource sind nicht allein die direkten („primären“) Kontakte eines Akteurs entscheidend, sondern auch die indirekten („sekundären“) Beziehungen, die von unmittelbar kontaktierten Dritten ausgehen. [...] Die wichtigste Ressource, auf die es im Geschäftsleben ankommt, ist Information. Zugang zu Informationen (überhaupt zu wissen, welche Entscheidungen und Projekte anstehen), Schnelligkeit des In-

[Seite 122]

formationsflusses (früher davon zu erfahren als Konkurrenten) und Vertrauenswürdigkeit der Information (wie verläßlich ist die Informationsquelle?) bestimmen den Geschäftserfolg. Unter diesem Informationsaspekt sind große und dadurch automatisch weniger dichte sowie heterogene („diverse“) Netzwerke vorteilhafter als kleine, dichte und dadurch homogene Netzwerke, weil in letzteren dieselbe Information lediglich multipliziert wird, ohne daß neue Information hinzutritt, wie das in großen und heterogenen Netzwerken der Fall sein wird (Burt 1992: 17): [...]


Burt, R.S.
[...]
1992 Structural holes: The social structure of competition. Cambridge, MA: Harvard U.P.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.

Die in beiden Texten referenzierte Quelle Burt (1992) ist ein englischsprachiger Text. Es fällt auf, dass die Übersetzung ins Deutsche teilweise wörtlich gleich ist.

Starke Parallelen gibt es auch mit Barth et al (2003), siehe Fragment 077 18. Es kann zwar nicht ausgeschlossen werden, dass diese Quelle hier als Vorlage diente; da sich die Parallelen mit Schweizer aber auch auf der folgenden Seite sehr umfangreich fortsetzen, wird Schweizer als eigentliche Quelle angenommen.

Fortsetzung in Fragment 078 01.

Sichter
(162.220.59.66) Schumann


[5.] Mhg/Fragment 078 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-02-13 18:13:35 [[Benutzer:|]]
Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Schweizer 1996, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
162.220.59.66
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 78, Zeilen: 1-17, 23-31, 101-102
Quelle: Schweizer 1996
Seite(n): 122, 123, 125, 126, Zeilen: 122: 3 ff.; 123: 24 ff.; 125: 37 ff., 126: 1 ff.
[Dafür sind große, weniger dichte sowie heterogene Netzwerke vorteilhafter als kleine, dichte und] homogene Netzwerke, in denen dieselbe Information nur multipliziert wird, da kaum neue Informationen hinzukommen (vgl. Burt 1992: 17).

Entscheidend ist nicht nur die Menge der Beziehungen, die Akteure aufbauen, sondern auch die Unterschiedlichkeit der Beziehungen. Die Kontakte, vor allem die direkten Beziehungen sollten daher nicht-redundant sein. Den zentralen Begriff in Burts Theorie - die „strukturellen Löcher“ (structural holes) - definiert er als die Lücken in einem Gesamtnetz, die durch nicht-redundante Beziehungen geschlossen werden. Unter dem Aspekt der Informationsgewinnung sollten nach Burt die Akteure ihre Netzwerke so aufbauen, dass die Zahl der nicht-redundanten Kontakte möglichst hoch ist, um damit ganz unterschiedliche Bereiche des Gesamtnetzwerkes zu erreichen. Dadurch werden viele strukturelle Löcher überbrückt und unterschiedliche Informationsquellen erschlossen. Die nicht-redundanten Beziehungen sind identisch mit den Brückenbeziehungen von Granovetter. Im Gegensatz zu Granovetter kommt es für Burt aber nicht so sehr darauf an, ob eine Beziehung stark oder schwach ist, sondern ob sie nicht-redundant ist und damit ein strukturelles Loch überbrückt (vgl. Burt 1992: 25-30).

[...]

Im nächsten Schritt analysiert Burt, wie es von der Informationsbeschaffung zur Handlung kommt, d.h. der Kontrolle von Ereignissen durch die Akteure, die aufgrund der effizienten Netzwerke Informationsvorteile genießen und diese Gelegenheiten benutzen wollen. Dadurch, dass Akteure, die strukturelle Löcher überbrücken, unterschiedliche soziale Welten in Zusammenhang bringen, können sie oft die Rolle des „lachenden Dritten“24 einnehmen, denn durch ihre Positionen am Schnittpunkt sonst unverbundener sozialer Kreise können sie reichhaltige unternehmerische Gelegenheiten erkennen und zum Geschäftserfolg ummünzen.


24 Die Idee des „lachenden Dritten“ oder tertius gaudens entwickelt Burt in Anlehnung an die Überlegungen von G. Simmel (1908: 82 ff.).


Burt, Ronald (1992) Structural Holes: The Social Structure of Competition. Cambridge.
Simmel, Georg (1908) Soziologie. Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung. Berlin.

[Seite 122]

Unter diesem Informationsaspekt sind große und dadurch automatisch weniger dichte sowie heterogene („diverse“) Netzwerke vorteilhafter als kleine, dichte und dadurch homogene Netzwerke, weil in letzteren dieselbe Information lediglich multipliziert wird, ohne daß neue Information hinzutritt, wie das in großen und heterogenen Netzwerken der Fall sein wird (Burt 1992: 17): [...]

Nicht die bloße Menge der Beziehungen, die ein Akteur aufbaut, ist also entscheidend, sondern zusätzlich die Unterschiedlichkeit der Beziehungen. Die (direkten) Kontakte sollten daher nicht-redundant sein. [...] Den für Burts Theorie zentralen Begriff des strukturellen Lochs („structural hole“) definiert er nun als die Lücke in einem Gesamtnetz, die durch nicht-redundante Beziehungen geschlossen wird (Burt 1992: 18): [...] Unter dem Gesichtspunkt der optimalen Informationsgewinnung sollten Akteure ihre Netzwerke so aufbauen, daß die Zahl der nicht-redundanten Kontakte möglichst hoch ist und dadurch ganz unterschiedliche Bereiche des Gesamtnetzwerks erreicht werden. Durch diese Strategie werden viele strukturelle Löcher überbrückt und ganz unterschiedliche Informationsquellen erschlossen.

[Seite 123]

An dieser Stelle schlägt Burt (S. 25-30) auch den Bogen zu Granovetters Theorie der schwachen Beziehungen. In Burts Sicht sind es nicht die schwachen Beziehungen an sich, die ein Gesamtnetz integrieren, sondern die Brückenbeziehungen [...] Es kommt daher nicht so sehr darauf an, ob eine Beziehung stark oder schwach ist, sondern ob sie nicht-redundant ist und damit ein strukturelles Loch überbrückt.

[Seite 125]

In einer weiteren Stufe seiner Theoriebildung analysiert Burt den Schritt von der Informationsbeschaffung zur Handlung, nämlich der Kontrolle von Ereignissen durch jene Akteure, die aufgrund effizienter Netzwerke Informationsvorteile genießen und diese Gelegenheiten nun nutzen wollen. Akteure, die strukturelle Löcher überbrücken, bringen unterschiedliche soziale Welten in Zusammenhang und können oft die Rolle des „lachenden Dritten“ (tertius gaudens) einnehmen, weil ihre Position am Schnittpunkt ansonsten unverbundener sozialer Kreise reiche unter-

[Seite 126]

nehmerische Gelegenheiten erkennen läßt, die sie in Geschäftserfolge ummünzen können. [...] Mit der Position des lachenden Dritten sind folglich Kontrollvorteile verbunden, weil solche Akteure zwischen unterschiedlichen Interessen vermitteln können, wie Burt (S. 30-34) im Anschluß an Überlegungen von G. Simmel (1958 [1908]: 82-94) über tertius gaudens und divide et impera ausführt.


Burt, R.S.
[...]
1992 Structural holes: The social structure of competition. Cambridge, MA: Harvard U.P.
Simmel, G.
1958 [1908] Soziologie. 4. Aufl. Berlin: Duncker & Humblot.

Anmerkungen

Fortsetzung von Fragment 077 17.

