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Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Hindemith
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 50, Zeilen: 1-3, 5 ff. (bis Seitenende)
Quelle: Bielzer 2003
Seite(n): 69, 70, 71, Zeilen: 69: 27 ff.; 70: 1, 4 ff.; 71: 1
[Ein einzelner Aspekt des Subsidiaritätsprinzips, der die subsidiäre Hilfestellung der übergeordneten Ebene zum Schutz des Individuums betrifft – allerdings nur auf bestimmte Fälle] beschränkt –, findet sich in Platons Modell der Oligarchie. In diesem Falle betont er, dass „man für die Armen sorgen, ihnen mit Einkünften verbundene Ämter zur Verfügung halten und einen Übergriff der Reichen gegen sie unterbinden (soll)“. 84 Aber auch das geschieht, weil es dem Staatsinteresse dient.

Ein stufenförmiger Aufbau der Gesellschaft als Grundlage für eine Aufteilung von Zuständigkeiten findet sich zuerst in der Konzeption des Abtes Engelhart von Admont (1250-1331). Wesentliche Grundgedanken des Subsidiaritätsprinzips sind hier gleich an zwei Stellen zu finden. Zum einen, wenn der Abt den Staat als eine den Familien und Gemeinden übergeordnete Ebene darstellt, wobei der untergeordneten Ebene eine gewisse Eigenständigkeit gebührt; und zum anderen, wenn er eine klare Aufteilung der Zuständigkeiten von Einzelstaaten und des Kaisers fordert.85

Der um 1310 entstandenen Schrift „Die Monarchie“ [sic] des italienischen Dichters Aligheris Dante (1265-1321) ist insofern ein Grundgedanke des Subsidiaritätsprinzips immanent, als er darin betont: „Was durch Einen geschehen kann, geschieht besser durch Einen als Mehrere.“ Er begründet diese Überlegung damit, dass „… das Geschehen durch Einen näher am Ziel (ist), also ist es besser“86. Dante wendet sich zudem gegen die unmittelbare kaiserliche Entscheidung über „jede kleine Angelegenheit eines jeden Staates“, da „die Nationen, Königreiche und Städte … ihre unterschiedlichen Eigentümlichkeiten (haben), die in besonderen Gesetzen berücksichtigt werden müssen“,87 und spricht damit den dem Kaiser nachgeordneten Ebenen das Recht auf eine eigene Identität und entsprechenden Respekt durch die höhere Ebene zu – eine Forderung, die einen wesentlichen Inhalt des Subsidiaritätsprinzips darstellt.88

Eine dezidierte Aufteilung des Staates in verschiedene Ebenen nimmt dann Johannes Althusius (1557-1638) in seiner Staatstheorie vor, worin er auf die Genossenschaft, die Gemeinde und den Staat bzw. die Provinz und das Reich eingeht.89 In seiner Schrift „Polica [sic] Methodice Digesta“ unterscheidet er zwischen einem von allen Gesellschaftsmitgliedern mit dem Ziel eines friedlichen Zusammenlebens [geschlossenen Gesellschaftspakt und einem Herrschaftsvertrag, in welchem dem Herrscher lediglich bestimmte Kompetenzen zuerkannt werden.90]


84 Vgl. Hoerster 1997, S. 58f.

85 Vgl. Deuerlein 1972, S. 23.

86 Freiling, Paul-Stefan: Das Subsidiaritätsprinzip im kirchlichen Recht. Essen 1995, S. 18.

87 Rauscher, Anton: Kirche in der Welt. Beiträge zur christlichen Gesellschaftsverantwortung. Bd. 1, Würzburg 1988, S. 289.

88 Vgl. Deuerlein 1972, S. 25.

89 Höffe, Otfried: Subsidiarität als Staatsphilosophisches Prinzip? S. 33f. In: Riklin, Alois (Hrsg.): Subsidiarität; Ein interdisziplinäres Symposium. Baden-Baden 1994.

[90 Hüglin, Thomas O. u. a.: Althusius – Vordenker des Subsidiaritätsprinzips. S. 105f. In: Riklin, Alois (Hrsg.): 1994.]

