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Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 42, Zeilen: 9-16
Quelle: Seiler 1986
Seite(n): 302, Zeilen: 21-34
Simplicissimus ist nur scheinbar der Sohn eines Spessartbauern, in Wahrheit aber adliger Abkunft. Da er das lange nicht weiss [(und sein Tiefstaplertum daher unbewusst erfolgt)], kommt er in die Lage, sein Glück nach Schelmenart zu versuchen. [Auch er kehrt am Schluss von seiner Lebensweise ab.] Unter den frühen Schelmen ist er der einzige, welcher der Welt wirklich überzeugend Ade sagt. Denn die Bekehrungsmoral des spanischen Schelmenromans lässt doch immer fühlen, dass der Verzicht erzwungen und aufgesetzt ist. Etwas von dieser Frechheit, dieser Selbstgewißheit hat dann allenfalls Grimmelshausens ’Simplicissimus’ im nun schon fortgeschrittenen 17. Jahrhundert. Aber der ist ja auch nur scheinbar der Sohn eines Spessartbauern und in Wahrheit adeliger Abkunft, weiß es nur lange nicht und kommt insofern nur aus einem schicksalhaften Versehen in die Lage, sein Glück nach Art der Schelme suchen zu müssen. Und vielleicht ist es kein Zufall, daß er unter den frühen Schelmen der einzige ist, der der Welt wirklich überzeugend Ade sagt und nicht mehr noch irgendwie an den Fuchs aus der Fabel erinnert, der von den Trauben, die ihm zu hoch hängen, sagen muß, sie seien zu sauer. Denn das bleibt hinter der obligaten Bekehrungs- und Verzichtsmoral des spanischen Schelmenromans doch fühlbar: daß es ein erzwungener Verzicht ist, ein Verzicht ohne Alternative, von den Autoren möglicherweise nur inszeniert, um die Darlegung der sozialen Ungerechtigkeit nicht bis ins Unversöhnliche, Verbotheischende sich zuspitzen zu lassen.
Anmerkungen

Ohne Hinweis auf die Quelle, die der Vf. an zwei Stellen ergänzt.

Sichter
(Schumann) Stratumlucidum
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