Ein Hinweis auf S. 127 der eigentlichen Quelle erfolgt erst im folgenden Absatz auf S. 79, weshalb eine Kategorisierung als "Verschleierung" angemessen erscheint.

Parallelen gibt es für den von der Vorseite übergehenden ersten Absatz auch mit Barth et al (2003), siehe Fragment 078 01b. Es kann zwar nicht ausgeschlossen werden, dass diese Quelle hier als Vorlage diente; da sich die Parallelen mit Schweizer dann aber deutlich umfangreicher fortsetzen, wird Schweizer als eigentliche Quelle angenommen.

Sichter
(162.220.59.66) Schumann


[6.] Mhg/Fragment 078 33 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-03-30 12:26:36 [[Benutzer:|]]
Fragment, Gesichtet, KeineWertung, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel, Schweizer 1996

Typus
KeineWertung
Bearbeiter
162.220.59.66
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 78, Zeilen: 33-38
Quelle: Schweizer 1996
Seite(n): 126, 127, Zeilen: 126: 38 f.; 127: 1 ff.
Außer den primären Kontakten, die ein rational handelnder Akteur im Sinne von Burt als nicht-redundanten [sic] organisiert, können auch die indirekten Beziehungen strukturelle Löcher aufweisen, sogenannte „secondary holes“. Daher ist es für den lachenden Dritten von Vorteil, wenn auch seine primären Beziehungen in strukturelle Löcher zweiter Ordnung involviert sind, da er dann auch die primären Kontakte [gegeneinander ausspielen kann (vgl. Schweizer 1996: 127).]

Schweizer, Thomas (1996) Muster sozialer Ordnung. Netzwerkanalyse als Fundament der Sozialethnologie. Berlin.

[Seite 126]

Neben den primären Kontakten, die ein im Sinne der Burtschen Theorie struktureller Löcher handelnder rationaler Akteur

[Seite 127]

nicht-redundant ausrichtet, können die indirekten Beziehungen ihrerseits strukturelle Löcher zweiter Ordnung („secondary [structural] holes“) enthalten. Es ist für den lachenden Dritten vorteilhaft, wenn seine primären Kontakte ihrerseits in strukturelle Löcher zweiter Ordnung verwoben sind, weil er dann mehrere Primärkontakte gegeneinander ausspielen kann.

Anmerkungen

Die Verf.in verweist lediglich zum Vergleich auf S. 127 der Quelle, übernimmt deren Ausführungen aber mehr oder weniger wörtlich – es gibt somit nichts zu vergleichen. Darüber hinaus beginnt der übernommene Text bereits auf S. 126.

Dennoch konservativ unter "keine Wertung" kategorisiert.

Fortsetzung in Fragment 079 01 als "Bauernopfer".

Sichter
(162.220.59.66) Schumann


[7.] Mhg/Fragment 079 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-02-13 23:08:31 [[Benutzer:|]]
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Schweizer 1996

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
162.220.59.66
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 79, Zeilen: 1-10, 19-20
Quelle: Schweizer 1996
Seite(n): 127, 128, Zeilen: 127: 6 ff., 28 ff.; 128: 6 f.
Wären die primären Kontakte Bestandteil eines Clusters starker Beziehungen [sic] sind sie schlechter gegeneinander ausspielbar. Das bedeutet, dass die primären Kontakte des lachenden Dritten in strukturelle Löcher eingebettet, mit anderen Worten ersetzbar sein sollten, während er selbst von keinem strukturellen Loch [sic] sondern von starken Beziehungen umgeben sein müsste, damit er nicht selbst ersetzt werden kann. Damit wird die Widersprüchlichkeit deutlich, die dazu führt, dass im realen Leben die Netzwerke der meisten Akteure sowohl starke als auch schwache Beziehungen aufweisen. Beide Beziehungstypen besitzen einen gewissen Vorteil, den der andere Beziehungstyp nicht aufweist. [Die starken Beziehungen führen zur „Vertrauensbildung im intimen Kreis“, bilden also einen direkten Schutz, und die schwachen Beziehungen schaffen den Kontakt zur Außenwelt mit ihren Informationen, „die im intimen Kreis nicht bekannt sind“ (Schweizer 1996: 127).] [...] Mit dem Grad der strukturellen Autonomie eines Akteurs ist ein Anstieg seines sozialen Kapitals verbunden (vgl. Burt 1992:49).

Burt, Ronald (1992) Structural Holes: The Social Structure of Competition. Cambridge.
Schweizer, Thomas (1996) Muster sozialer Ordnung. Netzwerkanalyse als Fundament der Sozialethnologie. Berlin.

[Seite 127]

Sind diese hingegen in ein Cluster starker Beziehungen eingewoben, dann können sie schlechter gegeneinander ausgespielt werden und ihrerseits Druck auf den Netzwerk-„Unternehmer“ ausüben. Die von dem lachenden Dritten zu beherrschenden Kontakte sollten daher in strukturelle Löcher eingebettet und damit ersetzbar sein, während er selbst von keinem strukturellen Loch, sondern von starken Beziehungen umgeben sein sollte, damit die Verhandlungspartner ihn nicht ihrerseits ersetzen können. [...] Diese Paradoxie macht vielleicht deutlich, warum im sozialen Leben beide Strategien vorkommen und die meisten Menschen ein aus starken und schwachen Beziehungen gemischtes soziales Umfeld aufweisen. Beide Beziehungstypen besitzen nämlich jeweils einen gewissen, von dem anderen Typ nicht geteilten Vorteil: [einerseits die Herausbildung starker sozialer Beziehungen zum unmittelbaren Schutz, zur Vertrauensbildung im intimen Kreis, und andererseits die Strategie zur Anbahnung schwacher Kontakte, um über die Außenwelt Informationen zu erhalten, die im intimen Kreis nicht bekannt sind.] [...]

[Seite 128]

Das soziale Kapital eines Akteurs steigt folglich mit dem Grad seiner strukturellen Autonomie (Burt 1992: 49): [...]


Burt, R.S.
 [...]
 1992 Structural holes: The social structure of competition. Cambridge, MA: Harvard U.P.

Anmerkungen

Fortsetzung von Fragment 078 33.

Die Verf.in nennt die Quelle, macht aber nicht deutlich, dass nicht nur der als Zitat kenntlich gemachte, sondern der gesamte Text sinngemäß aus dieser übernommen wurde.

Der in eckige Klammern gesetzte Satz (dem weitere ähnlich strukturierte Sätze folgen) geht nicht in die Zeilenzählung mit ein.

An dieses Fragment schließt sich direkt im nächsten Absatz mit Fragment 079 21 eine Verschleierung aus derselben Quelle an.

Sichter
(162.220.59.66) Schumann


[8.] Mhg/Fragment 079 21 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-02-13 23:12:23 [[Benutzer:|]]
Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Schweizer 1996, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
162.220.59.66
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 79, Zeilen: 21-31
Quelle: Schweizer 1996
Seite(n): 129, 130, Zeilen: 129: 39 ff.; 130: 1 ff.
Granovetter und Burt verdeutlichen, dass die alleinige Betrachtung der starken sozialen Beziehungen für die strukturelle Erklärung des Handelns der Akteure mit Hilfe von Netzwerkeigenschaften nicht ausreicht. Granovetter zeigt, dass die schwachen Beziehungen für die Integration der Individuen in das Gesamtnetzwerk und ihre Handlungsoptionen wichtiger sind als die starken Beziehungen, in die sie zusätzlich eingebettet sind. Burt betrachtet vordergründig die nicht-redundanten Beziehungen, welche strukturelle Löcher überbrücken, und macht sie zum zentralen Gegenstand für die Erklärung der Informations- und Kontrollvorteile und die damit zusammenhängenden Handlungsvorteile für die lachenden Dritten, die sich an den Bruchstellen des Gesamtnetzwerkes befinden. [Seite 129]

Granovetter und Burt machen beide darauf aufmerksam, daß strukturelle Erklärungen des Handelns der Akteure mit Hilfe von Netzwerkeigenschaften zu kurz greifen, wenn sie nur die starken sozialen Beziehungen ins Auge fassen. Granovetter lenkt den Blick auf die

[Seite 130]

schwachen Beziehungen, die für die Integration der Akteure in das Gesamtnetz und ihre Handlungschancen wichtiger sind als die starken Beziehungen, in die sie zusätzlich eingebettet sind. Burt stellt die nicht-redundanten Beziehungen, die strukturelle Löcher überbrücken, ins Zentrum seiner Erklärung der Informations- und Kontrollvorteile und der dadurch begünstigten Handlungsmöglichkeiten, die die lachenden Dritten an diesen Bruchstellen des Gesamtnetzwerks genießen.

