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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 97, Zeilen: 19-31
Quelle: Schöber 1999
Seite(n): 53, Zeilen: 1 ff.
Die Vorgeschichte der ländlichen Selbstverwaltung in Deutschland geht auf die Rechte der Gemeinden im 12. Jahrhundert zurück und lässt sich als lange Tradition nachweisen. Sie hat sich über die Jahrhunderte hinweg von genossenschaftlich verfassten Dorfgemeinschaften bis in die weitgehend autonomen Städte entwickelt und dient heute als Vorbild für die moderne kommunale Selbstverwaltung. Letztere war im 19. Jahrhundert der Ausdruck eines durch Besitz und Bildung selbstbewusster gewordenen Bürgertums. Der Wunsch nach Emanzipation, Selbstentfaltung und Freiheit wurde in der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts vom gebildeten Beamtentum gefördert. Das Beamtentum war von den Lehren der Aufklärung und des sich entfaltenden Rechtsstaates beeinflusst und wollte über ein gesellschaftlich aktives Leben an der Leitung von öffentlichen Geschäften des Staates beteiligt sein. Diese Bemühungen sind mit dem Namen des Freiherrn von Stein und den preußischen Reformen eng verbunden. Läßt man mit v. Unruh die kommunale Selbstverwaltung mit der politischen Entwicklung Deutschlands vom Anfang des 19. Jahrhunderts an beginnen, so muß man aber auf ihre lange Vorgeschichte bis hin zu den genossenschaftlich verfaßten Dorfgemeinschaften, vollends auf die weitgehend autonomen Städte im schwachen Feudalstaat des Mittelalters verweisen, in denen z. B. Georg v. Below das Vorbild für die Schaffung des modernen Staates sieht.8 Besonders nahe liegt es, die Vorgeschichte der kommunalen Selbstverwaltung mit den zahlreichen Verleihungen des Stadtrechts an bestehende Gemeinden im 12. Jahrhundert anfangen zu lassen.

[...]

Die kommunale Selbstverwaltung, wie sie sich innerhalb des starken, zum Liberalismus neigenden Staates vom Beginn des 19. Jahrhunderts an entwickelte, ist nach v. Unruh Ausdruck eines durch Besitz und Bildung selbstbewußter gewordenen Bürgertums gegenüber dem alle Lebensverhältnisse erfassenden Wohlfahrtsstaat gewesen. Ihr zugrunde habe der Wunsch nach Emanzipation von obrigkeitlicher Herrschaft gelegen. Aber diese Emanzipation sei auch gerade von der „Obrigkeit“ gefördert worden, nämlich von einem Beamtentum, das von den Lehren der Aufklärung und des sich entfaltenden Rechtsstaates beeinflußt war, und welches das im gesellschaftlichen Leben wichtig gewordene Bürgertum durch Beteiligung an der Leitung von öffentlichen Geschäften für den Staat gewinnen wollte. Diese Bemühungen waren bekanntlich vor allem mit dem Namen des Freiherrn vom Stein und den preußischen Reformen verbunden.


8 Georg v. Below, Territorium und Stadt, Neudr. d. 2. Aufl. 1923, Osnabrück 1965, S. 187. „Unsere gesamte heutige Rechts- und Staatsauffassung ist aus den Anschauungen des Mittelalters erst durch das Medium der Städte erwachsen.“ Otto v. Gierke, zitiert bei Hugo Preuß, Die Entwicklung des deutschen Städtewesens, Neudr. d. Ausgabe Leipzig 1906, Aalen 1965, S. 87.

Anmerkungen

Die Quelle ist auf der Folgeseite dreimal genannt. Umfang und Wortlautnähe der Übernahme gehen daraus nicht hervor.

Sichter
(SleepyHollow02), WiseWoman
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