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Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Hindemith
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 53, Zeilen: 1-19
Quelle: Bielzer 2003
Seite(n): 74, Zeilen: 1 ff.
[Ein Übermaß an] Selbstverwaltung, das die Einheit des Staates bedrohen könnte, lehnte er ab. Weil die Selbstverwaltung Steins prinzipiell der übergeordneten Ebene Priorität einräumte, kann auch sie nicht als richtungsweisend für das Subsidiaritätsprinzip angesehen werden, wenngleich sie für die Etablierung der Selbstverwaltung durchaus eine wichtige Rolle spielte. Sowohl von Hegel als auch von Stein beeinflusst ist die Selbstverwaltungslehre Rudolf von Gneists. Eine vorbildliche Staatsorganisation war für Gneist in England verwirklicht, wo vor allem spezielle Strukturen, wie zum Beispiel der Friedensrichter in englischen Grafschaftsverwaltungen, sein Interesse fanden. Gneist plädierte damit für ein System der ehrenamtlichen Selbstverwaltung. Durch den Vorrang der besitzenden Gesellschaftsschicht ist Gneists Selbstverwaltungskonzeption allerdings mit dem Subsidiaritätsprinzip unvereinbar.

Einen weiteren Impuls für die Idee der Selbstverwaltung stellt die Genossenschaftslehre Otto von Gierkes dar. Einen essentiellen Gehalt des Subsidiaritätsprinzips enthält sein Selbstverwaltungskonzept durch die Förderung staatlicher Unterstützung der Bürger, die derart ausgerichtet sein soll, dass der Staat „den Individuen und den Korporationen ihre eigenen Lebensbereiche nicht verkümmere und insoweit nur subsidiär in Tätigkeit trete“.97 Allerdings sind auch bei ihm wie schon bei Stein der Selbstverwaltung durch die prioritäre Rolle und unbedingte Fortexistenz der staatlichen Einheit feste Grenzen gesetzt gewesen.


97 Vgl. Hendler 1984, S. 68.

Sobald allerdings ein ,Zuviel' an Selbstverwaltung die Einheit des Staates bedrohen könnte, lehnt er sie ab. Die Einheit des Staates hat Vorrang. Nur wenn lokale Gegebenheiten in besonderem Maße betroffen sind, sollen allein die Gemeinden handeln, wobei der Regierung ein Aufsichtsrecht zusteht.28 Da die Selbstverwaltung Steins prinzipiell der übergeordneten Ebene Priorität einräumt, kann auch sie nicht als richtungsweisend für das Subsidiaritätsprinzip angesehen werden, wenngleich sie für die Etablierung der Selbstverwaltung durchaus eine wichtige Rolle spielte und aufgrund ihrer Relevanz für den Selbstverwaltungsgedanken als eine praktische Umsetzungsform des Subsidiaritätsprinzips indirekt dennoch bedeutsam ist.

Sowohl von Hegel als auch von Stein beeinflusst ist die Selbstverwaltungslehre Rudolf von Gneists. Eine vorbildliche Staatsorganisation ist für Gneist in England verwirklicht, wo er vor allem spezielle Strukturen wie zum Beispiel den aristokratisch-ehremamtlichen Friedensrichter der englischen Grafschaftsverwaltung29 befürwortet. Gneist sieht ein System der obrigkeitlichen Selbstverwaltung vor, wobei der ehrenamtliche Dienst des einzelnen Bürgers nur für Bürger mit einem gewissen Besitz möglich ist. Mit dem Vorrang der besitzenden Gesellschaftsschicht und dem aus persönlichem Besitz resultierenden politischen Herrschaftsanspruch30 ist Gneists Selbstverwaltungskonzeption mit dem Subsidiaritätsprinzip unvereinbar.

Einen weiteren Impuls für die Idee der Selbstverwaltung stellt die Genossenschaftslehre Otto von Gierkes dar. Einen essentiellen Inhalt des Subsidiaritätsprinzips enthält Gierkes Selbstverwaltungskonzept mit der Forderung staatlicher Unterstützung der Bürger, die allerdings derart ausgestaltet sein soll, dass der Staat „den Individuen und den Korporationen ihre eigenen Lebensgebiete nicht verkümmere und insoweit nur subsidiär in Thätigkeit (sic!) trete“31. Allerdings sind die Grenzen der Selbstverwaltung wie auch schon bei Stein durch die prioritäre und unbedingte Fortexistenz der staatlichen Einheit gegeben.


28 Vgl. Hendler, Reinhard: a. a. O., S. 53 - 55.

29 S. dazu später Teil II. 2. 2. 2 der vorl. Arbeit

30 vgl. Hendler, Reinhard: a. a. O., S. 63/64.

31 Zitiert nach Hendler, Reinhard: a. a. O., S. 68.

Anmerkungen

Ein Verweis auf die Quelle fehlt.

Sichter
(Hindemith), SleepyHollow02
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