Anmerkungen

Fortsetzung von Fragment 079 01 in einem neuen Absatz.

Kein Hinweis auf die Quelle.

Sichter
(162.220.59.66) Schumann


[9.] Mhg/Fragment 080 20 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-02-01 16:56:29 [[Benutzer:|]]
Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Schweizer 1996, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 80, Zeilen: 20-38
Quelle: Schweizer 1996
Seite(n): 130, Zeilen: 8 ff.
3.3.3 Identität und Kontrolle oder die Bedeutung von Kognitionen für die Muster sozialer Beziehungen

Durch die neuen Arbeiten von Harrison C. White (1992) wurde die rein strukturelle Perspektive der Netzwerktheorie, die sich vor allem für die Muster sozialer Beziehungen interessierte, durch die Einbeziehung der Kognitionen der Akteure erweitert. In seiner komplexen Theorie, erschienen in „Identity and Control“ (1992), findet White zwei miteinander in Zusammenhang stehende grundlegende Momente des sozialen Lebens: Identität und Kontrolle. Identität hat ihre Quelle und Basis in Chaos und Missgeschicken und wird durch Zufälligkeiten ausgelöst. Sie entsteht am Schnittpunkt bio-physischer und sozialer Gegebenheiten, um in das Chaos des Lebens mit Hilfe von sinnhaften Handlungen eine Ordnung zu bringen. „...Identity is any source of action not explicable from biophysical regularities, and to which observers can attribute meaning“ (White 1992: 6). Identität ist somit eine gewisse äußerlich wahrnehmbare Stabilität von Akteuren im Zeitablauf. Kontrolle dient zu Herstellung von Ordnung und zur Wahrung der Identität. „Control is both anticipation of and response to eruptions in environing process“ (White 1992: 9). Durch Eventualitäten und die Versuche anderer Identitäten, Kontrolle zu erlangen, entstehen immer wieder neue, die Identität störende oder auch stiftende Situationen. „Control efforts are responses by identities [to endless stochastic contingencies, to which others’ control efforts should be added“ (White 1992: 10).]

Identität und Kontrolle als Grundmomente des sozialen Lebens

Die Verschiebung der Netzwerktheorie von einer rein strukturellen Perspektive, die sich nur für das Muster sozialer Beziehungen interessiert zu einer reicheren Sicht, die auch die Kognitionen der Akteure in die Betrachtung einbezieht, wird durch die neueren Arbeiten von Harrison White (1992, 1993, 1995) eingeleitet. Am Beispiel der komplexen Theorieskizzen, die er in seinem Buch „Identity and Control“ (1992) entwickelt, möchte ich diese theoretische Wende verdeutlichen. In dieser Arbeit macht White zwei miteinander verbundene Grundmomente des sozialen Lebens zum Gegenstand seiner Theoriebildung: Identität und Kontrolle. Identität entsteht am Schnittpunkt physisch/ biotischer und sozialer Gegebenheiten, wenn ein einzelnes Individuum oder eine Menge von Individuen versuchen, im Fluß des oftmals chaotisch ablaufenden Lebens mit sinnhaften Handlungen Ordnung herzustellen: „... identity is any source of action not explicable from biophysical regularities, and to which observers can attribute meaning.“ (S. 6). Identität bedeutet also eine gewisse von außen wahrnehmbare Stabilität eines Akteurs im Zeitablauf. Kontrolle ist der Versuch, Ordnung herzustellen und damit Identität zu bewahren: „Control is both anticipation of and response to eruptions in environing process.“ (S. 9). Da aber allein durch Zufälle und die Kontrollversuche anderer Identitäten immer wieder neue identitätsstörende und identitätsstiftende Situationen entstehen, läßt sich sagen (S. 10): „Control efforts are responses by identities to endless stochastic contingencies, to which others’ control efforts should be added.“

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle. Auch die White-Zitate werden mitübernommen.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann


[10.] Mhg/Fragment 081 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-02-10 14:32:34 [[Benutzer:|]]
Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Schweizer 1996, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
162.220.59.66
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 81, Zeilen: 1-12, 22-37
Quelle: Schweizer 1996
Seite(n): 130, 131, 132, Zeilen: 130: 31 ff.; 131: 1 ff., 28 ff.; 132: 1 ff.
[„Control efforts are responses by identities] to endless stochastic contingencies, to which others’ control efforts should be added“ (White 1992: 10). Das soziale Leben wird charakterisiert als eine Mischung aus Normalität und improvisiertem erkennbarem Chaos (White 1992 :4).
„Students are correct when they perceive their social world both as improvisation in the midst of chaos, and as a set of smooth social stories shared with others. Social Science should seek principles of social process which account for chaos and normality together“ (White 1992: 4).

Durch die Handlungen vieler Individuen, die durch die Kontrolle von Ereignissen und anderen Akteuren ihre Identität erzeugen und bewahren wollen, entstehen zu einen gewählten Zeitpunkt bestimmte soziale Organisationen. Soziale Organisationen stellen den Rahmen für die Handlungen von sozialen Akteuren dar, sie können aber auch das Ergebnis sozialer Handlungen sein. [So schreibt White in seiner Begriffsübersicht:

„Social organizations, as distinguished from social structure, is the main object for theorizing. The two primitives of the theory are identities and control, the former being triggered, identities seek control and continue to seek it, first here and than there, while several other identities in contact with any given identity are doing the same. Social organizations is both means and bar to control. The concrete physical and biological settings in which actions occur are crucial. It is thus outcomes of contentions among identities which is what cumulates into social organizations.“ (White 1992: 16).]

Die formale Struktur der sozialen Organisationen vergleicht White mit Polymeren aus der Physik bzw. Chemie (White 1992: 342). So verschwimmen und mischen sich die „levels of social organizations, such as societies and organizations and families [...] into an inhomogeneous gel“ (White 1992: 12).

In einem weiteren Schritt (Kapitel 7 seines Buches) differenziert er die räumliche Ausbreitung und soziale Streuung von Identitätsmustern und unterscheidet dabei vier Formen der Identität:

I. Identität als grundlegendes Verhaltensmuster in einem sozialen Kontext. Dazu führt White das Beispiel eines Kindes an, dass [sic] neu auf dem Spielplatz ist und dort seinen sozialen Platz finden will: „For example, a new child on a playground has an overriding need to find some sort of stable social footing so that he or she can know to act in an otherwise chaotic world“ (White 1992:312).

II. Die zweite Form der Identität ist [sic] das Gesicht in einer sozialen Gruppe zu wahren. Die Form der Identität wird durch soziale Disziplinierung erreicht.


White, Harrison C. (1992) Identity and Control. A Structral [sic] Theory of Social Aktion [sic]. Princeton.