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Ein einzelner Aspekt des Subsidiaritätsprinzips, der der subsidiären Hilfeleistung der übergeordneten Ebene bzw. dem Schutz des Individuums tritt - allerdings nur auf bestimmte Fälle beschränkt - in Aristoteles' Modell der Oligarchie zu Tage. Hier betont er, dass „man für die Armen sorgen, ihnen die mit Einkünften verbundenen Ämter zur Verfügung halten und einen Übergriff der Reichen gegen sie

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schwerer ahnden (soll) als Übergriffe unter ihresgleichen.“8 Gleichwohl impliziert die Aristotelesche Staatskonzeption an keiner Stelle mehrere subsumierte Aspekte des Subsidiaritätsprinzips.

Der stufenförmige Aufbau der Gesellschaft als Grundlage für eine Aufteilung von Zuständigkeiten findet sich auch in der Konzeption des Abtes Engelbert von Admont (1250-1331). Wesentliche Grundgedanken des Subsidiaritätsprinzips sind hier gleich an zwei Stellen vorhanden: zum einen, wenn der Abt den Staat als den Familien und Gemeinden übergeordnete Ebene darstellt, wobei auch den untergeordneten Ebenen eine gewisse Eigenständigkeit gebührt, zum anderen, wenn er eine klare Aufteilung der Zuständigkeiten von Einzelstaaten und Kaiser fordert.9

In der wohl um 1310 entstandenen Schrift „De Monarchia“ des italienischen Literaten Dante Aligheris (1265-1321) ist insofern ein Grundgedanke des Subsidiaritätsprinzips immanent, als er betont: „Was durch Eines geschehen kann‚ geschieht besser durch Eines als durch Mehrere" und dies damit begründet, dass „...das Geschehen durch Eines näher am Ziel (ist), also ist es besser“10. Dante wendet sich zudem gegen die unmittelbare kaiserliche Entscheidung über „jede kleine Angelegenheit einer jeden Stadt", da „die Nationen, Königreiche und Städte ihre unterschiedlichen Eigentümlichkeiten (haben), die in besonderen Gesetzen berücksichtigt werden müssen“11 und spricht den dem Kaiser nachgeordneten Ebenen das Recht auf eine eigene Identität und entsprechenden Respekt durch die höhere Ebene zu, eine Forderung, die einen wesentlichen Inhalt des Subsidiaritätsprinzips darstellt.12

Eine dezidierte Unterteilung des Staates in verschiedene Ebenen nimmt Johannes Althusius (1557-1638) vor, der in seiner Staatstheorie neben Ehe, Familie, Genossenschaft, Gemeinde und Stadt das Land bzw. die Provinz und das Reich mit einbezieht.13 Althusius unterscheidet in seiner Schrift „Politica Methodice Digesta“ zwischen einem von allen Gesellschaftsmitgliedern mit dem Ziel eines friedlichen Zusammenlebens geschlossenen Gesellschaftspakt und einem Herrschaftsvertrag, in dem

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dem Herrscher lediglich bestimmte Kompetenzen zuerkannt werden.14


8 Zit. nach Hoerster, Norbert (Hrsg.): a. a. O. S. 58/59.

9 Vgl. Deuerlein, Ernst: Föderalismus. Die historischen und philosophischen Grundlagen des föderativen Prinzips. München 1972, S. 23.

10 Zitiert nach Freiling, Paul-Stefan: Das Subsidiaritätsprinzip im kirchlichen Recht. Essen 1995, S. 18.

11 Zitiert nach Rauscher, Anton: a. a. O., S. 289.

12 So auch Deuerlein, Ernst: a. a. O., S. 25.

13 Vgl. Höffe, Otfried: Subsidiarität als staatsphilosophisches Prinzip? In: Riklin, Alois/Gerard Batliner (Hrsg.): Subsidiarität. Ein interdisziplinäres Symposium. Baden-Baden 1994, S. 19-46, hier S. 33.

14 Vgl. Hüglin, Thomas O.: Althusius - Vordenker des Subsidiaritätsprinzips. In: Riklin, Alois/Gerard Batliner (Hrsg.): Subsidiarität. Ein interdisziplinäres Symposium. Baden-Baden 1994, S. 97-117, hier S. 105/106.

Anmerkungen

Ein Verweis auf die Quelle fehlt.

Sichter
(Hindemith) Schumann
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