[Seite 130]

„Control efforts are responses by identities to endless stochastic contingencies, to which others’ control efforts should be added.“ Relative Normalität einerseits, [sic] und Improvisationen sowie Chaos andererseits sind beide charakteristisch für den Ablauf des sozialen Lebens (S. 4): „Students are correct when they perceive their social world both as improvisation in the midst of Chaos, and as a set of smooth

[Seite 131]

social stories shared with others. Social science should seek principles of social process which account for chaos and normality together.“

Das Ergebnis der Handlungen vieler Akteure, die durch Kontrolle von Ereignissen und anderer Akteure ihre Identität herstellen und bewahren wollen, ist eine bestimmte soziale Organisation (mit einer gewissen Struktur zu einem gewählten Zeitpunkt). Die Akteure sind von einer soziale Organisation umgeben, die folglich der [sic] Rahmen für ihre Handlungen darstellt, aber auch eben Ergebnis der Handlungen sein kann (vgl. zu diesem Zusammenhang die Überlegungen in Kapitel 2 und 3 im Anschluß an die Theorie des rationalen Handelns): „Social organization is both means and bar to control. The concrete physical and biological settings in which actions occur are crucial. It is thus the outcomes of contentions among identities which is what cumulates into social organization.“ (S. 16). Die durch das Handeln der Akteure erzeugten Muster sozialer Beziehungen, die „soziale Organisation“ in seiner Terminologie, vergleicht White (S. 12, 342-5) in ihrer formalen Struktur mit Polymerverbindungen aus der Chemie und Festkörperphysik. Entsprechend gilt, daß (S. 12) „... levels of social organization, such as cities and organizations and families ... mix and blur into an inhomogeneous gel.“ [...]

In weiteren Schritten seiner Theorieskizze hebt White vor allem auf die Ausbreitung und Zerstreuung (dispersion) von Identitätsmustern in räumlicher und sozialer Hinsicht ab und unterscheidet nach dem Grad ihres zunehmenden Umfangs vier verschiedene Identitätsformen (S. 312-4): (1) Identität als elementares Handlungsmuster in einem bestimmten sozialen Kontext, wie das für ein neues Kind auf dem Spielplatz typisch ist, das dort seinen physischen und sozialen Platz finden möchte: „For example‚ a new child on a playground has an overriding need to find

[Seite 132]

some sort of stable social footing so that he or she can know how to act in an otherwise chaotic world.“ (S. 312). (2) Identität als Gesichthaben und Gesichtbewahren in einer sozialen Gruppe, deren Handlungsmuster durch soziale Disziplinierung erlernt wird [...]

Anmerkungen

Fortsetzung von Fragment 080 20.

Die eigentliche Quelle wird nicht genannt.

Bei der Übernahme der wörtlichen White-Zitate kommt es zu mehreren Übertragungsfehlern, dadurch wird etwa "cities" zu "societies".

Da die Verf.in das in der Quelle angeführte White-Zitat von S. 16 erweitert, geht es nicht in die Zeilenzählung mit ein.

Fortsetzung in Fragment 082 05.

Sichter
(162.220.59.66) Schumann


[11.] Mhg/Fragment 082 05 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-02-11 22:46:38 [[Benutzer:|]]
Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Schweizer 1996, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
162.220.59.66
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 82, Zeilen: 5-6, 14-21, 101-106, 108-112
Quelle: Schweizer 1996
Seite(n): 132, Zeilen: 6 ff.
III. Dadurch, dass ein Akteur verschiedenen sozialen Kontexten angehört, kann er Fehler machen und es können Spannungen entstehen. [Dabei entsteht die dritte Identität, die auf den ersten zwei Identitäten aufbaut, und die White als die typische menschliche Wahrnehmung ansieht.25 White sieht diese Form der Identität als vordringlich an, denn durch die Konfrontation mit Problemen und Widersprüchen der sozialen Welt wird der Selbsterkennungsprozess gefordert. Bereits Kinder treffen auf solche Widersprüche im sozialen Leben, da auch sie in unterschiedlichen Kontexten agieren und dabei Fehler und Irrtümer begehen.] So unterscheiden sich beispielsweise die Handlungsmuster zwischen dem Spielplatz und dem Elternhaus.26

IV. Die vierte Form der Identität ist die erzählte Biographie oder Lebensgeschichte, die in einer sozialen Organisation verbreitet wird. Die biographischen Erzählungen, die innerhalb einer Gemeinschaft erzeugt und verbreitet werden, fuhren zu einer Abgrenzung der Mitglieder der Gemeinschaft nach Außen und zur Herausbildung von Gemeinsamkeiten bei den Gemeinschaftsmitgliedern27


25 “There is an additional, a third, and distinctively human sense of identity, which builds upon the first two. This identity front [sic] frictions and errors across different social settings and disciplines. This third sense of identity arises from the central fact of human social organizations [sic]: Whenever and wherever social organization has been observed, each human is more [sic] than one continuing discipline, [10 Wörter fehlen] in each of several distinct realms, such as family and village, and job and secret society, so that actions and thence selves crosscut these realms. [Human lives are not lived in a single pack or band but rather are mixed in with different bands in different realms”] (White 1992: 313).
26 “The child on the playground above may pick up a new way of wearing (or tearing) its clothes as being the proper thing (an aspect of the second meaning of identity). But then the child finds, upon arriving home, that peer-proper is not family-proper. Such contradictions - all the screwups, mistakes, errors, and social noise - in life are just what brings about identity in this third sense, achieved even as a child” (White 1992: 314).
27
[„One can speak of a fourth layer identity, a sense which is close to what is usually meant by identity in ordinary talk. This identity has more-or-less coherent accounts, as biography. This is identity after the fact as presented in accounts which may become woven into some unique narrative story. More commonly, however, such accounts are built from and stored in sets of stories and story lines. These sets are standard, and are held in common within some [Zeile 17 von Seite 314 fehlt] their incidence provides a way to map boundaries within social worlds. These sets of stories are the stuff of daily socializing, they are used in daily reconstructions by interpretation of selves and a [sic] social organization” (White 1992: 314).]


White, Harrison C. (1992) Identity and Control. A Structral [sic] Theory of Social Aktion [sic]. Princeton.

(3) Identität, die durch Spannungen und Fehler aufgrund der Zugehörigkeit eines Akteurs zu verschiedenen sozialen Kontexten entsteht und ein typisch menschliches Produkt darstellt (S. 313):
There is an additional‚ a third, and distinctively human sense of identity, which builds upon the first two. This is identity from frictions and errors across different social settings and disciplines. This third sense of identity arises from the central fact of human social organization: Whenever and wherever social organization has been observed, each human is in more than one continuing discipline, more than one social molecule. That is, each human participates‚ in each of several distinct realms, such as family and village, and job and secret society, so that actions and thence selves crosscut these realms.“

Diese „Widersprüche“ des sozialen Lebens treffen bereits Kinder, wenn die auf dem Spielplatz oder in der Schule erlernten Handlungsmuster (einschließlich der Sprache) nicht den Gepflogenheiten im Elternhaus entsprechen und dieser Unterschied Identität stiftet (S. 314):

„The child on the playground above may pick up a new way of wearing (or tearing) its clothes as being the proper thing (an aspect of the second meaning of identity). But then the child finds, upon arriving home, that peer-proper is not family-proper. Such contradictions — all the screwups, mistakes, errors, and social noise — in life are just what brings about identity in this third sense, achieved even as a child.“

(4) Die letzte von White unterschiedene Bedeutung von Identität entspricht einer Lebensgeschichte, die in einer oder mehreren Erzählungen („stories“) in einer sozialen Gemeinschaft verbreitet wird. Innerhalb der Gemeinschaft erzeugen diese biographischen Erzählungen Gemeinsamkeiten und nach außen, zu den nicht der Gemeinschaft Angehörigen, die die Geschichten nicht kennen, werden gleichzeitig Grenzen gezogen (S. 314): „Indeed their [der Geschichten] incidence provides a way to map boundaries within social worlds. These sets of stories are the stuff of daily socializing, they are used in daily reconstruction [sic] of [sic] interpretations [sic] of selves and [of] social organization.“

Anmerkungen

Fortsetzung der von Schweizer übernommenen White-Rezeption aus Fragment 081 01.

Die eigentliche Quelle, aus der mit Variationen übernommen wird, wird nicht genannt.

Das von der Verf.in in Fn. 25 wiedergegebene White-Zitat entspricht nicht dem engl. Original; der letzte Satz dieses Zitats, den sie selbstständig ergänzt, geht ebenso wie die anderen in eckige Klammern gesetzten Sätze nicht in die Zeilenzählung mit ein.

(Der letzte Satz des Zitats in Fn. 27 geht nicht in sie mit ein, weil es – wenn auch fehlerhaft – wesentlich erweitert wurde.)

Fortsetzung in Fragment 083 01.

Sichter
(162.220.59.66) Schumann


[12.] Mhg/Fragment 083 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-02-09 21:56:47 [[Benutzer:|]]
Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Schweizer 1996, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
162.220.59.66
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 83, Zeilen: 1-3, 10-12
Quelle: Schweizer 1996
Seite(n): 133, Zeilen: 1 ff.
White sieht die Sinnvorstellungen der Akteure als gleichberechtigt neben den sozialen Strukturen an. So schreibt er auf Seite 17 seines Werkes zum Zusammenhalt von sozialen Beziehungen und den sinnstiftenden Erzählungen:
[„Ties are held together to constitute a network through the vehicle of stories, singly and in story-sets“ (White 1992: 17) und später erweitert er
„As such reports accumulate, with invocations of other ties, they fall into patterns perceived as stories. A tie becomes constituted with story which defines a social time by its narrative of ties. A social network is a network of meanings[...]“ (White 1992: 67).]

Multiple soziale Netzwerke, die mehrere soziale Beziehungen verknüpfen und dadurch meist auch mehrere soziale Kontexte, sind wichtig für die Strukturierung und Ausübung sozialer Kontrolle.


White, Harrison C. (1992) Identity and Control. A Structral [sic] Theory of Social Aktion [sic]. Princeton.

Soziale Netzwerke — vor allem multiple Netzwerke, die mehrere soziale Beziehungen vereinen und dadurch ggf. mehrere soziale Kontexte verknüpfen — spielen eine wichtige Rolle bei der Strukturierung und Ausübung sozialer Kontrolle und werden von White eingehend in seinen Fallschilderungen berücksichtigt. Es dürfte jedoch deutlich geworden sein, daß White neben den sozialen Strukturen gleichberechtigt kulturelle Bedeutungen, d.h. die Sinnvorstellungen der Akteure und Beobachter in Betracht zieht. So schreibt er z.B. zum engen Zusammenhalt von sozialen Beziehungen (ties), die sich zu Netzwerken fügen, und den sinnstiftenden Erzählungen (S. 17): „Ties are held together to constitute a network through the vehicle of stories ...“ (Hervorhebungen im Original). (S. 67): „A social network is a network of meanings...“.
Anmerkungen

Die eigentliche Quelle wird nicht genannt.

In der Zeilenzählung unberücksichtigt bleiben die beiden in eckige Klammern gesetzten White-Zitate, da die Verf.in sie anscheinend selbstständig erweitert.

Sichter
(162.220.59.66) Schumann


[13.] Mhg/Fragment 084 12 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-02-15 13:15:47 [[Benutzer:|]]
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Schweizer 1996

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
162.220.59.66
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 84, Zeilen: 12-16, 101
Quelle: Schweizer 1996
Seite(n): 133, Zeilen: 5 ff., 17 ff.
Es sollte deutlich geworden sein, dass White soziale Strukturen und kulturelle Bedeutungen28 gleichberechtigt nebeneinander stellt. Der Inhalt der sozialen Beziehungen ist in der kulturellen Bedeutung bestimmter Sprachgemeinden verwurzelt. Diese gilt es nach White zu erfassen und deren Zusammenhang mit den Muster [sic] soziale [sic] Ordnung zu analysieren (vgl. Schweizer 1996: 133).

28 Damit sind die Sinnvorstellungen von Akteuren und Beobachtern gemeint


Schweizer, Thomas (1996) Muster sozialer Ordnung. Netzwerkanalyse als Fundament der Sozialethnologie. Berlin.

Es dürfte jedoch deutlich geworden sein, daß White neben den sozialen Strukturen gleichberechtigt kulturelle Bedeutungen, d.h. die Sinnvorstellungen der Akteure und Beobachter [sic] in Betracht zieht. [...] Der Inhalt der sozialen Beziehungen ist dann eine in einer bestimmten Sprachgemeinschaft verwurzelte kulturelle Bedeutung, die es zunächst zu erfassen gilt und deren Zusammenhang mit sozialen Organisationsmustern sodann zu analysieren ist.
Anmerkungen

Die Verf.in verweist lediglich zum Vergleich auf die Quelle, übernimmt deren Ausführungen aber mehr oder weniger wörtlich.

Aus Sprachgemeinschaften werden Sprachgemeinden.

Sichter
(162.220.59.66), SleepyHollow02


[14.] Mhg/Fragment 084 30 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-02-15 17:59:09 [[Benutzer:|]]
Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Schweizer 1996, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
162.220.59.66
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 84, Zeilen: 30-37
Quelle: Schweizer 1996
Seite(n): 133, 134, Zeilen: 133: 30 ff.; 134: 1
Die Überlegungen von White wurden hier dargelegt, weil sie den Hintergrund für die nachfolgenden Theorieversuche von Mustafa Emirbayer und Jeff Goodwin bilden, deren Überlegungen sich stärker auf die Netzwerkanalyse beziehen als bei Harrison White.

Die Theorie von Harrison White ist viel mehr [sic] ein groß angelegter Entwurf einer Netzwerktheorie [sic] der sehr abstrakt ist und oft eine eigene Sprache enthält. Trotz der vielen Beispielen [sic] aus der Ökonomie, Geschichtswissenschaft, Ethnologie und Soziologie fällt es nicht leicht, diese komplexe Theorie in einfacher [Form zusammenzufassen.]

[Seite 133]

In diesem Kapitel habe ich Whites Überlegungen als Hintergrund für die nachfolgenden Theorieversuche von Emirbayer und Goodwin (1994) vorgestellt, die enger als Whites großangelegter Entwurf auf die Netzwerkanalyse bezogen sind. Whites Theorie ist insgesamt sehr abstrakt; sie enthält ein eigenes Vokabular und wird an einer Vielzahl traditioneller und gegenwartsbezogener Fälle aus der Geschichtswissenschaft, Ethnologie, Soziologie und Ökonomie veranschaulicht. Sie sprengt den Rahmen dieses einführenden Theoriekapitels, denn ich sehe mich nicht in der Lage‚ Whites komplexen Entwurf auf eine einfache Weise zusammenzu-

[Seite 134]

fassen.


Emirbayer, M. und J. Goodwin
 1994 Network analysis, culture, and the problem of agency. American Journal of Sociology 99, 1411-54.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle. Die Reihenfolge der Wissensgebiete wird umgestellt, immerhin.

Fortsetzung in Fragment 085 01.

Sichter
(162.220.59.66), SleepyHollow02


[15.] Mhg/Fragment 085 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-02-14 15:17:25 [[Benutzer:|]]
Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Schweizer 1996, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
162.220.59.66
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 85, Zeilen: 1-10, 15-21, 101-110
Quelle: Schweizer 1996
Seite(n): 134, 135, Zeilen: 134: 1 ff., 17 ff., 23 ff., 28 ff.; 135: 1 ff.
Sie stellt eher einen theoretischen Orientierungsrahmen für untersuchungswerte Aspekte der Netzwerkperspektive dar, da meist nur einzelne soziale Phänomene charakterisiert und nur vereinzelt auch Hypothesen entwickelt werden.

3.3.4 Kognitionen, Handlungsspielräume und Netzwerkstruktur

Wie bereits erwähnt [sic] setzen Mustafa Emirbayer und Jeff Goodwin auf der Theorie von Harrison White auf und versuchen, die Beziehung zwischen sozialem Netzwerk, kulturellen Bedeutungssystemen und dem Handlungsspielraum der Akteure in geschichtlichen Abläufen zu erklären. Dazu werden die gängigsten Netzwerkansätze rekonstruiert und differenziert kritisiert29. [...]

Diese Kritik der Netzwerkforschung an der strukturellen Perspektive bezieht sich zunächst auf den bloßen Einsatz von Kategorien oder Variablen zur Erklärung sozialen Handelns. Emirbayer und Goodwin entwerfen dafür einen Gegenbegriff, nämlich den des „anticategorical imperative“ (Emirbayer & Goodwin 1994: 1414). Ihrer Meinung nach sollten für die Erklärung sozialen Verhaltens die tatsächlichen Muster sozialer Beziehungen analysiert werden und nicht mit den Einstellungen und Kategorien begonnen werden.


29 „Our argument is that while this new mode of structuralist inquiry – in all three of its versions – offers a more powerful way of describing social interaction than do other structural perspectives that focus solely on the categorical attributes of individual and collective actors, it has yet to provide a fully adequate explanatory model of [sic] the actual formation, reproduction, and transformation of social networks themselves. Network analysis all too often denies in practice the crucial notion that social structure, culture, and human agency presuppose one another; it either neglects or inadequately conceptualizes the crucial dimension of subjective meaning and motivation – including the normative commitments of actors – and thereby fails to show exactly how it is that international [sic], creative human action serves in part to constitute those very social networks that so powerfully constrain actors in turn.” (Emirbayer & Goodwin 1994: 1413).


Emirbayer, Mustafa/Godwin [sic], Jeff (1994) Network Analysis, Culture [sic] and the Problem of Agency. In: American Journal of Sociology, Nr. 99, 1411-1454.

[Seite 134]

Es drängt sich die Vermutung auf, daß White in diesem Buch lediglich einen Orientierungsrahmen vorstellt, der Hinweise auf untersuchenswerte Aspekte des Gegenstandsbereichs, aber keine echten Zusammenhangsbehauptungen enthält. In den einzelnen Kapiteln, die bestimmte soziale Phänomene charakterisieren, werden jedoch Hypothesen entwickelt. [...]

Netzstruktur, Kognitionen und Handlungsfreiheit

In einem weitausgreifenden theoretischen Essay bemühen sich M. Emirbayer und J. Goodwin (1994) darum, das Verhältnis zwischen sozialen Netzwerken, kulturellen Bedeutungssystemen und dem Handlungsspielraum der Akteure in historischen Abläufen zu klären. [...] Ihre Absicht ist, die impliziten Erklärungsansätze in der Netzwerkforschung zu rekonstruieren. [...] Ihre Analyse mündet in eine differenzierte Kritik bestimmter Varianten der Netzwerkforschung. Diese interne Kritik kommt in dem folgenden Zitat gut zum Ausdruck (Emirbayer und Goodwin 1994: 1413):

„Our argument is that while this new mode of structuralist inquiry [die Netzwerkanalyse] ... offers a more powerful way of describing social interation [sic] than do other structural perspectives that focus solely on the categorical attributes of individual and collective actors‚ it has yet to provide a fully adequate explanatory model for the actual formation, reproduction, and transformation of social networks them-

[Seite 135]

selves. Network analysis all too often denies in practice the crucial notion that social structure, culture, and human agency presuppose one another, it either neglects or inadequately conceptualizes the crucial dimension of subjective meaning and motivation — including the normative commitments of actors — and thereby fails to show exactly how it is that intentional‚ creative human action serves in part to constitute those very social networks that so powerfully constrain actors in turn.“

In dem Zitat ist zunächst die kritische Haltung der Netzwerkforschung zu kategorialen, d.h. variablenbezogenen Erklärungen des sozialen Handelns enthalten [...]. Dieser „anticategorical imperative“ (S. 1414) schlägt vor, daß man zur Erklärung des Verhaltens von Akteuren nicht bei Einstellungen und sozialen Kategorien wie Stand, Schicht, Lokalität beginnen soll, sondern statt dessen das tatsächliche Muster sozialer Beziehungen untersucht, in das die Akteure eingebettet sind und das deren Handeln prägt.


Emirbayer, M. und J. Goodwin
 1994 Network analysis, culture, and the problem of agency. American Journal of Sociology 99, 1411-54.

Anmerkungen

Fortsetzung von Fragment 084 30.

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle, aus der auch die Zwischenüberschrift 3.3.4 leicht variiert übernommen wird.

Das längere Zitat von Emirbayer und Goodwin wird nur unwesentlich ergänzt (bzw. korrigiert, wobei neue Fehler mit eingebaut werden) und geht daher in die Zeilenzählung mit ein.

Sichter
(162.220.59.66) Schumann


[16.] Mhg/Fragment 086 03 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-03-23 21:27:20 [[Benutzer:|]]
Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Schweizer 1996, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02, 23.95.97.29
Gesichtet
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Untersuchte Arbeit:
Seite: 86, Zeilen: 3-21, 29-36
Quelle: Schweizer 1996
Seite(n): 135, 136, 137, Zeilen: 135: 18 ff., 39 f.; 136: 1 ff.; 137: 4 ff.
Deshalb konzentriert sich die Netzwerkanalyse vorrangig auf die “constraining and enabling dimensions of pattern [sic] relationships among social actors within a system” (Emirbayer & Goodwin 1994: 1418).

So ist die Netzwerkanalyse in der Lage, wie es auch Elizabeth Bott in ihrer Studie gezeigt hat, die tiefer liegenden Beziehungsmuster, die das Handeln der Akteure beeinflussen, aufzuzeigen, und nicht durch Kategorien wie soziale Schicht oder Nachbarschaft die Arbeitsteilung in der Familie zu erklären.

Zunächst unterscheiden Emirbayer und Goodwin in Anlehnung an die Netzwerkliteratur (Burt 1982) zwei differenzierte Betrachtungsweisen. Die relationale Analyse und die positionale Analyse. Der relationale Ansatz betrachtet die direkte oder indirekte Verbundenheit der Akteure in einem Netzwerk.

„This approach explains certain behaviors or processes through the fact of social connectivity itself - as well as through the density, strength, symmetry, range, and so on, of the ties that bind. From this perspective, very strong, dense, and relatively isolated social networks facilitate the development of uniform “subcultures” and of strong collective identities [...]” (Emirbayer&Goodwin 1994: 1419).

Der Positionsansatz konzentriert sich bei seiner Betrachtung auf die Muster von vorhandenen und fehlenden Beziehungen in einem sozialen Netzwerk. Hier ist die strukturelle Äquivalenz der Akteure wichtig.

[...]

[Die [sic] positionale und der relationale Ansatz kommen in drei verschiedenen Erklärungsansätzen der Netzwerkforschung vor, die Emirbayer und Goodwin aus den Schriften und Fallstudien gegenwärtiger Netzwerkstudien rekonstruieren.]

„The first of these implicit models, that of structuralist determinism, neglects altogether the potential causal role of actors' beliefs, values, and normative commitments-or [sic], more generally, of the significance of cultural and political discourses in history. It neglects as well those historical configurations of action that shape and transform pregiven social structures in the first place. A second and more satisfactory-but [sic] still deeply problematic-approach [sic] is that of structuralist instrumentalism. Studies within this perspective accept the prominent role of social actors in history, but ultimately conceptualize their activity in narrowly utility-maximizing and in-[strumental forms.[...]” (Emirbayer und Goodwin 1994: 1425 Hervorhebungen im Original).]

Bott, Elisabeth [sic] (1971) Family and Social Networks [sic]. Roles, Norms and External Relationships in Ordinary Urban Families. London.

Burt, Ronald (1982) Toward a structural theory of action: Network models of a scoial [sic] structure, perceptions and action. New York.

Emirbayer, Mustafa/Godwin [sic], Jeff (1994) Network Analysis, Culture and the Problem of Agency. In: American Journal of Sociology, Nr. 99, 1411-1454.

[Seite 135]

Die im ersten Abschnitt dieses Kapitels besprochene Fallstudie von E. Bott (1957) begründet diesen Punkt, weil Bott darin nachweist, daß die Struktur des sozialen Netzwerks und nicht die sozialen Kategorien der sozialen Schicht oder bestimmter Nachbarschaften die häusliche Arbeitsteilung in den von ihr untersuchten Familien erklären. Die Netzwerkanalyse konzentriert sich folglich auf die „constraining and enabling dimensions of patterned relationships among social actors within a system“ (Emirbayer und Goodwin 1994: 1418, Hervorhebung im Original). [...] Auch meine Fallanalysen im Kapitel 3 versuchen, über die lokalen Kategorien der Herkunftsgebiete der !Kung und der javanischen Weiler hinaus die tieferen Beziehungsmuster aufzudecken, die das Handeln der Akteure prägen. [...]

Im ersten Schritt ihrer Untersuchung unterscheiden die beiden Autoren, im Anschluß an die übliche Differenzierung in der Netzwerklite-

[Seite 136]

ratur, zwei unterschiedliche Betrachtungsweisen von Netzwerken: einen relationalen und einen positionalen Ansatz (vgl. auch Kapitel 5). Der relationale Ansatz, der im ersten Abschnitt dieses Kapitels vorgestellt wurde, hebt ab auf die Verbundenheit der Akteure in einem Netzwerk und die aus enger Interaktion entstehende soziale Kohäsion (Emirbayer und Goodwin 1994: 1419):

„This approach explains certain behaviors or processes through the fact of social connectivity itself — as well as through the density, strength, symmetry, range, and so on, of the ties that bind. From this perspective, very strong, dense, and relatively isolated social networks facilitate the development of uniform ‘subcultures’ and of strong collective identities...“

Im Gegensatz dazu blickt der Positionsansatz [...] auf das Muster der vorhandenen und fehlenden sozialen Beziehungen in einem sozialen Netzwerk. [...] Nicht die Kohäsion, sondern die strukturelle Äquivalenz der Akteure, nämlich deren gleichartige Lage im Gesamtnetz, ist für den Positionsansatz entscheidend. [...]

[Seite 137]

Emirbayer und Goodwin (1994: 1425-6) charakterisieren diese drei Erklärungsweisen wie folgt:

„The first of these implicit models, that of structuralist determinism, neglects altogether the potential causal role of actors’ beliefs, values, and normative commitments — or, more generally, of the significance of cultural and political discourses in history. It neglects as well those historical configuration [sic] of action that shape and transform pregiven social structure [sic] in the first place. A second and more satisfactory — but still deeply problematic — approach is that of structuralist instrumentalism. Studies within this perspective accept the prominent role of social actors in history, but ultimately conceptualize their activity in narrowly utility-maximizing and instrumental forms. [...]“ (Hervorhebung im Original)

Bott, E.

1971 [1957]   Family and social network. 2. Aufl. London. Tavistock Publictions

Emirbayer, M. und J. Goodwin

1994   Network analysis, culture, and the problem of agency. American Journal of Sociology 99, 1411-54.
Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle, der die Rezeption von Emirbayer & Goodwin (1994) inkl. der Zitatauswahl erkennbar entnommen ist.

Die beiden Korrekturen im unteren, auf die nächste Seite übergehenden Emirbayer & Goodwin-Zitat deuten darauf hin, dass dort immerhin auch noch einmal nachgeschlagen wurde; trotzdem übernimmt die Verf.in lediglich in einem Fall den Hinweis auf die "Hervorhebung im Original" von Schweizer (1996) und macht in zwei Fällen die Kursivierungen selbst nicht kenntlich.

Der in eckige Klammern gesetzte Satz auf der linken Seite geht nicht in die Zeilenzählung mit ein, auch wenn man ihn lediglich als Ausschmückung der kürzeren Aussage in der Quelle auffassen könnte.

Fortsetzung auf der nächsten Seite in Fragment 087 01.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann


[17.] Mhg/Fragment 087 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-03-23 21:39:46 [[Benutzer:|]]
Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Schweizer 1996, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02, 23.95.97.29
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 87, Zeilen: 1-6, 9-33, 101-106
Quelle: Schweizer 1996
Seite(n): 136, 137, 138, Zeilen: 136: 39; 137: 1 ff., 13 ff.; 138: 1 ff.
 
[Studies within this perspective accept the prominent role of social actors in history, but ultimately conceptualize their activity in narrowly utility-maximizing and in-]strumental forms. And finally, the most sophisticated network perspective on social change, which we term structuralist constructionism, thematizes provocatively certain historical processes of identity conversion and "robust action." It is the most successful of all of these approaches in adequately conceptualizing human agency and the potentially transformative impact of cultural idioms and normative commitments on social action. [...]” (Emirbayer und Goodwin 1994: 1425 Hervorhebungen im Original).

Im ersten Ansatz [sic] dem “Structuralist Determinism“ [sic] wird versucht, das Handeln der Akteure ausschließlich aus der Netzstruktur heraus zu erklären. Gegen diesen Ansatz spricht nach Emirbayer und Goodwin, dass der Wandel der Netzstruktur nicht erklärt werden kann und dass die historische Abfolge in einer Reihe unverbundener statischer Konfigurationen oder relationaler „Schnappschüsse“ von Netzwerkmustern abgebildet wird30. Der zweite Einwand wendet sich gegen die Überbewertung der objektiven strukturellen Rahmenbedingungen (Dimensionen) sozialer Beziehungen gegenüber den subjektiven Motivationen (Dimensionen) der Akteure und ihren kulturellen Inhalten und Auffassungen. Emirbayer und Goodwin sind der Auffassung, dass die Netzwerkstruktur sowohl aus objektiven als auch aus subjektiven Dimensionen besteht und dass es auf das Erkennen und Verstehen der Wechselwirkung beider Momente ankommt (vgl. Emirbayer & Goodwin 1994: 1427).

Der zweite Ansatz „Structuralist Instrumentalism“ [sic] betrachtet zwar auch die Kognitionen der Akteure, allerdings nur verkürzt als instrumentelles Verhalten unter einer Rational-Choice Perspektive [sic]. Die Schwäche dieses Ansatzes sehen Emirbayer und Goodwin in dem historisch viel zu eingeschränkten Rationalitätsbegriff, der die Motivation der Handelnden auf die Nutzenmaximierung reduziert und die „normative commitments“ (Emirbayer and [sic] Goodwin 1994: 1430) vernachlässigt. Damit werden die historischen Rahmenbedingungen als stabil vorausgesetzt und in der Theorie nicht erklärt.

Die dritte Position [sic] der „Structuralist Constructionism“ [sic] betrachtet neben den sozialen und kognitiven Strukturen auch die historische Situation der Akteure.


30 "[...]the study provides little systematic explanation as to precisely why these changes occurred from one historical period to the next, settling instead for a succession of static „map configurations“ or relational „snapshots“ of network patterns. The individual and social actions that led from one structural configuration of reform activity to the next are left unanalyzed, as are the developments in social structure and cultural and political discourse that underlay and motivated them” (Emirbayer und Goodwin 1994: 1426-1427 Hervorhebungen im Original).


Emirbayer, Mustafa/Godwin [sic], Jeff (1994) Network Analysis, Culture and the Problem of Agency. In: American Journal of Sociology, Nr. 99, 1411-1454.

[Seite 136]

Die dritte Position

[Seite 137]

schließlich beachtet stärker als die anderen auch die besondere historische Situation, in der sich die Akteure befinden‚ und die von ihnen im Handeln hervorgebrachten sozialen sowie kognitiven Strukturen. Emirbayer und Goodwin (1994; 1425-6) charakterisieren diese drei Erklärungsweisen wie folgt:

[...] Studies within this perspective accept the prominent role of social actors in history, but ultimately conceptualize their activity in narrowly utility-maximizing and instrumental forms. And finally, the most sophisticated network perspective on social change, which we term structuralist constructionism, thematizes provocatively certain historical processes of identity conversion and ‘robust action.’ It is the most successful of all [sic] these approaches in adequately conceptualizing human agency and the potentially transformative impact of cultural idioms and normative commitments on social action.“ (Hervorhebung im Original)

Gegen (1) den strukturellen Determinismus (der z.B. von Wellman 1988 vertreten wird) spricht nach Ansicht von Emirbayer und Goodwin einmal‚ daß er den Wandel der Netzstruktur nicht erklären kann, sondern die historischen Abläufe lediglich in eine Folge statischer Strukturanalysen, nämlicher unverbundener struktureller Schnappschüsse, zerlegt.35 Im Zusammenhang mit einer von ihnen besprochenen Fallstudie kritisieren sie (S. 1426-7):

„The study provides little systematic explanation as to precisely why these changes occured [sic] from one historical period to the next, settling instead for a succession of static ‛map configurations’ or relational

[Seite 138]

‛snapshots’ of network patterns. The individual and social actions that led from one structural configuration of ... activity to the next are left unanalyzed, as are the developments in social structure and cultural and political discourse that underlay and motivated them.“ (Hervorhebung im Original)

Der zweite Einwand gegen den strukturellen Determinismus ist die Tatsache, daß er die „objektiven“ strukturellen Rahmenbedingungen gegenüber den „subjektiven“ Motivationen der Akteure überbewertet und die Netzstruktur verdinglicht, während diese in Wirklichkeit sowohl aus sozialen als auch kognitiven Momenten besteht und es darauf ankommt, die Wechselwirkung dieser beiden Momente zu verstehen (S. 1428).

Die Schwäche (2) des strukturellen Instrumentalismus ist nach Ansicht von Emirbayer und Goodwin (1994: 1428-30) der eingeschränkte, historisch viel zu allgemeine Rationalitätsbegriff. Er berücksichtigt zwar situationslogisch die Ziele und das Wissen der Akteure im Sinne der Theorie des rationalen Handelns, vernachlässigt ihrer Auffassung nach jedoch die „normative commitments“ der Akteure (S. 1430) und setzt damit die historischen Rahmenbedingungen als stabil voraus [sic] ohne diese in der Theorie erklären zu können.


35 [...]


Emirbayer, M. und J. Goodwin

1994   Network analysis, culture, and the problem of agency. American Journal of Sociology 99, 1411-54.

Wellman, B.

1988   Structural analysis: From method and metaphor to theory and substance. In: Wellman und Berkowitz 1988.
Anmerkungen

Fortsetzung von der Vorseite, siehe Fragment 086 03.

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle, aus der die Rezeption von Emirbayer & Goodwin (1994) inkl. der Zitatauswahl übernommen wurde.

Die Ergänzung von zwei – in der Dokumentation nicht wiedergegebenen – Sätzen im ersten Zitat sowie jeweils eines bei Schweizer (1996) fehlenden Wortes in beiden Zitaten zeigt immerhin, dass auch noch einmal bei Emirbayer & Goodwin nachgeschlagen wurde; trotzdem übernimmt die Verf.in lediglich die Hinweise auf die "Hervorhebung[en] im Original", macht die Kursivierungen selbst aber nicht kenntlich.

Diverse Textumstellungen der Verf.in erschweren die visuelle Nachvollziehbarkeit der Parallelen, dennoch wurde darauf verzichtet, die Textstruktur des Quellentextes aufzulösen und die von den drei Seiten übernommenen Inhalte passagenweise adäquat der Struktur des untersuchten Textes zuzuordnen.

Die eigentliche Quelle Schweizer (1996) wird erst wieder auf Seite 88 unten für ein kurzes wörtliches Zitat genannt.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann


[18.] Mhg/Fragment 088 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-03-23 21:52:40 [[Benutzer:|]]
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Schweizer 1996

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 88, Zeilen: 1-28(29-35)
Quelle: Schweizer 1996
Seite(n): 139, 140, Zeilen: 139: 10ff., 23 ff.; 140: 1 ff.
Allerdings gibt es auch hier wieder zwischen den historischen Bedingungen und den Kognitionen ein kausales Ungleichgewicht gegenüber der Netzstruktur.

Emirbayer und Goodwin fassen ihre Einwände gegen die drei Erklärungsansätze der Netzwerktheorie wie folgt zusammen:

„While each of these three models does represent a more nuanced understanding of the complex interrelationships among networks, culture, and agency than the one preceding, none completely succeeds by itself in addressing all of the difficult issues at hand. The model of structuralist determinism, for one, features a succession of network "snapshots" of social structure, while neglecting altogether the potential causal significance of symbolic and discursive formations and offering few insights into the concrete historical mechanisms leading from one such network configuration to another. Structuralist instrumentalism, by contrast, clearly acknowledges the explanatory significance of social action, but, on the other hand, conceptualizes the determinants of such action in excessively narrow terms, often relying on unwarranted assumptions about the overriding importance to historical actors of money, Status, and power. And finally, structuralist constructionism affirms the possibility that actors' goals and aspirations might well be complex, multivalent, and historically determined; it inquires, for example, into such intricate processes as identity conversion, structural channeling of learning, and flexible opportunism. And yet not even this model, at east [sic] as it has been elaborated by network analysts to date, fully recognizes the (potentially) autonomous causal significance of cultural or political discourses in shaping the complex event sequences that it examines’" (Emirbayer und Goodwin 1994: 1436 Hervorhebungen im Original).

Im letzten Teil ihres Aufsatzes entwickeln Emirbayer und Goodwin ihre eigene Grundidee, nämlich, dass den vorhandenen kulturellen Bedeutungen dasselbe kausale Gleichgewicht einzuräumen ist wie der Netzstruktur. Damit soll verdeutlicht werden, dass die Einbettung der Denk- und Gefühlswelt historischer Akteure ebenso wie die Netzstruktur Handlungen einschränken können.

[„We propose that these cultural formations are significant because they both constrain and enable historical actors, in much the same way as do network structures themselves” (Emirbayer und Goodwin 1994: 1440).

Das bedeutet, dass für eine hinreichende Erklärung sozialen Handelns, [sic] sowohl die Struktur der Netzwerke als auch die Struktur der “kulturellen Bedeutungssysteme in bestimmten historischen Situationen“ (Schweizer 1996: 140) analysiert werden muss.]

Doch auch hier erhalten die historischen Rahmenbedingungen und die Kognitionen noch nicht das gleiche kausale Gewicht wie die Netzstruktur. [...] Ihre Einwände an den drei Erklärungsansätzen der Netzwerktheorie fassen Emirbayer und Goodwin (1994: 1436) folgendermaßen zusammen:
„While each of these three models does represent a more nuanced understanding of the complex interrelationships among networks, culture, and agency than the one preceding, none completely succeeds by itself in addressing all of the difficult issues at hand. The model of structuralist determinism‚ for one, features a succession of network ‘snapshots’ of social structure, while neglecting altogether the potential causal significance of symbolic and discursive formations and offering few insights into the concrete historical mechanisms leading from one such network configuration to another. Structuralist instrumentalism, by contrast, clearly acknowledges the explanatory significance of social action, but, on the other hand, conceptualizes the determinants of such action in excessively narrow terms, often relying on unwarranted assumptions about the overriding importance to historical actors of money, status, and power. And finally, structuralist constructionism affirms the possibility that actors' goals and aspirations might well be complex, multivalent, and

[Seite 140]

historically determined; it inquires, for example, into such intricate processes as identity conversion, structural channeling of learning, and flexible opportunism. And yet not even this model, at least as it has been elaborated by network analysts to date, fully recognizes the (potentially) autonomous causal significance of cultural or political discourses in shaping the complex event sequences that it examines.“ (Hervorhebungen im Original)

Die dann folgende Hauptidee von Emirbayer und Goodwin besteht darin, daß sie den in einer Gemeinschaft — einem sozialen Netzwerk — vorhandenen kulturellen Bedeutungen ein gleiches kausales Gewicht wie der Netzstruktur einräumen. Eine bestimmte Denk— und Gefühlswelt, in der die historische Akteure eingebettet sind, schränkt ihre Handlungen ein, ermöglicht aber ebenso wie eine bestimmte Netzstruktur bestimmte Handlungen (S. 1440). Folglich kommt es in einer adäquaten Erklärung sozialen Handelns darauf an, sowohl die Struktur der sozialen Netzwerke als auch die Struktur der kulturellen Bedeutungssysteme in bestimmten historischen Situationen zu analysieren.

Anmerkungen

Die Quelle ist am Ende - für ein kurzes wörtliches Zitat - genannt. Der Umfang der Übernahme wird daraus nicht ersichtlich.

Trotz des Vermerks "Hervorhebungen im Original" am Ende des mitübernommenen langen Zitats finden sich im Text der Verf.in keinerlei Hervorhebungen.

Das (anscheinend eigenständig gefundene) zweite Zitat sowie der letzte Satz bleiben bei der Zeilenzählung unberücksichtigt.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann



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